Lichtfontänen jagen in die Höhe.
Der große Kameraschwenk durch das weite Rund zeigt, dass das PCWA Theatre wieder einmal bis auf den letzen Platz ausverkauft ist. Dort, wo unter der Woche Hundeschauen und Bingonachmittage veranstaltet werden, ist nun wieder alles auf Wrestling Action getrimmt. Natürlich sind die Fans vollkommen aus dem Häuschen. Fahnen werden geschwenkt Plakate in die Höhe gehalten und laute Chants gebrüllt. Es ist Zeit für die PCWA. Es ist Zeit für Vendetta.

Jane Nelson steht bereits im Ring, das Mikrofon gezückt.

Jane Nelson: "Meine Damen und Herren, liebe Fans der PCWA... das... hier... iiiiiiist... Vendetta!"

P - C - W - A !! P - C - W - A !! P - C - W - A !!

Jane Nelson: "Heißen sie mit mir willkommen... die Gastgeber des heutigen Abends! Hier sind MIKE GARLAND und VINCENT CRAVEN!"

Spotlights auf das Kommentatorenpult.
Dort sitzen sie wieder einmal, unsere Helden am Mikrofon. Aber irgend etwas ist diesmal anders.

Vincent Craven: "Ein herzliches 'Hallo' auch von mir in die weite Runde."

Mike Garland: "Mööp."

Gut, eigentlich ist alles beim Alten.
Wenn man einmal davon absieht, dass Mike eine Halskrause trägt und Vincent einen Arm in Gips hat. Und natürlich die beiden Sicherheitsleute von Gabriel Security, die direkt hinter den beiden stehen.

Mike Garland: "Noch einmal wird uns so etwas wie in der letzen Show nicht passieren - und deshalb hat uns Jona Vark neben dem äußerst angenehmen Erholungsurlaub auf den Malediven auch zwei eigene Sicherheitsleute spendiert."

Vincent Craven: "Ich möchte trotzdem nicht noch einmal in ein spontanes Match mit unserem Undisputed Gerasy Champion verwickelt werden."

Wir erinnern uns an die schrecklichen Szenen beim CORE. Mike verzieht das Gesicht, aber nur kurz.

Mike Garland: "Unsere Vorzüge sind eben andere."

Vincent Craven: "Eben. Wir sind zum Kommentieren hier, nicht zum Kämpfen."

Mike Garland: "Auch wenn ich mich wacker geschlagen habe. Beim nächsten Mal sieht es vielleicht schon anders aus, denn nun bin ich auf Azrael eingestellt."

Vincent Craven: "Das lassen wir besser sein."

Mike Garland: "Stattdessen bekommen wir heute vier hochkarätige Matches zu sehen... ohne uns. Werfen wir doch einmal einen Blick auf die Card."

 



Ausgabe 97

Live aus dem PCWA Theater / Berlin, Deutschland (Phoenix Center)


Card

Showbeginn: 20 Uhr

Opener
-Das zweite Gesicht-
Hardcore Match – Zweites aus Fünf


vs.

(Sieg durch Pin oder Aufgabe - Referee: Sven Nitzschke)

2nd Match
-"Das hier…das war Jona Vark. Die Lüge ist unschuldig!"-
Handicap Match - Looser leaves town


vs.
&
(Sieg durch Pin oder Aufgabe, Disqualifikation oder Count Out - Referee: Nelson Frider)

3rd Match
-Flauschige Bakterien-
Mixed Tag-Team Match

&
vs.
&
(Sieg durch Pin oder Aufgabe, Disqualifikation oder Count Out - Referee: Johannes Ullrich)

Main Event
-Besser später als nie-
No holds barred Match


vs.

(Sieg durch Pin oder Aufgabe - Referee: Charlie Swanson)

Außerdem angekündigt:
Quest for the Best 2013 Winner Alistair Brunswick, Undisputed Gerasy Champion Azrael Rage, Chris McFly, Cinderella Brunswick, Diego Alejandro Sanchéz, Eleven, Grizz Lee, Kriss Dalmi, Mad Dog, Matt Mason, Noah O'Wellhubly, Pierre Saint-Judas, Robert Barker, Träger der PCWA Cryption Crown Robert Breads und Stevie Van Crane.

 

Vincent Craven: "Das sind ja einige höchst spannende Matches, die wir heute zu sehen bekommen. Gleich unser Opener bietet viel Raum für Spekulationen."

Mike Garland: "Tut er das?"

Vincent Craven: "Bob Mile trifft erneut auf Aleks G., der ja den ersten Kampf der beiden beim CORE für sich entscheiden konnte. In dieser Best-of-Five-Serie von Kämpfen geht es um nichts anderes als die Karriere von Aleks, der sich im Spätherbst seiner Karriere noch einmal hohe Ziele gesetzt hat."

Mike Garland: "Ein 2:0 wäre sicherlich so etwas wie eine Vorentscheidung."

Vincent Craven: "Die Matchserie nimmt langsam Fahrt auf und ich bin mir sicher, dass sich die beiden heute absolut nichts schenken werden."

Mike Garland: "Ein Geschenk der ganz besonderen Art hat unserer Chefin auch der Mann gemacht, der im zweiten Match steht. Jeffrey Ron Arrow. Nämlich den Barbarian am Haken."

Vincent Craven: "Niemand konnte ahnen, dass das Matchdebüt der Lüge in der PCWA dermaßen aus dem Ruder läuft. Aber vielleicht bekommen wir ja heute einen richtigen Kampf zu sehen."

Mike Garland: "JRA trifft auf niemand anderen als zwei Drittel des Celtic Clans, nämlich Declan O'Kelly und Graham MacKenzie."

Vincent Craven: "Auf den ersten Blick fragt man sich: Wie soll Arrow gegen diese beiden Männer bestehen. Dieses Handicap-Match wird für ihn sicherlich alles andere als leicht."

Mike Garland: "Besonders interessant ist die Special Stipulation: Looser leaves town. Wer auch immer diesen Kampf verliert, dessen Vertrag mit der PCWA ist Geschichte."

Vincent Craven: "Hänge unserer Chefin einen blutenden Barbaren an die Türklinke und du landest in so einem Match. Lektion Nummer eins für Arrow."

Mike Garland: "Tag Team Action bekommen wir in unserem dritten Match zu sehen. Die Kellerkinder Blake Milton und Bleed treten in einem Intergender Tag Team Match gegen NEON LOVE und Eri Osada an."

Vincent Craven: "Wir begrüßen zu diesem Anlass auch die zahlreichen Fans aus dem fernen Osten, die heute ganz besonders zahlreichen einschalten. Immerhin sind NEON und Eri im Land der aufgehenden Sonne so etwas wie Medienstars."

Mike Garland: "Aber ob soviel Flauschigkeit gegen die Kellerkinder ausreichen wird? Ich wage das fast zu bezweifeln."

Vincent Craven: "Wir haben Blake Milton nun schon einige Wochen nicht im Ring gesehen und Bleed dürfte durch die geplatzte Hochzeit mit Stevie Van Crane vielleicht etwas... abgelenkt sein."

Mike Garland: "Ganz und gar unflauschig wird es in unserem Main Event. No holds barred heißt das Motto."

Vincent Craven: "Der Quest 4 The Best Halbfinalist Ian Christopher Edwards trifft auf die Hardcore-Legende Kevin Sharpe."

Mike Garland: "Als 'Blackheart' hat der schon so manche Schlacht geschlagen, aber Edwards zählt zu den jungen aufstrebenden Stars. Er wird ihm ein heißes Duell liefern."

Vincent Craven: "Das alles und noch viel viel mehr werden wir heute bei der siebenundneunzigsten Ausgabe von Vendetta erleben."

Mike Garland: "Sturmtief Xaver war ein Witz gegen den Wrestling-Orkan, der durch diese Arena ziehen wird."

Vincent Craven: "Das hast du aber treffen formuliert, Mike. Here we go!"


------------------ PCWA ------------------

Das ehemalige Heizkraftwerk streckt sich klobig und ehrfurchteinflößend ins wolkenbehangene Schwarz des Morgenhimmels. Von außen wirkt dieser Klotz trostlos und mitnichten wie die proklamierte Insel der absoluten Freiheit im Herzen der Berliner Innenstadt. Dennoch versammeln sich selbst zu dieser fortgeschrittenen Stunde noch Hunderte vor den Toren dieses einstigen Kraftwerks. Links und rechts von einer Reihe Baugitter eingepfercht, bilden sie einen gigantischen Tross von menschlichen Leibern, die sich optisch so sehr unterscheiden, wie das reflektierende Farbenspiel auf den glänzenden Schuppen einer Schlange. Mann mit Frau, Frau mit Mann, Mann mit Mann, Frau mit Frau, egal welche sexuelle Orientierung, egal welche Herkunft, sie alle vereint der Wille dem Fließband des Alltäglichen für einige Stunden zu entfliehen. Sie alle wollen diese fremde Welt betreten und endlich sie selbst sein dürfen. Nur für den Moment.

Hier, im Berghain.

Dumpfe Bässe wummern entfernt aus dem Gebäude und dringen an die unzähligen, sehnsüchtigen Ohren. Total innovativer und spannender Techhouse, der ganz bestimmt keine auf der Stelle tretende Fahrstuhlmusik und mehr so soulful Future-Shit ist. xDDDDD Die monotonen Klänge befeuern den Drang weiter, die heiligen Hallen zu betreten, ihre eigentliche Nervosität lassen sich die Feierwütigen aber nicht ansehen, denn der Moment der Wahrheit naht mit jedem Meter, dem sie sich dem Tor ins Paradies nähern. Breitschultrig, langhaarig, vollbärtig, gepierct, tätowiert und gekleidet in einen langen, schwarzen Ledermantel steht der Torwächter mit verschränkten Armen vor denen, die sich seinem Tribunal stellen. Hier gibt es keine fairen Verhandlungen, hier gibt es auch keine Diskussionen. Nicht mal die Dauer eines Herzschlages braucht es, um festzustellen, wer von diesen Individuen würdig ist, ins Berghain einzukehren. Ein Blick in die Augen und die sich darin widerspiegelnde Emotionen, dann ein knappes Nicken oder Kopfschütteln. Das ist der Prozess. Sie beugen sich allesamt dieser nervlichen Zerreißprobe, bei der es keine Tricks und keine Abkürzungen gibt. Sie haben keine Wahl...

"AUS DEM WEG, NIEDERES GESINDEL!!!!"

Kollektives Umdrehen zur Herkunft dieses Ausrufs. Irgendwo hinten aus der Schlange, die sich daraufhin teilt wie das Schilfmeer vor Moses. Eigentlich sollten sie niederknien, so wie es die Menschheitsgeschichte vorsah, doch es fürs Erste reicht es, wenn das armselige Pack ihnen den bequemen Durchgang ermöglicht. Eine Aura kaiserlicher Ehrwürde umgibt sie, als sie durch die Gasse flanieren und auf die Tür des Berghains zusteuern. Louis Vuitton-Komplettausstattung am Körper tragend, akzentuiert durch einen Hauch Patek Philippe am Handgelenk, Bulgari am Hals und Gucci über dem Oberkörper. Übermenschen unter den Normalsterblichen, Herrscher über den staubfressenden Pöbel. Der eine von ihnen, kaustisch lächelnd die Nase in den Vormittagshimmel gereckt, der andere ein wahrer Riese von einem Mann, grobschlächtig und von erhabener Edelmut zugleich. Beide eine von der Pomade im kalten Scheinwerferlicht glänzende Seitenscheitelfisur tragend, treten sie vor, bauen sich mit verächtlich hochgezogener Augenbraue vor dem Anführer des Sicherheitsrudels auf und mustern seine exotische Erscheinung.

Sven Marquardt: "Nee."

Nur ein Wort formt das Urteil zur Tatsache. Der kleinere der beiden Neuankömmlinge lässt seinen Blick über die Piercings und Tattoos im Gesicht seines Gegenübers schweifen und zieht zischend die Luft ein. Die hinter ihnen Wartenden wagen es nicht, die Stimme zu erheben. Jeder Kommentar, jede Einmischung könnte ihre Chancen, reingelassen zu werden, drastisch senken, also harren sie der Dinge und beobachten die beiden vermeintlichen Yuppies.

"Du willst uns also nicht reinlassen?!"

Sven Marquardt: "Nichts zu machen. Überhaupt seht ihr nicht so aus, als könne euch das Berghain was Spannendes bieten."

"Wenn dieses schäbige Getier vor der Tür das Klientel in eurem Laden reflektiert, dann könntest du damit tatsächlich rechthaben. So oder so entscheiden wir das aber lieber selber!"

Mit einer raschen Handgeste bedeutet der eine seinem hünenhaften Begleiter an, dass sie sich nicht länger von diesem... sonderbaren, zutätowierten "Ding" belehren lassen und tun einen Schritt nach vorn, als sich die versammelte Sicherheitskohorte wie ein undurchdringlicher Wall geschlossen vor dem Eingangsbereich aufbaut und den Weg versperrt. Die Mundwinkel des kleineren Besuchers senken sich merklich ab und mit ihnen auch seine Laune.

"Hast du auch nur die leiseste Ahnung, wem du hier gegenüberstehst, du stinkender Käse-Wurm?"

Jede der letzten, hart artikulierten Silben wurde von einem Fingertypen auf die Brust des Türstehers begleiters, der sich aber unbeeindruckt zeigt. In seiner Laufbahn als Türsteher kamen da schon ganz andere Gestalten, und das auch in wesentlich größeren Gruppen.

"Ich bin Richard von Hansa, Nachkomme des glorreichen Hansa-Geschlechts. Das da neben mir..."

Der Zeigefinger deutet auf den Riesen, um danach wieder auf Brust des Securities zu fahren.

Richard von Hansa: "...ist Heinrich von Sternburg, Nachfahre der honorigen Sternburg-Familie. Wir sind Angehörige eines sehr verehrlichen Corps Nobilis im Kösener Senioren-Convents-Verband zu München. Im weißen Kreis wohlgemerkt, und weißt du, was das wiederum bedeutet?"

Sven Marquardt: "Nein, ist mir aber auch egal. Ihr könnt hier nicht den ganzen Betrieb aufhal..."

Richard von Hansa: "Das heißt, dass wir Mitglieder in einem von vier adligen Corps in Deutschland sind! Das bedeutet wiederum auch, dass wir zwei Mitglieder des wichtigsten und ehrbarsten Standes in dieser verkommenen und kopflosen Gesellschaft sind! Und falls das für dich widerwärtige Zecke zu kompliziert war, will ich dir das Ganze noch mal in einer simpleren, für das Prekariat verständlichen Sprache ausdrücken: Wir sind ADLIG!"

Sven Marquardt: "Schön. Geht ihr dann jetzt bitte mal wei..."

Richard von Hansa: "Darüber hinaus sind wir auch in der deutschen Fernsehlandschaft keine Unbekannten. Wir sind verdammte VIPs und ich bin empört und geschockt darüber, dass du uns dort noch nicht in Aktion gesehen hast! Bis vor kurzem waren wir nämlich noch in der GFCW, bei German Fantasy Championship Wrestling, angestellt! Wrestling!!! Weißt du, was das ist? Ein richtiger Männersport! Schläge, Tritte, Griffe, Suplessen, Technik, Muskelkraft, nichts für alternative, zottelige und dickbäuchige Jammerlappen wie dich! Wir sind zweifache, ZWEIFACHE (!!!!!!!!!!!) GFCW World Tag Team Champions und wurden im letzten Jahr sogar demokratisch..."

Als er das letzte Wort verbalisiert, fühlt es sich für ihn kurzzeitig so an, als müsse er seinen Mageninhalt wieder hochwürgen und auf dem Boden vor ihm verteilen, so sehr ekelt ihn dieser Begriff.

Richard von Hansa: "...zum FW.net Tag Team des Jahres 2012 gewählt. Wir sind also nicht irgendwelche dahergelaufenen Hartz4-Penner aus Neukölln, wie dieses ganze Gesocks hinter uns, sondern richtige Stars, die hier in eurem armseligen Loch einer Multikulti-Drecksstadt gastieren, und so werden wir von dir Kellerassel gefälligst auch behandelt!"

Mit stolzgeschwellter Brust bringt er diese Sätze mit einem festen Befehlston in der Stimme hervor und wartet auf die normalerweise erfolgende, unterwürfige Reaktion, doch der beleibte Herr, der über Party oder Abend auf der Couch entscheidet, starrt ihn nur verwirrt an. Er weiß scheinbar gar nicht, was er mit den ihm präsentierten Informationen machen soll. Den, der sich als Richard von Hansa vorgestellt hat, kümmert dies aber auch nicht weiter und so fährt er ohne weitere Umschweife fort, während er abermals damit beginnt, dem Türsteher mit seinem Zeigefinger grob auf die Brust zu tippen.

Richard von Hansa: "Also: Wir gehen jetzt durch diese Tür, so wie wir durch jede Tür jedes exklusivsten 'Etablissements' auf der Welt gehen und diese lumpige Industrieruine macht da garantiert keine Ausnahme! Hast du mich verstanden, du popeliger Muffel-Dummbeutel?"

Die Dreistigkeit und den Wagemut bewundernd, zieht der Angesprochene einen seiner Mundwinkel zu einem belustigten Schmunzeln hoch, schüttelt dann aber trotzdem den Kopf. Es bleibt dabei.

Sven Marquardt: "Sorry! Not going to happen."

Kaum hat er das ausgesprochen, flirren aus dem Nichts die Faustknöchel von Hansas durch die Luft und graben sich in das bärtige und von Piercings und Tattoos verzierte Gesicht, so dass der Türsteher rücklings benommen in seine Kollegen reinstolpert. Der Adlige will direkt nachsetzen, holt zu einem weiteren Haken aus und wie auf Kommando schnellt auch der hünenhafte Heinrich von Sternburg nach vorne. Zu einer weiteren Aktion der beiden kommt es jedoch nicht, denn nun stürzen sich die versammelten, knapp ein Dutzend Sicherheitskräfte auf die beiden Störenfriede und begraben sie mit fliegenden Fäusten unter ihren Körpern. Der Tätowierte, von dem Faustschlag in sein Gesicht noch etwas groggy, rappelt sich derweil auf, schüttelt die Benommenheit kurz ab und blickt mit einer mitleidigen Miene auf das prügelnde Menschenknäuel hinüber. Kopfschüttelnd lässt er sich zu einem Stirnrunzeln hinreißen und winkt die nächsten Leute aus der Warteschlange zu sich heran, die die Prügelei mit entsetzten Blicken bedenken.

Sven Marquardt: "Wir suchen uns selbst aus, mit wem wir feiern."

 

Vincent Craven: "Corps Nobilis! Die ehemaligen GFCW Tag Team Champions sind in der Stadt."

Mike Garland: "David Hasselhoff war neulich auch mal da, ich weiß nicht wieso..."

Vincent Craven: "Nun zählen wir doch einmal eins und eins zusammen. Immerhin werden wir bei Vendetta 100 das erste Mal die Cotatores Trophy auskämpfen, das höchste Gold des Tag-Team-Wrestlings in der PCWA. Da kann es doch kein Zufall sein, dass dieses hochdekorierte Team auf einmal in Berlin ist."

Mike Garland: "Verdammt. Ich ahne schlimmes. Nicht einmal in den Berghain haben sie es hinein geschafft."

Vincent Craven: "Aber erst, nachdem sie von einer ganzen Horde Securities überwältigt worden sind. Wir werden es sehen - vielleicht bekommen wir die beiden heute Abend ja noch hier in der Halle zu sehen."

Mike Garland: "Ach. Wir dürfen uns also nicht aussuchen, mit wem wir feiern?"


------------------ PCWA ------------------

1 Tag vor Vendetta

Sackgasse.

Ein Wort, ein Bild, das jeder versteht und das seine Situation geradezu perfekt umschreibt. Mit der Finalniederlage beim Core war sein neugefundener Weg beendet. Eine riesige, massive Mauer - errichtet von Alistair Brunswick - versperrt ihm nun den Weg. Seinen Weg.
Sein Weg nach vorn ist versperrt, also bleibt nur der Weg zurück für einen erneuten Neustart. Doch diesen Weg hat sich Díego Alejandro Sanchéz selbst verbaut, als er seinen Blick auf die Zukunft gerichtet hat. Die Brücken für den Rückweg hat er selbst abgerissen als er bei Gabriel Lucifer mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hatte.
Was bleibt ihm noch? Der Deutschmexikaner ist isoliert. Ein Gefangener seiner eigenen Marschroute. Kein Rückzug, kein Zurückweichen.
Nun sitzt er hier auf einer Bank vor der Statue von Elroy Schmidtke und starrt ins Leere. Seit so langer Zeit läuft alles bei ihm falsch. Egal was er auch tut oder macht. Wenn er etwas wählen kann, setzt er stets auf den falschen Gaul. Kaum beginnt er einen Weg, gerät er in Umleitungen, Baustellen und letztlich endet alles immer wieder hier. In einer Sackgasse.

Die PCWA ist seine Heimat. Eine bisweilen grausame Heimat. Sie lässt ihn träumen, lässt ihn Anlauf nehmen und ermutigt ihn, nach den Sternen zu greifen, nur um ihm dann auf die Finger zu klopfen und ihn vor unüberwindbare Hindernisse zu stellen. Er war so kurz davor auszubrechen, sich aus diesem Kreislauf zu befreien und sich selbst zu finden. Mittlerweile kann er verstehen, wie es Mad Dog all die Jahre ergangen sein muss.

Die Situation nagt an ihm, macht ihn innerlich fertig. Díego fühlt sich isoliert in seiner eigenen Heimat. Abgeschottet wie der schrullige Onkel auf der Familienfeier, der allein in einer Ecke sitzt, weil niemand etwas mit ihm zu tun haben will.
Der Deutschmexikaner hebt einen Stein vom Boden auf und wirft ihn auf das Ebenbild vom Evil Citizen.

*KLONK*

Der Quälgeist war sein liebster Feind. Zumindest redet er sich das ein. Schließlich verbindet er mit dieser Epoche so viel Positives. Es lief damals einfach. Doch wie kann er nun frei nach vorn blicken, wenn immer wieder solche Erinnerungen hoch kommen und ihn nicht los lassen.
Wäre er jetzt Azrael Rage oder dieser Arrow, würde er sich jetzt eine Kippe zwischen die Lippen stecken und kluge Sprüche von sich geben. Sich die Sorgen wegrauchen. Doch weder hat er das Eine, noch kann er das Andere.

Sanchéz: "Mal wieder bin ich hier und weiß nicht weiter. Weiß nicht wohin. Früher hieß es 'Erkenne und du wirst es verstehen', doch ich erkenne schon längst nichts mehr."

Er steht auf und schüttelt sich kurz. Seine Mütze wird weit über die Ohren gezogen, während ihm der Wind entgegen peitscht.

Sanchéz: "Sie sagen 'Díego ist immer noch ein großer Name'. Pah...selten so gelacht. Díego Alejandro Sanchéz WAR vielleicht mal ein großer Name. Der neue Díego aber IST niemand. Er wollte neu starten, durchstarten, es allen beweisen, doch der Quest hat ihm gezeigt, dass seine Zeit vorbei ist!"

Er läuft auf den PCWA Dome zu...den Ort seines Scheiterns. Immer größer wird dieses legendäre Bauwerk vor ihm.  Ein Ort von großer Bedeutung für die PCWA. Auch für ihn, wenn er so darüber nachdenkt.
Der Deutschmexikaner holt etwas aus der Innentasche hervor.

Sanchéz: "Vielleicht haben sie ja alle Recht. Die neuen, upcomming Superstars. Die zukünftigen Schwingen des Phönix. Die Fans, die Kritiker. Vielleicht..."

Wehmütig ist sein Blick, der weiterhin auf dem Dome ruht.

Sanchéz: "...vielleicht ist es ja tatsächlich an der Zeit, Platz zu machen. Vielleicht ist es Zeit, dass andere die Geschichte der PCWA weiterschreiben, sie prägen und nach Unsterblichkeit streben. Wenn es nicht mehr reicht, sollte ich meinen Platz räumen, bevor ich irgendwann nur noch eine blasse Randnotiz bin. Vielleicht..."

Seine Worte verlieren sich. Doch spielt es überhaupt eine Rolle? Er is sowieso mutterseelenallein. Die Worte galten eh nur ihm und seinen eigenen Zweifeln.
Sein Blick wandert vom Dome zum Theatre. Morgen ist Vendetta. Entscheidet sich morgen seine weitere Zukunft? Wird er aus der Sackgasse heraus kommen? Einen Weg in die Freiheit finden? Vielleicht...


------------------ PCWA ------------------

„Zehn verfickte Pounds? Das war's?! Ist das dein Ernst???“

Eine die Sinne betäubende Welle durchflutet für einen kurzen Augenblick seinen Unterleib und es glaubt, dass sich all seine Innereien zusammenziehen, als der rotbefleckte Schuh es dort trifft. Sein Blut. Das Elend krümmt sich auf dem im Sonnenlicht holzkohleartig schimmernden Asphalt. Verächtliches Kichern hallt entfernt in sein Ohr und lässt weitere salzige Absonderungen aus den Tränendrüsen entweichen. Die wässrigen Augen sind bloß noch eine körperliche Reaktion. Der Schmerz hält es mit seiner eisernen Klaue gefangen. Das, was jedoch hinter der geweiteten Iris geschieht, das, was im christlichen Glauben auch „die Seele“ genannt wird, hat längst die Kontrolle aufgegeben. Sie ist diesem Ort entschwunden, weit weg von diesem Schulhof, weit weg von dieser Stadt, weit weg von dieser Welt!

„Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen, du kleine Schwuchtel? Keine Lust mehr, hä?! Schreist ja nicht mal mehr!“

Es ist ihm egal. Es möchte eigentlich nur noch sterben, denn wenn es tot wäre, dann würde alles so viel einfacher sein. Es ist sich sicher: Sein Tod hätte keinerlei Konsequenz für die Welt. Man sieht es den betroffenen und furchtsam auf den Boden gerichteten Blicken der Umstehenden an. Vielleicht könnten sie etwas gegen diese Tyrannei in ihrem schulischen Mikrokosmos unternehmen, aufstehen, Courage zeigen, Verantwortung zeigen, doch solange es ihr Ziel war, waren die anderen keine Ziele. Solange es ihr Ziel war, waren sie geschützt. Und selbst wenn sie einschreiten würden, die Tyrannen würden ja ohnehin nicht aufhören. Nicht, bis ihr Spielzeug komplett zerbrochen war... dabei war das doch schon längst der Fall.

„Sag was! SAG WAS, DU STÜCK SCHEISSE!!! NA LOS!!!!“

Ein Tritt gegen seinen Rücken und der Körper des Wesens streckt sich qualvoll nach vorn! Und noch zwei weitere Tritte! Tritte der Frustration darüber, dass es heute so wenig Durchhaltevermögen zeigt. Einer der Peiniger steigt über das am Boden liegende Geschöpf, packt das in Karmin getauchte Kinn, neigt das Gesicht nach oben und zieht es ein Stück zu sich heran, um in die Augen des Opfers zu schauen. Nur ein leerer Abgrund. Die Augen des Peinigers weiten sich. Dort ist nichts Menschliches mehr. Kein Wille, kein letztes Aufbäumen, es hat schlicht aufgegeben, zu existieren. Und darum macht es auch keinen Spaß mehr...

Er lässt das blutige Kinn aus seinen Fingern gleiten und der Kopf sinkt langsam zu Boden. Als er über der gebrochenen Kreatur steht, spuckt er sie an. Eine letzte Geste der Demütigung, dann wendet er sich von ihr ab.

"Lass ihn! Der Hurensohn ist doch am Ende! Wir gehen, Ian!“

<>

Anna Richmond: “Ian?”

Er neigt seinen Kopf nach oben und schaut hinüber zum offenen Spalt seiner Tür. Das Klacken ihrer Highheels erfüllt kurzzeitig den Lockerroom, als sie diesen betritt und die Tür hinter sich wieder schließt. Gerade noch war sie damit beschäftigt, sich auf einen eventuellen Einsatz bei der Show vorzubereiten, als sie auf dem Weg durch den Backstagebereich auch an der Kabine ihres Freundes vorbeikam und bemerkte, dass diese offen stand. Untypisch für ihn, den sie als extrem penible Person kennenlernte.

Anna Richmond: „Was machst du hier? Und wo sind deine neuen Freunde?“

Jedenfalls nicht hier. Er sitzt dort ganz allein auf der Bank, bereits für seinen Kampf umgezogen, obwohl dieser erst später am Abend vonstatten gehen soll. Sie nähert sich ihm, baut sich vor ihm auf, setzt sich jedoch nicht zu ihm. Ob er sie überhaupt bemerkt hat? Seine Augen lassen darüber keinen Schluss zu. Seine Gesichtszüge sind seltsam ausdruckslos. Es dauert ein paar Sekunden, erst dann setzt er zur Antwort an.

ICE: „Ich habe verloren.“

Diese Worte kommen in einem merkwürdig teilnahmslosen Ton über seine Lippen und bleiben kurzzeitig so im Raum stehen. Er sieht seine Geliebte nach wie vor nicht an. Diese stemmt die Fäuste in die Hüften und schaut ihn mit verständnisloser Miene und schief gelegtem Kopf an.

Anna Richmond: „Wovon sprichst du?“

Der Waliser hebt seinen Kopf noch ein Stück weiter an, schaut seiner Freundin nun zum ersten Mal in die Augen. Oder an ihr vorbei? Ein schwaches, leidliches Lächeln taucht auf seinem Antlitz auf, nur um kurz darauf wieder kraftlos zu ersterben.

ICE: „Ich habe verloren. Gegen Kevin Sharpe. Gegen alle anderen, mit denen wir uns diese Räumlichkeiten teilen. Egal, wie dieses Match heute Abend ausgehen wird, egal ob ich ihn zur Aufgabe zwingen werde, es schaffe seine Schultern für drei Sekunden gegen die Matte zu drücken oder ihn K.O. schlage. Es spielt keine Rolle, denn egal, was ich hier in der PCWA tue, egal, was ich hier jemals tat, es endet für mich in einem Desaster. Ich ernte Hass oder Desinteresse, wo ich Gutes säe, werde ignoriert und belächelt, sowohl von den Fans, als auch von den Kollegen. Ich habe das nun begriffen, Anna. Ich verstehe, dass ich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein bin. Dieser Main Event steht symbolisch für diesen Fakt, symbolisch für mein Versagen. Abgeschoben, weil uninteressant. Und so sehr es mich schmerzt das hier vor Dir zuzugeben: Das liegt ganz sicher nicht an Kevin Sharpe.“

...woraufhin er den Kopf wieder hängen lässt und auf den Boden starrt. So, wie das vor einer halben Stunde schon der Fall war. Die Kommentatorin mit den rotblonden Locken hockt sich vor ihn, berührt ihren Freund mit den Handflächen an seinen Wangen. Sie fühlen sich kalt an. Trotzdem schaut er sie nicht an. Er wagt es nicht. Er kann es nicht...

Anna Richmond: "Was ist mit dir passiert? Was ist mit dem Mann geschehen, der so hoffnungsvoll und beseelt von einer sich selbstheilenden Gesellschaft sprach? Was ist mit dem Mann geschehen, der mit gutem Beispiel vorangehen wollte und für das größere Wohl gekämpft hat? Was ist mit dem Mann geschehen, der so viele Hebel bei K&G in Bewegung setzte, damit ich meinen Job in der PCWA behalten darf? Wieso bist du so seltsam? Warum willst du mit mir nicht darüber reden? Seit mehreren Monaten erkenne ich dich nicht wieder. Es ist, als würde ich morgens aufstehen und im Bett neben einem Fremden aufwachen."

Mitleid schwingt in ihrem Ton mit. Keine Liebe. Das, was sie da gemeinsam führten, konnte man ohnehin nicht mehr als "herkömmliche" Beziehung titulieren. Das glaubte sie zumindest. Wahrscheinlich war es bloß noch die Gewohnheit, die dieses distanzierte Konstrukt einer Beziehung noch lose zusammenhielt. Sie schaut ihn erwartungsvoll an, wendet den Blick nicht ab, blinzelt nicht und wartet darauf, dass er den Blick erwidert, doch er tut es nicht. Er antwortet auch nicht und scheint stattdessen wieder in seine Gedankenwelt abzudriften.

Anna Richmond: "Wann hat das angefangen? War es wegen der Sache beim Imperial Impact? War es wegen ihm? Wegen..."

ICE: "Sprich seinen Namen nicht aus!!"

Sie stockt. Und zieht ihre Hände zurück. Er schaut sie an. Doch das einzige Gefühl, das aus seinen Augen spricht ist Verbitterung.

ICE: "Diese Erinnerungen schmerzen. Sie verfolgen mich immer noch. Er hat mir meine Grenzen aufgezeigt, Anna! Er hat mir bewiesen, dass alles, wonach ich in der PCWA strebte, wonach ich für die Welt strebte, obsolet ist. Diese Liga spiegelt doch nur das wider, was in dieser Gesellschaft sowieso schon der Fall ist. Dieser Ort ist dem Untergang geweiht! Man kann ihn nicht retten, das weißt du genau so gut wie ich. Menschen wie Eleven, Azrael Rage, Jeffrey Ron Arrow, Blake Milton oder er werden hier über kurz oder lang alles zu Grunde richten und es gibt niemanden, absolut niemanden, der es verhindern kann! Ich bin sogar noch eingestiegen, habe Emotionen und Verhaltensweisen, die ich einst in einer Kiste einsperrte und auf dem Grund des Ozeans versank, wieder zu Tage gefördert und mich ihnen ergeben. Aber egal was passiert, meine Existenz spielt sich weiterhin nur am Rande der PCWA ab. Ich werde weiterhin nur ignoriert. Hast Du die Card gesehen? Ist Dir aufgefallen, dass ich im Main Event von Vendetta 97 stehe und gleichzeitig in der Kategorie 'Ferner anwesend' gelistet werde? Gibt es eine größere Demütigung?!"

Anna erwidert darauf nichts.

ICE: "Ich verstehe das als Wink mit dem Zaunpfahl. Nicht vom Office, sondern vom Schicksal. Es ist seine Weise, mir ins Gesicht zu reiben, welchen Stellenwert ich in dieser Liga wirklich bekleide. Aber wie ich schon sagte... Es spielt keine Rolle mehr. Ich habe verloren. Ich bin machtlos. Wir sind alle machtlos. Das einzige, das mich heute noch interessiert ist das Match und Kevin Sharpe! Ich... Ich werde dafür sorgen, dass er dieses Gebäude nur noch im Rollstuhl verlassen kann."

Anna Richmond: "Und das war es dann? Das soll die Lösung sein? Du machst in deinem Match Kevin Sharpe fertig und was dann?!"

Der vorwurfsvolle Ton in ihrer Stimme lässt den Mann aus Cardiff erschaudern. Sie richtet sich wieder auf und schaut zornig auf ihn herab.

ICE: "Ich kann Dir nicht verübeln, dass Du enttäuscht bist. Das bin ich auch! Aber ich kann die Vergangenheit nicht mehr rückgängig machen. Das kann niemand."

Anna Richmond: "Das will ich doch gar nicht, Ian! Ich will, dass du endlich wieder du selbst bist! Ich möchte, dass du wieder der Mann wirst, dessen gute Absichten, damals meine Bewunderung entfacht hatten. Ich sehne mich danach, wieder mit dir glücklich zu sein. Ich wünsche mir, dass du wieder zu dem Ian wirst..."

Die Waliserin hält inne.

Anna Richmond: "...in den ich mich einst verliebte..."

Sie klingen unschöpferisch, abgegriffen, klischeebeladen. Dennoch sind diese Worte die ehrlichsten, mit denen Anna Ian in ihrer maroden Beziehung seit einer langen Zeit bedacht hat.

Er findet keine Antwort auf sie. Sie schweigen sich nur an. Den flehenden Blick seiner Freundin bemerkt er nicht, denn seine Augen sind wieder auf das Grau in Grau des Fußbodens gerichtet. Enttäuschtes Kopfschütteln. Bebende Lippen. Feuchte Augenlider. Dann dreht sie sich um und verlässt die Kabine. Ian Christopher Edwards regt sich nicht, geht ihr nicht hinterher. Ein letztes Mal noch fokussiert das Objektiv den Waliser, bis es das Bild in undurchdringliche Schwärze taucht und seine letzten gemurmelten Worte verschluckt.

ICE: "Es tut mir so leid!"

 

Vincent Craven: "Ian Christopher Edwards scheint in einer Krise zu stecken."

Mike Garland: "Die deutliche Niederlage gegen Díego Alejandro Sanchéz beim CORE scheint ihm zuzusetzen... mehr noch aber die Misshandlung durch Kriss Dalmi."

Vincent Craven: "Edwards glaubte einmal an das Gute im Menschen und er wurde bitterlich enttäuscht. Man merkt ihm an, dass er dagegen ankämpft, Gleiches mit Gleichem zu bekämpfen."

Mike Garland: "Das wäre dann aber nicht der Edwards, der er immer vorgibt zu sein."

Vincent Craven: "Kann der Zweck also die Mittel heiligen? Auch zwischen ihm und Anna scheint er nicht mehr so gut zu laufen."

Mike Garland: "Scheint es nicht mehr so gut zu laufen, töhö. Anna sieht, wenn du mich fragst, ganz schon ungefi-"

Vincent Craven: "Mike! So etwas sagt man doch nicht über eine Dame und gute Kollegin."

Mike Garland: "Aber ich habe Recht."

Vincent Craven: "Nun... vielleicht hast du das, aber viel wichtiger ist der heutige Main Event. Mit einem Sieg könnte Edwards vielleicht seinen Weg aus der Krise finden."

Mike Garland: "Da hat Sharpe sicherlich etwas dagegen."


------------------ PCWA ------------------

Schritt für Schritt nähert Sie sich dem Gebäude. Jeder Fuß, den sie vor den Anderen setzt, bringt Sie zurück.

Zurück zu dem Ort, wo Ihre Karriere begonnen hat...

Zurück zu dem Ort, wo Ihre Karriere hätte weiterlaufen und zu einem größeren Ziel führen können...

Zurück zu dem Ort, wo Ihre Karriere geendet hat...

Maria Mason ist wieder an dem Ort, wo Ihr Bruder nun für Wirbel sorgt. Zumindest versucht er für Wirbel zu sorgen, aber scheinbar tritt er immer noch auf der Stelle. 

Sie gönnt Ihm endlich Erfolg und Kämpfe. Mehr braucht Ihr Bruder nicht um glücklich zu sein. Kämpfe und Siege haben Ihn in seiner Zeit bei der Armee genauso interessiert wie seine Zeit beim MMA. Zu guter Letzt wird Ihn auch hier an diesem Ort nichts als Kämpfe und Siege interessieren. Sie würde so gern zu Ihrem Bruder gehen und Ihn in die Arme nehmen. Ihm sagen, dass es Ihr gut geht. Aber sie kann nicht. Noch nicht...

Sie ist für das Treffen mit Matt noch nicht bereit. Sein "Aufstieg" hängt schwer mit der Verletzung von Maria zusammen und man könnte die Vermutung äußern, dass Matt vielleicht selber mit der Sache zu tun hat. Doch dem ist nicht so. Das will Sie nicht glauben! Matt könnte seiner eigenen Schwester niemals so etwas antun!

Sie nickt kurz, als Sie an der ersten Stufe zum Backstage angekommen ist. Sie nickt noch einmal dem Gebäude freundlich zu, als würde Sie einem alten Freund Guten Tag sagen und erklimmt die erste Sprosse. Zaghaft und schwach sind ihre Schritte. Sie ist noch nicht fit, aber sie wurde zu diesem Gespräch hergebeten. Warum Sie wohl zurück nach Berlin beordert wurde? Hängt alls mit dem neuen Boss in der Liga zusammen... diese Jona Vark?

Sie wird jäh aus den Gedanken gerissen, als Sie eine Stufe nicht richtig trifft und zu Stürzen droht. Ein starker Arm greift Ihr unter die Arme und hält sie geistesgegenwärtig fest. Ihr Blick fällt auf schwarze Lackschuhe, die kombiniert worden sind mit einem teuren schwarzen Nadelstreifenanzug. Ein weißes Hemd und eine passende schwarz-graue Krawatte runden das Gesamtbild ab. Doch im Gesicht ist eine schwarze Maske zu sehen,  die um die Augen mit Silber umrandet ist. Maria weicht kurz schreckhaft zurück, aber der Fremde hält Sie sanft am Arm fest.

Ein kurzes Knurren erklingt hinter Maria und Ihr Blick weitet sich vor Überraschung und leichter Angst, als Sie einen großen Wolf vor sich sieht. Das majestätische Tier hat die Zähne gefletscht, während die Augen Maria beobachten. In einer fremden Sprache spricht der Maskierte den Wolf an und dieser ist sofort still. 

ICH: Haben Sie keine Angst vor Ihm, Maria. Er ist manchmal etwas launisch gegenüber fremden Menschen und kann sicherlich auch dem Einen oder anderen Wrestler hier gefährlich werden, aber Ihnen tut Daharg nichts. Er hört auf mein Wort... Das verspreche ich Ihnen."

Die Schwester von Matt Mason sieht skeptisch zuerst den Wolf und dann den maskierten Mann an. Kurze Zeit später hat sie Ihre Fassung wieder und sich von dem Arm gelöst, der Sie vor einem Sturz bewahrt hat.

Maria Mason: Ihr Wolf hört also auf Sie? Darf man fragen wer Sie sind? Sie scheinen nach mir in der Liga angefangen zu haben, oder täusche ich mich da?"

Beide gehen gemeinsam  die letzten Stufen der Treppe herauf und werden ohne zu zögern in den Backstage durchgelassen. Der Mann in der schwarzen Maske sieht Maria für einen langen Moment an, bevor er dann antwortet.

ICH: Noch habe ich in der Liga nicht angefangen, Maria. Ich verschaffe mir lediglich einen Überblick, aber sollte es soweit sein... wird es spannend für mich werden. Viele Augen sind auf mich schon jetzt gerichtet und ich habe viele Stimmen, die mir gut Zureden. Auch in diesem Moment..."

'Sie ist keine von Uns... Töte Sie... Verbrenne die Knochen...'

'Sie muss fallen vor Uns!'

'Ja, fallen soll Sie! Fallen und um Gnade winseln!'

'Sie ist keine von Uns, aber du bist  auch kein Unmensch! Lass Sie gehen...'

Stimmen in seinem Kopf, die Ihm zureden, mit Ihm sprechen und Ihn an den Rand des Wahnsinns treiben. Es sind die Stimmen seiner Ahnen und seiner Familie. Manche abgrundtief Böse, manche zornig und verbitter, manche heroisch, aber auch manche sind liebevoll und voller Zuneigung. Seine Sippe hatte viele Facetten und diese Facetten verkörpert er allein. Er nahm die Seelen auf, damit er stärker wird. Damit er in einem Kampf immer auf die Kraft seiner Ahnen zurückgreifen kann. Er spürt den fragenden Blick von Maria auf seinem Körper, ohne Ihr in die Augen zu sehen.

ICH: Mein Name ist ICH, nicht mehr und nicht weniger..."

Maria ignoriert den Satz mit den Stimmen. Ein weiterer armer Irrer, den die Hölle ausgespuckt und in der PCWA stranden lässt. Maria kommt mit Ihrren Gedanken nicht weiter, da ICH Sie mit einer Frage überrumpelt.

ICH: Weiß Ihr Bruder, dass Sie zurückgekehrt sind? Haben Sie bereits mit Ihm gesprochen?"

Sie stockt bei der Frage und erst jetzt wird Ihr bewusst, dass er sie bei Ihrem Vornamen genannt hat! Dieser maskierte Mann scheint viel über Sie zu wissen und das bereitet Ihr Angst. Er scheint Sie sehr gut zu kennen, während Maria nichts von ICH weiß. Sie schüttelt den Kopf, da die Gedanken ihr einen Schwindelanfall verpassen. Sie droht erneut zu stürzen wird aber erneut von ICH aufgefangen. Er setzt sie vorsichtig auf einen Stuhl. Maria schüttelt sich kurz und springt auf die Füße... Sie packt ICH mit einem Schrei am Hals und drückt Ihn hart gegen eine Wand!

Das Knurren des Wolfs wird durch eine klare Ansage seitens ICH unterbrochen. Sie sieht tief in die schwarzen Augenhöhlen der Maske.

Maria Mason: Was sollen diese Spielchen? Ich habe andere Sachen zu tun, als mich mit einem dahergelaufenen Stromer wie Ihnen rumzuplagen! Also wer zum Teufel sind Sie?"

'Lass den Wolf auf Sie los! Er soll Ihr Herz fressen!'

'Hab Erbarmen mit Ihr. Sie Ist doch nur ein verwirrtes Kind ohne Schutz!'

'Vernichte Sie! Sie hat es gewagt uns anzufassen! Vernichte Sie!'

ICH drückt sanft die Hände von seinem Hals weg. Er richtet kurz seinen Anzug und zieht das Sakko glatt. Er richtet seinen Blick auf Maria und zögert.  

'Bring Sie zu Fall!'

Er ignoriert die Stimmen.

ICH: ICH bin ICH..."

Er geht langsam weiter, während der Wolf Ihm sofort auf  der Stelle folgt. Maria sieht Ihm stirnrunzelnd nach und ärgert sich über den Fremden. Was zur Hölle wollte der Kerl von Ihr? Sie hat momentan weitaus andere Probleme, als zur Zielscheibe eines Irren zu werden. Sie hat ein Treffen mit der Geschäftsführung. Sie will gerade in die andere Richtung treten, als Sie die Stimme des um die Ecke abgebogenen Maskierten nochmals vernimmt.

ICH bin WIR...

...WIR sind ICH" 

 

Vincent Craven: "Schräger Typ irgendwie."

Mike Garland: "Wir haben ihn in den letzten Wochen ja schon ein paarmal in Einspielern gesehen, aber nun scheint ICH tatsächlich hier in der Halle zu sein. Mit einem Wolf."

Vincent Craven: "Mit einem Wolf."

Mike Garland: "Wir sollten dringend einmal mit der Security sprechen. Wer hier alles reindarf..."

Vincent Craven: "Auf jeden Fall scheint er Maria zu kennen, denn er hat sie gleich mit Vornamen angesprochen. Also entweder steckt das etwas Mysteriöses dahinter..."

Mike Garland: "... oder er guckt aufmerksam unsere Shows, wie wir alle hier. Um mich wirklich zu beeindrucken, bedarf es schon etwas mehr."

Vincent Craven: "Was denn noch? Ein Elefant anstelle eines Wolfes?"

Mike Garland: "Okay, Punkt für dICH."


------------------ PCWA ------------------

Wir schalten in den Backstage Bereich, wo Lisa Sanders für ein Interview bereit steht. Sie hat das Mikrofon im Anschlag und steht vor einem Plakat, welches den heutigen Main Event bewirbt.

Lisa Sanders: "Liebe Fans, ich darf nun einen Mann begrüßen, der bei CORE in seinem ersten PPV Match nach vielen, vielen Jahren erfolgreich war. Heute wird er erneut gegen den Mann antreten, den er beim CORE besiegt hat... hier ist... Aleks G.!"

Der Wolf tritt ins Bild, hat seine Haare zurückgegelt und sieht aus, als hätte er sich seit dem CORE nicht mehr rasiert. Ein Wolf gehört ja auch in den Wald. Oder so.

Aleks G.: "Danke. Ist lange her, dass ich wichtig genug war, ein Einzel-Interview zu bekommen..."

Lisa Sanders: "Du hast auch hart dafür gearbeitet. Beim CORE konntest du dich im ersten Match deiner Best of Five-Serie gegen Bob Mile durchsetzen. Heute steht das zweite Match an, ein Hardcore Match. Wie fühlst du dich?"

Der Mindless One atmet tief durch, räuspert sich und antwortet dann auf die Frage.

Aleks G.: "Ich fühle mich... gut. Sehr gut sogar. Ich konnte Bob beim PPV überrumpeln und sein Tänzchen beenden. Ich hätte nicht gedacht, dass es so leicht wird und er hat damit sicherlich auch nicht gerechnet. Es tat mir ein wenig leid für die Fans, die wahrscheinlich mehr erwartet hatten, aber vielleicht kommt das ja heute."

Lisa Sanders: "Meinst du, dass dich Mile wieder mit einem alten Kriff aus seiner Mottenkiste überraschen wollen? Was können wir von deinem Gegner erwarten?"

Verwirrt zuckt der Boss mit den Schultern.

Aleks G.: "Das musst du wahrscheinlich Bob selbst fragen, aber der wird möglicherweise die Kameras vermeiden, bevor er in den Ring tritt, so wie beim letzten Mal. Bei Bob kann man gar nichts erwarten. Ich weiß nicht, ob er als Bob antritt oder als Jokemaster oder mit seinen Schizo-Spielchen irgendetwas anderes aus seinem Ärmel schüttelt. Darauf kann man sich nicht vorbereiten, ich versuche einfach mich selbst auf den Kampf vorzubereiten, unabhängig vom Gegner. Ich kann nahezu jeden Stil mitgehen und ich habe nach meinem ersten Sieg Blut geleckt. Ich will mehr. Ich will diese Serie so schnell wie möglich abschließen."

Lisa Sanders: "Dazu musst du heute und bei Vendetta 98 gewinnen. Dann wäre die Serie schon beendet. Und was steht dann an für Aleks G.?"

Aleks atmet erneut tief durch.

Aleks G.: "Darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Ich habe vor zehn Jahren in der GCWF einige Titel halten können... aber in der PCWA fehlt mein Name in den Geschichtsbüchern. Wie klingt das denn für dich? Träger der Cryption Crown, Aleks G.? Wäre das eine Option?"

Lisa Sanders: "Wenn du die Serie so schnell beendest, wieso nicht?"

Aleks G.: "Genau das sehe ich ähnlich, Lisa. Aber... das habe ich nicht zu entscheiden, ich muss meine Leistung bringen und zeigen, dass ich es immer noch drauf habe. Wenn ich Bob Mile hinter mir habe, dann habe ich diesen alten Zug wieder auf die Strecke bekommen. Wohin die Reise geht, kann ich dir an dieser Stelle nicht sagen!"

Lisa Sanders: "Ich wünsche dir dabei allerdings alles Gute."

Aleks G.: "Danke Lisa... sage mal... wie geht es dem Barbarian eigentlich? Nach der Attacke von Arrow ist er im Krankenhaus, nicht wahr?"

Schlagartig ändert sich die Stimmung bei der Interviewerin.

Lisa Sanders: "Ja..."

Aleks G.: "Geht es ihm gut?"

Doch von Lisa kommt erst einmal keine Antwort.

Aleks G.: "Soll ich... mit Arrow reden?"

Lisa Sanders: "Nein, Aleks. Kümmere dich bitte um deine Sachen, ich kümmere mich um den Barbarian!"

Mit diesen Worten macht Lisa Sanders sofort auf dem Absatz kehrt und lässt Aleks quasi im Regen stehen. Doch der ist nicht gerade glücklich darüber, wie unglücklich Lisa drauf ist. Vielleicht muss er sich nach Bob Mile doch noch mit einem anderen Störenfried herumplagen, bevor er auf Titeljagd gehen kann...

 

Vincent Craven: "Aleks G. isgt zuversichtlich, was seine Matchserie gegen Bob Mile betrifft."

Mike Garland: "Sollte er auch sein. Denn wenn er sie verliert, dann kann er seine Karriere wohl begraben."

Vincent Craven: "Aber sollte er erfolgreich sein, dann kann er vielleicht tatsächlich in Richtung des Cryption Titles schielen. Wer hätte das vor einigen Wochen noch gedacht? Wer hätte gedacht, dass Aleks noch einmal PPV-Single-Matches bestreitet?"

Mike Garland: "Erinnere mich bitte nicht an das Match beim CORE."

Vincent Craven: "Er hat Bob Mile in Rekordzeit überraschen können. Sieg ist Sieg, am Ende erinnert sich niemand mehr daran wie er zustande gekommen ist."


------------------ PCWA ------------------

In der Ecke liegt eine Sporttasche, die Knie und Ellbogenschoner lugen noch vom Nachmittagstraining hervor. Der Raum ist kaum beleuchtet, nur der PC-Monitor und die Schreibtischlampe spenden etwas Helligkeit. An eben diesem Schreibtisch sitzt ein junger Mann, gebeugt über ein Blatt Papier. Die Wand ist gepflastert von Eintrittskarten zu Wrestling-Events, signierten Postern sowie einigen gerahmten Fotos mit großen Superstars.
 
Wie oft sitzt er abends über einem Blatt Papier und drückt seine Verehrung für sie aus? Immer und immer wieder schreibt er ihnen alles über sich, seine Gefühle und sein Leben. Er offenbart sich ihnen, macht sie zum Teil seines Lebens. Oft teilt er aber nur ihre Nähe und ihren Raum - ihre Aufmerksamkeit allerdings, wird ihm nie zu Teil.
 
Wenn er ehrlich mit sich selbst ist, hat keiner seiner Briefe bisher Erfolg gezeigt... nie hat er von ihnen einen zurück erhalten. Wenn er nachts vor ihren Häusern und Hotels steht, sieht er so manches Mal einen Star am Schreibtisch sitzen. Jedes Mal fragt er sich, ob nun der Moment gekommen sei, ob ihm eines seiner Idole heute endlich antwortet. Doch der Briefkasten bleibt stets leer. Ein neuer Versuch, vielleicht ist dies der Brief, der ihm eine Antwort bringt.
 
Was macht einen wahren Fan aus? Sag es mir, denn offenbar siehst du mich nicht als diesen. Ich würde alles tun, aber nie erhalte ich ein Zeichen von dir. Hilf mir es zu verstehen. Ich will, dass du mich als deinen treusten Fan siehst. Wir haben so viele Momente miteinander geteilt. Ich habe deine Schmerzen, deine Tränen, aber auch deine Freude und Erfolge gesehen. Sag mir, wie muss ich sein, damit du mich wertschätzt.
 
Das Blatt wird gefaltet und in einen Umschlag gesteckt, welcher in die Sporttasche wandert. Die Schreibtischplatte an der er sitzt, ist nicht mehr zu sehen - sie wird förmlich überlagert von einem Potpourri aus Zeitschriften, Zetteln und technischen Geräten, wie USB Sticks oder Kopfhörern. Das Blatt über dem der junge Mann eben noch brütete, erweitert diese nicht zu entwirrende Masse nun um ein weiteres Element. Eine Menge Sachen wurden darauf notiert und wieder durchgestrichen. Allesamt Kombinationen von Vor- und Nachnamen oder anderen namensgebenden Begriffen.
 
Gabriel Percio
Erhardt von Wolfenstein
The Pride Rebel
Robert Rage
Kevin van Ten
The Ambassador Of Needles
Berlin’s Own
The Unknown Fear
Kris O’Brian
 
Nichts davon scheint zu gefallen. Nichts davon drückt aus, was er als Aktiver sagen oder verkörpern will. Er muss sich eine passende Rolle überlegen, damit er nicht auffällt. Es bedarf der perfekten Tarnung in diesem Zirkus der Auffälligkeiten. Er muss sich anpassen, als besonderer Charakter in der Masse des Außergewöhnlichen verschwinden.  
 
Er benötigt diesen neuen Schatten, denn sein alter wird bald ausgedient haben. Bisher waren dies die Metropolen dieser Welt, hier konnte er in der Masse untergehen. Niemandem fällt es auf, wenn er Stunden um Stunden hinter den Superstars her läuft und ihre Eindrücke zu seinen Eindrücken werden. Bald könnte er hier dauerhaft zuhause sein, in dieser pulsierenden Stadt und damit ganz nah bei ihm... seinem absoluten Idol. Er war in den letzten Wochen viel unterwegs und hat die ganze Welt bereist, um seinen Idolen nah zu sein. Kein Weg war zu weit, um ihren Alltag zu teilen. Tokio, Paris, Moskau, Rom und Berlin waren die Stationen - Berlin, vor allem immer wieder Berlin. Er war stets der Erste an der Halle, wollte keine Ankunft verpassen, Fotos und Autogramme sammeln. Wo sie waren, musste er auch sein. Ihr Leben bestimmt sein Leben, nur das gibt ihm einen Sinn.
 
Und so hat er in den selben Hotels übernachtet, wie die Superstars. Er hat sie alle studiert, ihr Verhalten, ihre Gesten, ihre Tagesabläufe. Niemand nahm ihn war - egal ob im Frühstücksraum, in der Sauna, beim Spaziergang oder im Fitnessstudio, er war unsichtbar für sie. Waren die Events vorbei, kam die große Leere. Das muss sich ändern und er wähnt sich auf einem guten Weg. Bald lebt er ihr Leben, muss es nicht mehr nachahmen. Es wird Zeit die Distanz zu verringern. Er muss seinen Idolen noch näher kommen, er muss in ihre Mitte vorstoßen.
 
Er hat der PCWA deshalb Videotapes von sich zukommen lassen, sogar ein Tryout Match bestritten. All die harten Trainingsstunden werden sich auszahlen, er wird nicht mehr aus der Ferne auf kleine Glücksmomente warten müssen... auf einen Blick, ein Nicken, ein Winken. Er ist sicher, die Mail oder Anruf lassen nicht mehr lange auf sich warten, doch noch muss er sie weiterhin aus dem Schatten beobachten. 
 
Wenn auch andere Fans durch ihn den Traum leben sollen, dann muss er energischer werden. Deshalb hat er trainiert, deshalb hat er all die Qualen auf sich genommen. Er muss aus dem Schatten heraustreten und ein Teil der Maschinerie werden. Er wäre endlich in ihrer Nähe und zugleich ein ganz anderes Heldenbild als sie. Er versteht die Sorgen und Gefühle des treuen Gefolges. Er weiß wie es ist, wenn einem die Teilhabe am Leben erschwert wird, durch Sicherheitspersonal und Schranken, durch Fenster, Türen und Wände. Bald wird er keine Briefe mehr benötigen, sie werden ihm in die Augen schauen und ihn endlich sehen. Die Zeit im Schatten ist bald vorbei...
 
Die Hand wandert zur Maus, der Cursor wird in die Suchleiste Youtubes gesetzt. Einige Tastenclicks später öffnet sich eine Auflistung zahlreicher Wrestlingvideos mit großen Momenten der PCWA Vergangenheit und Gegenwart. Zügig werden diverse Tabs geöffnet, er muss die Antworten auf seine Fragen finden. Was soll ihn auszeichnen, was ist sein Clou? Auch wenn die Kopie die große Ehrerbietung unserer Zeit ist, er muss etwas Eigenes haben… etwas Einzigartiges. Der treue Fan muss zu einem richtigen Superstar und Kollegen werden.

------------------ PCWA ------------------

Mit Mühe und Not hat er den Jetlag überwunden. Er ist erst seit knapp 16 Stunden wieder in Deutschland. Dennoch seufzt er zufrieden, während er seine Tasche ablegt. Das Licht in seiner Kabine ist schon an, Klassikmusik kommt leise aus den Boxen und Gerry steht schon wieder hinter der Bar, stets bereit die verrücktesten Drinks und Cocktails zu mixen. Freundlich begrüßt er seinen Chef.

Gerry: „Guten Tag, Herr Rage. Ich hoffe sie hatten einen schönen Urlaub.“

In ungewohnt freundlicher Art und Weise nickt sein Herr und Meister ihm zu. Natürlich bezichtigen diese Zeilen nur einen, den Auserwählten, den Größten, Besten, Tollsten und Schönsten. Er ist der Retter der PCWA, zweifacher Undisputed Gerasy Champion, Lebensspender des Phoenix und Gott der PCWA, in Persona… Azrael Rage.

Azrael Rage: „Guten Abend, Gerry. Es war in der Tat ein sehr schöner Urlaub.“

Da hört man eine Damenstimme von der Tür.

„Davon musst Du mir aber erzählen.“

Der Gott dreht sich um und erblickt seine Tochter. Ein Lächeln auf seinen vollen Lippen, als er sie in den Arm nimmt.

Azrael Rage: „Gerne, Tochter, gerne.“

Cinderella Brunswick: „Wo warst Du denn überhaupt? Dein Agent wollte es selbst mir nicht verraten.“

Er setzt sich in den Sessel, holt während er beginnt zu sprechen, seinen Gerasy aus der Tasche und legt ihn über die linke Schulter.

Azrael Rage: „Mich hat es noch einmal dorthin getrieben, wo Mein Erfolg abermals anfing. Ich war in Japan. Habe das ganze Land bereist.“

Sie lächelt, während sie auch Platz nimmt.

Cinderella Brunswick: „Gerry, ein Bier bitte.“

Der Barkeeper und Verwalter der Kabine nickt nur und fängt sofort mit dem zapfen an.

Cinderella Brunswick: „Und Vater, was hast Du da gemacht? Was hat Dir am besten gefallen?“

Kurz denkt er nach.

Azrael Rage: „Ich glaube am besten haben mir die Wale gefallen. Wir sind zur See raus gefahren und da sah man sie majestätisch schwimmen in ihrer opulenten Gestalt.“

Cinderella bekommt ihr Bier gebracht und nimmt auch sofort nach einem kleinen „Danke“ einen kräftigen Schluck. Ihr Vater erzählt währenddessen weiter.

Azrael Rage: „Es war ein sagenhaftes Gefühl, als Ich die erste Harpune in dieses riesige Geschöpf schoss. Ein magischer Moment sozusagen.“

Sie spuckt das Bier aus ihrem Mund in einem Schwall auf den Tisch aus Elfenbein. Cinderella sieht empört und angewidert aus.

Cinderella Brunswick: „Du hast versprochen mich mitzunehmen, wenn Du auf Waljagd gehst!“

… brüllt sie ihm anklagend entgegen.

Beschwichtigend hebt er die Hände.

Azrael Rage: „Entschuldige, aber Ich brauchte in diesem Urlaub einfach Zeit für Mich.“

Sie blickt ihn trotzig an.

Azrael Rage: „Okay, okay, okay… als Entschuldigung darfst Du bei Meinem nächsten Urlaub mit. Da geht es nach Namibia. Da kann man dann mit zur Robbenjagd. Was sagst Du? Ist das was?“

Sie lächelt wieder verträumt.

Cinderella Brunswick: „Das wird bestimmt toll. Alistair kann es bestimmt auch kaum erwarten, wenn ich ihm davon erzähle.“

Er zieht Luft durch seine Zähne und man hört ein deutliches Zischen.

Azrael Rage: „Ach ja, Dein Ehemann…“

Das Wort was ihm dazu einfällt, spricht er nur in seinen Gedanken aus, aber ein Tipp. Es reimt sich auf „Uhrensohn“…

Azrael Rage: „Gut, dass Du es gerade ansprichst, Cinderella. Über Deinen Ehemann wollte Ich eh noch mit Dir sprechen.“

Er räuspert sich.

Azrael Rage: „Obwohl Ich doch alles getan habe, um Mich mit ihm zu versöhnen, wirkt er feindselig Mir gegenüber. Du weißt schon. Diese unschönen Worte noch dem Main Event beim CORE, dass Ich der nächste sei… das wirkte nicht sehr… familiär.“

Sie hebt skeptisch eine Augenbraue.

Cinderella Brunswick: „Ich habe das Video vom CORE gesehen, Vater. Wo Du ihn als Tumor der Familie bezeichnet hast, war auch nicht unbedingt familiär… Ehrlich gesagt, genau deswegen bin ich eigentlich hier her gekommen.“

Jetzt hebt er skeptisch die Augenbraue.

Azrael Rage: „Was? Bist Du jetzt sein Laufbursche?“

Sie winkt ab.

Cinderella Brunswick: „Natürlich nicht. Und überhaupt, was denkst Du von mir? Ich bin hier, weil ich es immer noch grauenhaft finde, dass mein Vater und mein Ehemann sich hassen.“

Er beugt sich nach vorne.

Azrael Rage: „Dein Ehemann? Das war…“

Er stoppt sich selber. Die Kameras sind an. Dennoch fragt er sich ernsthaft, wo Cinderella inzwischen steht. Hat sie sich tatsächlich in diese jämmerliche Parodie eines Sunnyboys verliebt, oder ist ihre Show so gut, dass sie selbst ihren Vater täuschen kann. Das sollte er mal ohne Kameras mit ihr besprechen. Er setzt sich wieder in seinen Sessel zurück.

Azrael Rage: „Gut, Ich verstehe Deine Situation und es ist bestimmt nicht schön für Dich zwischen den Stühlen zu sein, aber Du kannst doch die Tatsache nicht bestreiten, dass er nichts dafür getan hat, um Teil der Familie zu werden. Immer wieder habe Ich versucht Ihm eine Hand zu reichen und immer wieder stellt er sich gegen Mich… und jetzt bedroht er sogar den Traum, den Ich lebe.“

Sie nimmt noch einen großen Schluck von ihrem Bier, und jeder Alistair-Fan fragt sich gerade, wo sie das Schlucken so gelernt hat.

Cinderella Brunswick: „Du machst es ihm aber auch nicht einfach, Vater. Ich bin sicher, dass sich Alistair nichts mehr wünscht, als endlich eine heile und glückliche Familie in uns zu haben, aber stets wenn Du ihn triffst, schmetterst Du ihm ins Gesicht wie viel besser Du doch bist.“

Azrael Rage: „Weil Ich es bin!“

Sie antwortet darauf nicht, drückt sich genauso genommen um die Antwort.

Cinderella Brunswick: „Was ist das denn für eine Art eine Familie zu werden? Eine Familie sollte nicht im Wettstreit sein, sondern zusammenhalten.“

Merkwürdig, aber Rage geht genau auf diese Worte ein.

Azrael Rage: „Da bin Ich ganz genau Deiner Meinung und deswegen sollten Alistair und Ich nicht um den Gerasy antreten.“

Wenn man das hört, ist es nicht mehr so merkwürdig, dass Rage auf die Worte von Cinderella eingeht, oder?

Azrael Rage: „Wir sollten an einem Strang ziehen und gemeinsam die PCWA beherrschen und sie nach unseren Gutdenken gestalten.“

Sie nickt einsichtig.

Cinderella Brunswick: „Ja, das sag ich ja auch immer.“

Man kann fast sehen, wie Cinderella in diesem Moment ein Licht aufgeht. Sie nimmt noch schnell den letzten Schluck ihres Bieres und steht dann ganz aufgeregt auf.

Cinderella Brunswick: „Ich habe eine geniale Idee! Ich melde mich wieder bei Dir, Vater. Muss mal was nachgucken. Bis später.“

Sie rennt zur Tür und hinterlässt nur eilig ein…

Cinderella Brunswick: „Lieb dich!“

Schon ist sie weg. Ein wenig verwirrt bleibt Azrael zurück. Schulterzucken. Er hat keine Idee was Cinderella meinen könnte. Ein Fingerzeig symbolisiert es Gerry, aber Azrael möchte sein Leibgetränk. Einen Wodka auf Eis.

Während Gerry das Getränk zurecht macht, ist der Gott der PCWA in seinen Gedanken. Er schwelgt in Erinnerungen. Um genau zu sein, denkt er daran, wie eine Harpune in einen Wal schoss… wie gerne würde er mit einer Harpune auf Alistair feuern. Hach, man wird ja wohl noch träumen dürfen.

 

Vincent Craven: "Azrael Rage."

Finsterer Blick von Vincent.

Mike Garland: "Unser Undisputed Gerasy Champion."

Doppelt-finsterer Blick von Mike.

Vincent Craven: "Offenkundig hat er sich einen Urlaub gegönnt, während wir alle kreuz und quer mit unseren House Shows durch Deutschland getourt sind."

Mike Garland: "Ja, total frech. Ich meine: Wir waren krankgeschrieben, aber er hätte doch in den Ring steigen können. Stattdessen geht er auf... Waljagd?"

Vincent Craven: "Ein schockierendes Hobby. Die Jungs und Mädels von PETA und Greenpeace rollen sicherlich demnächst ihre Plakate hier aus. Und wenn es demnächst auf Robbenfang geht, dann nimmt er sein Töchterchen gleich mit. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm."

Mike Garland: "Nur in einer Sache unterscheiden die beiden sich gewaltig: Cinderella hat Alistair geheiratet, während er für seinen Schwiegersohn nur Verachtung übrig hat."

Vincent Craven: "Faustschläge. Vergiss die regelmäßigen Faustschläge nicht."

Mike Garland: "Eine glückliche Familie sieht anders aus. Cinderella steht zwischen den Stühlen, aber so recht scheint sie sich noch nicht für eine Seite entscheiden zu können."

Vincent Craven: "Ihr größer Wunsch wäre es wohl, Frieden zwischen den beiden zu stifen. Das aber dürfte selbst ihr schwer fallen."

Mike Garland: "Am Ende kann es also nur einen geben - und Cinderella wird sich wohl oder übel für einen von ihnen entscheiden müssen."


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"Sie sind zu schwach für die PCWA!"

Die Kamera zoomt auf die Tür unserer neuen Chefin. Ihre zweite Season im PCWA Zirkus hat gerade erst begonnen, da läuft es scheinbar gleich weiter wie die letzte Season für sie aufhörte. Ihre Stimme hört sich womöglich daher gereizter an als zu Beginn ihrer Aufgabe, sie steht unter enormem Druck - auch wenn sie bisher ihr bestes gegeben hat, ihre Reifeprüfung hat sie noch nicht gemeistert.

Jona Vark: "Starke Worte, Mister Arrow. Aber wer bitte garantiert mir, dass sie nicht gleich wieder die Segel streichen, wenn es ernst wird? Ich bin gerade mal fünf Monate im Amt und denke, dass ich mich bisher ganz gut geschlagen habe. Klar, noch ist nicht aller Tage Abend, aber Sie sind doch nunmehr fast eine ähnlich kurze Zeit hier. Was haben Sie denn erreicht? Mein Resümee bezüglich ihres Engagements bei uns fällt jedenfalls nicht positiv aus! Und auch wenn sie mir versuchen das einzureden, diesen Schuh ziehe ich mir nicht an."

Die Lüge sitzt ihr gegenüber rittlings und verkehrt herum auf einem schwarzen Drehstuhl, den Kopf auf der schweren Lederlehne abgelegt. Durch den Mundschlitz seiner Maske werden gebleckte Zähne erkennbar. Es ist mehr ein Zischen, denn ein Sprechen, als er seiner Chefin antwortet.

Arrow: „Was ich bisher erreicht habe? Ich habe das Maximum dessen erreicht, was mir von ihnen an Möglichkeiten eingeräumt wurde. Es muss nicht extra erwähnt werden, dass sie mir Steine in den Weg legen, seitdem ich hier bin. Sie machen meine Existenz in der PCWA zu einem verfluchten Marathon im Hamsterrad. Sobald ich zwei Schritte vorwärts gemacht habe, drehen sie die Welt wieder auf links und ich kann von neuem los laufen.“

Mit einem Mal erhebt sich die Lüge und wischt mit einer beiläufigen Bewegung den Stuhl beiseite. Nur noch der Schreibtisch trennt nun mehr Jona Vark von ihrem aufsässigen Angestellten. Arrow legt den Kopf schräg, das bedrohliche Zischen weicht aus seiner Stimme. Vollkommene Besonnenheit schleicht sich in seinen Unterton, geschwängert von unvorhersehbarer Raserei.

Arrow: „Ich kann ihnen sagen, was ich bislang erreicht habe, Miss Vark – unbemerkt von ihnen und dem restlichen PCWA-Pack, unbemerkt von den selbsternannten Göttern und Puristen, unbemerkt von den Kellerasseln und den pretty boys…habe ich meinen Samen in die brüchige Erde der PCWA gesät. Und es wird die Zeit kommen, vielleicht schon schneller, als es ihnen lieb ist, in der ich die Früchte ernten werde. Sie sollten lieber zu ihrem Gott Mammon beten, dass es nicht so weit kommt, denn wenn nicht sie oder irgendein anderer selbst ernannter Retter es zu verhindern wissen, wird dieser Ort ein anderer werden. Ein Ort, an dem kein einziger Weg mehr beschritten werden kann, ohne einen angsterfüllten Blick über die eigene Schulter zu werfen, weil man das lusterfüllte Keuchen des alles verzehrenden Monsters gehört hat… weil man seinen fauligen Atem im Nacken gespürt hat… um letztlich doch nichts und niemanden zu sehen. Die Saat des Zweifels und des Wahnsinns, sie gedeiht bereits, sie ernährt sich prächtig durch all die von Selbsthass zerfressenen und von unausgesprochenen Ängsten zerklüfteten, halb leblosen, unnützen Hüllen sich vor Pein und Qualen windender Seelen…“

Plötzlich taucht vor der Tür, aus welcher die Stimmen kommen, eine uns allen bekannte Gestalt auf. Es ist niemand geringeres als Mad Dog, der die Geräusche aus dem Büro der Vark aufmerksam verfolgt. Es scheint so als sei die ehemalige unbekannte Konstante schon etwas länger hier.

Arrow: „…und sie glauben wirklich, dass der Goliath am Fleischerhaken beim Core schon alles war? Sie glauben wirklich, dass das auch nur ein Anfang war? Mit Verlaub…“

Die Lüge schmeißt beim Lachen den Kopf in den Nacken.

Arrow: „…der Barbarian war das erste schüchterne Räuspern meiner Klaviatur bei ihrer Sonate des Irrsinns. Und wenn sie ganz artig sind, sich in ihrem herrlich gepolsterten Sessel zurücklehnen und sich von irgendeinem Lakaien die Füße massieren lassen, dann erleben sie vielleicht heute schon den Auftakt zum ersten Akt des Untergangs. Und glauben sie mir, Miss Vark, dieses Stück sollten sie sich keinesfalls entgehen lassen, es wird ganz großartig…“

MD stößt die Tür auf, sodass Arrow und Jona Vark erschrocken zu ihm herüber blicken. Die Augen des Hundes aber haben nur Jeffrey im Visier, der abwehrend die Arme hebt. Ohne Worte marschiert Mad Dog in die Mitte des Raums, packt JRA an seinem Kragen und zieht ihn somit aus dem Stuhl vor dem Schreibtisch. Perplex fuchtelt Arrow mit seinen Händen, doch der Griff des Hundes ist gnadenlos. Gekonnt zerrt er seinen einstigen Erzfeind aus dem Zimmer der Chefin, die erleichtert aufatmet.

Wütend greift die Lüge nach dem Hals des verrückten Hundes, pures Unverständnis lässt seine Pupillen kurz aufleuchten.

Arrow: "Was zur Hölle…?!“

Doch der ehemalige Night Fighter schlägt die Hände der Lüge beiseite. Unsanft donnert er Jeffrey gegen eine Wand. Die Lüge taumelt, doch der Konstante stößt ihn weiter vor sich her in Richtung Ausgang.

Arrow: "...verdammte Scheiße. Hör auf damit!"

Die Lüge fährt herum, hebt beschwichtigend die Arme und wankt langsam rückwärts. Mad Dog aber prescht vor und lässt Arrow mit einem gewaltigen Clothesline durch die Eingangspforte des Backstagebereiches krachen. Kurz setzt noch Jeffreys Ferse auf dem Asphalt auf, doch da das andere Bein durch die Wucht in der Luft fest hängt, befindet sich Arrow kurz später mit fragendem Blick auf dem Hosenboden wieder. Während sich die Dezembernässe in seiner Hose breit macht, schauen ihn die wachsamen Securities verwirrt an. Mad Dog kommt langsam hinterher in die kühle Nacht.

Mad Dog: "Ist immer so schnell dunkel in dieser Jahreszeit, huh?!"

Wie ein Kind, das just gestolpert ist, sitzt die Lüge breitbeinig auf dem feuchten Boden. Blickt ungläubig auf die eigenen Füße, dann auf Mad Dog, der ihn kaum weiter beachtet. Arrow schüttelt mit dem Kopf, atmet entnervt aus, nickt kurz als Bestätigung und begibt sich leise ächzend wieder auf die Beine. Mit zwei, drei Handkantenschlägen klopft er sich das Geröll von der Jeans. Fingert sich eine Zigarette aus der Hosentasche, führt sie zum Mund und entzündet sie mithilfe eines Streichholzes. Zwischen gefletschten Zähnen presst er umständlich etwas hervor, dass sich entfernt anhört wie Worte.

Arrow: "Du schuldest mir eine Erklärung. Ich befand mich mitten in einem Gespräch…"

MD schaut in den sternklaren Abendhimmel. Verfolgt den Rauch von Arrows Zigarette, wie er aufsteigt und sich langsam in der Kälte verliert, als ihm das leuchtende Orange einer Laterne auffällt.

Mad Dog: "Gespräch würde ich das nicht nennen. Eher... Anklage."

Die Lüge fletscht die letzten Steinchen von seiner Hose, pustet eine horizontale Rauchsäule in Richtung der noch immer gaffenden Securities und antwortet seiner ehemaligen Erznemesis beinahe beiläufig.

Arrow: "Wer nicht klagt, bekommt kein Recht."

Die ehemalige unbekannte Konstante beobachtet, wie sich die Securities abwenden. Grinst nun darüber erfreut.

Mad Dog: "Um Gerechtigkeit geht es dir also?"

Während JRA noch seinen Kopf hin und her wiegt, zieht sich der Mund MDs verbittert zusammen und sein Blick sucht erneut die Weite der Nacht.

Mad Dog: "Wenn es in diesem Geschäft Gerechtigkeit geben würde, hätte ich nun wohl den Undisputed Gerasy Champion Titel in der Hand, meinst du nicht?! Vielleicht wäre ich auch schon 10 facher World Champion und des Kämpfens müde, wer weiß. In jedem Fall würde es hier anders zugehen, wenn es Gerechtigkeit geben würde, so viel ist sicher."

Der ehemalige Night Fighter bewegt sich in die Dunkelheit und zwingt seinen Gesprächspartner mitzukommen.

Mad Dog: "Es gibt hier aber keine Gerechtigkeit. Es wird sie nie geben. Das ist Fakt. Das weißt du, genauso wie ich es weiß. Also hör auf zu klagen, es wird dir sowieso nichts einbringen."

Arrow blickt Mad Dog kurz an, zieht jedoch einen weiteren Zug an seinem Glimmstängel einer Antwort vor. Nachdem die beiden einige weitere Schritte schweigend, nur begleitet von dem Geräusch weg springender Kieselsteine, zurückgelegt haben, nähern sie sich einer Bank, auf der ein Mann sitzt. Dem ersten Anblick nach ein Mann aus dem Nahen Osten. Als der verrückte Hund seinen Schritt verlangsamt und schließlich neben dem Mann zum Stehen kommt, sieht Arrow ihn an und deutet mit einem Kopfnicken auf den Fremden. 

Arrow: "Wer ist das?"

Mad Dog: "Ein alter Freund."

Die Pupillen der Lüge weiten sich ein wenig. Der Mann scheint die beiden schon erwartet zu haben, denn er erhebt sich langsam und verneigt sich vor Mad Dog, ehe er auch auf Arrow zugeht und diesem wortlos die Hand reicht. Zögernd erwidert die Lüge die Geste.

Arrow: "Du kommst mir bekannt vor."

Tatsächlich dürften einige (alte) Menschen dieses Gesicht irgendwo schon einmal gesehen haben. War der nicht auch mal, für einen kurzen Atemzug, in der GCW? Der kleine Mann wendet sich an die Konstante.

Er: "Habibi, du hast dem Jungen nicht davon erzählt?“

Überrascht weicht Arrow einen Schritt zurück und mustert den kleinen Araber aus einiger Distanz, während MD einen Fuß auf der Bank platziert und sich auf sein Bein stützt.

Mad Dog: "Ihm wovon erzählt?“

Einen Moment lang ist es still. Der etwas verwirrte Mann streicht mit der Hand einmal über die Narben auf seinem kahlen Schädel. Dann scheint es ihm wieder eingefallen zu sein.

Er: "Gewiss, ich habe es auch dir nicht erzählt.“

Der verrückte Hund schüttelt den Kopf und lacht. Allerdings lacht er nicht vor Freude, eher aus einer gewissen Verzweiflung heraus. Arrow verfolgt die Szene schweigend. Zieht an der Zigarette. Sucht eine Pointe in diesem Witz und findet nur Verwirrtheit.

Mad Dog: "Du bist noch immer wie früher, Mohamed.“

Arrow weiß mit diesem Namen nicht wirklich etwas anzufangen, doch das Gesicht des Arabers interessiert die Lüge. Der Name bringt das Narbengesicht zum Lächeln. Zumindest ein wenig. Dann wiederholt er ihn.

Er: "Mohamed.“

Für den Bruchteil einer Sekunde schwelgt er in Erinnerungen, dann wiederholt er den Namen abermals.

Er: "Mohamed!“

Seine „Gäste“ schauen ihn verwirrt an. Allmählich wird der Lüge die Szenerie zu bunt. Nach einem letzten Zug von seinem Sargnagel wirft er diesen zu Boden und lässt ihn achtlos ausglühen. Kurzes Räuspern, kurzes Kopfnicken.

Arrow: "Es ist mir ein Vergnügen, dich kennen zu lernen, Mohamed."

Für eine Sekunde wendet sich der Araber an Jeffrey.

Er: "Ich heiße nicht Mohamed.“

Erstaunt legt die Lüge den Kopf schräg. Die Konstante hingegen kennt den alten Wirrkopf zu lange um sich zu wundern.

Arrow: "Du heißt… nicht Mohamed?“

Kopfschütteln des Arabers. Weiter geht dieser aber nicht auf die Frage und das gesamte Thema ein. Er redet einfach wieder mit Mad Dog.

Er: "Es ist mir alles wieder eingefallen. All die alten Geschichten. All die alten Namen. Und mir ist der Junge wieder eingefallen... der arme Junge!“

Mad Dog weiß noch immer nicht wirklich, worum es grade geht.

Mad Dog: "Welcher Junge?“

Der Araber seufzt und schaut zum Boden.

Er: "Der Junge, den ich im Stich gelassen habe. Er hat damals zu mir aufgesehen. Ich war sein Held. Kannst du dir das vorstellen?"

MD legt den Kopf schief. Seine Gedanken sprudeln das Gesicht seines Jungens empor. Blakes Gesicht.

Mad Dog: "Ja, ich denke schon."

Der Unbekannte aus dem Nahen Osten schüttelt seinen Kopf.

Er: "Ich bin kein Held, und auch der Junge musste das lernen. Ich habe ihn enttäuscht, so wie ich alle enttäuscht habe, die je auf mich gezählt haben. Ich habe den Jungen einfach der Welt überlassen. Doch das war noch nicht genug. Nein. Irgendwann habe ich ihn wieder gesehen. Habe gesehen, was aus ihm geworden ist. Er ist geworden wie sein großer Held – ein herzloses Monster. Doch ich habe ihn wieder nicht gerettet. Ich bin einfach wieder verschwunden und habe ihn seinem Schicksal überlassen. Es hat kein schönes Ende genommen. Alles nur weil ich nicht aufgepasst habe. Bis heute habe ich es keiner Menschenseele anvertraut, so sehr beschämt es mich.“

Die Konstante schweigt. Hat er Blake auch einfach seinem Schicksal überlassen? War auch er ein falscher Held für den Jungen? Ein falsches Vorbild? In diesem Moment unterbindet Arrow das Gedankenkonstrukt, in dem sich der Hund zu verrennen droht. Als hätte die Lüge es erahnt. Er macht einen Schritt vor, steht nun erstaunlich nah bei dem Mann aus dem Nahen Osten.

Arrow: "Eine schöne Geschichte. Ja wirklich, ganz reizend. Eine Prise Kitsch, ein bisschen Melodramatik, hier und da eine Messerspitze Pathos…und doch hast du all die Details ausgelassen. Alles was ich weiß ist, dass du kein Held bist und dass dein Name nicht Mohamed ist, obwohl du zunächst noch auf diese Anrede reagiert hast.“

Mad Dog: "Ach!? Und du bist ein Held, Lüge? Der klagende Gerechte, huh?!"

Genervt rollt die Lüge mit den Augen, als sein Blick herüber zu MD wandert. Er seufzt.

Arrow: "Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals den Anspruch gestellt zu haben, für irgendjemanden einen Helden darzustellen. Aber ganz davon ab – du zerrst mich aus Varks Büro, prügelst mich auf den Parkplatz und schleppst mich letztlich zu dieser Bank, wo ich mir ein Märchen aus 1001 Nacht anhören darf, das scheinbar nicht mit ‚und wenn sie nicht gestorben sind, dann vögeln sie sich noch heute das Hirn aus dem Leib’ endet…und das alles weswegen?“

Mad Dog grinst Arrow belustigt an, obwohl er sich diese Frage wohl selbst gestellt haben dürfte.

Er: "Wegen des Jungens und allem was mit ihm passiert ist!“

Arrow: "Verdammt, welcher Junge?“

Er: "Der Junge, der uns verbindet. Erinnert ihr euch noch an ihn? Erinnert ihr euch an Amias?"

Beide erinnern sich auf ihre Art an Amias The Shock. Mad Dog erinnert sich an eine fast epische Geschichte aus der eigenen Vergangenheit. Zu Beginn seiner Karriere. Arrow hingegen geht ein wenig auf Distanz, auch er erinnert sich noch an Amias...jede einzelne Sekunde tut er das, mit jedem einzelnen Atemzug, mit jedem verdammten Herzschlag…waren es doch seine Hände, die Amias einst töteten.

Ist ER nun deswegen hier, um sich wegen der Vergangenheit zu verantworten?

Arrow: "Und du bist der Racheengel im Pakistanihemd?“

Der ehemalige Undisputed Gerasy Champion beäugt seinen alten Bekannten, doch dieser beruhigt die Lüge umgehend.

Er: "Ich trage die Schuld. Ich habe Amias getötet. Deswegen sind wir hier… weil ihr es wissen musstet. Ich trage die Schuld. Ich. ICH! Du hast nicht Amias getötet, sondern nur das Monster, welches ich aus ihm gemacht habe. Es tut mir leid.“

Unsicher blickt Arrow zwischen den beiden Gestalten hin und her. Weiß nicht recht, wie er einordnen soll, was er gerade gehört hat. Weiß nicht recht, wie er darauf reagieren soll.

Der Araber hingegen wendet sich an Mad Dog.

Er: "Es tut mir leid, Habibi, es ist alles meine Schuld!"

Auch Mad Dog weiß nicht, was er dazu noch sagen soll. Es ist doch alles schon passiert. Passiert vor einer Ewigkeit. Niemand interessiert sich mehr für die Vergangenheit.

Mad Dog: "Du kannst es nicht mehr rückgängig machen. Die Zeit ist lange vorbei..."

Er mustert den Araber eindringlich, dann Arrow - keine Frage... die Zeit ist ewig lang vorbei. Was ist nur aus den einst so jungen und dynamischen Kämpfern geworden?!

Mad Dog: "Sieh uns an! Zwei alte Stars, beide tragisch verbunden. Der eine ist scheinbar zu schwach für die PCWA, der andere ist scheinbar zu schwach für den Gerasy."

Frustriert stöhnt der Hund auf. Verliert langsam die Nerven an diesem Trialog.

Mad Dog: "Bist du wirklich nur hier, um uns diese alten Geschichten zu erzählen? Von Zeiten, als wir noch alles vor uns hatten und nicht schon das meiste hinter uns. Als wir die Brunswicks, Dalmis, Miltons und Breads waren? Huh?! Willst du davon erzählen? Wie wir damals die alte Garde aus dem Sattel stießen? Welche Monster wir gemacht haben? Welche Schuld wir auf uns geladen haben? Willst du mich daran erinnern, dass mich, genau wie dich, die Rache der Geschichte ereilen wird? Willst du mich jetzt daran erinnern, dass mir nun dasselbe blüht, huh?! Das der Anfang meines Endes bei CORE gekommen ist? Alter Freund, soll das die Quintessenz deiner verdammten Geschichte sein???“

Der Araber beachtet die Fragen nicht weiter, sondern wendet seinen Blick zum Himmel.

Er: "Glaubt ihr an Schicksal?“

Mad Dog: "Fick dich!“

MD winkt ab und dreht sich weg, um zu gehen. Doch die Lüge legt ihm die Hand auf die Schulter. Schwer. Sicherheit ausstrahlend. Ein verstörtes Zucken umspielt die Mundwinkel Arrows. Nervös streicht er sich eine Strähne aus dem gummierten Gesicht. Fragend blickt Mad Dog ihn an, versucht sich loszureißen. Arrows Griff bleibt jedoch bestimmt, zugleich aber so unendlich zart.

Arrow: "Was sagst du da, alter Freund? Zu schwach? Für den Gerasy? Ich bitte dich, vertraue deinen eigenen Lügen nicht!“

Da ist es wieder... "Freund"... MD zieht angeekelt seine Schulter auf Abstand. Löst sich elegant aus dem Griff Arrows.

Arrow: "Unser Schicksal ist es bestimmt nicht, uns unter Wert verkaufen zu lassen. Das wird uns nicht gerecht. Um uns aus dem Sattel zu stoßen, müssen sie schon etwas heftiger an uns rütteln. Denn noch reiten wir. Noch ist nicht sicher, wer wessen Schicksal sein wird. Ob sie unseres besiegeln oder wir ihres. Und wenn es unser Schicksal ist, wenn diese Zeit unsere letzte gemeinsame ist, dann sollten wir doch gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten. Als Partner. Als Freunde."

MD beäugt Arrow kritisch, doch ehe er auf die erneute Anmache bezüglich einer Zusammenarbeit antworten kann, seufzt das kleine Narbengesicht und deutet mit den Augen schräg nach oben. Seine Gesprächspartner folgen dem Wink und schauen nun auch zum Himmel.

Er: "Das Schicksal wollte, dass ich herkomme.“

Sie schauen noch immer zum Himmel aber dort ist nichts Besonderes zu sehen. Arrow senkt seinen Kopf, spuckt auf den Boden. Allmählich wendet sich sein Tonfall. Er klingt rüde.

Arrow: "Das Schicksal will einen Scheißdreck.“

Der Araber dreht seinen Kopf zu einer Gruppe von Bäumen und zeigt mit dem Finger auf die Wipfel.

Er: "Seht ihr wie die Kronen der Bäume langsam zu wogen beginnen? Sie kündigen den Wind an. Manchmal verweht der Wind seltsame Dinge an seltsame Orte.“

Die drei Männer schauen auf die Bäume. Tatsächlich dauert es nicht lange und eine kräftige Brise weht durch die Baumwipfel zu ihnen hinüber und trägt etwas Laub zu Boden. Der Wind weht stärker und stärker. Immer mehr Laub fliegt um die drei Männer herum, in der Luft umher. So plötzlich wie er anfing, hört er dann auch schon wieder auf. Der Araber öffnet seine Augen wieder.

Arrow: "Starke Show. Das war es schon?“

Die Lüge schaut sich um. Überall liegt Laub verteilt. Aber sonst?

Er: "Um die Wahrheit zu erkennen, mein Junge, musst du genau hinschauen. Zuweilen versteckt sie sich, unter der Oberfläche verborgen.“

Mit dem Fuß räumt der Araber vor sich einige Blätter aus dem Weg. Darunter verborgen liegt etwas Purpurfarbenes, das der Araber aufhebt und es der Lüge hinhält.

Arrow: "Eine Maske?“

Mad Dog: „Deine Maske?“

Er: „Meine Maske!“

Alle schauen auf die Maske. Die goldfarbenen Applikationen sehen aus wie ein Drache. Seltsam ist nur, dass sie keinerlei Spuren von Verwitterung hat. Sie ist makellos.

Er: "Das ist Schicksal. Diese Maske ist mein Schicksal. Ich hoffe, sie wird mir die Wahrheit zeigen.“

Langsam hebt er die Maske über seinen Kopf. Noch ein letzter Blick hinüber zu Mad Dog.

Er: "Sag ihm, es tut mir leid, aber ich konnte das kleine Drecksvieh nicht finden.“

Bevor jemand die Anweisung hinterfragen könnte, schließt der Araber die Augen und zieht die Maske hinunter. Danach steht er einfach nur da. Unter den verwunderten Blicken von Jeffrey Ron Arrow atmet er einige Male tief durch. Ruckartig öffnen sich seine Augenlider. Er schaut Mad Dog an, mustert erst Arrow und dann die Umgebung, bevor er wieder zu Mad Dog schaut.

Er: "Warum seid ihr hier und wo ist mein Freund?“

So richtig weiß er nicht warum, aber Mad Dog führt aus, was ihm aufgetragen wurde.

Mad Dog: "Mohamed sagte, er konnte das kleine Mistvieh nicht finden.“

Der Maskierte sieht sich erneut die Umgebung an. Irgendwas scheint nicht mehr zu stimmen.

Er: "Mein Freund ist nicht hier? Hat Sinan noch etwas gesagt?“

Sein Blick klebt an Mad Dog.
Irgendwie scheint der Araber, seit er die Maske aufgesetzt hat, etwas verwirrt zu sein. Auch Mad Dog scheint etwas überrascht über diesen Wechsel. Doch alle Anwesenden wissen, was eine Maske aus einem Menschen machen kann. Aber - wer ist Sinan?

Mad Dog: "Alles passiert aus einem bestimmten Grund... er sagte, auch dass er hier wäre, sei Schicksal. Doch was machen wir nun aus unserem Schicksal, huh?!"

Was machen wir aus drei Niederlagen in Folge? Was machen wir mit dem Gefühl der Schwäche?

Arrow: "Und welche Rolle spiele ich in diesem ganzen Schlamassel?“

Der Maskierte mustert seine Gesprächspartner. Er schaut zur Lüge.

Er: "Dich kenne ich nicht.“

Er schaut zu Mad Dog. Und obwohl er sich beim Brawlin' Rumble IX demaskierte, scheint ihn der Maskenmann zu erkennen.

Er: "Du bist ein Freund von Sinan! Doch ich habe meinen Freund erwartet. Er muss hier irgendwo sein. Ich spüre es.“

Wieder sucht der maskierte Araber seine Umgebung ab. Welcher Freund ihm wohl abhanden gekommen sein mag? Die Lüge weiß es nicht, sieht sich aber trotzdem um. Einzig Mad Dog schaut seinen alten Bekannten an... den komischen Kerl. Doch schon vor 11 Jahren war er nicht anders.

Er: "Bestimmt sucht er wieder die Taube.“

Arrow: "Dein Freund hat einen Vogel?“

Er: "Nein, mein Freund hat einen Freund, der einen Vogel hat. Ich habe einfach nur einen Freund, welchen ich finden muss. Es ist wichtig.“

Wortlos dreht sich der kleine Mann um und eilt davon. Keine Verabschiedung. Kein Blick zurück. Warum auch immer sie hierher gekommen waren, jetzt stehen sie hier und schauen einem kleinen Mann nach. Einem seltsamen Mann. Arrow schürzt die Lippen. Nickt anerkennend, als er sich Mad Dog zuwendet.

Arrow: "Ein Freund von dir also, ja?"

Mad Dog: "Er hat mich darum gebeten, dass wir beide hierher kommen. Es ging um Leben und Tod, verdammt. Es war ein Gefalle... So wie bei deiner Sache mit dem Judas-Kuss. Gefallen löst man ein!"

Jeffrey nickt verstehend.

Arrow: "Aber wie war noch gleich sein Name und was genau wollte er von uns?“

Bevor Mad Dog antwortet, wird das Bild schwarz und der Ton verstummt.

 

Vincent Craven: "Der Dragon of Melancholy! Die Einblendung verrät es, auch wenn ich ihn fast nicht erkannt hätte! Der Dragon of Melancholy ist hier in Berlin!"

Mike Garland: "Äh... wer?"

Vincent Craven: "Viele Jahre hat man nichts von ihm gehört, aber ihn und Mad Dog verbindet eine gemeinsame Vergangenheit. Seltsam, wer momentan alles in Berlin zu sein scheint."

Mike Garland: "Erst Corps Nobilis und dann auch noch dieser Typ hier. Ein Araber. Ein Araber! Leute, ruft das FBI, hier ist ein Amerikaner potentiell in Gefahr!"

Vincent Craven: "Er wirkt nicht gerade wie eine Gefahr, eher ein wenig... verwirrt. Hast du genau verstanden, was er gesagt hat?"

Mike Garland: "Oh, ich dachte, er spräche Arabisch. Mein Fehler, habe nicht zugehört."

Vincent Craven: "Auf jeden Fall sucht er hier jemanden und Mad Dog hilft ihm dabei."

Mike Garland: "Wie ein treuer Hund eben so ist."


------------------ PCWA ------------------

CORE 2013

Kriss Dalmi: "UND ICH HABE TROTZDEM GEWONNEN!!!!! EGAL OB BREADS NUN DIE CROWN HAT ODER NICHT, ICH BIN HIER DER EINZIG WAHRE SIEGER!!!!! HABT IHR GEHÖRT, IHR HUNDE????"

Die Männer, die bei ihm sind, beachten ihn überhaupt nicht. Ihre Blicke sind von ihm abgewandt, in die Ferne über ihm schauend. Er zerrt und drückt und zieht, versucht sich zu befreien, doch die ledernen Hand- und Fußfesseln fixieren ihn an Ort und Stelle.

Kriss Dalmi: "ER IST ZU MEINEM SPIEGELBILD GEWORDEN, ER HAT SICH DEM BLUTDURST HINGEGEBEN UND ALLE SEINE IDEALE VERRATEN HAHAHAHAAAA!!!!!!! WAS ÄNDERT ES, WENN DU MICH JETZT WEGSPERRST, JONA????"

Seine angespannten Mundwinkel sind von feinen, unaufhörlich platzenden und sich im nächsten Augenblick wieder neubildenden Schaumbläschen überzogen. Der Mund selbst ist in einem widersprüchlichen Zustand zwischen grauenerregendem, übertriebenem Grinsen und wütendem Zähnefletschen gefangen. Die starren, komplett roten Augen lassen jeglichen Funken Verstand vermissen und alternieren in beunruhigender Geschwindigkeit zwischen seinen Begleitern, die ihn durch die Katakomben des PCWA Domes führen.

Kriss Dalmi: "HEHEHEE, SCHLIESST MICH RUHIG WEG, STOPPEN KÖNNT IHR ES DADURCH ABER NICHT!!!! DIE LEINWAND IST LÄNGST BESUDELT HOHOHOHAHAHAHAAA!!!!! NACH UND NACH WERDEN SICH ALLE IHRER NATUR ERGEBEN!!!!! BWAHAHAHAHAAA..."

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Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Berliner Charité

Kriss Dalmi: "Ist das in Deutschland überhaupt noch legal? Nimm mir dieses Ding ab! Das ist inhuman!"

"Das kann ich leider nicht. Sie gehören mit Ihrem hyperaggressiven Verhalten zu den seltenen Fällen, bei denen diese Zwangsmaßnahme unglücklichweise absolut notwendig ist! Ich muss jedoch gestehen, dass mich eine Aussage wie diese aus Ihrem Mund ein wenig amüsiert, Herr Dalmi."

Kriss Dalmi: "..."

"Davon aber mal abgesehen: Wie fühlen Sie sich denn sonst so, Herr Dalmi?"

Der Serbe zwingt sich zu einem sardonischen Lächeln. Wie gerne würde er jetzt aufspringen und diesem eingebildeten Pullunderträger mit seinem Klemmbrett und seinen überschlagenen Beinen so lange die Scheiße aus dem Leib prügeln, bis er seine Innereien auskotzen muss. Doch es geht nicht. Egal wie viel Kraft er aufwenden würde, egal wie sehr er an ihr herumzerren würde, die Zwangsjacke, die sich um seinen Oberkörper geschlungen hat, würde es nicht zulassen. Und so bleibt er einfach nur auf der schwarzen Ledercoach sitzen und antwortet, denn etwas anderes bleibt ihm im Moment sowieso nicht übrig.

Kriss Dalmi: "Wie fühle ich mich wohl, du dummer Wichser?!"

Der ergraute Herr mit der Halbglatze, der ihm gegenübersitzt, ignoriert die Beleidigung gegen ihn und setzt ein verständnisvolles Lächeln auf. Dann macht er sich mit seinem Kugelschreiber einige Notizen auf seinem Klemmbrett, um danach mit ruhig-samtener Stimme erneut zu seinem übellaunigen Patienten zu sprechen.

"Es gibt keinen Anlass, ausfallend zu werden, Herr Dalmi. Ich versichere Ihnen, wenn die ersten Wochen verstrichen sind und Ihr Körper aufgehört hat, gegen den kalten Entzug zu rebellieren, dann haben Sie schon das Schlimmste überstanden. Danach ist es bloß noch eine Sache Ihrer eigenen Willensstärke. Aber auch das werden Sie überstehen. Wir werden Ihnen dabei helfen und Sie werden wieder gesunden. Sowohl physisch, als auch psychisch."

Dalmi senkt trotzig den Blick und murmelt ein "Fick dich, du Hurensohn!" in sich hinein. Der Arzt legt das Klemmbrett für einen Moment auf dem Beistelltisch ab und lehnt sich zu dem Serben nach vorne.

"Ich habe Sie nicht verstanden. Sie müssen etwas lauter sprechen! Wenn Sie bloß alles in sich hineinnuscheln, dann kommen wir nicht weiter."

Kriss Dalmi: "Ich sagte 'Fick dich, du Hurensohn!' FICK DICH!!! FICK DICH!!! FICK DICH!!!"

Die weit aufgerissenen Sehorgane des Serben stieren den Psychiater voller Zorn an, seine Fersen sind angehoben, so als wolle er seine gerade gehegten Gedankengänge tatsächlich in die Tat umsetzen und sich mit einem Satz auf ihn stürzen, doch selbst das scheint den Herrn auf der gegenüberliegenden Seite nicht aus der Ruhe zu bringen. Entspannt lehnt dieser sich wieder zurück, faltet die Hände auf seinem Schoß und setzt wieder dieses geduldige Lächeln auf, welches scheinbar nicht aus seinem Gesicht zu wischen ist, egal, was der Meister der Geschmacklosigkeiten ihm hier auch an den Kopf wirft. Zu viele geplagte Seelen sind in dieser Klinik schon ein und aus gegangen, manche schlimmer, manche weniger schlimm, manche erfolgreich kuriert und verabschiedet, andere nach wie vor in diesen Hallen schreiend, heulend, jaulend und wimmernd zugegen...

"Ich habe mir von meinen werten Kollegen aus Österreich Ihre Unterlagen zukommen lassen, Herr Dalmi. Darin steht, dass Sie Ihre Behandlung erfolgreich bei Frau Doktor Fuhrmann abgeschlossen haben aber wir wissen beide, dass das nicht stimmt, oder? Sie sind sich im Klaren, dass man eine jahrelang unbehandelte Posttraumatische Belastungsstörung nicht nach zwei Wochen heilen kann, ist es nicht so? Sie wissen, dass das ein langwieriger Prozess ist, der bei einem Fall wie Ihrem mehrere Jahre andauern kann, richtig?"

Nun, ist es der Serbe, welcher sich ein amüsierter Schmunzeln und gleichzeitiges, ruckartiges Luftausstoßen durch die Nasenlöcher nicht verkneifen kann.

Kriss Dalmi: "Du kannst gerne glauben, was du willst, du glatzköpfiger Trottel! Diese Unterlagen, die du da angefordert hast, sind unverrückbare Fakten, die die Heilung meiner Krankheit bestätigen, unterschrieben und abgestempelt von Doktor Fuhrmann höchstpersönlich! Es gibt eigentlich überhaupt keinen Grund, mich hierzubehalten. Es ist erwiesen, dass ich bei voller geistiger Gesundheit bin!"

Sich diesen Fakt noch mal selber vor Augen führend, nickt sich der Belgrader selbst zu und rutscht unruhig mit dem Hintern auf seinem Platz herum, augenscheinlich erpicht darauf, diese Anstalt so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Der Psychiater, welcher ihm gegenübersitzt, schüttelt bedächtig und seinerseits bitter schmunzelnd den Kopf. Er glaubt ihm nicht. Natürlich glaubt er ihm nicht. Das würde in dieser Situation jeder mit einem gesunden Menschenverstand tun, selbst wenn man nicht um die Historie dieses Mannes bescheid wüsste.

"Das sieht die Person, die Sie in diese Klinik eingewiesen hat aber ein bisschen anders und von dem gesichteten Videomaterial, welches mir von ihr zur Verfügung gestellt wurde, und meinen eigenen Beobachtungen ausgehend, muss ich diese Meinung leider teil..."

Kriss Dalmi: "ES IST MIR SCHEISSEGAL, WAS DIESE KLEINE JONA-VARK-SCHEISSFOTZE DENKT UND ICH GEBE AUCH KEINEN FICK AUF DEINE BESCHISSENE MEINUNG!!!!!!! LASS MICH HIER RAUS UND NIMM MIR DIESES SCHEISS DING AB!!!!!!!!!!"

Kriss Dalmi springt mit einem Satz auf die Beine, versucht abermals den Zwängen seiner "Schutzjacke" zu entkommen, um dieses menschgewordene Schwein endlich schlachten zu können, doch auch bei diesem Versuch ändert sich nichts an der Ausgangslage. Frustriert brüllend tritt er eine nächstgelege Topfpflanzenvase um, deren erdig-brauner Inhalt sich mit einem Klirren auf dem weinroten Perser ergießt. Sein Kopf fährt herum, die glotzenden, wütenden Augen fixieren den Arzt, der nun ebenfalls aprupt aus seinem Sessel springt und langsam zurückweicht. Doch bevor der Serbe noch weiteren (Personen)Schaden anrichten kann, kommen aus der vertäfelten Zimmertür plötzlich zwei breitgebaute Herren der Krankenpflegerzunft ins Zimmer gestürmt, stürzen sich auf den Serben und können ihn mühelos zu Boden ringen.

Kriss Dalmi: "ICH WILL RAUS!!!!!!!! RAUS, RAUS, RAUS!!!!!!!!!!!"

"Sedieren! Schnell!!!"

Die Männer tun wie ihnen befohlen und setzen am Hals des umherstrampelnden und zeternden Junkies eine Spritze an. Währenddessen schnappt sich der Psychiater Klemmbrett und Kuli vom Beistelltisch und verewigt dort hastig einige Notizen. Sein Blick spiegelt Fassungslosigkeit wider, mit einer solch gewaltätigen Reaktion hatte er offenbar nicht gerechnet. Indessen scheint es, als ob die Dosis, die Kriss Dalmi gerade eben injiziert wurde, langsam ihre Wirkung entfaltet. Seine Bewegungen werden langsamer und kraftloser...

Krankenpfleger: "Er beruhigt sich. Was machen wir nun mit ihm, Doktor Pohl?"

Doktor Pohl: "Am Besten bringen Sie den Patienten erst mal wieder auf sein Krankenzimmer und fixieren ihn dort."

Bestätigendes Nicken von den Männern in Weiß, die den schläfrig wirkenden Kriss Dalmi vom Boden zurück in die Vertikale wuchten und ihn im Anschluss aus dem Praxiszimmer eskortieren. Mehr zu sich selbst murmelt der Psychiater dabei.

Doktor Pohl: "Ich... Ich habe die Lage vollkommen unterschätzt..."


------------------ PCWA ------------------

Bernd Hohlstein - ein Mann wie ein Baum. Wahrscheinlich ist dies der Grund, warum er immer den Zugang zu den Innenräumen des PCWA Theatres bewachen darf. Niemand Unbefugtes soll den Wrestlern, Offiziellen und anderen Mitarbeitern zu nahe kommen. Alles ist eigentlich wie immer, denkt sich zumindest Noah O'Wellhubly als er mit reichlich Verspätung die Arena betreten will. Nur, dass ihm Türbewacher Hohlstein den Einlass mit einem bestimmten "Halt" sowie dessen massive Hand vor seiner Brust verwehrt.

Noah O'Wellhubly: "Dürfte ich erfahren was los ist?"

Bernd Hohlstein: "Ich habe Anweisung Sie nicht in die Halle zu lassen."

Erstaunt nimmt der ehemalige Geschäftsführer von Kerry & Gaelic-TNE diese Aussage zur Kenntnis.

"Und warum das?"

Bernd Hohlstein:"Ich bin nicht hier um die Welt zu erklären, nur um Leute reinzulassen oder auch nicht."

Mit einem kurzen, süffisanten Auflachen quittiert der Ire diese Aussage des Sicherheitsmannes.

Noah O'Wellhubly: "Ja, wie wahr. Es ist immer eine Frage von Drinnen und Draußen, Selbst und Fremd."

Bernd Hohlstein: "Von mir aus, ganz wie Sie meinen."

Der gesetzestreue Bürger, der gern das neue Gesetz der PCWA predigt, beißt sich auf die Unterlippe. Als eine weitere Person die Szenerie betritt, ziehen sich seine Augen zu kleinen Schlitzen zusammen.

"Gibt es Probleme?"

Bernd Hohlstein: "Nein, Frau Vark. alles in bester Ordnung. Bisher gab es keine Vorkommnisse."

Jona Vark: "Sehr gut, Mister Hohlstein. Sehr gut. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen, ruhigen Abend."

Der irische Manager lacht nun lauthals los, sodass Jona Vark noch einmal Kehrt macht und sich zurück zum Geschehen begibt.

Jona Vark: "Gibt es irgendein Problem, Mister O'Wellhubly? Kann ich Ihnen weiterhelfen?"

Noah O'Wellhubly: "Ich weiß nicht..."

Jona Vark: "Die Antwort überrascht mich nicht. Ihre Strippen und Leinen wurden gekappt und Sie wissen nun offenbar nicht das Geringste."

Noah atmet tief ein, setzt ein gequältes Lächeln auf und breitet seine Arme weit aus.

"So lasset den Strahl der Erleuchtung auf mich hernieder scheinen!"

Jona Vark: "Abseits Ihres merkwürdigen Gerede habe ich Ihnen bereits sehr deutlich gemacht, dass weder VARK Enterprises, noch die PCWA Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit Ihnen haben. Sie sind der Grund, warum ich überhaupt hier bin, Mister O'Wellhubly. Sie haben die PCWA in ein Tal geführt, aus welchem der Phönix befreit werden musste. Wie sie sehen kann ich ähnlich daherschwafeln, wie Sie. Und ihr Geschwafel von einem neuen Gesetz führt mich zu der Annahme, dass Sie hier erneut den Herdenführer spielen möchten."

Der Ire richtet seinen Hut und setzt sich nun im Schneidersitz auf den Boden. Jona scheint die Situation etwas unangenehm zu sein, schaut sie nun doch auf den Mann herab, der ihr eben noch Auge in Auge gegenüberstand. Noah hingegen scheint seine "unterlegene" Haltung hingegen sehr zu behagen.

Noah O'Wellhubly: "Ist es das, was sie wollen? Einen bittstellerischen Angestellten, der ohne Agenda zu ihren Füßen kniet und sich ihrer Macht ausliefert?"

Jona hat inzwischen ihre Haltung zurückgewonnen und schlägt mit ihrer Stimme einen ernsten Ton an. Sie will dass ihr Gegenüber klar versteht, was sie ihm zu sagen hat.

Jona Vark: "Wie bereits gesagt, Sie verstehen nichts. Ich möchte überhaupt nichts von Ihnen. Gar nichts. Ich kann davon ausgehen, dass Sie vor Ihrer Tätigkeit als wirrer Prediger lange genug die Rolle eines Geschäftsmannes gespielt haben und dabei genug über die Regeln der Machtspielschen gelernt haben?"

Mit einer an Überheblichkeit grenzenden Selbstzufriedenheit lächelt Noah die oberste Instanz der PCWA an. Er fühlt sich ihr nicht unterlegen oder ebenbürtig, er macht deutlich, dass er weit über ihr steht. Jona Vark beeindruckt das wenig. Ganz im Gegenteil.

Jona Vark: "Das habe ich in meinem Leben auch, Mister O'Wellhubly. Und sie können gerne wieder und wieder versuchen, sich einen Weg in meine Liga zu erschleichen und Sie werden sich die Zähne ausbeißen. Solange ich die Verantwortung trage, wird es nie wieder eine Kerry & Gaelic-Ära oder Ähnliches geben. Noah O'Wellhubly - um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Sie sind gefeuert. Der einzige Weg, wie sie Teil eines PCWA-Events sein können, ist indem Sie sich ein Ticket kaufen."

Bernd Hohlstein funkt mittels Walkietalkie zwei seiner Mitarbeiter an, die umgehend zum Personaleingang. Freundlich aber bestimmt ziehen sie Noah O'Wellhubly auf die Beine und geleiten ihn vom Gelände. Der ehemalige Geschäftsführer ist offenbar nicht mehr Teil der PCWA, das neue Gesetz hat offenbar keinen Hüter mehr und der Mann aus der Zukunft ist ab sofort offenbar der Mann ohne Manager.

 

Vincent Craven: "Jona Vark feuert Noah O'Wellhubly!"

Mike Garland: "War der überhaupt noch bei uns angestellt?"

Vincent Craven: "Zumindest lief er hier herum und wollte mit den 'Law Abiding Citizens rund um den Man from the future eine neue Machtgruppierung hier aufbauen."

Mike Garland: "Womit er aber grandios gescheitert ist. Den Mann aus der Zukunft haben wir seit dem PPV nicht mehr gesehen und nun kommt Noah noch nicht einmal in die Halle hinein."

Vincent Craven: "Die Zeiten von Kerry & Gaelic und ihren Hinterlassenschaften sind also endgültig gezählt. Zumindest, falls Noah sich nicht doch irgendwie Zutritt verschafft."

Mike Garland: "Daumen drücken! Holt Tröte und Partyhütchen heraus!"


------------------ PCWA ------------------

Vincent Craven: "PCWA CORE, 03. November 2011. Die Vorfreude war nun nicht gerade so groß, wie jetzt kurz vor dem Weihnachtsfest doch was die Kontrahenten im zweiten Match des Abends ablieferten, darf man nur mit viel Wohlwollen als Apéritif bezeichnen..."

Mike Garland: "War das gerade gleichzeitig die am besten formulierte und gleichzeitig verstörendste Rekapitulation eines schwachen Kampfes auf einmal? Sag es doch einfach gerade heraus: Besonders Bob Mile war sein gesamtes Tamtam mit den Discokugeln und so nicht wert. Wir haben in diesem ominösen Internet von ein paar Nasen Kritik einstecken müssen, weil wir scheinbar unser eigenes Produkt nicht gut fanden, aber hey: Es war einfach das Geld nicht wert. Und deswegen kann es heute nur besser werden."

Vincent Craven: "Zumindest auf dem Papier scheint das zweite Match der Best of Five-Serie zwischen Aleks G. und Bob Mile schon interessanter zu sein, da es ein Hardcore Match sein wird. Alles ist erlaubt, solange im Ring ein Pin oder eine Aufgabe stattfindet. Beide Gegner konnten sich auf diesem Gebiet bereits beweisen. Aleks G. ist zweifacher GCWF Hardcore Champion, Bob Mile sogar vierfacher Hardcore Champion."

Mike Garland: "Eine unglaublich belanglose Leistung, da diese 'Erfolge' bereits vor zehn Jahren von jedem Wrestlingfan vergessen worden sind."

Vincent Craven: "Ich denke, dass uns Aleks und Bob heute ordentlich überraschen werden. Während Aleks immerhin einen Sieg auf seinen Konto hat, muss Bob Mile eine Leistungsexplosion vom Stapel lassen. Sein Alter-Ego Disco Mile hat für ein paar Lacher und eine peinliche Niederlage gesorgt. Wenn er in der Matchserie noch Fuß fassen will, dann sollte er heute am Besten auch mit einem Sieg zurückschlagen."

Mike Garland: "Schauen wir mal, länger als zwei, drei Minuten wird diese Pinkelpause eh nicht dauern..."

Jane Nelson: "Ladies and Gentlemen, das zweite Match des Abends ist ein Hardcore Match und Teil einer Best of Five Matchserie. Der erste Teilnehmer stammt aus Berlin, wiegt 95 Kilogramm und liegt mit einem Sieg zu Null in Führung. Hier kommt... AALEEEEKS.... ... G!"

Der Mindless One kassiert gemischte Reaktionen der Fans. Natürlich hat er in all den Jahren eine kleine Fanbase aufgebaut, die allerdings nicht so durchschlagend ist, wie die Fans der ganz großen Superstars. Andere aber mögen weder seinen Wunsch, hier noch irgendwas zu reißen, noch wie er gar kein Interesse daran hat die Fans zu unterhalten, sondern stattdessen lieber egoistisch sein Programm durchzieht um eben sofort einen Sieg einzufahren, wie beim CORE geschehen.

Dem Wolf ist das aber vollkommen egal. In eine Jeans gekleidet, mit einem schwarzen, ärmellosen Shirt und damit klassisch für einen Fight gekleidet, kommt er aus dem Backstage Bereich auf die Rampe und läuft gezielt zum Ring. Dort angekommen posiert er nicht einmal, sondern hockt sich in eine Ringecke und wartet auf seinen Gegner, seinen ehemals besten Freund.

Jane Nelson: "Und hier kommt sein Gegner..."

Die Fans starren auf den Entrance Bereich. Warten auf das zweite Gesicht von Bob Mile.

Bitches... listen for old school greatness

Kenner erkennen "X" von Xzibit. Einen Clubbanger aus dem Jahr 2000, als man in Clubs noch Hip-Hop gespielt hat und nicht diese Electro-angehauchte Scheiße eines Hampelmannes, der sich Pitbull nennt. Rap, Bitches. Kennt ihr das noch?

Kenner dieser Liga erkennen außerdem das Entrance Theme des X-Treme Wolfpacs. Einem selten beschissen geklauten Namen eines Stables, welches es 2001 in der damaligen GCWF gab, unter anderem mit Aleks G. als A.B.G., mit dem Barbarian, mit B.I.G. und mit...

Mike Garland: "Q-RAX Mile?

Vincent Craven: "Es ist Q-RAX Mile! Keine Überraschung, eigentlich. Mile hatte als harter Junge aus der Bronx, zumindest laut seinem damaligen Lebenslauf, den härtesten Hintergrund aller harten Hunde. Und so."

Mike Garland: "Was auch imm... oh mein... wie er aussieht..."

Hatte er vor einem Monat noch einen Afro, zwei Monate davor noch Dreadlocks, so hat der Stylist (haha) von Q-RAX Mile die Haare zu festen Cornrows nach hinten gezogen. Googlet es - sieht immer bekloppt aus. Ein weißes Unterhemd auf der braunen Haut, weiße Tapes an den Händen und eine dunkelbraune Baggypants. Q-RAX Mile, ist zurück, zumindest für einen Abend. Ein Hardhitter, auf den Aleks G. wirklich keine Lust hat, denn Q-RAX - was auch immer das heißen mag - geht es einzig und alleine ums Blutvergießen. X-Treme eben.

Opener Match
-Das zweite Gesicht-
Best of Five Series - Match 2:

Hardcore Match

vs.

Sieg durch Pin oder Aufgabe - Referee: Sven Nitzschke)

Das zweite Gesicht von Bob Mile wartet nicht einmal, bis der Referee das Match anläutet. Der Bronx-Jamaikaner stürmt nach vorne und springt mit den Beinen voraus gegen den Brustkorb von Aleks G., der damit überhaupt nicht gerechnet hat und zu Boden gerissen wird. Sofort setzt Q-RAX mit Tritten gegen Aleks nach, der versucht sich in die Ecke zu retten.

Vincent Craven: "Das nenne ich mal einen Start in das Match. Q-RAX will seine Fehler aus der letzten Show wieder gutmachen und prescht sofort mit 100 Prozent nach vorne."

Mike Garland: "Ja, ganz nett. Aber noch nichts Besonderes."

Sofort setzt Q-RAX Mile nach und schickt seinen Gegner in die gegenüberliegende Ringecke. Dann stürmt der Gangsta hinterher, rennt aber ungebremst in den Ellbogen von Aleks G. hinein. Der Wolf setzt mit einem Tritt nach, schleudert dann Mile in die Ringecke, aber der springt mit einem Satz rückwärts über Aleks rüber, als dieser hinterher rennt und erwischt ihn dann mit einem Superkick am Hinterkopf. Aleks kracht mit dem Schädel in die Ringeckenpolster und hängt benommen in den Seilen.

Vincent Craven: "Was für ein Konter. Was für eine Geschwindigkeit! Mile springt über Aleks drüber und erwischt ihn mit voller Wucht. Ist das schon das Matchende?"

Mike Garland: "Kann gut sein. Als Frau würde ich mit den Beiden nicht schlafen wollen, so schnell wie die sind, höhö."

Vincent Craven: "Gott, war das schlecht."

Mike Garland: "Ich heiße Mike, aber ist schon in Ordnung."

Q-RAX Mile zieht seinen Kontrahenten aus der Ringecke, legt ihn auf den Rücken und versucht sich am ersten Pin des Abends, doch Aleks befreit sich, bevor Ringrichter Nitzschke zweimal mit der Hand auf die Matte schlägt. Beide stehen anschließend wieder auf, Aleks blockt allerdings einen Punch von Mile ab, schlägt selbst zu. Dann schickt er seinen Gegner in die Seile, doch Mile feuert mit Geschwindigkeit heraus und springt einen Crossbody!

Aleks weicht aus und Mile segelt auf die Matte. Aleks springt sofort einen Standing Moonsault und erwischt seinen Gegner sogar. Was für eine rasante Aktion, die von den Fans sogar mit zartem Beifall bedacht wird. Cover von Aleks!

One

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Doch Q-RAX Mile befreit sich!

Mike Garland: "Auch hier also der schnelle Kick-Out und damit muss dieses Match weitergehen. Geht es eigentlich jetzt schon länger als das Match beim CORE?"

Vincent Craven: "Noch nicht, glaube ich."

Mike Garland: "Und mit Hardcore hat es bisher auch noch nicht soviel zu tun gehabt."

Vincent Craven: "Stattdessen aber mit schnellen Highflying-Aktionen, also mir gefällts."

Mike Garland: "Immerhin einem in der Halle."

Aleks G. tritt nun auf seinen Gegner ein, der noch immer durchgeschüttelt auf der Matte liegt. Dann 'hilft' der Berliner seinem Kontrahenten auf die Beine und drängt ihn mit Punches in die Ringecke. Nun will Aleks seinen ehemals besten Freundes in die andere Ringecke schicken, doch Q-RAX mit einem Reversal. Aleks will es nun scheinbar Mile gleichtun oder gar besser machen und springt mit einem gewaltigen Satz, den ihm wohl keiner zugetraut hätte, auf das oberste Seil.

Seinem Blick nach zu urteilen überrascht ihn das fast selbst, doch er kann sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, denn Mile ist hinterher gerannt, springt einen Dropkick und erwischt Aleks G. am Rücken. Der ehemaliger Anführer des X-Treme Wolfpacs segelt in hohem Bogen vom Ringpfosten auf den Hallenboden.

Mike Garland: "Je höher sie steigen..."

Vincent Craven: "Tolle Aktion von Bob... Q-RAX Mile, der mit einem einzigen Sprung wieder zurück im Match ist."

Mike Garland: "Das konnte sich in der Tat mal sehen lassen."

Vincent Craven: "Ich glaube, dass Aleks da auch noch Bekanntschaft mit der Ringabsperrung schließen musste. Das sieht nicht gut aus."

Mike Garland: "Es ist ein Hardcore Match, er soll sich bitte mal einkriegen."

Q-RAX Mile steigt ganz normal, fast schon unspektakulär aus dem Ring und wartet, bis sein Gegner wieder auf die Beine gekommen ist. Mit einer Clothesline schickt Mile dann Aleks über die Ringabsperrung zu den Fans hier im PCWA Theatre. Die Fans in den vorderen Reihen rasten natürlich tierisch aus, als Mile dann hinterher klettert und ein Schlagabtausch hautnah entbrennt. Q-RAX scheint die durchschlagenderen Argumente zu haben. Er schlägt Aleks zu Boden, dann nimmt er sich von einem Fan einen Klappstuhl und rammt diesen auf den Rücken seines Gegners.

Mike Garland: "Okay, jetzt ist es Hardcore!"

Vincent Craven: "Ein zweiter Treffer von Mile, der es nun scheinbar wissen will und die vollständige Kontrolle in diesem Match hat."

Mike Garland: "Zumindest im Moment. Es scheint doch so etwas wie Siegeswillen in ihm zu stecken."

Mile greift sich nun seinen Gegner und schleift ihn zur RIngabsperrung zurück. Er hängt ihn wie einen nassen Sack drüber, als müsste sich Aleks übergeben. Q-RAX steigt nun selbst auf die Guardian Rail und springt mit einem Leg Drop auf den Oberkörper seines Gegners.

Ein schöner Treffer, der aufgrund der Härte des Aufpralls allerdings auch Mile selbst zusetzt. Er versucht zwar schnell wieder auf die Beine zu kommen, humpelt allerdings ein wenig, als er dann Aleks auf die Beine zerrt und in den Ring zurückdrängt. Anstatt nun aber nachzusetzen lässt der Original Gangsta aus Jama... aus der Bronx seinen Blick schweifen und saugt die Emotionen der Fans auf, die von der Action bisher doch recht angetan sind. Dann greift Mile unter den Ring und holt einen Kendo-Stick hervor.

Mike Garland: "Wer packt diese Dinger eigentlich unter den Ring? Hat die PCWA noch eine fernöstliche Kampfsportabteilung von der keiner weiß?"

Vincent Craven: "Zumindest sorgen diese Dinger für ordentliche Wunden auf dem Rücken."

Mike Garland: "Na dann kann er es ja jetzt krachen lassen."

Bewaffnet steigt Mile wieder auf den Mattenrand, allerdings hat er Aleks G. scheinbar genug Zeit gelassen, dass dieser sich erholen konnte. Zwar holt Q-RAX noch aus, allerdings taucht Aleks ab und rammt seinem Gegner die Schulter in den Magen. In einer fließenden Bewegung schwingt sich Aleks dann mit einer Rolle über das oberste Seil, bekommt Mile an der Hüfte zu fassen und hämmert ihn mit einer Powerbomb auf den Hallenboden!

Mike Garland: "Was für eine Aktion! Was für ein Konter! Das hat mir wirklich gut gefallen!"

Vincent Craven: "Eine unglaubliche Aktion von Aleks, der zwar mit dem Hintern selbst auf den Boden kracht, aber nicht so schwer getroffen ist, wie Mile. Stattdessen nimmt er sich den Kendo-Stick, den Q-RAX hat fallen lassen und lässt diesen auf den Rücken von seinem Gegner schnellen."

Es gibt einen zweiten Treffer. Einen dritten Treffer. Einen Vierten. Jedes Mal schreien die Fans aufgrund der rohen Gewalt auf, das schmerzverzerrte Gesicht von Q-RAX Mile auf der großen Leinwand zeigt das komplette Leiden des Gangstas aus der Bronx. Er treibt seinen Gegner dabei um den Ring und an der Ringtreppe zieht sich Mile dann wieder auf die Knie. Aleks holt zu einem weiteren Treffer aus, allerdings greift Q-Mizzle ihm in den Hosenbund, reißt ihn nach hinten und damit mit dem Gesicht in die Ringtreppe.

Vor Schmerzen schreit Aleks G. auf und hält sich die Nase, das Gesicht. Das war ein harter Treffer, der nicht nur Aleks, sondern den Matchverlauf wieder durchgeschüttelt hat.

Mike Garland: "Lange kann Aleks G. scheinbar nicht die Oberhand behalten, denn nun ist Q-RAX Mile schon wieder obenauf."

Vincent Craven: "Die Matchart scheint ihm einfach mehr zu liegen, glaube ich. Oder er will dieses Match einfach um jeden Preis gewinnen."

Mike Garland: "Zumindest lässt er sich nun nicht lange feiern, sondern greift Aleks sofort und schleudert ihn in den Ring."

Vincent Craven: "Sofort der Pinversuch!"

One

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Two

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Aleks befreit sich!

Das Match geht weiter. Es geht nun durchaus länger und auch wesentlich härter zur Sache, als das Match beim CORE. Ein wenig frustriert scheint der Jamaikaner aus der New Yorker Bronx auch zu sein, da er wohl damit gerechnet hatte, hier vielleicht schon das Match zu beenden. Doch sein ehemaliger bester Freund will das Match noch nicht aufgeben und versucht auch sofort wieder auf die Beine zu kommen.

Q-RAX nutzt die Zeit und nimmt Anlauf. Allerdings weicht Aleks dem Knietreffer aus, stattdessen rollt Aleks seinen Gegner per School Boy ein, wie beim CORE, wieder mit Griff in die Hose. Das Cover!

One

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Two

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Thr... NEIN! Mile kommt raus!

Mike Garland: "Fast eine wiederholte Geschichte, doch Mile befreit sich! Wütend ist er!"

Vincent Craven: "Steht auf, Schwinger, verfehlt!"

Mike Garland: "Inside Cradle, wieder ein Cover!"

One

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Two

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Kick-Out!

Vincent Craven: "Schlag auf Schlag, doch das Match setzt sich weiterhin fort!"

Mike Garland: "Q-RAX Mile kann es kaum fassen. Dass Aleks hier so angeschlagen versucht das Match für sich zu entscheiden, obwohl er selbst es doch eigentlich schon in der Tasche haben sollte."

Vincent Craven: "Aber so leicht gibt sich Aleks nicht zu schlagen. Was macht Mile denn jetzt?"

Mike Garland: "Er klettert aus dem Ring... und holt einen Stuhl!"

Vincent Craven: "Jetzt will er es wissen."

Mile klettert mit dem Stugl in der Hand wieder in den Ring und wartet, bis Aleks wieder selbstständig versucht, auf die Beine zu kommen. Aleks braucht einen Moment, zieht sich dann aber angeschlagen wieder an den Seilen hoch. Q-RAX wartet und wartet, dann dreht sich Aleks um und Mile holt aus... und trifft! Wie vom Blitz getroffen fällt Aleks um, liegt bewusstlos auf der Matte.

Mike Garland: "Das war es. Jetzt noch das Cover und Mile hat in der Matchserie aufgeholt, ausgeglichen!"

Vincent Craven: "Mile wirft den Stuhl in die Ecke, dann legt er sich auf Aleks. Ganz locker, ganz entspannt mit dem Rücken, weil er weiß, dass er den Sieg in der Tasche hat."

One

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Two

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Vincent Craven: "Aleks hakt die Arme von Mile ein, dreht sich. Crucifix Pin!!"

One

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Two

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THREE!

Vincent Craven: "Ja ist das denn die Möglichkeit? Wie kann das denn passieren?"

Mike Garland: "Bob Mile hat sich zu sicher gefühlt, dachte er hätte das Match bereits in der Tasche und wird von Aleks G. überrumpelt!"

Angeschlagen rollt sich Aleks aus dem Ring, während Q-RAX Mile in der Ringmitte tobt und den Ringrichter anbrüllt, doch es ändert nichts am Ergebnis, welches Ringsprecherin Jane Nelson dann verkündet.

Jane Nelson: "Ladies and Gentlemen. Sieger dieses Kampfes und damit mit zwei Siegen zu Null in Führung bei der Best of Five-Series... AALLEEEEEKSS.... G!!!!"

Tatsächlich gibt es sogar ein wenig Applaus der Fans, anstatt Buhrufe, da dies wirklich ein hart umkämpfter Sieg war. Aleks konnte einen weiteren Sieg einheimsen und führt die Serie nun 2:0 an. Ihm fehlt nur noch ein einziger Sieg gegen das dritte Gesicht von Bob Mile... der seine Niederlage nicht fassen kann und am liebsten sofort das Match fortsetzen würde. Doch heute Abend war Aleks G. erneut der glücklichere Mann!

 

 


------------------ PCWA ------------------

Schritt für Schritt steigt Alistair die Stufen zum Dach des PCWA Theatres empor.
Graffitti ziert die unverputzten Betonwände links und rechts seines Weges.

Glaubt nicht an die Lüge.

03.08.14

                                                                        Living Dead Society

... sind nur einige der Schriftzüge, die Unbekannte hier hinterlassen haben. Alistair allerdings beachtet die Schmierereien gar nicht. Worte sind nicht wichtig, hier in der PCWA zählen Taten. Und so setzt er seinen Gang eilig fort, nimmt immer zwei Stufen auf einmal. Jeder einzelne Schritte bringt ihn weiter nach oben.

Es war einmal ein Junge, der trotz oder vielleicht gerade wegen seiner kalifornischen Sonnenbräune etwas blaß wirkte.
Zumindest behaupteten sie dies, diese Glossenschreiber und Weltkritiker in den Weiten des Netzes da draußen. Virtuelles Graffitti. Sicherlich hat man es schwer, neben einem suizidal veranlagten Riot-Grrl sein Spotlight zu finden, aber Alistair meisterte diese Aufgabe einigermaßen passabel. Vom geschenkten Tribune Title über die wohl beste Titelregentschaft der letzten Jahre hin zu einem ernsthatften Anwärter auf den Undisputed Gerasy Title. Nicht schlecht für einen Burschen aus Long Beach, der in seiner Kindheit gehänselt wurde.

Und dennoch liegt ein Schatten über dem Glanz seiner Erfolg.
Der Schatten einer toten Gesellschaft.

Alistair schreckt auf, als er sich auf einmal in Gesellschaft befindet. Tief in seine Gedanken versunken, hatte er die Stahltür zum Dach geöffnet und die letzten Schritte zurück gelegt.
Als er aufblickt, sieht er direkt in das Antlitz seines Freundes, des verrückten Hundes. Noch immer ist es ungewohnt, ihn ohne die Maske des Night Fighters zu sehen. Sein Gesicht ist so... normal.

Mad Dog: "Hi, Alistair..."

Noch eine Weile bleibt die Hand auf Brunswicks Schulter liegen, sucht dort Halt - ein dort, welches eigentlich mit dem Undisputed Gerasy hätte gefüllt sein sollen. MD aber nutzt die Gunst des Moments, um sich von diesem, seinem Thema abzulenken.

Mad Dog: "Warum so nachdenklich, huh?! Alles ok bei dir?"

Alistair schüttelt die Verträumtheit ab, die ihn eben noch in ihrem Bann gehalten hat. Dies ist nicht der Zeitpunkt für Tagträume, denn die Realität ist in diesem Moment wichtiger. Wir befinden uns in der Himmelsbar auf dem Dach des PCWA Theatres. Die gemütliche Einrichtung wurde noch einmal erheblich erweitert, so dass dieser kleine Rückzugsort es mittlerweile durchaus mit Virchowas Lounge aufnehmen kann. Ohne den unerwünschten Pöbel natürlich. Anwesend sind neben Alistair und Mad Dog, die direkt am Ausschanktresen stehen, noch zwei weitere Personen: Cinderella, die mittlerweile einen übergroßen schwarzen Kapuzenpullover trägt und es sich auf dem Sofa bequem gemacht hat. Die Kabel von Kopfhörern verschwinden unter ihrer Kleidung und sie wirkt verträumt, so als würde sie von der Robbenjagd träumen und das Geschehen hier kaum interessieren. Ihr gegenüber auf einer Couch sitzt Stevie Van Crane, der den Eindruck macht, als müsste er gleich wieder los. Er trägt Straßenklamotten, dunkelbraune Stiefel, weißes Kapuzensweatshirt und einer schwarze Lederjacke drüber. Zu seinen Füssen liegt Ace, sein Dalmatiner, fast regungslos. Nur seine treuen Augen bewegen sich und mustern die Umgebung.

Alistair: "Alles... in Ordnung."

Sofort setzt er sein bestes Zahnpastalächeln auf, wer aber genau hinsieht, der erkennt, dass seine Gedanken irgendwo anders sind. Alistair beugt sich über den Tresen, schiebt zwei große Gläser unter die Zapfhähne und drückt die dazu gehörenden Hebel. Zischend läuft eine dunkle Flüssigkeit hinein und bildet eine cremefarbene Schaumkrone. Guinness. Als das Glas voll ist, betätigt er die Zapfhähne erneut, schnappt sich die Gläser und reicht eines davon dem verrückten Hund.

Alistair: "Sláinte."

Die beiden stoßen an und wenige Augenblicke später rinnen die ersten Schlücke des feinen Dunkelbieres durch zwei Superstarkehlen. Mit dem Unterarmstück seines Pullis wischt sich Mad Dog den Schaum aus dem Bart. Stevie beobachtet die Szenerie, wirkt aber selbst als wäre er Millionen Meilen weit weg.

Mad Dog: "Auf dich, Quest for the Best."

Anerkennend hebt der Vorjahressieger des Turniers erneut das Glas, nun aber über sein Haupt, um Alistair seinen Glückwunsch auszudrücken.

Mad Dog: "Hast ein atemberaubendes Turnier gekämpft, aber das ist vermutlich erst der Anfang, huh?! Du hast das Standing und auch das Recht, jederzeit ein Match deiner Wahl zu fordern... und ich weiß, dass dieses Match nur um den Undisputed Gerasy gehen kann. Wenn man die Chance in der PCWA hat, sollte man sie auch nutzen."

Die Augen der beiden Männer treffen sich. Da ist es doch wieder... Sein Thema.
Mit glasigem Blick beißt sich MD auf die Unterlippe. Hebt nun den rechten Mundwinkel. Verlegen.

Mad Dog: "Vielleicht machst du es besser als ich... Vielleicht bist du stärker... Zumindest ist das jetzt deine Zeit, Alistair. Dein Moment. Auf dir ruhen nun die Hoffnungen, Azraels Schreckensherrschaft zu beenden und wieder den Titel sowie die PCWA in den Mittelpunkt zu stellen. So wie ich das einst tat."

Auch wenn die Zeit der unbekannten Konstante vorbei ist... Etwas bleibt immer.

Mad Dog: "...als ich noch der größte und hellste Stern am dunklen PCWA Firmament war."

Und wenn es die Erkenntnis ist, damals das letzte Mal gestrahlt zu haben. Aber ein Stern alleine reichte nicht aus, um die PCWA dauerhaft zu verändern. Da hat es Alistair heute besser... Er hat Stevie und ihn. Könnte das also nun seine neue Aufgabe sein? Brunswick unterstützen. War dafür seine Stärke noch tragfähig genug?

MDs Blick flieht aus der gut beleuchteten Dachterasse in die triste Dunkelheit der Nacht. Er wirkt wehmütig und genau dieser Eindruck bewegt Alistair, ihm einen kameradschaftlichen Knuff in die Seite zu geben.

Alistair: "Kopf hoch. Auch für dich kommen wieder bessere Zeiten. Du magst eine Schlacht verloren haben, aber nicht den Krieg."

Etwas besseres fällt Alistair in diesem Moment nicht ein. Den Krieg gegen Azrael hatte Mad Dog verloren und auch wenn Alistair das vermutlich nie zugeben würde, so war ihm dieses Ergebnis gar nicht einmal so unrecht. Allein der Gedanke, in seinem ersten Match um das ganz große Gold gegen einen Freund antreten zu müssen, würde ihn daran hindern, seine beste Leistung abzurufen. Hass ist die beste Triebfeder.

Cinderella hat sich gerade eine Zigarette angezündet. Während ihr Mann und der verrückte Hund weiter unterhalten, fällt ihr Stevies Schweigsamkeit auf. Sie lehnt sich zu ihm herüber, wodurch auch er nun den Blick von dem Limonadeglas hebt, an dem er sich seit einigen Minuten festhält. Mit ihren dunklen Augen blickt sie ihn direkt an.

Cinderella: "Kippe?"

Stevie Van Crane nimmt an und bekommen auch noch Feuer dazu.
Er inhaliert tief und sinkt noch weiter in die Couch zurück.

Cinderella: "War nicht leicht für dich letzte Show, hm?"

SVC: "Kämpfe gegen Grizz Lee sind nie leicht.. Das typische Syndrom in unserem Geschäft. Im Vorfeld schnitzen wir uns unsere Gegner zurecht, machen sie kleiner als sie sind. Und am Ende der Geschichte sind wir alle sowieso auf Augenhöhe und es entscheidet die eine Sekunde mehr Aufmerksamkeit. Der Augenblick Konzentration. Der Wimpernschlag Erfahrung und Insinkt..."

Cinderella aber schüttelt den Kopf.

Cinderella: "Geez. Lenke nicht ab. Du weißt genau so wie ich, dass die Sache mit Bleed viel wichtiger war als ein Sieg im Ring."

Sie rutscht noch ein Stück weiter an ihn heran. Fast zufällig berührt ihre Hand dabei seinen Arm. Schwarze Fingernägel, die wie beiläufig über seine Haut fahren. Für Cinderella scheint das alles ein Spiel zu sein, aber er würde am liebsten aufstehen und davon laufen.

SVC: "Ich habe getan, was getan werden musste. Egal, wie weit meine Reise jetzt noch führt. Niemand wird mich jemals wieder auf Elevens Seite vermuten. Diese Botschaft war mehr wert als die Befindlichkeit und die Zukunft von Bleed..."

Stevie Van Crane fasziniert sich in dem Moment selbst. Die sachliche Kälte, die er sich angewöhnt hat.
Ist das die PCWA? Ist das bereits ihr Einfluss? Das Geheimnis, wie man hier überlebt?

Cinderella nickt fast unmerklich und beißt sich nachdenklich auf die Unterlippe.

Cinderella: "Sie wird es überstehen. So wie wir alles überstehen, was hier Tag für Tag in diesem Raubtierkäfig passiert."

Sie muss dabei an ihre eigene Hochzeit denken. An ihren Vater, der ihren Ehemann mit einem Faustschlag in der Familie willkommen geheißen hatte. Und an ihr Gespräch mit Azrael, in dem sie ihm eröffnete, warum sie Alistair wirklich geheiratet hatte. Das alles war so lange her, dass sie sich manchmal vor sich selbst fürchtete.

Alistair: "Du willst ein Match gegen mich??"

Alistairs Stimme ist auf einmal etwas lauter geworden, so dass Stevie und Cinderella aufblicken. Sie sehen, wie Alistair aufgebracht direkt vor Mad Dog steht, der mehrmals beschwichtigend die plötzlich aufkeimende dicke Luft mit seinen Händen nach unten drückt.

Mad Dog: "Mir ist schon klar, dass mir meine letzte Chance auf den Gerasy bei CORE von Azrael aus der Hose gezogen wurde. Du musst nun nicht den Finger in die Wunde legen, Alistair."

Die Augenbrauen der Töle fahren hinunter und verschließen seine Augen zu engen Schlitzen. MD funkelt seinen Gegenüber an. Jeglicher Wehmut ist wie aufgelöst, die Worte Alistairs haben einen schlafenden Hund geweckt.

Mad Dog: "Nur weil mich dein Schwiegervater ganze drei Mal unfair besiegen konnte, heißt das nicht, dass ich meine Chance auf den Undisputed Gerasy auf alle Ewigkeit verspielt habe. Oder nun nicht mehr in diese Position gehöre. Diese drei Niederlagen haben nichts dergleichen nachgewiesen. Und wer weiß denn, wer von uns beiden der Bessere ist, huh? Ich bin noch nicht zu schwach für die Spitze."

Wie zum Beweis haut sich MD mit der Faust auf die Brust.

Mad Dog: "Nein, ich bin noch nicht zu schwach für die Spitze. Man mag es mir suggerieren, aber ich glaube, da tut man mir Unrecht! Ich drück' dir die Daumen, dass du es gegen Azrael schaffst, Alistair... Ich habe gesagt, ich stehe hinter dir und ich will nichts mehr, als dass du ihn bezwingst. Aber ich gehöre weiterhin an die Spitze... und in den Spitzenpositionen kämpft man um den Undisputed Gerasy Title. Das ist doch wohl klar, oder nicht?!" 

Alistair stellt mit einem Ruck das soeben geleerte Glas auf den Tresen.

Alistair: "Ist das alles? Ist das alles, was du wirklich willst? Bei Titelgold hört die Freundschaft auf, hm? Erst unterstellst du mir, ich würde meine Vorteile aus deiner Niederlage gegen Azrael ziehen und nun bist du es, der schon wieder nach dem Gürtel schielt? Gut, dass du so ehrlich bist und deine wahren Motive offenbarst. Das alles hier, das bedeutet dir also gar nichts. Wir, Stevie, Cinderella und ich, wir sind doch gar nicht deine Freunde. Du gibst dich mit uns ab, weil es manchmal besser ist, jemanden zu haben, der einem den Rücken frei hält. Mit Arrow hast du dir vermutlich auch schon deine Rückversicherung angelacht... That's it. Ist es nicht genau so, Mad Dog?"

Mit vor Zorn lodernden Augen drückt er den Zapfhahn noch einmal und lässt schnell etwas Bier in sein Glas sprudeln. Natürlich bildet sich zu viel Schaum, der ihm das Kinn hinunter rinnt, als er es mit einem schnellen Schluck leert.

Mad Dog: "Äh... nein!?"

Der Hund schüttelt vehement den Kopf, während allerdings Stevie van Crane ihm mit einer ausführlicheren Antwort zuvor kommt.

SVC: "Was ihr habt, ist ein Geschenk.. Freundschaft. Freunde zu sein in der PCWA. Das ist eine aussterbende Art, weil sie hier in einer feindlichen Umgebung existieren muss. Weil ALLES hier gegen sie spricht. Der ganze Wettkampf.. die Konkurrenz, die man sich selbst sucht, wenn sich gerade keiner anbietet, der einen für einen Titleshot verraten möchte. Grizz Lee hätte mein Freund sein müssen. Aber er wurde viel zu schnell von diesem Virus dahingerafft. Dieser Virus namens 'Erfolg', der wie Antikörper durch unserer Leiber wühlt und alles auslöscht, was uns verletzlich und angreifbar machen könnte. Wir sammeln lieber Feinde als wären sie schlechte Ansichtskarten. Bei CORE trat jemand an meine Seite, der wie ein Außerirdischer von einem fremden Planeten gewirkt haben muss. Jemand, der Erfolg hatte UND immer er selbst war. Jemand, der sagte: 'Vergesst niemals wo ihr ward, wer ihr ward und mit wem ihr es ward.' Wir können Freundschaften bewahren, sie beschützen und verteidigen. Wir können sie nicht kaufen.."

Er geht auf die beiden zu und will Alistair einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter geben. Dieser weicht jedoch aus. Als Stevie ihn erstaunt anblickt, ist Brunswicks Antwort nicht viel mehr als ein Flüstern.

Alistair: "Sagt derjenige, der sich von Azrael Rage beschenken lässt."

Sein Blick fällt auf Ace, der gerade den Kopf hebt und ihn mit treudoofem Blick ansieht. Zwar trägt er das mit Brillianten besetzte Halsband nicht mehr, aber ein Geschenk von Azrael Rage bleibt immer noch ein Geschenk des Teufels höchstselbst.

SVC: "Azrael hat mir ein Angebot gemacht. Es ist kein Geheimnis. Er ist der verdammte Champion, wer bin ich, dass ich nicht zuhöre, was er zu sagen hat? Du tust so, als hätte ich hier jemanden verraten, Stair. Vertrauen ist die Basis jeder Freundschaft. Tun wir doch nicht so, als würden wir aus Versehen Azrael unterschätzen, denn wir wissen alle sehr genau, dass er sich der Wirkung dieses Treffens bewusst war. Wenn wir drei uns nicht vertrauen, dann können wir das Ganze hier begraben. Denn dann sind wir nicht wirklich mehr als eine reine Zweckgemeinschaft."

Mad Dog: "Aber man kann sich jawohl außerhalb, als auch innerhalb des Rings vertrauen."

Der verrückte Hund stellt sein leeres Glas fort und sucht den Blickkontakt mit Alistair.

Mad Dog: "Ich weiß, dass Freundschaften in diesem Geschäft selten sind. Verdammt selten. Gerade an der Spitze wird es immer dünner. Ich habe das im vergangenen Jahr durchgemacht, als ich mich als Gerasy immer weiter isolierte. Oder seht euch Azrael an, der als Champion nun der einsamste Mensch der Welt ist. Robert Breads, dem niemand zu Hilfe kam, selbst als er am Kreuz hing... Wie lange Grizz Lee und Kevin Sharpe wohl gebraucht haben, bevor sie das eingespielte Duo von heute wurden?"

Er geht auf Alistair zu.

Mad Dog: "Und trotzdem würden sie jederzeit auch gegeneinander in den Ring steigen. Sich vor dem Match mit einem Handshake begrüßen und sich danach feierlich in den Armen liegen. Weil sie Respekt vor der Leistung des anderen haben und Vertrauen darin, dass keine miesen Spielchen abgezogen werden. Beides haben sie sich erarbeitet. Sowohl den Respekt vor-, als auch das Vertrauen zueinander. Und beides macht sie in meinen Augen nicht schwächer, sondern stärker. Es gibt keine Rangordnung, denn sie arbeiten an sich und sie arbeiten für sich. Gemeinsam."  

Er tritt einen Schritt nach vorne und breitet die Arme aus.

Mad Dog: "Ich bin ein Kämpfer, Alistair. Ich muss mich mit den Besten und Stärksten messen, um mich selbst noch zu ihnen zählen zu können. Du hast doch Respekt davor, oder? Respekt vor mir?! Siehst mich auf einer Stufe mit dir, huh?! Ich weiß, dass Freundschaften an Rangeleien zerschellen; ich habe es selbst erlebt. Aber sie können auch daran wachsen. Also kommt! Lasst uns die Streitigkeiten vergessen und einfach daran arbeiten, dass es bei uns nicht im Bösen, sondern im Guten endet."

Alistair zögert, seine Hand zu greifen. Dann aber seufzt er leise und packt Mad Dogs Rechte fest.

Alistair: "Deal."

Stevie läuft ein Schauer über den Rücken. Oder es ist ein anderes Gefühl..
Als ob etwas von ihm abfallen würde. Ein Schleier.
Er blickt sich um und kommt sich vor wie unter Fremden.

'Vergesst niemals wo ihr ward.
Wer ihr ward.
Und mit wem ihr es ward.'

Wie ferngesteuert legt sich seine rechte Hand auf die seiner Freunde.

SVC: "Wie ihr meint."

Für einen kurzen Moment stehen die Drei einfach nur so da. Drei Männer auf dem Dach des PCWA Theatres, über sich nur die Sterne...
Unbemerkt hat sich allerdings just in diesem Moment eine weitere Person genähert, die sich wie ein Schatten über die Szenerie legt.  Schwarzer Overall, schwarze Boots, schwarze Haare. Ex-Undisputed Gerasy Champion, Brawlin Rumble Gewinner und schon selbsternannter Gott, bevor Rage nicht länger Teufel sein wollte. Es besteht kein Zweifel, dass dies der gleiche Mann ist, der beim CORE gegen Alistair im Halbfinale des Quests antrat, verlor und danach über seinen Schatten und in den Keller von nicotine & bacteria sprang. Es sind dieselben blutunterlaufenen Augen. Dieselbe, immer schlimmer werdende Blässe. Und doch wirkt er in diesem Moment wie ein vollkommen anderer, frisch gezeichneter Mensch. Und so sind es keine begrüßenden Worte, die ihn willkommen heißen, kein fester Händedruck, keine freundschaftlichen Umarmungen, sondern einzig und allein kalte, abwartende Stille.

Es kam so, wie man es befürchten konnte. Anstatt die Stimmung zwischen Alistair und Robert durch einen frustabbauenden Kampf zu bessern, hat der CORE scheinbar dafür gesorgt die Stimmung zwischen ihnen zu verschlechtern. Über ein Monat haben Sie nun kein Wort miteinander gewechselt. Statt sich näher zu kommen, scheint mit dem Sieg von Alistair einfach nur ein weiteres Problem dazu gekommen zu sein. Bei ihnen ist es also genau so gekommen, wie Alistair es auch bei einem möglichen Match gegen Mad Dog befürchtet.

Roberts schwere Stiefel treten auf den Boden des Daches, als würden sie weit mehr Gewicht als das seines Körpers tragen. Der weitgeschnittene Overall raschelt bei jeder Bewegung. Die engen Lederhandschuhe glänzen im Licht der nächtlichen Beleuchtung, während die langen Haare bei jedem Schritt matt um seinen Kopf herumtanzen. Den Blick hat er leicht gesenkt, als er an den anderen vorbeigeht, unwillig ihnen in die Augen zu schauen, und obwohl außer ihm nur vier Leute auf dem Dach sind, kommt es ihm dadurch vor als würde er auf seinem Weg zu Alistair durch eine verdammte Hundertschaft auf dem Weg zu ihrem König marschieren.

Robert Barker: „Alistair.“

Alistair: „Rob-“

Barker hebt die Hand. Bittet ihn zu schweigen. Das Folgende ist auch so schon schwer genug.

Robert Barker: „Ich will… dir gratulieren."

Schweres Durchtatmen.

Robert Barker: "Du warst beim CORE der bessere Mann. Zweifellos. Es war ein faires Match, so wie du es mir versprochen hattest und so wie ich es dir versprochen hatte und am Ende... warst du besser als ich. Ich hätte es dir vielleicht schon an dem Abend sagen sollen, schließlich hattest du es mehr als verdient, aber um ehrlich zu sein... konnte ich das nicht. Diese Niederlage saß und sitzt immer noch tief… verdammt tief. Und bevor ich hier vor dich treten konnte, musste ich mich erst noch um meinen eigenen Scheiß kümmern. Gott weiß, ich habe genug Probleme. Aber du…“

Alistair will antworten, doch erneut hebt Robert abwehrend die Hände, nur um dann selbst einen nachdenklichen Blick auf seine Handschuhe zu werfen. Soll er wirklich?

Robert Barker: „Du hast dir die Chance Azrael von seinem Thron zu stoßen verdammt nochmal verdient. Du bist das Beste, was der PCWA passieren konnte, denn durch dich gibt es die Chance, dass endlich wieder ,einer der Guten' die höchste Krone der PCWA tragen wird. Die PCWA... wir haben lange auf jemanden wie dich gewartet.“

Er zwingt sich zu einem Lächeln und streift sich dann den Lederhandschuh von der rechten Hand. Er zittert leicht. Seit er seinen Comebackvertrag unterschrieben hat, hat er keine Person in der PCWA mit der bloßen Hand berührt. In jeder Show, jedem Match, jeder verdammten Begegnung im Backstagebereich hat er sich immer so bedeckt gehalten wie irgendwie möglich. Er hatte seine Gründe dafür, aber in diesem Moment scheint es ihm das einzig Angebrachte zu sein. Ein Zeichen des absoluten Respekts gegenüber jemanden, den er tief im Herzen wirklich für 'einen der Guten' und 'das beste was die PCWA zu bieten hat' hält. Was ihm dieses Zeichen allerdings abverlangt, kann niemand außer ihm selbst verstehen. Er hat ein wenig Angst davor, doch was ist ein wenig Unwohlsein im Verhältnis zur finalen Versöhnung mit Alistair?

Robert Barker: „Tu uns allen einen Gefallen und beende die Regentschaft von diesem größenwahnsinnigen Bastard.“

Und so streckt Robert dem Mann, der ihn aus dem Quest for the Best Turnier geworfen hat, als Zeichen seines Respekts die blanke Hand hin.

Alistair: "Das werde ich, Robert. Das werde ich ganz bestimmt."

*KLIRR*

Plötzlich sind es die Geräusche von zerberstendem Glas, die die Szenerie stören. Mad Dog zieht sich mit vor Wut scheumendem Blick schmerzverzerrt einige Splitter des von ihm zerdrückten Glases aus der Hand. Alistair blickt sich irritiert zu MD um, als Robert - den unachtsamen und in diesem Moment angreifbaren Alistair vor sich - heftig zu blinzeln beginnt.

x---x---CUT---x---x

Stacheldraht. Blut. Schmerzen.

x---x---CUT---x---x

Alistair am Boden. Regungslos. Leblos.

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Wie von einer Schlange gebissen reißt Barker seine Hand zurück. Aus seinen aufgerissenen Augen strahlt verständnislose Panik über das, was er gerade gesehen hat, während er verwirrt rückwärts stolpert. Das Gift der Schlange findet seinen Blutkreislauf, lässt seinen Körper durchdrehen. Schweiß auf der Stirn, gigantische Pupillen, zitternde Lippen. Irgendjemand klatscht ihm höhnisch Applaus, aber er ist sich in diesem Moment nicht einmal sicher, ob dieser jemand überhaupt da ist. Sein Kopf schnellt von links nach rechts nach links nach rechts. Immer die Gesichter seiner Mitmenschen und den Schock in ihnen suchend, doch jedes mal sobald er eines findet, wendet er sich beschämt und hilflos wieder ab.

Robert Barker: „NEIN!“

Was hat er getan? Alistar! Die Hoffnung der PCWA! Er muss... konnte... durfte nicht... Schnell weg. Einfach nur weg!

Robert Barker: „Niemals... niemals...“

Die fragenden Mienen seiner Kameraden sprechen Bände. Sie blicken ihm noch hinterher, als er sich von ihnen entfernt. Doch aufhalten werden sie ihn nicht.
Betretenes Schweigen hat sich breit gemacht. Cinderella hat sich zu Aistair gesellt und schmiegt sich nun direkt an ihn. Mit großen dunklen Augen blickt sie ihren Mann an.

Cinderella: "Du hast seltsame Freunde, Schatz."

 

Mike Garland: "Wieso laden die uns eigentlich nie zu ihren kleinen Privat-Partys da oben ein?"

Vincent Craven: "Weil du dich regelmäßig über Alistair, Mad Dog und Stevie lustig machst?"

Mike Garland: "Mh. Maybe..."

Vincent Craven: "Es scheint ja durchaus Spannungen zwischen ihnen zu geben. Zumindest deute ich das Gespräch so, auch wenn sie sich letzten Endes ja noch wieder eingekriegt haben."

Mike Garland: "Und dann ist da ja noch Robert, der zu spät zur Party erschienen war. Täuscht es mich oder hat er einen leicht... verwirrten Eindruck gemacht?"

Vincent Craven: "Schon beim CORE schien er manchmal nicht ganz er selbst zu sein. Fast kommt es mir so vor, als wäre da tief in ihm drin immer noch ein Teil des Schlächters, der nur darauf wartet, freigelassen zu werden."

Mike Garland: "Wir sind schon eine lustige Truppe. Nur Intriganten, Psychopathen und Neider hier, allesamt."


------------------ PCWA ------------------

Der erste Auftritt eines frischgebackenen Champions nach seinem großen Triumph sollte wohl in der Regel... nunja, triumphal sein. Feuerwerk, Konfetti, eine große Rede, tanzende Nutten, irgendetwas. Doch das erste Bild, das wir von Robert Breads, dem neuen, alten und nun zweifachen Cryption Crown Träger beziehungsweise PCA Wrestling Champion zu sehen bekommen ist das, wie er vor der Kabine von NEON LOVE steht. Soweit noch nichts Besonderes, ein Wrestler steht vor der Kabine eines anderen Wrestlers. Das sieht man in dieser Liga oft. Dann gibt es Gespräche, vorwiegend darüber wer der Geilere ist, wer wen warum platt machen wird, wer wessen Intrigen durschaut hat oder wie unglaublich gefährlich dieser Eleven ist, der nun schon ein Jahr hier ist und noch gar nichts gemacht hat. Nur steht Breads nicht allein vor der Tür von NEON LOVE's Kabine. Er hat eine Begleitung dabei, die er an einer Leine hält und mit einem Tuch zugedeckt hat. Es sieht fast aus wie ein großes Geschenk, nur dass Geschenke keine behaarten Beine haben, die unter einem Tuch hervor ragen, und die in Hufen enden. Wie dem auch sei, der Kanadier klopft in seiner ersten offiziellen Amtshandlung als höchster Champion der PCA an die Tür seines einzigen Freundes.

Schlagartig fliegt die Tür auf und NEON steht, über und über mit Farbe beschmiert und einem Blatt Papier in dier Hand, vor seinem Gast. Eigentlich hätte er Robär soviel zu erzählen und noch viel mehr zu Fragen, immerhin hat er einen Kampf gegen Blakey und Bleed... naja und er hat auch noch wichtige Neuigkeiten. NEON steht also, ein wenig wie ein Vollidiot, vor Breads und weiß nicht ob er sich freuen soll. Ihn interessiert allerdings schon was unter dem Tuch ist. NEON lächelt also das Tuch an und wedelt mit seinem Blatt rum.

Robert Breads: "Danke."

Mit einem versucht freundlichen Lächeln betritt der Kanadier das Zimmer in Gefolgschaft von was auch immer unter diesem Tuch ist. Das Lächeln geht zwar gründlich schief und wirkt so hölzern wie nur irgendwie möglich - freundlich sein ist nicht Breads' Stärke - aber er dreht sich dennoch zu NEON um, der die Tür langsam wieder schließt und "Canada's Own" misstrauisch beäugt wie das Internet The Raven.

Robert Breads: "Was hat du da eigentlich?"

NEON wirft einen Blick auf die Seite des Blattes, welche wir nicht sehen, lacht kurz.

NEON LOVE: "Das ist das Design für mein erstes, eigenes, PCWA-Shirt. Die wollten mir ein total hässliches machen, deswegen musste ich die Situation ravig-retten."

NEON wirft einen weiteren Blick auf das Bild, wieder lacht er und präsentiert dann der Welt, was sie schon immer wollte - Das "NEON LOVE SHEEP POPS"-Shirt.

Einmal mehr spricht Verwirrung aus dem Mann, der NEON LOVE gegenübersteht, aber das ist ja nun auch schon so eine Art Normalzustand bei den Beiden. Breads schüttelt den Kopf.

Robert Breads: "Okay, ähm... schön. Aber ich wollte dir ein Geschenk vorbei bringen, NEON. Du hast mir beim Pay-Per-View schließlich auch etwas geschenkt... eine wundervolle Robbe. Und ich bin sehr glücklich darüber. Hier, sieh nur."

Breads holt sein Smartphone heraus und bedeutete NEON LOVE, sich die Bilder darauf anzusehen. Der Sohn des Wrestlers der viel cooler ist als Valkos Heritage es jemals war betrachtet, was Breads ihm zeigt.

Robert Breads: "Hier ist ein Bild von uns wie wir auf der Couch liegen. Hier ist ein Bild von uns wie in einem Swimming Pool umher tollen. Hier sind wir gerade dabei gemeinsam über den Namen "Man From The Future" zu lachen. Hier tanzen wir gemeinsam umher. Hier lachen wir nochmal, diesmal über die FSP. Oh, das ist bloß ein Bild von Jimmy Maxxx, das ich auf dem Handy habe, damit ich immer etwas zu Lachen habe... aber hier ist noch ein Bild von uns wie wir so tun als wären wir Diego Sanchez."

NEON LOVE: "Ich sehe nichts, nur einen langweiligen sti-sta-stein!"

Robert Breads: "Korrekt! Wenn man das erkennt, haben wir ihn ja gut irritiert. Nun denn, wie dem auch sei, ich habe noch immer ziemlich gute Laune nachdem ich meinen Titel zurück gewonnen habe..."

Er lässt diese Worte einen Moment im Raum stehen. Als NEON weder applaudiert noch begeistert Pom-Poms aus seiner Hose reißt um damit umher zu springen, fährt er fort.

Robert Breads: "... wollte ich dein Geschenk erwidern. Die Robbe hat mir so viel Freude bereitet, dass ich mich revanchieren will."

NEON LOVE: "Aber Robär, du hast das Fi-Fa-Freundschaftsspiel nicht ri-ra-ratten-richtig verstanden, du musst mir nichts schenken. Freundschaft fordert keinen Ausgleich. Freundschaft ist flauschig. Du musst noch ganz dolligst viel lernen, dann wirst du auch mal so ein flauschiger Super-Freund wie ICH!"

Robert Breads: "Wie viele Freunde hast du denn?"

NEON LOVE: "Also da wären... da wären... ja... also... ehm... Du bist mein Freund, dass zählt mindestens 4 normale Freunde. Und dann habe ich noch Eri. Eri zählt auch mindestens für tausend Blakes."

Robert Breads: "Ich glaube nicht, dass das sonderlich viele sind."

NEON LOVE: "Du hast nur einen Freund. Du hast nur mich - NEON LOVE!"

Robert Breads: "Das hatte Robert Barker zu Schlächer-Zeiten auch. Aber gut, NEON, ich habe dein Geschenk nun dabei, und ich kann es nicht zurück geben... du wirst es wohl oder übel annehmen müssen. Es ist nur gut gemeint, wirklich. Ich will mich bloß bedanken... Hier."

Mit einem Ruck fällt das Tuch und es kommt ein Lama zum Vorschein. Das ist übertrieben behindert, aber es steht halt trotzdem jetzt ein Lama da im Raum.

NEON vergisst, wenn auch nur für den Augenblick, alles was bei CORE passiert ist. Er vergisst auch das er Eri noch abholen muss, gegen Blakey kämpfen darf und auch noch unbedingt im Internet schauen muss, was dieses GCW überhaupt war. Alles und jeder war mal da, nur keiner weiß was es ist. NEON ist für eine Sekunde still, steht einfach nur da und strahlt sein Lama an. Dann bricht es aus ihm raus - NEON beginnt zu quietschen. NEON beginnt zu hüpfen. Er hüpft um Breads rum. Er hüpft um das Lama und dann springt er auf das Lama. Er dreht eine Runde um Robert und quietscht, bei jedem Schritt den das Lama macht, glücklich wie ein Belgier im Kindergarten.

Robert Breads: "Ich habe es zufällig bei einem Straßenhändler namens Dirk gekauft... er wollte mit dem Lama einen Anschlag auf seine Psychologin verüben oder so, da habe ich es ihm lieber schnell abgekauft, ehe Schlimmeres passiert. Nun, und ich dachte, du würdest es vielleicht haben wollen... es hat auch schon einen Namen, weißt du. Ich habe festgestellt, dass es gerne überall einmal hingeht, kurz irgendwie irgendetwas hinrotzt und dann wieder von dannen zieht, um das gleiche Prozedere noch einmal abzuziehen. Deswegen heißt es LamaFly, auch wenn es gar nicht fliegen kann. Aber ein Lama ist es schon."

NEON reitet weiter um Robert herum, doch seine erste Euphorie ist verflogen. Ob man es jetzt glaubt oder nicht, es scheint als würde er grade Nachdenken. Lange schweigt er, reitet auf dem Lama umher und schaut Robert immer mal wieder relativ ernst an. So ernst halt ein ein Junge aussehen kann, dessen Haare rosafarben sind.

NEON LOVE: "Mein Daddy hat mir auch immer etwas geschenkt wenn er di-da-doof war. Wenn ich glücklich bin, dann vergesse ich immer ganz viel... willst du das ich vergesse, was du bei CORE gemacht hast?"

Robert Breads: "Was, das? Glaubst du, ich war nicht mehr ich selbst, oder was meinst du? NEON, ich bitte dich."

Die Betonung auf den Worten ist ein wenig zu übertrieben, als dass sie natürlich wirken.

Robert Breads: "Ich habe das nicht gern getan. Ich wollte das alles nicht tun. Aber ich habe vorher genau überlegt, was ich tun würde, und habe die Konsequenzen daraus gezogen. Ich habe wohlüberlegt gehandelt, mich nach langem Nachdenken dafür entschieden zu tun was ich tat. Diese Handlungen sind nichts, auf das ich stolz bin, aber sie waren nötig. Ich hatte alles unter Kontrolle. Das war alles Teil des Plans, und jetzt ist es vorbei. Es wird nie wieder passieren."

NEON LOVE: "Das sah aber nicht so aus, Robär. Du hast immer wieder mit den Stuhl auf Onkel Dunkin Dalmi eingehaut. Immer und immer und immer und immer und immer und immer und immer..."

Der Flauschmeister holt kurz Luft.

NEON LOVE: "...und immer und immer und immer und immer weiter. Und das schlimmste war..."

NEON macht ein schrecklich entsetztes Gesicht.

NEON LOVE: "...du hast dabei genau so geschaut, wie Blakey immer schaut, kurz bevor er wieder auf jede Wrestling-Regel spispspuckt! Willst du auch so werden wie Blakey?"

Das Pokerface das Kanadiers bröckelt, aber fällt nicht in sich zusammen.

Robert Breads: "Ich VERSPRECHE dir, NEON, es war nicht so. Es mag vielleicht so gewirkt haben, aber ich... ich... ich musste ganz sicher gehen, verstehst du? Dass ich gewinne, meine ich. Ich musste das machen, weil... ich musste es eben tun, okay? Ich habe nicht die Kontrolle verloren. Ich habe rational und logisch gehandelt. Ich bin nicht wie... die Anderen, verstehst du? Ich bin anders. Wirklich anders. Ich bin der Wrestling Champion. Ich bin Robert Breads. Und du weißt, was das heißt. Du bist doch mein Freund."

NEON LOVE: "Ich dachte auch immer das du nicht wie die anderen bist. Ich dachte du liebst das Wrestling, so wie Kabriel Lutifahr seinen Ski-an-tea mag. Aber du warst wirklich wie Blakey. Du hast geschaut wie er, wenn er mal wieder Actionfiguren von Alyster foltert. Ich mache mir Sorgen um deinen Ki-Ka-Kopf. Du sollst nicht werden wie die anderen. Du sollst nicht die Kontrolle verlieren und Leute mit Spielfiguren töten wollen. Du sollst ein Held sein. Ein Held behält die heldenhafte Haltung und verliert nicht dem Kontrolle!"

Robert Breads: "ICH HABE NICHT DIE KONTROLLE VERLOREN!"

So laut hat man den Kanadier selten gehört.

Robert Breads: "Ich habe nicht die Kontrolle verloren, okay? Ich bin nicht so! Ich bin besser als das. Und ich werde auch nie die Kontrolle verlieren. Ich habe alles unter Kontrolle."

Schwer atmet Breads nach diesen Worten aus, ehe er sich bewusst wird, dass er gerade seinen einzigen Freund angeschrien hat. Er hat die Kontrolle verloren, als er beschwor, niemals die Kontrolle verlieren zu wollen. Ein tragisches und ironisches Paradoxon.

Robert Breads: "NEON..."

Der Junge mit den rosafarbenen Leggings lässt den Kopf hängen. Jetzt ist Robär genau wie alle anderen... alle schreien ihn ständig an. Immer meinen alle er wäre doof und würde nicht merken was passiert. NEON ist sehr entäuscht. Wortlos reitet er aus seiner eigenen Kabine und lässt Robert dort zurück. Breads will sich grade ärgern, da kommt NEON wieder in den Raum geritten. Er schaut noch immer etwas leidvoll, doch seine Augen strahlen.

NEON LOVE: "Ist jetzt vöglein-vielleicht nicht die beste Zeitpunk, doch du bist mein bester Freund und ich brauche dich, ich brauche dich als meinen Trauzeugen, wenn ich Eri heirate!"

Bevor Breads irgendwie reagieren kann, entscheidet die Regie das wir den weiteren Verlauf des Gespräches nicht sehen brauchen. Hat NEON grade gesagt er will Eri heiraten? Gibt es etwa ein neues Online Game von Hello Kitty?

 

Vincent Craven: "NEON will Eri heiraten?"

Mike Garland: "Erschießt mich bitte jemand, wenn da wieder so eine 'Wir verheiraten unsere World-of-KITTYcraft-Avatare miteinander'-Scheiße dabei herauskommt?"

Vincent Craven: "Und natürlich bittet er seinen besten Freund Robert Breads, sein Trauzeuge zu sein."

Mike Garland: "Bei dem er fast ein wenig aneckt, indem er ihm unterstellt, dass er die Kontrolle über sich verloren habe."

Vincent Craven: "Was Robert heftigst bestreitet. Er hat Kriss Dalmi besiegt und nur Gleiches mit Gleichem vergolten. Er ist dabei in meinen Augen nicht zu weit gegangen."

Mike Garland: "Aber viel viel weiter, als er es sich jemals vorher hätte vorstellen können."

Vincent Craven: "Auf jeden Fall schenkt er NEON ein waschechtes Lama... und eine Menge Shoots hat er zudem auch noch im Gepäck."

Mike Garland: "Auf erkannte Ziele Feuer frei. Die PCWA ist kein Ponyhof."

Vincent Craven: "Ich bin gespannt, gegen wen Robert Breads seinen neugewonnenen Cryption Title als erstes verteidigen wird."

Mike Garland: "Es wird schon jemand sein, der diesen Titleshot auch verdient."


------------------ PCWA ------------------

Vor einigen Tagen...

Berlin Alexanderplatz.
Wir befinden uns in der Filiale einer renommierten Sprachschule mitten im Herzen der Hauptstadt. Der Klassenraum ist voll besetzt, allerdings nicht mit jugendlichen Schülern, sondern mit erwachsenen Männern und Frauen. Das Institut hat sich darauf spezialisiert, Immigranten kurz vor ihrem Sprachtest zur Einbürgerung den letzten Feinschliff zu verpassen. Außerdem schicken etliche große Unternehmen neue Angestellte aus fremdsprachigen Ländern für Kurse hierher. Keine Firma kann und will es sich  erlauben, dass ein frisch eingestellter Manager aufgrund eines sprachlichen Mißverständnisses bei einem wichtigen Geschäftstermin die Brüste der Gastgeberin anstelle ihres hervorragenden Kunstgeschmacks lobt. Keine. Manchmal werden auch Kollegen aus Sachsen oder Bayern hierher geschickt. Das aber nur am Rande.

Gerade läuft eine Unterrichtsstunde. Die Lehrerin, eine streng wirkende Mittfünfzigerin mit kurzen Kraushaaren und einer dicken Hornbrille blickt skeptisch eine Schülerin an. Die junge Frau plappert munter vor sich daher.

"私の名前はエリです私はレスラーだと私は、私は多くの成功を祝うしたいリーグのために働く私は両親が私を誇りに思っているように、私はそれを作ることを願っています。"

Die Lehrerin verdreht die Augen und unterbricht die Frau mit erhobenem Zeigefinger, da sie sonst vermutlich noch endlos weiter geredet hätte. Ein großes braunes Augenpaar blickt sie ratlos an.

Lehrerin: "Dass du Japanisch kannst, das wissen wir alle, Eri. Aber du bist hier, um Deutsch zu lernen. Also... magst du es nicht wenigstens einmal versuchen?"

Nun erkennen wir auch, dass es sich bei der jungen Frau um die Nachwuchswrestlerin Eri Osada handelt. Natürlich trägt sie ein weißes Hemd, einen karierten Rock mit dazu passenden Kniestrümpfen und Lackschuhe. Ihr langes dunkles Haar hat sie zu zwei Seitenzöpfen gebunden, die lustig bei jeder Kopfbewegung auf- und abwippen. Betreten blickt Eri zu Boden und hält sich die Hand als Zeichen der Scham vor den Mund.

Lehrerin: "Das war übrigens keine Bitte, sondern eine Aufforderung."

Eri läuft dunkelrot an und wirft einen verstohlenen Blick auf die Leute links und rechts neben ihr. Wider Erwarten lachen diese sie jedoch nicht aus, sondern wirken eher gelangweilt. Sie nimmt daher ihren ganzen Mut zusammen. Die deutsche Sprache fällt ihr immer noch schwer, sie klingt so hart und unfreundlich. Sie muss sich konzentrieren, um die Worte richtig auszusprechen.

Eri: "Mein Name... sein... Eri. Ich will viel lernen Deutsch, damit Spracke... viel besser wird..."

Die Lehrerin nickt. Das ist wenigstens schon einmal ein Anfang. Schließlich wendet sie sich einem anderen Schüler zu.

Lehrerin: "Nun zu dir... das ist deine erste Stunde hier, vielleicht solltest du dich erst einmal vorstellen, damit wir dich alle besser kennen lernen. Du brauchst dich nicht dafür zu schämen, wenn dein Deutsch noch nicht so gut ist, genau dafür sind wir ja alle hier."

In der hintersten Reihe macht sich ein junger Mann mit einem lauten Raunen bemerkbar. Er ist der Lehrerin bereits zuvor aufgefallen: Im schicken Anzug, mit einer längeren schwarzen Fronttolle, die seitlich nach hinten geföhnt einen Kontrast zu den ausrasierten Seiten darstellt und mit einem auffälligen Halstuch bekleidet. Bisher war er noch nie in ihrer Klasse und als sie heute ins Klassenzimmer trat, saß er bereits an einem Tisch. Zu Wort gemeldet hat er sich bisher auch nicht - was sich jedoch schlagartig ändern soll.

"Ich weiß überhaupt nicht, was ich hier soll. Mondieu, ich spreche besser als viele Deutsche und möchte nur eine Bescheinigung meiner Sprachkenntnisse."

Kopfschüttelnd, rückt er mit seinem Stuhl vom Tisch ab. Dennoch bleibt er sitzen.

"Wenn es aber weiter geht wie bisher, halte ich nicht bis zum Ende der Stunde durch. C'est cruel. Diese Cretins beleidigen jegliche Eleganz die eine Sprache auszeichnet." 

Die Leherin zieht eine Augenbraue nach oben.

Lehrerin: "Nun. Du scheinst unsere Sprache in der Tat gut zu beherrschen. Wo hast du Deutsch gelernt?"

"Ich habe es gelernt, wie jeder junge Franzose meiner Generation."

Diese Antwort scheint die Lehrerin nicht zu befriedigen. Der junge Mann scheint es aber auch nicht weiter ausführen zu wollen. Die anderen Klassenteilnehmer schauen dem Treiben interessiert zu. Es scheint allemal besser zu sein, als deutsche Grammatik zu pauken.

Lehrerin: "Und das wäre genau wie?"

Brüskiert erhebt sich der junge Franzose von seinem Platz. Diese Art der Fragestellung scheint ihm nicht zu gefallen. Er stellt sich gerade auf, nimmt Haltung ein, streckt das Kinn nach vorn und spricht mit einem Ton der Inbrunst und Überzeugung.

"Tokio Hotel!"

Stille im Klassenzimmer.

"Wir Franzosen lieben sie. Wir alle wollen Deutsch lernen, damit wir all ihre Texte verstehen. Tokio Hotel hat uns Franzosen die deutsche Sprache zurückgebracht. Wir haben in der Schule wieder Deutschkurse besucht und zuhause stundenlang die Texte der Songs und Interviews übersetzt. Sie haben das deutsch-französische Verhältnis repariert."

Tokio Hotel.
Einige der anderen Schüler können sich mittlerweile ein Kichern nicht verkneifen. Und einige Kommentare natürlich auch nicht.

Südländisch aussehender Schüler: "Issem krasse Schwuchtel-Mucke."

Die Mimik des Franzosen verändert sich schlagartig. Die Augen zusammen gekniffen sowie Augenbrauen und Mundwinkel nach unten gezogen, geht er einen Schritt auf seinen Klassenkameraden zu. 

"An deiner Stelle wäre ich vorsichtig. Meine Contenance sollte keinen falschen Eindruck vermitteln. Ich bin sehr um Etikette bemüht und weiß um die Wichtigkeit von Manieren. Dennoch, ich kann auch anders, denn ich bin Profi-Wrestler und habe gerade einen Vertrag mit einer der größten Ligen der Welt abgeschlossen. Vor euch steht ein zukünftiger, weltbekannter Superstar!

Noch einmal tritt er einen weiteren Schritt an den Tisch seines Mitschülers heran, noch immer mit finsterer Miene.

"Ich mag es nicht ausgelacht zu werden, daher sollte man mich nicht reizen. In der PCWA erhalten nämlich nur die Stärksten und Besten eine Chance. Niemand sollte mich austesten, wenn er nicht bereit ist körperlich gezüchtigt zu werden."

PCWA?
Sofort wird Eri hellhörig. Brav hebt sie den Arm und schnippst mit den Fingern. In der Schule darf man nämlich nur reden, wenn man dazu aufgefordert wird. Die Lehrerin allerdings bleibt weiter auf den neuen Schüler fixiert.

Lehrerin: "Oh, du bist also ein Wrestler der PCWA? Das ist interessant, die schicken immer mal wieder einige neue Angestellte hier. 'Nur die Stärksten und Besten...' warte, wir haben doch noch einen von euch in dieser Klasse, wenn ich mich recht entsinne..."

Sie wirft einen fragenden Blick durch den Raum. Ihre Augen bleiben schließlich bei einem sicherlich 150 Kilogramm wiegenden Bären von einem Kerl.

Lehrerin: "Sag, Andreij, bist du nicht auch ein Wrestler?"

Gelangweilt blickt der Angesprochene auf. Er scheint nicht unbedingt die hellste Leuchte am Sternenhimmel zu sein.

Andreij: "Ich nix Wrestler. Ich Stadtreinigung."

Das schnipsende Geräusch im Hintergrund wird langsam penetrant. Die Lehrerin wendet sich einem anderen Schüler zu.

Lehrerin: "Was ist mit dir, Murat? Bist du nicht der andere Wrestler in dieser Klasse?"

Der Angesprochene, ein hoch gewachser und muskelbepackter Kerl, schüttelt den Kopf.

Murat: "Nope."

"Arrêtez!"

Inzwischen aufrecht in der Mitte des Raums stehend und den rechten Zeigefinger in die Höhe streckend, unterbricht der Neuankömmling die Lehrerin. 

"Wenn ich mich umschaue, niemand hier kann ein Wrestler der PCWA sein. C'est impossible! Das Wrestling-Business ist ein hartes Geschäft, nur die Allerbesten erhalten die Chance sich zu beweisen. Sollte hier ein PCWA-Wrestler anwesend sein, so sei er gewarnt - niemand sollte den Weg des radikalen Messias Pierre Saint-Judas kreuzen. Ihn würde nur das Schaffott erwarten."

Obwohl er seine Worte ausgenommen bedacht betont, scheint die Vermittlung der Nachricht dahinter gestört. Es ist die unruhige Geräuschkulisse im Hintergrund. Deshalb wendet sich der Mann namens Pierre Saint-Judas herablassend ausgerechnet Eri zu - eben jener anderen PCWA-Angestellten im Raum.

"Petite Madame, ich bitte um mehr Ruhe und Aufmerksamkeit wenn ich rede. Es gehört sich nicht, eine solche Unruhe zu stiften, wenn jemand seine Gedanken vorträgt. Das ist sehr störend, wir haben hier wichtige Sachen zu klären. Solltest du mit meinen Lektionen nichts anfangen können, schau in dein Buch und lerne die Sprache."

Sichtlich genervt wendet sich nun auch die Lehrerin Eri zu.

Lehrerin: "Eri, was ist denn los? So kennt man dich ja gar nicht."

Gäbe es ein Spotlight in diesem Raum, wäre es jetzt auf die kleine Japanerin gerichtet. Zugegeben, ein sehr kleines Spotlight würde bei ihren 153 Zentimetern reichen.

Eri: "ICH... bin die Wrestlerin!"

Pierre: "Je vous demande pardon... "

Eri: "Ich kämpfe... für PCWA. Du musst sein, freundlicher zu uns allen. Eri Osada PCWA Wrestler, wir arbeit zusammen. Eri... nett, Neon... nett, du... nicht nett!"

Eri Osada erhebt sich von ihrem Platz und stellt sich dem jungen Franzosen gegenüber. Der Größenunterschied muss an die vierzig Zentimeter betragen. Die weit aufgerissenen Augen zeugen von der Ungläubigkeit, die Pierre erfasst. Eri legt die Hände an ihre Hüfte und will erneut etwas sagen, doch eine kurzes, scharfes "Zsch", erstickt dieses Vorhaben bereits im Keim. Pierre mustert sie, angestrengt denkt er nach, was Eri etwas zu verunsichern scheint.

Es folgen Momente, wie man in der PCWA Historie so wohl noch nie gesehen hat. Saint-Judas greift in seine linke Anzugtasche und zieht einen weißen Handschuh hervor. Erneut ein nachdenkliches Zögern, ehe er sich zwei Schritte von Eri entfernt. Diese weiß gar nicht wie ihr geschieht, als der weiße Federhandschuh nur wenige Augenblicke später in ihrem Gesicht landet.

Pierre: "Hiermit fordere ich sie zum Duell. Sie haben mich beleidigt, das kann ich nicht akzeptieren. Sie und ich werden bei Vendetta 98 ein Hardcore Match bestreiten. Bringe diesen Neon mit, wenn du magst, notfalls werde ich euch beide besiegen. Le Messi Radical wird diesen mangelnden Respekt bestrafen. Es gibt kein Entkommen."

Im Klassenzimmer herrscht absolute Stille. Hat dieses über 1,90 große und muskulöse Schwergewicht tatsächlich die nur etwas über 1,50 große Japanerin zu einem Hardcore Match herausgefordert? Unfassbar! Ist das tatsächlich möglich? Pierre Saint-Judas richtet sein Halstuch und macht sich auf, den Raum zu verlassen.

Pierre: "Sie können mein Sprachzertifikat an das Büro von Jona Vark übersenden."

Die sprachlose Eri erinnert an ein kleines trauriges Katzenbaby. Was ist passiert, was soll sie getan haben? Dann jedoch scheint ein Stimmungsumschwung einzusetzen. Eri ist nie vor einer Herausforderung weggelaufen. Sie weiß, was sie im Ring kann und dieser eingebildete Franzose wird sich noch umschauen. Bei der kommenden Vendetta würde sie gegen Blake Milton und Bleed in den Ring steigen, warum sollte sie sich also vor diesem Franzosen fürchten? Wo ist Neon? Sie muss ihn anrufen.

 

Vincent Craven: "Eben hatte wir NEON, nun konnten wir sehen, was Eri zuletzt so gemacht hat. Anscheinend hat sie fleißig an ihrem Deutsch gearbeitet."

Mike Garland: "Und wie der Zufall es so will, ist sie dabei auf einen anderen Wrestler getroffen. Pierre Saint-Judas, der gerade erst einen Vertrag unterschrieben hat."

Vincent Craven: "Anscheinend hat er Jona Vark mit seinen Tryout-Matches gegen Apfel Andi und den Universe Man überzeugt. In diesem Sinne: Herzlich willkommen in der PCWA."

Mike Garland: "Oh ja, was für ein Held. Fordert kleine Mädchen zu Hardcore-Matches heraus. Klingt wie der Anfang eines schlechten Pornos."

Vincent Craven: "Eri ist Wrestlerin hier und als solche muss sie sich Herausforderungen stellen. Auch wenn sie manchmal... auf den ersten Blick übergroß erscheinen."

Mike Garland: "Gegen Eri erscheint Elroy Schmidtke wie ein Hüne."


------------------ PCWA ------------------

Sie sehen zerbeult aus, so wie sie auf dem Parkplatz vor ihrer schwarzen Stretchlimousine stehen, die ob ihrer Länge gleich mehrere mit weißen Linien gekennzeichnete Parkplätze quer ausfüllte. Dieser Kurzurlaub in diesem Drecksloch mit dem Namen Berlin gestaltete sich in der Tat als schwierig. Egal, wohin es sie verschlug, egal ob Watergate, Tresor, Asphalt, White Trash, Weekend oder Cookies, mit ihrem nunmehr zerrupften Erscheinungsbild – eine Konsequenz aus ihrer Prügelei mit den Sicherheitskräften vor dem Berghain – ließ man sie auch sonst nirgendwo herein. Da konnten auch die Verlockungen eines lila Geldscheins nichts dran ändern. Als sie, zum Ende ihrer Reise hin, von einem Kreuzberger Linksparteiwähler-Zottel darauf hingewiesen worden sind, dass sie es ja in einem Club namens „Stahlrohr 2.0“ versuchen könnten, waren sie ganz verzückt. Dieser Name klang ja durchaus martialisch und es erschien mehr als wahrscheinlich, dass sie dort Gleichgesinnte treffen würden: Erzkonservative Traditionalisten, Monarchisten, unter ihnen vielleicht sogar die eine oder fähige Fechtbuxe, mit der man ein paar Karaffen pressen konnte.

Mit welch entsetzten, bleichen und von Ekel gezeichneten Gesichtern Richard von Hansa und Heinrich von Sternburg kurz darauf wieder herauskamen! Danach war das Projekt „Clubtour in Berlin“ definitiv für die beiden gelaufen. Doch, was mit dem angebrochenen Tag in der Einöde der Hauptstadt anstellen? Bummeln gehen? Irgendwelche dahergelaufenen Fritten unter den Tisch saufen? Nein, ganz sicher nicht. Alles nördlich des Weißwurst-Äquators war nicht nur Saupreißen-Land, sondern auch wurstiger als eine Metzgerei. Die, Corpos, die dort studierten, konnten allesamt nix an der Tasse und das galt auch für die Kösener. Nein, wenn sie schon mal in Berlin waren, dann wollten sie auch einmal auskundschaften, was in der Schimmelliga geschieht, in der auch diese abscheulichen Lumpensammler Dalmi und Breads antraten, die sie noch aus der Zeit ihres GFCW Runs kannten. Letzteren hätten sie vor einer Woche bei GFCW Title Nights sogar sehen können aber sie zogen es lieber vor, nachdem sie gegen die amtierenden Tag Team Champions Maximilian Lunenkind und Max Mustermann verloren – was sie natürlich niemals zugeben würden –, direkt darauf bei Spawn zu kündigen. Aber der Kanadier war eh ein überbewerteter Spast!

Sie versuchten also, in diesen zylindrischen Koloss aus Glas und Stahl zu kommen: Durch die Hintertür, so wie sie es gewohnt waren, no homo! Doch Überraschung! Auch dort wurden sie abgewiesen, weder gehörten sie den Mitarbeitern an, noch waren sie als Wrestler in der PCWA angestellt, also schickte man sie wieder weg und nachdem sie schon bei ihrer misslungenen Clubtour sämtliche Schlägereien verloren hatten, haben Richard und Heinrich darauf verzichtet, vor dem Theatre noch eine weitere anzufangen. Und nun stehen sie wieder hier. Hier auf dem Parkareal des Phoenix Centers, direkt vor dem Theatre.

Heinrich von Sternburg: „Und was machen wir hier jetzt?“

Richard von Hansa: „Was wir jetzt hier machen?!“

Diese Wiederholung klingt wie ein empörter Vorwurf, doch das inoffizielle Sprachrohr Nobilae, wie man Richard von Hansa auch nannte, weiß es selbst nicht so genau. Grübelnd und eine Augenbraue hochziehend reibt er sich sein perfekt rasiertes Kinn und starrt hinüber zu dem Einlass am Fuße des architektonischen Riesen, als er dort etwas in der Ferne entdeckt.

Richard von Hansa: „Los, komm mit, Heinrich! Ich habe eine Idee.“

Mit schnellen Schritten überquert das FW.net Tag Team des Jahres 2012 die Distanz zum Einlass. Davor schart sich eine große Menschenmenge, gut gelaunte PCWA-Fans, die geduldig darauf warten, ihr Ticket vorzeigen zu können und im Veranstaltungsort ihren Platz einzunehmen. Aber der Einlass ist nicht das, was sie suchen. Vielmehr ist es eine Person, die sich neben der Menschenmenge postiert hat und mit ihren beiden Händen ein Schild über ihrem Kopf hält.

 

 

Sie nähern sich dem übergewichtigen und langhaarigen Burschen mit dem sich über seinen Prachtkörper spannenden Keevan-Shirt und dem Schild in den Händen. Er scheint nicht mehr älter als 20 zu sein und... Nun ja, er sieht eben so aus, wie man sich so einen Wrestlingfan in Deutschland halt vorstellt. Richard von Hansa hat das freundlichste Lächeln aufgesetzt, zu dem er im Umgang mit den Niederen fähig ist, was allerdings trotzdem mehr einer gezwungenen und schmerzerfüllten Frazte als einem Lächeln gleicht. Der dickliche Fan mustert die beiden Neuankömmlinge interessiert. Dann beginnt Richard von Hansa sich mit einem lauten Räuspern vorzustellen.

Richard von Hansa: "Grüß Gott, mein übergewichtiger Freund! Wie ich deinem sorgsam gebastelten Schild entnehme, hast du noch zwei Karten für die heutige Vendetta-Veranstaltung zu verkaufen, ist dem nicht so?"

Die Gesichtszüge des Fans ziehen sich zusammen, als er sich die die beiden noch mal genauer ansieht und antwortet mit einem bestätigenden Grunzen wie das CROSSOVER-Schwein, bevor er mit seiner nasalen, ätzend hohen Stimme antwortet.

Wrestling-Fan: "Dit sieht man doch wohl! Dit Schild hab ick ja nich' ohne Grund jemacht!"

Richard von Hansa runzelt mit der Stirn. Er sollte diesem fetten, kleinen Versager eigentlich die Leviten lesen, aber er braucht ja noch die Tickets, also schluckt er den Ärger über diesen unerhörten Ton runter und setzt erneut sein gezwungenes Lächeln auf.

Richard von Hansa: "Gut, in diesem Fall würden wir gerne deine beiden Tickets ersteh... WAS ZUM TEUFEL IST DENN???"

Dieser forsche Blick des Fans! Er mustert sie die ganze Zeit schon so seltsam. Ohne auf Richards Frage zu antworten, starrt er sie weiter kritischen Blickes an, als er auf einmal die Augen aufreißt.

Wrestling-Fan: „Moment ma'! Ick kenn' euch doch irjendwoher!!! Seiter nich'... Ihr seit doch Corps Nobilis, oder?“

Sowohl Richard von Hansa als auch Heinrich von Sternburg schauen sich für einen Moment perplex an. Die Erkenntnis des jungen Mannes vor ihnen kam für die beiden Corpsstudenten offenbar ziemlich plötzlich. Sogleich wandelt sich Richards überraschter Gesichtsausdruck in Wohlgefallen. Stolz und Genugtuung erfüllen ihn. Endlich! Endlich jemand, der ihn in dieser barbarischen Müllhalde von einer Stadt erkennt und begreift, dass sie eigentlich VIPs sind. Freundschaftlich legt er den Arm, um die Schultern des Fans, bereut diesen Schritt allerdings direkt wieder, als der Körpergeruch des Ticketverkäufers in seine erhabene, adlige Nase kriecht.

Richard von Hansa: „So ist es mein, schwitzender, verpickelter Freund! Die Lichtgestalten des Tag Team Wrestlings, Corps Nobilis, stehen wahrhaftig vor dir und wenn du uns deine Tickets verkaufst, dann lassen wir uns vielleicht auch dazu herab, dir noch ein Autogramm von uns beiden auf dein Pappschild zu geben. Ist doch ein tolles Angebot von uns, oder?“

Der dicke Fan löst sich aus der Umarmung des Adligen und winkt desinteressiert ab.

Wrestling-Fan: „Näää, lass ma!“

Richard von Hansa: „Was???“

Direkt schießt der Wutpegel wieder auf 180, was man auch an der ungesunden Röte erkennen kann, die dem inoffiziellen Sprachrohr Nobilae ins Gesicht schießt. Auch Heinrich von Sternburg schaut den Dicken mit einem Blick an, als wolle er ihn augenblicklich erwürgen.

Wrestling-Fan: „Die GFCW find ick scheiße! Wenn überhaupt kiek ick da mal wegen Breads rein aber den Rest kann sich ja keener geben! Viel zu langweilig, viel zu wenig Gewalt!“

Richards Hände verkrampfen sich die Krallen, wohingegen sich die von Heinrich zu zwei massiven Abrissbirnen formen. Der Fan weiß offenbar nicht in welcher Situation er sich gerade befindet. Wieder beginnt der Fan mit seiner nervigen, nasalen Stimme zu sprechen.

Wrestling-Fan: "Also wollter die Tickets jetz' oder nich'?"

Die Hände der Mannen, die jetzt eigentlich an ihrem Schreibtisch sitzen und das BGB wälzen sollten, entspannen sich wieder. Natürlich! Die Tickets! Richard atmet tief durch, versucht sich zu beruhigen, Countenance zu wahren. Kurz richtet er sich die durch Pomade feucht glänzenden Haare, dann erwidert er, wobei er wieder versucht, ein besonnenes Lächeln aufzusetzen und wie schon die Male davor kläglich scheitert.

Richard von Hansa: "Natürlich! Was sollen sie kosten?"

Wrestling-Fan: "4000 Euro für beide!"

Richard von Hansa: "4000 Eur... WAAASSS???????? DU SPINNST JA WOHL!!!!!! WIE KOMMST DU HÄSSLICHE KRÖTE DARAUF, SO EINEN ASTRONOMISCHEN PREIS VERLANGEN ZU KÖNNEN????? DAS SIND DIESE BEIDEN TICKETS NIE UND NIMMER WERT!!!!!"

Wrestling-Fan: "Der Preis steht. Nehmt se oder lasst et bleiben!"

Der kleinere der beiden Wrestler ist drauf und dran, diesem unverschämten Wicht ordentlich seine verpickelte Fresse zu polieren und kann nur mit Mühe und Not von Heinrich, dem eigentlich aggressiven Part in ihrem Team, davon abgehalten werden. Der Wrestling-Fan grinst dümmlich. Wenn die beiden so emotional reagieren, dann brauchen sie die Tickets dringend. Und so kurzfristig können sie nirgendwo anders welche auftreiben. Mit diesem Wissen im Hinterkopf gießt er noch weiteres Öl ins Feuer.

Wrestling-Fan: "Ihr seit doch so reich! Dit dürfte für euch also keen Problem darstellen. Eijentlich müsst' ick bei euch beide den Preis sojar noch verdoppeln!"

Richard von Hansa: "VERDOPPELN????"

Er greift nach ihm, rudert mit den Armen, um ihn irgendwie zu fassen zu kriegen, wird von seinem hünenhaften Tag Team Partner aber zurückgehalten, der seine baumstammartigen Arme um die Hüften seines Münchner Stadtvettern gelegt hat. Also ein Waist-Lock lol.

Nach einer kurzen Dauer des Zeterns und des Flüche-Ausstoßens scheint sich der Corpsstudent mit der kurzen Hutschnur wieder zu beruhigen. Heinrich von Sternburg entlässt seinen Corpsbruder, welcher dem Fan erst noch tödliche Blicke zuwirft, dann aber seine Gucci-Geldbörse aus aus der Gesäßtasche seiner cremefarbenen Louis Vuitton-Chinos fischt und nacheinander eine Reihe lila Geldscheine herauszieht. Als er den siebten davon hervorzieht stockt er und grummelt verärgert. Es fehlen 500 Euro! Er braucht jedoch nichts zusagen: Heinrich zieht sein Portemonnaie und reicht ihm den fehlenden Schein, den Richard wiederum, mit dem Rest des Geldes, dem Wrestling-Fan reicht, der für die nächsten zwei, drei Monate erst mal ein entspanntes Leben führen kann. Der Dicke händigt den beiden die Tickets aus, wirft sein Schild hinfort und verlässt zufrieden grinsend die Szenerie.

Corps Nobilis haben die Tickets. Endlich. Und sie gesellen sich zu all den anderen Normalsterblichen, die vor dem Einlass stehen und sind für den Moment genau das, was sie so sehr verabscheuen: Normalsterblich.

 

Mike Garland: "Töhö. Irgendwie finde ich die Jungs mittlerweile ganz unterhaltsam. 4.000 Euro geben die für zwei Tickets aus? Denen muss verdammt viel an der PCWA liegen und das macht sie auf einmal ungemein sympathisch."

Vincent Craven: "Ich frage mich ja nur, warum da draußen immer noch so viele Fans am Eingang standen. Das erste Match ist doch schon gelaufen und alle Plätze sind besetzt."

Mike Garland: "Nicht alle. Irgendwo waren noch zwei 2.000-Euro-Sitze frei, hehe."

Vincent Craven: "Wenn die beiden also schon einmal in der Halle sind, dann werden wir sicherlich nicht das letzte Mal heute von ihnen gehört haben."

Mike Garland: "Das denke ich auch."


------------------ PCWA ------------------

"Es ist wirklich nicht zu glauben!"

Genervt schnippt Kevin Sharpe seine Kippe in den Rinnstein und verschränkt die Arme vor der Brust. Das nervöse Auftippen mit seinem linken Fuß bemerkt er schon gar nicht mehr. Seit einer halben Stunde stand er hier schon im Regen, der unablässlich vom Himmel fällt. Also wollte Petrus persönlich seine Einschätzung zu Kevins Match heute Abend geben. Fluchend schüttelt der ehemalige 'Sickman' das Wasser von der Regenjacke, die er sich eilig übergeworfen hatte. Die Baseball Cap war sowieso schon durchnässt, von daher... 

Sharpe: "Dieser verdammte... "

Mit hektischen Bewegungen fingert er eine weitere Kippe aus der Tasche und versucht diese, so gut es geht vor dem Regen schützend, zu entzünden... was ihm schlussendlich auch gelingt. Er nimmt einen tiefen Zug und bläst den blauen Dunst in die eiskalte Abendluft. Sein Blick schweift über das PCWA Gelände.

Sharpe: "Jeder normale Mensch hält sich jetzt im Theatre auf... nur ich Idiot stehe hier in dieser eiskalten Scheisse und warte auf meinen besten Freund. Auf den ich mich immer verlassen kann. SCHEISSE!"

Halb ausgequalmt fliegt die Zigarette in hohem Bogen über den Parkplatz. Er würde noch eine Minute warten. Dann... Scheiss drauf! Er würde auch allein zurecht kommen. 

Doch gerade als Sharpe sich umdrehen will, erkennt er Scheinwerferlicht in der Wand aus Regen.

Sharpe: "Das darf doch nicht wahr sein... "

Mit quietschenden Reifen kommt das Taxi direkt vor Kevins Füßen zum Stehen. Die Tür fliegt auf und Grizz Lee steigt aus. Zumindest versucht er es. Sein Fuß bleibt am Boden hängen und er stützt sich geistesgegenwärtig mit der freien Hand am Türrahmen ab, um Schlimmeres zu verhindern. Der Blick wandert kurz zu der Hand, die die Schloss-Büchse fest umfasst. Nachdem Grizz sicher auf den Beinen steht, kramt er aus der Hosentasche ein paar Scheine und wirft diese dem Taxifahrer entgegen.

Grizz: "Stimmt so... "

Das Gefluche des Fahrers, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht aus Berlin oder gar Deutschland stammt, ignoriert der Hardcore Superstar und steuert wackelig auf seinen Freund zu. Er schüttelt die vom Regen bereits feuchten Locken, hebt die Dose und grinst seinen Freund breit an. Ein leichtes Lallen hat sich auf seine Zunge geschlichen.

Grizz: "Kev... ich hoffe, ich bin nicht zu spät... "

Mit einem langen Zug leert der Trouble Magnet die Dose und wirft sie achtlos beiseite. Pfand scheint nicht wichtig zu sein. Das Klappern des Blechs auf dem Asphalt mischt sich mit dem Prasseln des Regens. Kevin mustert seinen Freund kopfschüttelnd von oben bis unten. Die typische schwarze Trainingshose der Marke mit den drei Streifen. Über dem Pulli, dessen Kapuze er sich nun umständlich über Kopf zieht, trägt der Grizzer eine abgenutzte Daunenjacke. Die hat er schon seit Jahren, verrichtet aber noch immer ihre Dienste. Fahrig streicht er sich durch den anscheinend seit Tagen nicht mehr gestutzten Bart, danach durch die mittlerweile tropfnassen Locken. 

Grizz: "Was ist?"

Kevin stemmt die Arme in die Hüften.

Sharpe: "Was los ist? Wir waren verabredet... VOR der Show! Und wenn du in deinem Suff mal auf die Uhr schauen würdest... dann würdest du bemerken, dass du leicht ZU SPÄT bist! Oder hast du deine Uhr gegen eine Palette Schloss Pils bei irgendwelchen Pennern um die Ecke eingetauscht?"

Grizz: "Hey, mach' mal langsam."

Er zückt eine weitere Dose aus einer der weiten Jackentaschen. Aber schon im nächsten Moment wird sie ihm von Kevin Sharpe rüde aus der Hand geschlagen.

Sharpe: "Es REICHT jetzt! Genug mit der unnötigen Sauferei"

Mit getrübtem Blick starrt der Grizzer seinen Freund an, während die Dose ihren Weg zum Rinnstein findet. Die Erklärung klingt wenig überzeugend.

Grizz: "Ich hab' Dir doch geschrieben, dass ich gern meine Ruhe hätte... ein bisschen Zeit brauche."

Sharpe: "Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?"

Hilflos hebt er die Arme.

Sharpe: "Du willst mir doch jetzt nicht wirklich erzählen, dass dich diese Scheisse mit Stevie so runter gezogen hat?"

Seufzend richtet sich der Blick des Grizzman zur Seite. Vorbei an Kevin, hinaus zur schlechten Welt.

Grizz: "Es ist doch immer so. Ich hab' ein großes Match... eine große Chance. Und alles, was ich damit anfange, ist, es zu verbocken. Ich gewinn' nichts, Blacky. Keinen World Title. Nicht mal das..."

Mit einer schnellen Bewegung packt Sharpe seinen Freund am Kragen und zerrt den vor Verwirrung sich nicht wehrenden Trouble Magnet unter die nächste Laterne. Dann packt Kevin den Hinterkopf von Grizz und drückt diesen an eine Autoscheibe, so dass er sein Spiegelbild sehen kann.

Sharpe: "SIEH DICH AN! Das bist nicht DU! Komm um Himmels willen zu dir! Hör auf, dir für irgend etwas die Schuld zu geben oder dich verantwortlich zu fühlen! Soll die ganze Scheisse wieder von vorne anfangen? Setz verdammt nochmal einen HAKEN an ALLES, was Vergangenheit ist und konzentriere dich auf das JETZT!" 

Mit einem Aufschrei wirft er seinen Freund zu Boden. Hart landet Grizz Lee auf dem nassen Asphalt. Der Schmerz macht den Trouble Magnet wieder halbwegs nüchtern und er ist sofort auf den Beinen. Er spuckt auf den Boden.

Grizz: "Was fällt Dir ein, Du..."

Sharpe: "Halt deine verdammte Fresse, du in Selbstmitleid versinkendes Arschloch! Ist dir eigentlich klar, dass ich damals ohne dich nicht überlebt hätte? Erinnere dich... der Tod von Venita... ich war bereit ihr zu folgen. Ich war bereit meinem verdammten Leben ein Ende zu setzen! Und warum habe ich es nicht getan?"

Die Erinnerung übermannt ihn. Eine Träne rinnt seine Wange hinab und vermischt sich mit dem Regen.

Sharpe: "Weil ich zwei kleine Jungen habe, für die ich sorgen muss. Verdammt nochmal... ich verlange nicht viel von dir. Ich verlange nur, dass du heute auf mich aufpasst. Habe ich sonst jemals etwas von dir gewollt? Habe ich nicht immer in deinem Schatten damals gelebt? Und jetzt... wo ich dich ein zweites Mal brauche... tauchst du hier auf, angesoffen, vier Tage in denselben Klamotten und siehst aus wie Rübezahls Neffe... "

Er lehnt sich entkräftet gegen die Laterne.

Sharpe: "Alles, was ich will... ich verlange doch nicht viel. Nur... "

Er stößt sich von der Laterne ab und geht auf seinen Freund zu, baut sich vor ihm auf... jeder Muskel ist gespannt. Und mit einem Seufzer, der vielleicht Erleichterung ausdrückt... legt er die Hand auf Grizz´ Schulter.

Sharpe: "Deine Unterstützung... "

Nach Sekunden der Überlegung kann Grizz noch immer nicht viel mehr, als mit dem Kopf zu schütteln.

Grizz: "Verstehst Du nicht? Alles, was ich getan hab', war..."

Sharpe: "Völlig unnötig, ich weiß. Stevie hatte seine Entscheidung schon längst getroffen. Er wollte dich nur besiegen. Ein allererstes Mal. Aber das ist kein verdammter Grund, um jetzt in Selbstmitleid zu versinken. Das Match war hart, der Ausgang knapp. Du hättest es genauso gewinnen können."

Lee schlägt den Arm seines Freundes weg.

Grizz: "ABER DAS HAB' ICH NICHT!! Begreifst Du das nicht?"

Auge in Auge stehen die beiden besten Freunde sich gegenüber. Kevin kann dem Blick nicht Stand halten und wendet die Augen zu Boden.

Sharpe: "Ich war mir wirklich nicht der Tatsache bewusst, dass dich das so mitnimmt. Aber verdammt nochmal... es ist VORBEI!"

Sharpe versucht seine Hand auf den Arm seines Freundes zu legen, doch der wischt die freundschaftliche Geste einfach weg... aus Wut... nicht auf seinen Freund, sondern auf das, was passiert war... zwischen ihm und Stevie... vielleicht auch der ewige Kampf zwischen Grizz Lee und der Welt als solches.

Grizz: "Geh' weg..."

Sharpe: "Nein. Ich bin schon viel zu oft abgehauen."

Ein Zittern durchfährt den Körper des Trouble Magnet und Kevin tut das einzig richtige. Er nimmt seinen Freund in den Arm. Das anfängliche Sträuben löst sich binnen Augenblicken. Wüsste er nicht, dass hier überall aufnehmende Kameras nur auf solche Momente lauern, würde er wahrscheinlich hemmungslos zu weinen beginnen. Aber er beherrscht sich. Kevs Augen glänzen feucht. Irgendwelche Worte finden... die richtigen.

Sharpe: "Ich hab dir das nie erzählt. Wahrscheinlich, weil ich viel zu stolz dafür bin. Oder war. Aber... nach unserem Match damals, 2002 in der GWF, da bist DU weiter gegangen. In andere Ligen, hast die Welt gesehen und Erfolge gesammelt. Ich... hab aufgehört. Zwei Jahre lang. Aber nicht, weil wir uns die Scheiße aus dem Leib geprügelt haben, Grizz. Sondern... wegen dem ganzen Dreck vorher."

Der zitternde Körper seines Freundes ruht immer noch in seinen Armen, Tränen laufen ihm wieder über die Wangen.

Sharpe: "Weißt du noch, was du gesagt hast? Dass ich dein Ballast bin? Dass du mich durchziehst, mit mir zusammen niemals was werden könntest?

Grizz stößt sich von Kevin ab und fasst sich. Ein schwaches Nicken beantwortet die Frage.

Sharpe: "DAS hat mich zum Aufhören gebracht, mein Freund. Denn damals hätte es nichts geben können, das mich tiefer hätte verletzen können."

Eine hilflose Geste... eine erhobene Hand... die sogleich in die Tasche wandert und Kippen inklusive Feuerzeug hervorzaubert. Gierig saugt Sharpe den blauen Dunst ein und bläst ihn sogleich in die kalte, nasse Nachtluft.

Sharpe: "Weißt du... vielleicht hab ich mittlerweile begriffen, dass DU der Bessere von uns beiden bist. Dass DU das World Title Material bist. Oder... Undisputed Gerasy, wie es hier heißt. Vielleicht..."

Er atmet den Qualm hinaus in die schlechte Welt.

Sharpe: "Vielleicht bist du einfach derjenige, der für die großen Sachen gemacht ist."

Verächtlich lacht der Grizzer in Blackys Gesicht.

Grizz: "Ach, wirklich?"

Den Sarkasmus seines Gegenübers ignorierend breitet Kevin die Arme aus.

Sharpe: "Alles was wir je wollten, worauf wir hingearbeitet haben... all das... liegt hier!"

Er fährt sich durch den Bart.

Sharpe: "Hier, direkt vor uns! Ich für meinen Teil, ich bin hier, Grizz, um das zu tun, was mir am meisten Spaß macht. Ärsche treten! Nicht deinen. ABER MIT DIR ZUSAMMEN!! Ich habe für alle da draussen bewiesen, dass ich es immer noch drauf habe! Und ich werde es heute Abend nochmal beweisen! Und dann... denk an die verdammten COTATORES Titel... Lobotomy Blues... wir können hier verdammt nochmal Geschichte schreiben! Und jetzt sage mir noch einmal, dass das unwichtig ist... und Selbstmitleid oder verräterische Bastarde an der Tagesordnung sind!"

Grizz will zu einer Antwort ansetzen.

Sharpe: "Nein! Du hast genug geredet! Geh jetzt verdammt nochmal unter die Dusche, werde klar und dann kannst du EVENTUELL im Main Event ein wachendes Auge auf mich haben, sollten die Kelten noch hier sein und irgendeine Scheiße abziehen."

Grizz zieht eine Augenbraue nach oben.

Sharpe: "War irgendetwas an meiner Aussage mißverständlich, oder klang es so, als wäre selbige verhandelbar? GEH DUSCHEN!"

Mit dieser klaren Ansage verschwindet der Blues im Theater. Erfolgreiche Zeiten im Fokus.

 

Vincent Craven: "Freundschaft im Blues-Style."

Mike Garland: "Gute Freunde müssen sich eben auch einmal mit einem herzlichen 'Du lausiges Arschloch' begrüßen dürfen. Solange sie sich danach noch in die Augen schauen können."

Vincent Craven: "Seit so vielen Jahren sind Grizz Lee und Kevin Sharpe nun schon ein eingespieltes Team. Bei Vendetta 100 wollen sie diesen Vorteil nun auch in der PCWA ausspielen und sich gemeinsam die Cotatores Trophy holen. Der einzige Titel, der Lobotomy Blues in ihrer Sammlung noch fehlt."

Mike Garland: "Dafür muss sich Grizz aber ein wenig zusammen reißen. Sein Auftritt gerade wirkte nicht besonders souverän."

Vincent Craven: "Kevin wird ihn schon wieder aus diesem Loch heraus holen. Dafür sind Freunde da."


------------------ PCWA ------------------

Es ist heiß. Die Sonne hat den Sand aufgeheizt auf über 60 Grad und es gibt keine Möglichkeit sich einen Platz im Schatten zu suchen. Nichts als heißer Sand und Sonne. Schweiß rinnt aus jeder Pore und er hasst es. Doch er muss es tun, da dies sein Job ist. Immer wieder kneift er die Augen zusammen damit der Schweiß sein Blickfeld nicht trübt. Er hat meist nur eine Chance und da braucht er seine Augen. Wieder muss Matt Mason die Augen zusammen kneifen und einen Schweißtropfen wegwischen. 

Er rührt sich keinen Centimeter und atmet langsam... flach... ruhig. Sein Herzschlag ist durch Medikamenteneinnahme verlangsamt. Das Schlagen ist fast in seiner Brust nicht zu spüren, als wäre es der Herzschlag eines sterbenden Mannes. Doch er stirbt nicht, er braucht lediglich Ruhe, ein gutes Auge und Geduld. Das hasst er am meisten...das lange Warten vor dem großen Knall. Manchmal bleibt der Knall auch aus und das Warten ist umsonst. Doch wenn es knallt, dann ist Matt wie in Trance. Alles erscheint verlangsamt und der eigentlich große Lärmpegel erklingt nur Dumpf in seinen Ohren. 

Matt schließt das rechte Auge, während er mit dem Linken durch das Zielfernrohr sieht. Seine linke Hand berührt kurz die Distanzeinstellung seiner M24 SWS und wird leicht nach links gedreht. Die Einstellung ist für den Schuss enorm wichtig. Viele Faktoren spielen für einen präzisen Schuss eine Rolle. Wind, Hitze, Drall und andere Faktoren entscheiden über einen Treffer. Eine Kugel aus dieser präzisen Waffe bringt der gesuchten Person den Tod. Sofern die Waffe von einem guten Schützen abgefeuert wird. Matt Mason ist so ein guter Schütze. Die US Army hat Ihn nach Afghanistan geschickt um seinen Job zu erledigen. Matt ist nicht dafür da kleine Soldaten zu erschießen, sondern dafür hochrangige Offiziere und Generäle ins Visier zu nehmen.

Matt und sein Spotter James Brand liegen bereits seit 23 Stunden in abwechselnden Positionen und beobachten das Gelände vor Ihnen. Niemand weiß, dass Sie hier sind und auch das Gelände in ihrer Nähe ist sicher. Kein gegnerischer Sniper ist zu sehen und die Tarnung des Teams ist beinahe perfekt. Ein Tarnüberwurf verdeckt beide Soldaten gut genug, jedoch sorgt er für zusätzliche Hitze. Matt öffnet die Augen und greift zu seiner Feldflasche.  

Matt Mason: „Diese verdammte Hitze macht mir echt zu schaffen, James. Wenn diese verdammte Hitze nicht wäre, könnten wir diesen Schuss ohne Probleme über die Bühne bringen. Was würde ich jetzt für eine Mission in einem anderen Teil der Welt ohne diese Hitze geben. Aber letztendlich sind wir hier an diesem Ort."

Jamens Brand: „Wir sind hier um diesen Ort zu säubern, Matt. Wir sorgen dafür, dass die Herrschaft der Taliban eingedämmt wird. Wer sonst sollte sich an diesem Ort aufhalten außer der US Army? Wir sind die Guten und vertreiben die Feinde. Wir machen Gott stolz!"

Matt lächelt und schüttelt gleichzeitig den Kopf über seinen Kameraden. James ist aus dem tiefsten Süden der USA und sehr gläubig. James ist im Irrglauben das Gott diese Mission von der Army gewollt hat. Ein Kreuzzug gegen die Taliban, aber Matt sieht das nicht so. Er ist felsenfest davon überzeugt das dieser Krieg nichts bringt. Ein zweites Vietnam und das wars. Aber er folgte seinen Kameraden ohne mit der Wimper zu zucken, als er den Einsatzbefehlt erhalten hat. Ihn hat nichts zu Hause gehalten, außer seiner Schwester. Jedoch war er der Auffassung seinem Land einen Dienst erweisen zu müssen und so ging er, trotz Ihrer Bedenken und Zweifel. Er kann diese Bedenken verstehen...

Matt Mason: „Glaubst du wirklich, dass wir Gott stolz machen? Ich meine mal ehrlich...glaubst du Gott sieht uns an diesem Ort wirklich zu? Dieser Ort wurde von Gott verlassen!"

Bevor James Brand eine Antwort parat hat, knackt das Headset von beiden Soldaten. Die Basis meldet sich also endlich nach mehreren Stunden mit einem Update der Lage im Haus. Ein Spitzel konnte im Umfeld des Ziels platziert werden und versorgt unter dem Einsatz des eigenen Lebens die Army mit wichtigen Informationen versorgt.

Basis: „Basis an Red Dust 1! Basis an Red Dust 1! Wir haben die Information erhalten, dass das Ziel das Haus in ein paar Minuten verlassen wird. Ich hoffe Ihr seid bereit, da wir nur diese eine Chance haben!"

Matt Mason: „Verstanden, Basis! Wieviele zivile Personen befinden sich im Gebäude?"

Basis: „Lediglich zwei Bedienstete. Ansonsten nur die eigene Wachmannschaft und der General persönlich. Scharfschützen sollten sich nicht in der Nähe befinden, aber ein Konvoi mit schwer gepanzerten Fahrzeugen wird Ihn in einer halben Meile östlich als zusätzlicher Schutz begleiten. Wir müssen den Treffer sofort von euch bestätigt haben. Verstanden, Red Dust 1?"

Matt gießt sich den Rest seiner Trinkflasche in den Nacken und sieht seinen Kameraden ernst an. Sie wissen warum Sie hier sind und wollen den Auftrag schnell zu Ende bringen, damit Sie zügig aus dem Feindgebiet entkommen können. Am Ende entscheidet die Schnelligkeit über Leben und Tod. Artelleriefeuer würde Ihr Leben unnötig in Gefahr bringen.J

James Brand: „Basis...hier Red Dust 1. Wir haben verstanden und werden den Treffer sofort bestätigen, wenn das Ziel eliminiert ist."

James sieht noch einmal durch sein Fernglas und nimmt kurz Korrekturen auf seinem Notizblock vor. Er hält, ohne ein Wort zu sagen, Matt seine Notizen hin. Auch Matt sagt kein Wort, während er die Korrektur an der Waffe vornimmt. 

Matt Mason atmet flach, als er durch das Zielfernrohr blickt. Die ersten Soldaten verlassen das Gebäude und sichern zu allen Seiten aus der Nähe. Sie scheinen nicht mit einem Angriff zu rechnen, da Sie lediglich die nächste Nähe im Auge behalten. Matt zieht den Lauf langsam, fast schon zärtlich, zurück. Er atmet konzentriert und tief ein. Jetzt kommt es auf diesen einen Schuss an. Die Zielperson tritt aus dem Gebäude und er hält den Atem an. Der Finger krümmt sich um den Abzug. Es fehlt ein kleiner Ruck des Fingers und die Kugel macht sich auf den Weg zu seinem Ziel. Matt Mason zögert, als er die Person aus dem Gebäude kommen sieht.

Sie trägt weder Uniform, noch entspricht sie der genauen Beschreibung des Generals. Matt Mason schüttelt sich kurz und sieht erneut durch das Zielfernrohr, da er jetzt nicht länger zögern darf. Er spannt den Finger und zieht im letzten Moment zurück!

Matt Mason: „Basis, hier Red Dust 1! Es handelt sich scheinbar nicht um die gesuchte Person, da Sie nicht mit der Beschreibung übereinstimmt. Wir haben einen Mann Mitte 30 im Visier und keinen alten General um die 60. Außerdem befindet sich ein Kind auf seinem Arm und es war lediglich von 2 zivilen Personen die Rede! Wir bitten um Abzug aus dem Feindgebiet."

Matt Mason erwartet eine Antwort, aber das Funkgerät bleibt stumm. Matt Mason sieht fragend zu seinem Spotter, welcher Ihm energisch zunickt.

James Brand: „Es hat alles seine Richtigkeit! Es handelt sich bei dem Mann um einen Wissenschaftler, der von den Taliban umgepolt worden ist. Unser wirklicher Auftrag ist es diesen Mann um jeden Preis zu eliminieren! Du musst es jetzt tun, Matt!"

Dem Sniper fällt vor Überraschung und Unglaube die Kinnlade runter. Er schüttelt den Kopf...

Matt Mason: „Der Mann hat ein Kind auf dem Arm, James! Ein Kind! Willst du mir sagen das wir Ihn erschießen sollen, obwohl er ein Kind von ungefähr 6 Jahren auf dem Arm hat!?"

Das Nicken erschreckt Matt noch mehr. James spricht kein Wort und das ist viel schlimmer, als alles andere. Matt Mason hat schon viele Dinge getan in diesem Land. Schlimme und schreckliche Dinge. Jedoch hat er nicht vor zu einem Kindermörder zu werden! Nicht das erste Mal, aber das erste Mal richtig, zweifelt Matt Mason an der Army. 

Matt Mason: „Ich werde es nicht tun, James! Mir egal was mit mir passiert, aber ich werde keinen Menschen erschießen der ein Kind auf dem Arm hat! Die Army kann so etwas nicht von mir erwarten. Ich schlafe schons schlecht, aber ich lade nicht auch noch das Gesicht eines trauernden oder toten Kindes in meine Träume! Besorgt euch einen anderen Sniper!"

Matt zieht den Tarnüberhang weg und geht in die entgegengesetzte Richtung vom Hügel herunter. Dumpf dröhnen die leisen Rufe seines Kamerades an sein Gehör, aber er dreht sich nicht um. Für Matt kommt ein solcher Schuss nicht in Frage und so stapft er zielgerichtet in Richtung Basis zurück. Sollen Sie mit Ihm machen was sie wollen.

Matt weiß nicht, dass er später im Wrestling seine wahre Berufung finden wird. Er hat viele Entscheidungen in seinem Leben bereut, aber wenn er auf diesen Moment zurückblickt wird er Ihn niemals bereuen. Matt ist kein Monster und wird auch nie ein Monster sein. Es war eine Frage der Menschlichkeit und er hat sich entschieden. Die Frage ist nur... hätte ein Azrael Rage oder ein Soldier of the Future in diesem Moment ihre Menschlichkeit verloren und abgedrückt?

Hätte Sie an diesem Tag ihre wahre Menschlichkeit eingebüßt?

Fade Out 


------------------ PCWA ------------------

 I´m coming up on Infra-Red

There is no running that can hide you

Cause I can see in the Dark

I´m coming up on Infra-Red

Forget your running

I WILL FIND YOU

So wenige Schritte sind erst zurückgelegt.

Und doch ist bereits wieder das Chaos ausgebrochen.

Ein ernst gemeintes Schulterklopfen. Ein anerkennendes Nicken. Ein liebes Lächeln.

Seine Utopien.

Kreuzigungen.

Geschändete Leiber.

                                   Lügen.

Seine Realität.

Jane Nelson: "Auf dem Weg zum Ring... aus New York City, New York... mit einem Gewicht von 85 kg bei einer Größe von 1,78 m... er ist die Lüge …JEFFREY RON ARROOOOOOW!"

Mit einer stringenten Handbewegung fliegt der Vorhang beiseite. Dort steht er, badet in den Emotionen der Zuschauer, rekelt sich in dem gleißenden Spotlight, das ihn keine Sekunde aus den Augen lässt und – wieder trägt er es. Er - die Lüge. Er trägt dieses Gesicht. Dieses Gesicht, das nicht seines ist. Das Gesicht einer Person, das er so sehr hasst, wie kein Zweites. Das Gummigesicht von Jona Vark.

Sekunden vergehen, in denen er regungslos dasteht. Mit spröden Fingern über das verkrustete, mittlerweile bräunlich verfärbte  Blut des Barbarian streicht, das noch immer in verqueren, keiner Logik folgenden Mustern an der Maske klebt. Leise wimmernd verstorben, herausgerissen aus seinem Drang, immerfort zu fließen, zeichnen sich längst verdörrte Rinnsaale auf die starren Konturen des unechten Gesichts.

Das Bild wird abgerundet von einem schwarzen Kapuzenpullover, den die Lüge leicht geöffnet über seinem nackten Oberkörper trägt, einer weißen Jeans, DER weißen Jeans, die er auch bei der Hinrichtung des Barbarian getragen hat und die als Folge dieser Hinrichtung wirkt, als sei sie von rostbraunem Camouflage gemustert sowie bordeauxroten Chucks. Alten, zerfledderten roten Chucks, die er bereits zu Zeiten der cWc im Ring getragen hat und die mittlerweile mindestens genauso kaputt aussehen wie ihr Besitzer, der mit leeren, verständnislosen, zugleich aber unendlich wachen, gehetzten Augen durch seine doppelte Maskerade blickt.

Eine letzte Strähne des dunkelgrünen, fast schwarz gefärbten Haars wird aus den Augen gestrichen, dann verschwinden die Hände der Lüge in den Hosentaschen und mit beinahe schlurfendem, unwilligen Schritt bewegt er sich zum Ring. Zu den Brettern, die seine Welt bedeuten. Dort angekommen rollt sich der Son of No One unter dem untersten Seil ins Geviert, federt alsgleich in den Stand und lässt die Blicke durch die Halle schweifen. Seine Aufgabe – sie ist gewachsen. Anstatt einem Jobber sind es heute ein Jobber und sein Manager. Kurzes Achselzucken, dann nimmt er eine Hand aus der Hosentasche und deutet auf das Mikrofon, das Jane Nelson noch in ihren zarten Händen hält. Nachdem diese kurz auf sich selbst deutet, um sicher zu gehen, dass die Lüge auch wirklich sie meinte, nickt dieser und bekommt sogleich das Objekt der Begierde ausgehändigt. Was in diesem Fall nicht die bezaubernde Jane Nelson selbst ist, sondern eben das Mikrofon. Kurz schlägt die Lüge auf das Mikro, um die Funktionalität zu testen, fasst sich mit der freien Hand an die Maske und ergreift nach einem überschallenden Plöppen das Wort. Ruhig. Und doch überdreht. Bedächtig. Und doch rasend.

Arrow: „Das letzte Mal, als ihr mich gesehen habt – wurde ich in Blut gebadet, von Gewalt gesegnet und von Maßlosigkeit geweiht. Und ich schwöre euch…es war nicht meine Schuld. All das, was ihr euch ansehen musstet, all das, weswegen eure Frauen euren weinenden Kindern die Augen zugehalten haben, all dieses sinnlose Blutvergießen…all das war Jona Varks Schuld. Jona. Varks. Schuld.“

Leises Grummeln seitens der Zuschauer. Seichtes Buhen. Doch Arrow lässt sich davon nicht beirren.

Arrow: „Man könnte meinen, selbst der dumme Mensch lernt aus seinen Fehlern. Man könnte meinen, auch ein kleines Blondchen, das von Papi in die Situation gebracht wird, ein Unternehmen in einer Branche zu leiten, von der sie keinerlei Ahnung hat, ist bereit, Fehler anzunehmen, zu erkennen und nie wieder zu begehen…doch…nein.“

Die Lüge setzt das Mikrophon ab. Blickt stumm in die Reihen der Zuschauer.

Arrow: „Nein, dem ist nicht so. Ich bekomme weiter nicht, was ich verdient habe, ihr…“

Mit dem Mikro in der ausgestreckten Hand vollführt Arrow eine komplette Drehung um sich selbst.

Arrow: „…bekommt nicht das, was ihr verdient habt. Ihr bekommt keine epische Schlacht mit der Lüge im Mainevent einer Vendetta. Kein Arrow versus Brunswick. Kein Arrow versus Breads. Nein. Nicht von all dem. Ich frage mich…“

Die freie Hand Arrows fährt in die Tasche seines Kapuzenpullovers, umständlich nestelt er etwas heraus, das die Kameras nicht adäquat erkennen können. Doch es scheint sich um irgendeine Art Papier zu handeln. Während er dieses solange schüttelt, bis es sich komplett entfaltet hat, ergreift er bereits wieder das Wort.

Arrow: „…ich frage mich, was dieser Mann davon hält, was er hier mit ansehen muss. Falls er sich überhaupt dazu bequemt, sich das Ganze hier anzusehen.“

Endlich hat Arrow es geschafft, das Papier auseinander zu falten. Triumphierend hält er es in die Kamera. Sichtbar wird eine leicht verschwommene Aufnahme eines Mannes mittleren Alters. Die Lüge hält kurzzeitig Foto und Mikrophon in einer Hand, fährt sich mit der freien Hand durchs Haar und ergreift sogleich wieder das Wort.

Arrow: „Dieser Mann…dieser Mann ist Daddy! Daddy Vark, Marcus Vark, Mister Vark Enterprises, der Kerl, der dieses Unglück an der Spitze unseres Unternehmens verbrochen hat, der Typ, der am besten auf eine verfluchte Herdplatte gewichst hätte, damit es nur einmal gestunken hätte.“

Stille. Abrupt verstummt die Lüge. Hält das Foto vor sein Gesicht. Sein Jona Vark-Gesicht. Ein finsteres Lächeln umspielt seine Mundwinkel, als er es loslässt und beinahe wehmütig schaut, wie die Fotographie sanft schaukelnd zu Boden gleitet.

Arrow: „Soeben hatten sie noch Glück, Ms. Vark. Soeben war Mad Dog noch da und hat sie davor bewahrt, sich rechtfertigen zu müssen. Doch so leicht kommen sie mir nicht davon. Ich beschwere mich bei ihnen darüber, dass ich kein Match bekomme, dass ich meinem eigenen Standard nicht entsprechen darf und sie stellen mich gegen eine Mischung aus Mensch, Tier und Übelkeit, die seit Jahren weder Sieg noch Licht gesehen hat. Ich profiliere mich. Und als Konsequenz daraus bekomme ich einen Kampf, der ähnlich wertlos ist? Ich verspreche ihnen etwas, Miss Vark…ich werde nicht derjenige sein, der diese Kette beendet. Ich werde nicht derjenige sein, der nachgibt. Sie wollen spielen? Spielen wir!“

Mit einem Schritt ist die Lüge beim Kameramann, legt seinen Kopf genau vor der Linse schräg und legt sein schönstes Sonntagslächeln auf.

Arrow: „Spielen wir dieses gottverdammte Spiel weiter, Jona Vark. Und abermals weise ich sie daraufhin, weise ich die Halle, die ganze Welt darauf hin – es entzieht sich meiner Verantwortung, was heute Abend passiert. Das hier…das ist nicht Jeffrey Ron Arrow. Dieser ganze Irrsinn, diese anmutige Gewalt, diese Schandtaten…all das ist Jona Vark. Ich – ich bin Jona Vark. Ist es nicht so, Daddy?“

Mit einem Mal schmeißt die Lüge das Mikrophon auf den Boden, lässt sich selbst hinunter gleiten, robbt, schlängelt sich zu dem Bild von Marcus Vark, das einsam und verlassen auf dem Ringboden liegt. Bizarr zuckend, mit jugendlich schüchternen Fingern greift er nach dem Foto, positioniert es noch einmal richtig, während er weiter „Ich, ich bin Jona Vark!“ schreit. Dann begibt er sich in den Liegestütz, zieht den Unterkörper nach und drückt ihn auf das papierne Gesicht von Marcus Vark, beginnt, seinen Unterleib rhythmisch gegen das Foto zu drücken. Sekunden vergehen, in denen Totenstille in der Halle einkehrt. Sekunden, in denen die Jona Vark, verkörpert durch Jeffrey Ron Arrow, wieder und wieder ihr Geschlecht gegen das stumme Gesicht ihres Vaters drückt. Sekunden, in denen Ekel die Gesichter der Zuschauer in den vordersten Reihen zeichnet. Sekunden, in denen Jane Nelson sich angewidert abwendet. Doch es fühlt sich an wie Stunden, als Arrow sich erhebt und abermals das Mikrofon ergreift. Ein angestrengtes Keuchen ist zu vernehmen, ein irres Lachen, dann schreit er, brüllt, kreischt, kotzt ins Mikrophon, während sich die freie Hand seiner Gürtelschnalle nähert.

Arrow: „Bewegen sie ihren Arsch in die Halle, Jona Vark, bevor ich auf die Fotographie dieser verdammten Kreatur pisse. Ich schwöre bei Gott, ich werden auf das Antlitz ihres Vaters…“

Der Giant Screen zeigt es. Jona ist Backstage und erklärt, dass O’Kelly und MacKenzie jetzt rausgehen sollen und Jeffrey Ron Arrow endlich stoppen MÜSSEN!

Eilig, ohne Theme, rennen sie zum Ring und sliden hinein. Wie ein Rudel tollwütiger Wölfe werfen sie sich auf Arrow und malträtieren diesen mit Schlägen und Tritten. Der Referee lässt das Match anläuten. Gemeinsam werfen die Beiden JRA in die Ringecke. MacKenzie hält ihn dort mit mehreren Schlägen und Tritten festgenagelt

Mike Garland: „Das übliche Numbers Game in einem Handicap Match wird gleich von Declan und Graham ausgenutzt.“

Vincent Craven: „Natürlich. Alles andere wäre auch Unsinn. Zudem wird es Zeit, dass Jona mit dieser Art des Bookings endlich Psychopathen wie Arrow, Rage und Dalmi einen Riegel vorschiebt.“

Mike Garland: „Da stimme ich dir zu, Vincent. Es geht nicht, dass alle Mitarbeiter der PCWA in Angst vor wenigen Individuen leben müssen.“

MacKenzie zieht sich etwas zurück, nimmt Anlaut, während O’Kelly Arrow festhält. Er kommt angerannt und Avalange! Dieser trifft hart. Keuchend durch die Maske geht die Lüge zu Boden und wird mit mehreren Tritten seiner Gegner eingedeckt. Erst als er aufhört sich zu rühren, hören sie kurz auf, bejubeln und beglückwünschen sich selbst. Was sie aber dann nicht verhindern können ist, wie sich Arrow aus dem Ring rollt. Er bleibt an der Zuschauerabsperrung hängen, röchelt und blickt seine Gegner in den Ring an. Diese wollen zwar schon nach draußen eilen, doch da ist es Arrow der wieder in den Ring slidet. Wieder stürzen sich beiden auf ihn, wieder soll sich das Spiel von vor vier Minuten wiederholen, doch dieses Mal läuft alles anders. Mit einem Capoeira Kick weicht JRA nicht nur O’Kelly aus, nein, er erwischt auch hart MacKenzie, so dass dieser erst einmal zu Boden geht. O’Kelly versucht es mit weiteren Punches, doch allen weicht Arrow aus. Die Lüge wirkt zu schnell und das Bild sieht mit der Jona Vark Maske furchtbar surreal, geradezu wie aus einem schlechten Horrorfilm aus. Es wirkt geradezu mühelos, wie O’Kelly immer wieder ausgetanzt wird und dabei nur Löcher in die Luft schlägt. Kick von Arrow. Abgefangen von O’Kelly. Stand Up Enzuigiri gegen den Iren und dieser wird hart am Kinn erwischt. Mit Schmerz im Gesicht geht er auf dem Ringboden hernieder. Aber es setzt sich sofort jemand auf seinen Bauch. So kann er zwar nicht aufstehen, aber wird auch nicht gepinnt. Schräg gelegt blickt das Gesicht von Jona Vark O’Kelly einige Sekunden regungslos an. Erst dann hebt er langsam den Arm. In Siegpose, aber dann hageln plötzlich die Schläge auf O’Kelly herunter. Sein Gesicht wird hart getroffen.

Vincent Craven: „Wieso greift der Referee nicht ein?“

Mike Garland: „Also erstens weil man regeltechnisch sicherlich einige Kleinigkeiten in einem Handicap Match verzeihen kann und zweitens sicherlich weil Arrow gemeingefährlich ist.“

Vincent Craven: „Aber sollen wir jetzt vor jeden knien, der uns Angst macht in der PCWA? Ich meine, es wird ja immer schlimmer. Zu Schlächterzeiten von Barker war es schlimm, ja, aber jetzt sind ja nicht einmal mehr die Offiziellen sicher.“

Mike Garland: „Ich fürchte einfach eine neue Welle der Gewalt hat in der PCWA Einzug gefunden und wir können nichts anderes tun, als zu warten, dass uns jemand davon erlöst.“

O’Kelly wird auf jeden Fall erlöst. MacKenzie wirft sich auf Arrow und will diesen mit mehreren Schlägen erwischen, aber es wird alles durch einen Augenstecher der Lüge zu Nichte gemacht. Dieser erhebt sich sportlich schnell, nimmt Maß und ein harter Yakuza Kick trifft MacKenzie und wirft ihn über das dritte Seil. Plötzlich fokussiert sich der Blick Arrows auf O’Kelly wieder oder besser gesagt auf seine Unterlippe. Sie scheint etwas aufgeplatzt zu sein und blutet. Der Ire rappelt sich währenddessen auf und scheint wild entschlossen zu sein, dass das so nicht laufen kann. Aber um genau zu sein, sieht das Jeffrey Ron Arrow GANZ ANDERS!

Mike Garland: „KISS OF PARANOIA!”

Der Superkick trifft punktgenau und schickt das Bewusstsein von Declan O’Kelly ins Nirvana. Langsam, bedächtig wirkend, bewegt sich Arrow wieder zu ihm, kniet sich erst ab und legt sich dann neben O’Kelly. Vorsichtig, als ob er den Iren nicht wecken will, greift er langsam zu ihm rüber, an seine Unterlippe genau genommen. Mit der Spitze seines Zeigefingers nimmt er einen Tropfen des Blutes auf und reibt es sich langsam über die Stirn der Maske. Sein Oberkörper wellt sich, als ob er es genießt, oder ihn Energie durchfließt.

Vincent Craven: „Das ist alles wie aus einem B-Movie hier.“

Er richtet seinen Oberkörper auf und tippt noch einmal auf die mit Blut angemalte Stirn.

Mike Garland: „An dieser Maske klebt inzwischen das Blut des Barbarian und das von O’Kelly. Ist das so was wie eine Trophäe für ihn?“

Vincent Craven: „Es sieht fast so aus, ja.“

Langsam erhebt sich die Lüge und blickt sich suchend um. MacKenzie ist immer noch ausgeknockt. Er ist unglücklich gefallen, als er aus den Ring gekickt wurde. Fast wie ein Freund greift Arrow jetzt nach dem Arm von O’Kelly und zieht ihn hoch auf seine Beine. Wieder das Schieflegen des Kopfes bei JRA und scheinbares beobachten, ob sein Gegner noch stehen kann. Wankeln trifft es wohl eher. KISS OF PARANOIA!

Mike Garland: „Wieder der Superkick.“

Vincent Craven: „Damit hat sich die Karriere von O’Kelly wohl erledigt.“

Souverän legt sich die Lüge auf seinen Gegner und mit einer Hand in die Höhe gestreckt, zählen seine Finger den Count des Referees mit.

Eins
.
.
.
Zwei
.
.
.
Drei
!!!

Jane Nelson: „Sieger dieses Handicap Matches nach 3 Minuten und 4 Sekunden via Pinfall… JEFFREY RON ARROW!“

Referee Nelson Frider checkt nach Declan O’Kelly und signalisiert, dass dieser ohnmächtig ist, während Arrow wieder langsam sein Foto hervorholt. Sanitäter kommen wegen des Iren in die Halle. Der zweite Superkick scheint ihn hart erwischt zu haben. Auch eine Platzwunde unter dem rechten Auge hat sich geöffnet. Dank des Schweißes ist sein halbes Gesicht rot vor Blut und sämtliche Versuche ihn zu wecken misslingen.

Mike Garland: „Was hat Arrow denn jetzt noch vor?“

Die Lüge scheint noch nicht genug zu haben. Er stößt die Sanitäter und auch den Referee weg und hockt sich, nachdem die Offiziellen Abstand genommen haben, hin und hält noch einmal das Foto von Marcus Vark hoch, während er es langsam zerknüllt, bis es in seiner Faust eingeschlossen ist. Dann blickt er zu O’Kelly und wieder greift er fast vorsichtig nach ihm und öffnet seinen Mund. Plötzlich mit absoluter Gewalt und einer schnellen Bewegung stopft er das Foto in den Rachen des Iren. Mit den Zeigefinger drückt er nach.

Vincent Craven: „Jemand muss O’Kelly helfen, oder er wird ersticken!“

Wohl wissend dieser Tatsache lässt Arrow von dem Iren ab und signalisiert den Offiziellen, dass sie nun Declan helfen dürfen. Sofort holt ein Sanitäter das Foto aus dem Mund des röchelnden O’Kellys. Arrow verlässt währenddessen den Ring und geht die Rampe hoch ohne dem Ring oder dem Publikum noch einen Blickes zu würdigen.

Vincent Craven: „Das war es dann wohl mit Declan O’Kelly und Graham MacKenzie in der PCWA. Ihre Karrieren wurden soeben von Arrow zerstört.“

Mike Garland: „Nicht nur ihre Karrieren.“

Vincent Craven: „Hör auf, ich mag gar nicht drüber reden. Machen wir einfach weiter. Das ist ein Irrenhaus hier und die Psychopathen scheinen unaufhaltbar und beherrschend zu sein.“

Mike Garland: „Ich hätte dennoch nicht gedacht, dass die Beiden derart chancenlos sein würden. Aber die Gefahren sind überall und sie wirken auf alles vorbereitet. Es ist schlimmer denn je in der PCWA.“


------------------ PCWA ------------------

Eri Osada sitzt in ihrer Kabine auf einem Stuhl, schaut aus dem Fenster hinaus auf einen Baum und seufzt. Das Wetter ist doof. Das Wetter ist doof, weil sie Niemanden hat, bei dem sie sich ankuscheln könnte. Okay, einen Haufen Lemuren hätte sie schon. Auch Kätzchen, Stofftiere, ein Hausschwein, zwei Enten und eine Kissenburg hätte sie da. NEON ist mit seinen Sachen in ihre Kabine gezogen, sitzt jetzt aber in seinem Umkleideraum. Er muss etwas malen und braucht Ruhe. Dabei hätte sie ihm doch so gerne von der Sache mit diesem Pierre Saint-Judas erzählt. Und vielleicht sollte man sich auch ein wenig auf das bevorstehende Match vorbereiten. Eri ist schon ganz nervös. Was, wenn sie sich blamierte? Ihr Trainer Marc Stevens wird sicherlich im Publikum sitzen, wäre es nicht auch eine Schande für ihn, wenn sie diesen Kampf verliert? Und an ihre Eltern zuhause vor dem Fernseher mag sie gar nicht denken...

Ein wenig enttäuscht ist sie schon, doch sie versteht, dass NEON halt sein T-Shirt selbst gestalten wollte. Das richtige Outfit ist schon wichtig. Trotzdem fühlt sie sich grade ein wenig allein. Ohne ihn ist die Kabine so still und groß. Irgendwie ist das alles viel stressiger als gedacht. Leider macht es ihren Prinzen aber auch unglaublich glücklich.

Der kleine Flauschkopf liebt Wrestling.
Sie liebt einfach nur ihn.

Ihr armer, kleiner NEON, wie soll er nur den Kampf heute überstehen? Seit die Card veröffentlich wurde gab es kaum eine Minute, in der NEON nicht darüber geredet hat, wie verdammt gut Blakey doch im Ring ist. Der Junge merkt nicht was er alles gelernt hat. Sie sagt es ihm zwar ständig, doch er versteht leider kein Wort Japanisch. Und ihr Deutsch war noch viel zu holperig, um ihre Gedanken und Gefühle richtig auszudrücken.

Eri schaut noch immer aus dem Fenster. Wieder seufzt sie und steht dann vom Stuhl auf, um zum Fenster zu gehen. Frische Luft macht die Gedanken frei, also öffnet sie es. Eri schließt ihre Augen und atmet tief durch. Plötzlich kitzelt sie etwas an der Hand. Ruckartig öffnet sie ihre Augenlider und staunt nicht schlecht, als sie, an ihrer linken Hand sitzend, einen Schmetterling erblickt.

Eri Osada: „あなたは美しい。

„Du bist schön“, lässt sie den lilafarbenen Besucher wissen. Schon seltsam, es ist fast Weihnachten und total kalt aber hier ist ein Schmetterling. Wunder gibt es immer wieder, oder wie war das? Unter den neugierigen Blicken von Eri fliegt der Schmetterling in die Luft und schwebt im Raum umher, bis er sich auf einen Schminkspiegel setzt. Eri folgt ihrem Besucher und als sie vor dem kleinen Spiegel steht, erhebt der Trauermantel sich wieder in die Lüfte, um sich, mit ausgebreiteten Flügeln, an ihr Ohr zu setzen. Eri kichert als sie in den Spiegel schaut.

Eri Osada: „あなたは花のように見える.

„Du siehst aus wie eine Blume“, meint sie. Plötzlich erscheint, hinter Eri, ein Gesicht im Spiegel – ein Mann mit einer Maske. Erschrocken dreht die junge Japanerin sich um.

Eri Osada: „Geh weg, du Schuft!“

Der seltsame Besucher bleibt stumm. Er starrt einfach nur auf den Schmetterling, welcher noch immer an Eri Osadas Ohr verweilt. Bedrohlich wirkt er nicht. Eher ein wenig verloren oder verwirrt.

Er: „Hast du gehört, Freund, wir sollen gehen.“

Bei all der Aufregung findet Eri Osada es nicht seltsam dass sie verstanden hat was der Mann sagte. Es wundert sie auch nicht, dass er auch ihre Worte verstanden hat. Sie fragt sich einfach nur, mit wem der Mann geredet hat. Meinte er etwa den Schmetterling?

Eri Osada: „Mit wem redest du?“

Skeptisch beäugt die Japanerin den Mann und wartet auf eine Antwort.

Er: „Hörst du, Freund, sie hört nicht was du sagst. Niemand hört dich. Nur Ich. Nur ICH!“

Er kann den Schmetterling hören? Der Schmetterling will ihr irgendwas sagen?

Eri Osada: „Du kannst den Schmetterling hören?“

Er: „Ob ich dich verstehe, will sie wissen. Freund, was soll ich ihr sagen? Sie wird mir nicht glauben, wenn du ihr nicht zeigst, dass du mich verstehen kannst.“

Tatsächlich erhebt der Schmetterling sich, fliegt hinüber und setzt sich auf die Schulter des Mannes. Eri weiß nicht wirklich was hier grade passiert. Ihr fällt aber wieder ein, dass ein Fremder in ihrer Kabine steht.

Eri Osada: „Wer bist du und was willst du hier?“

Der Mann schaut hinüber zu „seinem“ Schmetterling. Wieder antwortet er Eri nur indirekt.

Er: „Wer bin ich und was will ich hier? Freund, sage mir, wer bin ich und was will ich hier?“

Der Schmetterling „hüpft“ von der Schulter und fliegt um den Kopf seines Freundes. Die Augen des Mannes mit der Drachen-Maske folgen dem Tier aufmerksam. Am Ende der Vorstellung fliegt der Schmetterling zurück zu seinem Platz auf der Schulter. Jetzt erst schaut der Mann Eri direkt an.

Er: „Mein Freund sagt, du musst auf den Jungen aufpassen. Deswegen sind wird hier, wegen des Jungen. Wo ist der Junge? Wer ist der Junge?!“

NEON? Überhaupt, wer ist dieser komische Mann? Eri gefällt es nicht wirklich, dass sie keine klaren Antworten bekommt. Sie kennt ihn ja auch nicht. Noch nicht.

Eri Osada: „Mein Prinz? Mein Prinz ist noch unterwegs. Ich vermisse ihn. Er ist der einzige Junge, den ich kenne.“

Kurz denkt sie nach. Er schweigt, als wüsste er dass sie noch etwas sagen wird.

Eri Osada: „Warum soll ich auf ihn aufpassen?“

Wieder denkt sie kurz nach. Wieder schweigt er.

Eri Osada: „Wer bist du?“

Auffordernde Handbewegungen von Eri. Der Mann beäugt sie kurz, wendet sich dann wieder an den Schmetterling.

Er: „Hörst du, der Junge ist ein Prinz, vor was muss sie ihn beschützen?“

Das Spiel mit dem Schmetterling wiederholt sich. Irgendwie schon albern so was in einer Wrestling Show auszustrahlen. Egal, kann ja nicht immer wer zerstückelt und/oder geschlachtet werden. Manchmal muss man auch Großaufnahmen von Schmetterlingen zeigen – in HD! Eri ist ein wenig neidisch auf den seltsamen Mann, ob verrückt oder nicht, er hat einen Schmetterling. NEON würde das bestimmt mögen. Nach einer gefühlten Ewigkeit geht es endlich weiter. Der Mann redet wieder mit dem Schmetterling.

Er: „Sie sind hier?“

Er wendet sich an Eri.

Er: „Sie sind hier, vor ihnen musst du deinen Prinzen beschützen.“

Was meint der Mann nur? Meint er Bleed und Blake? Die sind kein Problem. Eri hat gegen die Oberfatherfuckerin des Wrestlings, Ophelia, gewonnen. Sie ist ene Kämpferin, also würde sie ihn auch beschützen müssen. Doch der Gedanke daran, NEON könnte etwas passieren, gefällt ihr überhaupt nicht. Blake Milton soll es nicht wagen, das süße Gesicht zu ramponieren, welches sie so gerne beobachtet, während er schläft.

Eri Osada: „Niemand wird meinem Prinzen auch nur eines seiner rosafarbenen Haare krümmen!“

Sie denkt kurz nach. Er wartet wieder.

Eri Osada: „Und wer bist du überhaupt?“

Kämpferische Pose der kleinen Wrestlerin. Sie wird auf ihren NEON aufpassen. Der Mann, dessen Mund trotz der Maske zu sehen ist, lächelt für eine Sekunde. Dann wird er wieder ernst.

Er: „Vergiss niemals, der Kleine ist der, der mehr Raum zum Wachsen hat. Pass auf den Jungen auf. Pass gut auf ihn auf. Wir werden dir helfen ihn zu retten. Pass nur auf ihn auf, bis wir einen Weg gefunden haben. Wir müssen die Taube finden. Die Taube weiß wo der alte Mann ist. Er wusste immer die Wahrheit. Er wird wissen wie ich den Jungen retten kann.“

Eri wundert sich endlich dass sie überhaupt versteht, was der Mann sagt, Japanisch spricht er jedenfalls nicht. Aber vor was will er NEON retten? Und wer ist dieser Kerl? Warum ist das alles so wichtig für ihn?

Eri Osada: „Wovor muss er gerettet werden?“

Sie denkt kurz nach. Er wartet wieder.

Eri Osada: „Und wer bist du überhaupt?“

Der Mann dreht sich um und geht zurück zum Fenster. Dort angekommen dreht er sich zurück zu Eri und winkt diese zu sich hinüber.

Er: „Komm her, willst du ein Wunder sehen?“

Er wendet sich wieder von Eri ab und steigt aus dem Fenster hinaus. Die Japanerin folgt, wenn auch nur zögerlich, der Aufforderung. Wunder sind schön, oder?

Am Fenster angekommen schaut Eri den Mann neugierig an.

Er: „Ah, Sie will ein Wunder sehen und ein Wunder wird sie sehen.“

Der Mann dreht sich kurz um und zeigt auf den Baum, der vielleicht einen Meter vom Fenster entfernt ist.

Er: „Siehst du diesen Baum? Schau ihn dir gut an.“

Eri starrt auf den Baum.

Er: „Jetzt schließe deine Augen, atme tief durch und öffne deine Augen wieder.“

Nur zögerlich schließt die junge Japanerin ihre Augen und atmet tief durch. Sie wartet eine Sekunde und öffnet dann die Augen wieder... der Mann, er ist verschwunden. Ist überhaupt jemand hier gewesen? Eri schaut auf den Baum. Nanu, was ist den das? Der Stamm des Baumes ist bedeckt mit hunderten von Schmetterlingen. Alle Farben des Regensbogens krabbeln über den alten Baum. Ist das sein Wunder – Schmetterlinge? Eri wird aus ihren Gedanken gerissen als die Tür ihrer Kabine sich öffnet und NEON, mit einem Lama, in die Kabine geritten kommt. Wie gerne würde Eri ihm erzählen was grade vielleicht passiert ist. Doch NEON versteht sie einfach nicht.

NEON: „Ich ist zurück bei dich und hat ein Lamar bekommt!“

NEON reitet zu seiner Freundin hinüber und steigt von seinem Direktimport aus den Anden. Es gibt ein wenig Kuschelwuschel und unschuldige Küsse, dann hievt NEON seine Lady, wie ein wirklich richtig echter Ritter, auf das Lama und steigt dann hinterher. Gemeinsam reiten sie eine Runde im Kreis. NEON erklärt woher das Lama kommt.

NEON: „Das hat Robär mich geschenkt... bevor er wieder doof war. Jetzt muss ich mit Grummelbauch gegen Blakey kämpfen.“

Er seufzt, bremst das Lama, steigt ab, seufzt wieder, hilft Eri vom Lama und lächelt dann doch wieder wie ein Honigkuchenpferd.

NEON: „Das Lamar muss hier bleiben, okay?“

Eri will noch immer von dem Schmetterling erzählen, doch NEON ist viel zu beschäftigt mit all den anderen Dingen. Eri hat nur eine Wahl, Sie muss einfach auf NEON aufpassen. Im wahren Leben genau so wie gleich in ihrem Match. Er ist ihr Prinz. Ihr kleiner Prinz. Sanft küsst Sie seine Wange. Er lächelt, doch er versteht es einfach nicht.

Vincent Craven: "Die beiden haben gleich noch ein Match zu bestreiten."

Mike Garland: "Und als Vorbereitung darauf reiten sie auf einem Lama in ihrer Kabine im Kreis. Bitte sage mir, dass wir das nicht gerade wirklich gesehen haben."

Vincent Craven: "Würde ich gerne, aber Fakten kann man nicht verleugnen."

Mike Garland: "Das mit den Schmetterlingen war aber schon seltsam, oder? Entweder hat da unsere Special-Effects-Abteilung etwas ausprobiert... oder wir werden demnächst von Pilgern überrannt, weil sich hier live vor den Kameras ein echtes Wunder abgespielt hat. Heidewitzka!"

Vincent Craven: "Wunder gibt es in der PCWA immer wieder. Ich wundere mich zum Beispiel sehr darüber, dass NEON nun tatsächlich so etwas wie eine Freundin hat... und die auch noch heiraten möchte. Ich dachte, er spielt lieber mit Kuscheltieren."

Mike Garland: "Vielleicht ist Blake Milton ja deshalb eifersüchtig auf ihn?"


------------------ PCWA ------------------

Kriss Dalmi: "Wo bringst du mich hin, Fettsack? Aaauuutsch!!!"

Ein schmerzhaftes Ziehen breitet sich unvermittelt in seiner Nackengegend aus. Böse funkelt der Serbe seinen breitgebauten, kahlgeschorenen Begleiter an, welcher ihn durch die steril-weißen, hell erleuchteten Korridore des medizinischen Palastes schleift, doch dessen Blick ist nicht auf ihn, sondern nach vorn gerichtet. Trotzdem lässt es sich der Krankenpfleger mit der Statur eines Mammutbaums nicht nehmen, seinem liebgewonnen Patienten "freundlich" zu antworten.

Krankenpfleger: "Kannst dich freuen, Kriss! Kriegst heute nämlich Besuch!"

Kriss Dalmi: "Besuch?!"

Krankenpfleger: "Uh-huh."

Er fragt nicht weiter nach. Er wird es ja ohnehin gleich erfahren, denn endlich sind die beiden am Ziel ihrer Reise angelangt: Eine graue Doppeltür, an dessen Flanke ein auf Augenhöhe an der Wand befestigtes Schild darauf hinweist, dass sich hinter dieser Doppeltür der Besucherraum verbirgt. Ein weiterer Korridor und eine weitere eiserne Gittertür führt die beiden in einen langen, abgeschlossenen Gang, dessen kahle, weiße Steinwein an der einen Seite von einer Reihe geschlossener Türen geschmückt wird. Eine von ihnen ist offen...

Krankenpfleger: "Da rein!"

Der bullige Begleiter führt ihn in eine Art Separee, in der MItte geteilt durch ein dickes Sicherheitsglas. Als der Osteuropäer realisiert, wer dort jenseits der Scheibe auf ihn zu warten scheint, hellt sich sein Blick prompt auf.

Kriss Dalmi: "Welch erfreuliche Überraschung!"

Auf der anderen Seite hat die Geschäftsführerin der PCWA Platz genommen, die den Serben mit einer kühlen Miene und verschränkten Armen mustert. Mit ihren hochgesteckten Haaren, der schneeweißen Hemdbluse und dem grauen Filzmantel wirkt sie so, als würde sie gerade von einem Geschäftstreffen kommen, was in ihrer Position wahrlich kein so abwegiger Gedanke ist. Seine spröden Lippen verziehen sich zu einem Lächeln, als der Riese mit dem kahlgeschorenen Kopf ihn auf den Stuhl platziert und danach aus der Kabine tritt.

Krankenpfleger: "Lass dir soviel Zeit wie du brauchst, Kriss. Aber benimm dich gefälligst! Klar?"

Der Serbe hört seinem Aufpasser jedoch gar nicht mehr zu, er nimmt seine Präsenz nicht mal mehr wahr. All seine Sinne sind nur noch auf seine prominente Besucherin gerichtet. Seine Peinigerin. Sie, die dafür verantwortlich ist, dass er sein Dasein nun in Gefangenschaft fristen muss. Seine lüsternen Augen wandern über ihre Arme, ihren Busen, ihren Hals, ihren Mund, ihre Augen, ihre Haare. Seine gierige Nase saugt ihr lieblich riechendes Parfüm und ihren wohligen Körperduft durch die kleinen Löcher des durchsichtigen Walls auf. In seinen Ohren hallt das dumpfe Pochen ihres Herzens wider und in seinem unersättlichen Mundtrakt kann er den von ihr in die Atmosphäre abgesonderten Schweiß auf der Zunge schmecken.

Kriss Dalmi: "Du bist die erste Person, die mich hier überhaupt besuchen kommt. Kannst du dir das vorstellen? Ausgerechnet du! Verrückt, oder?"

Sie hätte eigentlich damit rechnen können, dennoch ist sie selber darüber erstaunt, welch verstörender Anblick der breit grinsende Serbe mit der Zwangsjacke für sie bietet. Erst jetzt löst sie die verschränkten Arme und legt ihre gefalteten Hände auf der Tischplatte vor ihr ab.

Jona Vark: "Ich muss Ihnen leider sagen, dass mich das bei Ihnen nicht sonderlich wundert."

Kurzzeitig zwingen die Gesetze der Schwerkraft Kriss Dalmis Mundwinkel wieder nach unten. Da hat sie vollkommen recht! Wirklich viele Freunde hatte er ja nie. Auch nicht in der PCWA. Andererseits war es irgendwo auch egal... Wen interessiert dieses Schmierentheater denn noch? Ihn jedenfalls nicht! Sogleich kehrt die Freude in sein Gesicht zurück.

Kriss Dalmi: "Wie komme ich denn zu der Ehre deines Besuches? Wolltest du überprüfen, ob ich immer noch hier bin? Wolltest du sicherstellen, dass ich noch immer in Gewahrsam bin und nicht schon längst aus dem Verborgenen heraus meine nächsten Gewaltorgien in der PCWA plane, mit denen ich alles noch weiter ins Verderben stürze?"

Jona Vark: "Nein, Mister Dalmi, das wollte ich in der Tat nicht! Ich wollte mich nach der Gesundheit einer meiner Angestellten erkundigen. Ich wollte mir ein Bild von ihrem Genesungsprozess machen. Darum bin ich hier, denn, ob Sie es glauben oder nicht: Mir liegt etwas am Wohlbefinden meiner Worker, was sie miteinschließt..."

Der Serbe legt seinen Kopf schief, eine der wenigen Bewegungen, zu denen er im Moment im Stande ist. Aus großen Augen schaut er sie an, so als ob er die von Jona Vark gerade getätigte Aussage überhaupt nicht glauben könne. Dann beginnt er mit einem Mal vergnügt zu kichern.

Kriss Dalmi: "Bis auf die Tatsache, dass es in dieser ganzen verfickten Klinik kein AstroHappy gibt und dieser alte Hurenbock von einem Arzt es nicht mal zulässt, dass man mir Morphin verabreicht, geht es mir eigentlich ganz gut. So langsam fühle ich mich in diesem Scheißladen sogar richtig heimisch!"

Jona Vark: "Na ist das nicht wundervoll?!"

Kriss Dalmi: "Ja, oder? Der Aufenthalt hier bringt mich auch auf freundlichere Gedanken als nur Gewalt und Tod. Gestern Nacht träumte ich zum Beispiel von einer kilomeeeeterweiten Blumenwiese, deren unerschöpfliches Blütenmeer in der milden Nachmittagssonne in allen erdenklichen Farben erstrahlte. Kinder tanzten und sangen und lachten und erfreuten sich ihres jungen Lebens, als sie durch diese sonnengeflutete Szenerie tollten. Es war einfach nur wunderschön und hat mein verkümmertes, schwarzes Herz wieder zum Schlagen gebracht! Unglaublich, was so ein kalter Entzug und tägliche Gespräche mit einem kompetenten Psychiater alles bewirken können, findest du nicht?"

Sie schaut ihn an und versucht dabei ihr Pokerface zu wahren. Will er sie zum Narren halten oder meint er das ausnahmsweise mal ernst?

Kriss Dalmi: "Und welch interessante Leute man hier in der Geschlossenen erst kennenlernt! Letzten Montag beispielsweise habe ich mich mit einer jungen Frau unterhalten - ich glaube sie war 20 oder 21 oder sowas -, die mir nach einigem Nachhaken davon berichtete, dass sie als Jugendliche ihre Eltern im Schlaf mit 57 Messerstichen tötete... Oder waren es 58? Oder doch nur 56?"

Grübelnd schaut der ehemalige Cryption Crown Träger an die Zimmerdecke, scheint jedoch zu keinem konkreten Ergebnis zu kommen.

Kriss Dalmi: "Weiß ich grad nicht. Ist ja aber auch total egal! Jedenfalls bekam sie kurz darauf einen heftigen Heulkrampf und noch bevor ich erfahren konnte, warum sie das getan hat, haben mich die Spielverderber in Weiß von ihr weggezogen und sich anschließend um sie gekümmert. Dabei hätte ich doch zu gerne noch erfahren, warum sie das getan hat. Ich finde das hochinteressant!"

Ekel spricht aus dem verzogenen Antlitz der jungen Präsidentin, als sie den begeisterten Ausführungen ihres Gegenübers lauscht. Ablehnend und entschieden schüttelt sie den Kopf. Sie hätte es sich eigentlich denken können...

Jona Vark: "Sie haben sich kein Stück gebessert!"

Kriss Dalmi: "Aber seien wir doch mal ehrlich: Das muss ich auch nicht mehr, oder? Ich bin hier eingesperrt! Ich kann fürs Erste nicht mehr in der PCWA rumlaufen und Leuten wehtun. Du kannst dich also als Siegerin fühlen oder so!"

Die Handflächen der jungen Frau donnern auf die Tischplatte.

Jona Vark: "Darum geht es aber überhaupt nicht, Mister Dalmi! Ich will, dass Sie Ihre Probleme überwinden! Natürlich will ich, dass Sie wieder für die PCWA in den Ring steigen, aber ich will, dass Sie das im vollen Besitz Ihrer geistigen Kräfte tun, als Wrestler und nicht als ein von der Leine gelassener, tollwütiger Hund!"

Niederträchtiges, kehliges Lachen entfährt dem Serben, das die Repräsentantin von Vark Enterprises fragend die Augenbraue nach oben ziehen lässt.

Kriss Dalmi: "Das könnte sich aber durchaus als Problem herausstellen, mein kleines Blondchen. Mein behandelnder Arzt sagt nämlich, dass wir in dieser Hinsicht noch ein ganzes Bergmassiv voll Arbeit vor uns haben. Wenn du mir mit der Einweisung also einen längeren Zwangsurlaub verschreiben wolltest, dann hast du absolut alles richtig gemacht! So wie es aussieht werde ich diese wunderschön sterile Klinik in den nächsten Jahren nämlich nicht verlassen. Aber das habe ich auch gar nicht vor. Ich habe mich mit meinem Schicksal abgefunden und mir geht es hier, wie gesagt, prächtig!"

Der Blick der blonden Schönheit verfinstert sich. Sie rückt den Stuhl zurück, erhebt sich und beugt sich mit ihrem Oberkörper zu ihrem Gegenüber nach vorn, was auch Kriss Dalmi dazu bringt sein Haupt näher an die Scheibe zu bringen.

Jona Vark: "Ich habe Ihre Einweisung nicht angeordnet."

Das sagt sie ihm mit einer ungewohnten Kälte in der Stimme und ohne die geringste emotionale Regung im Gesicht. Sie lässt es in sein Bewusstsein einsickern. Forschend suchen die Sehorgane des Serben die Ihren ab. Hat er verstanden, was sie ihm gerade gesagt hat? Für einen Moment ist es still zwischen der Ligenpräsidentin und dem Insassen. Ein paar Sekunden des Schweigens vergehen, dann senkt der Belgrader den Kopf.

Kriss Dalmi: "Ach ja? Wer war es dann?"

Ein eingestehendes Seufzen verlässt die Lippen der Engländerin.

Jona Vark: "Ich weiß es nicht. Am Abend des COREs, nachdem, was Sie zusammen mit Azrael Rage Vincent Craven und Mike Garland angetan haben, war ich im Inbegriff, die Polizei zu rufen, als ich von einem Mitarbeiter darüber informiert wurde, dass Sie hier in die Berliner Charité eingeliefert worden sind. Ich kann zu diesem Zeitpunkt nur Vermutungen aufstellen, wer dafür verantwortlich ist. Es gibt in der PCWA verdammt viele Menschen mit verdammt guten Gründe dafür, sie aus dem Verkehr zu ziehen. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann, ist, dass ich dieser Sache auf den Grund gehen werde. Ich werde herausfinden, wer Sie hierher verfrachtet hat, denn diese Person hat mit ihrer Tat meine Autorität untergraben und das dulde ich in meiner Liga genauso wenig wie Ihre ständigen Gewalteskapaden!"

Stille legt sich kurzzeitig über den Ort. Vieldeutig blinzelt der Junkie sie an. So als müsse er den Wahrheitsgehalt dieser Aussage erst noch für sich überprüfen. Jona Vark tauscht einen erwartungsvollen Blick mit ihrem Gegenüber hinter der beinahe fingerbreiten Scheibe aus.

Kriss Dalmi: "Ach so."

"Ach so". Das war's.

Jona Vark: "Ach so?"

Zwei gleichgültige Wörter. Mehr scheint dem AstroHappiker diese Geschichte nicht wert zu sein. Weder wirkt er sonderlich überrascht, noch sonderlich interessiert über den Fakt, dass, entgegen seiner Vermutungen, Jona Vark nicht diejenige war, die ihn in diese Nervenheilanstalt bringen ließ. Warum ist ihm das bloß so egal? Warum nickt er das alles einfach so ab, als würde es ihn nicht betreffen? Zum ersten Mal in dieser Konversation schleicht sich ein Anflug von Unsicherheit auf die Miene der Geschäftsführerin. Kriss Dalmi, hingegen, lässt sich, mehr oder weniger entspannt, in seinen Stuhl zurücksinken und lächelt selbstzufrieden.

Kriss Dalmi: "Na ja, du wirst schon das Richtige tun. Für das Wohl der PCWA und so... Ich werde so lange noch ein bisschen rumchillen und meinen Urlaub im weißen Märchenschloss genießen, okay?"

Wortlos erhebt sich Jona Vark von ihrem Platz, richtet das Revers ihrer Hemdbluse und schließt ihren Mantel. Sie muss hier weg. Jede weitere Sekunde mit diesem Mann ist verschwendete Zeit. Und Zeit ist etwas, wovon sie nicht sonderlich viel hat. Auf dem Absatz macht sie kehrt und lässt den Serben in seiner Kabine allein zurück, der sein Gesicht gegen die durchsichtige Wand drückt und ihr mit einem absurden, fratzenhaften Lächeln hinterherglotzt.

Kriss Dalmi: "Komm mich doch mal wieder besuchen! Es war schön mit dir!"


------------------ PCWA ------------------

Mad Dog: "Du bist das Beste, was der PCWA passieren konnte..."

Der ehemalige Night Fighter äfft mit einer Menge Speichel Robert Barker in Kindesstimme nach, als er eine Kiste scheppernd aus seinem Weg tritt.

Mad Dog: "...wir haben lange auf jemanden wie dich gewartet.“

Wütend spuckt der ehemalige Gerasy Champion auf seine immer noch blutige und von den Glassplittern zerfetzte Handinnenfläche.

Mad Dog: "Go and FUCK YOURSELF!"

Vincent Craven: "Die Fans sind immer noch bei den Geschehnissen des Matches, wie mir scheint."

Mike Garland: "Ja, die Kelten hatten doch ein paar Fans im Rund der PCWA."

Vincent Craven: "Oh warte, da höre ich etwas aus dem Backstage..."

Mike Garland: "Jemand stürmt den Keller!"

Zu schnell. Zu unpassend. Zu überraschend. Ehe er es sehen kann, trifft die Faust. Hämmert seinen Schädel nord-nord-west. Ein Schrei. Blut jagt hinterher. Der anschließende Kniestoß gräbt sich tief in den Unterleib des Dämons. Wilde, rasende Schläge prasseln auf den Rücken ein. Donnerndes Geräusch. Vibrierende Lungen. Zusätzlicher Herz.Schlag.Herz.Schlag.

Mein Kämpferherz.

Es brennt. Vor Wut. Vor Ungerechtigkeit. Vor Angst.

Boshaft knüppelt das Schienbein die teuflichen Stelzen beiseite. Eleven knallt auf die Seite. Knacken. Nikotinschwaden wirbeln auf. Der Hund springt auf ihn. Schlägt weiter. Unversöhnlich. Ohne Gnade. Endlose Hiebe.

Mad Dog: "DU BIST DER STÄRKSTE, HUH?!"

Eleven wippt. Robbt. Greift. MD haut zu. Schwache Hand. Spritzt Blut um Blut. Schlag um Schlag.

Mad Dog: "DU BIST DER GRÖSSTE, WAS???!"

Die Töle greift die Haare Elevens. Packt ihn am Schopf. Kontrolle. Für die Rechte. Trefferfläche. Stirn. Nase. Lippe. Kiefer. Schläfe. Auge. Jochbein.
Eleven stößt ihn von sich. Sein Lachen ist wie ein Echo. Ekelhaft und frustrierend.
Aber MD springt zurück, ehe E11 auf den Beinen ist.
Reißt ihn hinab. Erneut. Auf den Boden.

Mein Kämpferherz.

Es brennt. Vor Wut. Vor Ungerechtigkeit. Vor Angst.

Boxen stürzen. Computer fallen. Tische verrücken. Geklirr. Geschepper. Geräusch. Zwei Männer auf dem Boden. Kampf um Kampf. Gut gegen Böse. Das alte Lied. Noch ehe die Hand des Hundes den ganzen Boden in rot getränkt hat, mischt sich das Blut Elevens dazu. Die fahle Haut ist offen. Rot gefleckt. Er kann bluten.
Wieder stößt Eleven den Hund von sich. Wie das Herrchen, das genug von seinem spieltriebigen Köter hat.
Rasend.
Tollwütig.
Wirft er sich zurück. Auf ihn.

Mad Dog: "DU BIST NICHTS!!!"

Laute Schreie. Anklage. Wut der Verzweiflung. Gerechtigkeit.
Machen die Angst?

Mein Kämpferherz.

BUMM.

.

.

.

Ruhe.

Eleven zieht sich langsam an dem Tisch zurück auf seine Beine, er atmet schwer, doch seine Finger zittern nicht, als er die Zigarette hervorholt und sie sich in den Mundwinkel schiebt. Sein Blick ist leer, seine Aufmerksamkeit ist weiter gezogen. Wo hat er das Feuerzeug..?
Es landet wie von selbst in der blutigen rechten Faust. Feuer. Flamme. Zug. Nikotin!

Ganz nebenbei liegt der verrückte Hund geschlagen auf dem Boden. Über ihm steht Bleed mit einem Stuhl in der Hand, ihre Lippen zittern.
Sie lauert für sie beide, wartend, sehend, wie sich der Hund langsam wieder regt. Die Situation erblickt. Langsam ebenfalls nach einem Tischbein greift, um sich daran hinauf zu ziehen. Bleed schaut zu E11, ihre schwarzen Augen ziehen sich im Angesicht eines erneuten Schlags zusammen.
Dem Hund den Garaus machen, den Störenfried beseitigen, den Unruheherd löschen.
Eleven hebt seine Hand.

Ruhe. Schlagartig steht die Unterwelt still.
Und Bleeds zornige Augen verwandeln sich in Meere der Stille.

Mein Kämpferherz.

Es brennt. Vor Wut. Vor Ungerechtigkeit. Vor Angst.

Langsam zieht sich MD empor, Mad Dog steht seinen ehemaligen PEST Freunden gegenüber. Die Blicke der drei begegnen sich. Flüchtig. Als Dogs Finger auf Bleed gerichtet wird.

Mad Dog: "DU NICHT! Das ist eine Sache zwischen MIR und IHM!"

Bleed schaut herüber zu Eleven, der den Kopf wuchtig in den Nacken reisst, damit das Blut aus seiner Platzwunde davonfliegen kann.
Jetzt ein Nicken.
Bleed funkelt ein letztes Mal herüber zu MD, dreht sich dann herum.
Lässt beide allein.
Einsam auf ihrem Blut stehen.

E11: "War das der Test, MD? Die vernarbten Pfoten auf den Elektrozaun legen.. nur um zu schauen, ob es beim elften Mal noch genauso schmerzt? Fine.. Du hast meine Aufmerksamkeit. Und die Erlaubnis, meine Stiefel vollzubluten. Deja-fuckin'-Vu! Es ist immernoch rot. Es schmeckt immernoch wie Kupfer in deinem zornerstickten Hals."

Während das Blut des Konstanten seine Handinnenfläche hinunter über die Finger den Weg zum Boden tropft, überkommt Mad Dog ein kurzes Lachen.

Mad Dog: "Du wolltest doch sowieso nur mich."

Eleven inhaliert amüsiert. Holt sich den Rauch zurück, der ihm eben aus den Lungen gepresst wurde. 

Mad Dog: "Du hast mich zwei Mal attackiert. Das ist 200% mehr als bei allen anderen in der PCWA."

Clap. Clap. Clap.

Eleven klatscht laut. Es hallt im Keller.

E11: "Yeah.. und gibt dir das nicht zu denken? Ist das nicht eine Scheiß Quote für jemanden wie dich? Wo sind deine Feinde? Du hast keine. Du VERDIENST keine. Du fletschst die geifernden Zähne, bellst die Welt an, und es findet sich niemand mehr, der sich dazu motivieren kann, sich umzudrehen.. dein Stöckchen aufzuheben und es dir in die Kehle zu rammen. Weil sie müde sind.. weil es keine Scheiß Hunde-Metaphern mehr gibt, die sie dir in deinen Napf schütten wollen. Du hechelst seit peinlichen Ewigkeiten dem Gerasy hinterher.. Ein Azrael-Gayporn-Kalender vergeht.. und wo bist du angekommen, MD? Und wo ist ER?"

Eleven schiebt die Kippe in den Mund, legt den Kopf ins Genick und breitet die Arme aus.
Theatralisch dreht er sich langsam in alle Richtungen.

E11: "Wo ist dein Scheiß Gerasy Title?"

Die Töle wankt langsam hervor. Löst sich vom Haltgebenden Tisch. Mad Dog steht frei.

Mad Dog: "Ich will ihn immer noch."

Der Mann aus dem Keller geht langsam in die Knie vor ihm.
Er beugt sich wissend nach vorne. Und seine Stimme geht mehr in Flüstern über, jedoch nicht minder eindringlich, als würde die Welt vereint durch ein Megafon schreien.

E11: "'Die Frage, die du stellen willst, lautet.. 'Wer will ihn nicht'."

Er haucht Qualm aus.

Eleven nickt Mad Dog zu.
Es wirkt fast ehrlich, nahezu aufmunternd. Interesse darstellend.

E11: "Bist du wirklich hier, um das herauszufinden? Oder schlägst du hier nur in Fetalposition kostbare Zeit in deinem Blut tot, weil tief in dir drin .. irgendwo in den Untiefen deines bedauernswerten Verstandes.. die Frage längst beantwortet ist?"

MD schüttelt den Kopf.

Eleven nickt. Reibt sich das Blut aus den Augen.
So als müsste er Müdigkeit bekämpfen, statt einer süss brennenden Netzhaut.

Ein weiterer Zug. Seine Zigarette glimmt auf.
Es ist wie beim Schach. Die Worte bewegen sich wie Figuren auf dem Weg zum Ziel.

E11: "All das.. hast du längst ignoriert. I know. Nicht entscheidend genug. Nicht wichtig genug."

Weiteres Ausatmen.

Ein Schritt auf MD zu.

E11: "Nein.. Du bist hier wegen der Maske. Du bist hier, weil du deine Fragezeichen vor meine Füsse kotzen willst.. Weil es dich zerstört und zerfrisst .. von innen nach außen.. wie Batteriesäure in den Mad Dog-Frühstückszerealien.. Du bist auf der Suche nach Antworten um Blake herumgetanzt, bis du das Blut in den Schuhen fühltest.. Du hast seine Wange geleckt und deine Zähne in sein Fleisch geschlagen.. ihn verführt, gefickt, verraten und hochgezerrt, und bist an ihm gescheitert wie fucking Lance ohne Reiseapotheke am Fuße des Mount Ventoux. Darum bist du hier, right? Wegen der Maske.. wegen seiner Freiheit.. weil du nur hier unten soviel schreien darfst wie nötig ist.. Du hast dich an Blake abgearbeitet, bis deine Nägel brachen, deine Zähne verstumpften und dein Schwanz nur noch mit dem Hund wedelte. Und ich schneie hier rein als die Endzeit auf zwei Beinen, teile Meere und sprenge seine Ketten durch ein Amen. "

Der ehemalige Night Fighter senkt den Kopf. Doch gleich blickt er wieder hinauf zu Eleven.

Mad Dog: "Du hast ihm den letzten Verbindungsanker von mir genommen. Eigentlich sollte er dich bekämpfen - als Kämpfer der Nacht im Untergrund. Aber diese Illusion hast du mir genommen. Danke dafür. Blake ist jetzt nicht mehr mein Junge."

Entschlossen tritt der verrückte Hund auf Eleven zu.

Mad Dog: "Bleibt also nur noch deine Maske als Grund, weshalb ich hier bin, huh? Deine Fassade. Deine unbewiesene Größe, Bosheit, Stärke. Dein aufgebautes, angebliches Monster-Ich."

Das Blut seiner Hand schmiert er sich auf die Brust. Auf sein Kämpferherz.

Mad Dog: "Größe, die du nicht verdient hast. Ansehen, das du nicht verdient hast. Schaudern, das du nicht verdient hast. Es ist diese blanke Ungerechtigkeit! ...die ich nicht verdient hab'."

Ein letztes Mal glüht es rot vor dem Munde Elevens.

E11: "Yeah.. Wirf 'n Brief in die Beschwerdebox. Erklär dir die Welt, MD. Der Osterhase fickt den Weihnachtsmann. Und die Zahnfee reisst den Kindern die Stümpfe aus den Mündern, weil Schmerz bezahlt gehört.. Ist das deine neue Strategie, Wolfboy? Mich zu etwas zu erklären, dass mich greifbarer macht? Du schließt die Augen und glaubst, das das Wesen vor dir dich dann ebenfalls nicht sehen kann? Generationen haben sich daran aufgerieben, das Gespenst in ihrem Angesicht deuten zu müssen.. meine Taten zu vermenschlichen. Sie zogen pfeifend durch den Wald.. und in dem Moment, in dem sie glaubten, ihre Furcht verloren zu haben, wurden sie gerissen wie Schlachtvieh bei Vollmond. Egal wie hoch du dir die uringenässte Helly Kitty-Decke ins Gesicht ziehst.. im Schrank ist WIRKLICH ein Monster. Und es interessiert sich einen Scheiß dafür, ob du damit drohst, den Lichtschalter zu betätigen. Ich bin der Tumor in euren Schädeln, den kein Three Count verschwinden lässt. Euer schlechtes Gewissen und die Ohnmacht, wenn ihr stotternd nach Worten sucht. Ich verdiene ALLES in eurer Welt. All euer Schaudern.. all eure Ausreden, all euer Flehen und eure verzweifelten Verteidigungsversuche. Du bist am Ende des Weges angelangt. DAS ist die Scheiß Erkenntnis, die dich hier runter kriechen ließ. Es ist niemand sonst mehr auf dieser Party.. die Band ist weg, Blake hat sich verabschiedet, die Tische sind leer. Azrael hat dein Date abgeschleppt.. in der Schüssel mit der Bowle schwimmt nur noch dein Blut.. Nur noch ich stehe auf der Bühne. Dein Erschaffer. Dein Anfang. Dein Ende."

Die Kippe fliegt auf den Boden und sengt das Blut an.
Verwesungsgeruch. 
Qualm steigt empor.

E11: "Wenn du wirklich etwas gelernt hast.. in den dunklen Tagen der 21st Century PEST.. der Zeit deiner Neugeburt.. dann weisst du, das es kein Zurück mehr gibt. Du hast alle Ansätze probiert.. alle Reden gehalten.. du hast an Vernunft appelliert und für einen wunden Punkt gebetet, hast Soddom und Gomorra gerufen, Lachgas gebastelt und wütend mit dem Fuß aufgestampft.. Nichts an dir ist mir UNBEKANNT.. und NICHTS an dir ist konstant. Du hast dich durch deinen Kleiderschrank aus obskuren Identitäten gewühlt und nichts gefunden, was irgendwie noch trés chic sein wird, wenn ich über der Asche eurer Welt throne. Du weisst, dass du um dein Überleben kämpfen musst, wenn es dir das noch wert sein sollte.. und das ab jetzt nur noch Taten folgen können?"

Mad Dog: "ICH bin mehr Täter als Schwätzer! Doch du lässt wieder nur lahme Worte folgen..."

Enttäuscht und fast resigniert fällt das Gesicht MDs ein.

Mad Dog: "Verdammt, tu endlich mal was! Ich stehe doch vor dir, oder bist du schon blind?"

Mad Dog funkelt seinen Gegenüber an.

E11: "Braver Hund."

Ohne Vorwarnung fliegt die Hand nach vorn. Erwischt den Hund. Trifft ihn voll. Dog wankt nach hinten. Eleven stürmt nach. Reißt ihn runter. Reißt ihn zu Boden. Schlägt zu.

Mein Kämpferherz.
Es brennt. Vor Wut. Vor Ungerechtigkeit. Vor Angst.

Gedreht. Eleven haut auf MD ein. Immer. Weiter. Bis er ihm zurückzahlt. Bis er ihm zurück gibt. Was er ihm genommen hat. Das Blut an der Stirn. Das Blut an der Lippe. Blute. Töle. Blute. Misslungener Kampfhund.

Dog kann sich der Schlagsalve kaum erwehren. Schützt den Kopf. Aber gekonnt. Nicht eingerostet. Trainiert. Gezielt. Schläge treffen. Schläge schmerzen. Schläge zerstören.
Mit einem Ruck reißt Eleven ein Regal mit schwerem Technikausrüstung um. Es begräbt Mad Dog.
Der dunkle Dämon erhebt sich und schaut auf sein Werk.
Wartet.

Ruhe.
Eleven wendet sich ab, fingert eine erneute Zigarette hervor.
Wie beiläufig gibt er die entscheidenden Worte von sich. Und sie klingen nicht nach einem Vorschlag.
Sondern nach einem Urteilsspruch.

E11: "Vendetta 100, MD."

Schwere Atemgeräusche ertönen unter dem Regal. Erste Bewegungen...

Langsam entrümpelt sich der Boden.
Die Kabel werden weggeschoben. CD Hüllen fallen zu Boden. Rekorder, Fernseher und Beamer werden achtlos weggedrückt.
Der ehemalige Night Fighter befreit sich aus den Altlasten.
Kämpft sich auf die Beine zurück.
Sieht in das blutende Gesicht Elevens.
Fasst mit seiner matschigen Hand an die eigene blutige Stirn. 

Mad Dog: "Vendetta 100, Eve."

Ruhe.

Mit dem Daumen reibt er sich das Blut von der Lippe.
Lacht schief. Atmet befreit.

Mein Kämpferherz, ...

Mad Dog: "Beende es... "

...die Wut. ...die Ungerechtigkeit. ...die Angst.

Mad Dog: "Oder ich schick dich in die Hölle!"

...es brennt.

 

Vincent Craven: "Was ist denn mit dem verrückten Hund los? Ist er jetzt wirklich verrückt geworden? Er stürmt in den Keller und attackiert Eleven!"

Mike Garland: "Es war klar, dass eine solche Aktion zu einer Reaktion führt. Eleven lässt sich nicht vor laufenden Kameras vorführen und der Gegenschlag folgt sofort."

Vincent Craven: "Bei Vendetta 100 wird es zum Match der beiden kommen! Mad Dog gegen Eleven, history in the making!"

Mike Garland: "Der ehemalige GCW World Champion mit seinem ersten Match hier in der PCWA - und gegen niemand anderen als unseren ehemaligen Undisputed Gerasy Champion Mad Dog!"

Vincent Craven: "Der, zugegebenermaßen, einmal einer seiner engsten Verbündeten war."

Mike Garland: "Aber diese Zeiten sind längst vorbei. Mittlerweile sind die beiden erbitterte Feinde."

Vincent Craven: "Wie wir gerade eben gesehen haben. Würde mich nicht wundern, wenn das Match der beiden zu einer wahren Schlacht ausartet."

Mike Garland: "Ich höre die Hardcore-Fans schon jubeln."


------------------ PCWA ------------------

Gedankenverloren war Alistair durch das PCWA Theatre geschlendert. Nach Roberts seltsamen Verhalten hatte er es nicht viel länger in der Himmelsbar ausgehalten, so dass er sich unter einem Vorwand von seinen Freunden verabschiedet hatte. Cinderella hatte dies zwar äußerst missmutig aufgenommen, letzten Endes musste aber auch sie einsehen, dass ihr Mann alleine sein wollte.

Nun hatten seine Schritte ihn zurück zu seiner Kabine gelenkt. Bereits aus einiger Entfernung fällt ihm dabei auf, dass die Tür nur angelehnt ist. Vorsichtig geht Alistair die letzten Schritte und lauscht. Nichts. Keine Geräusche, kein verdächtiges Verhalten. Vielleicht wurde er einfach nur paranoid.

Langsam schiebt er mit der Linken die Tür auf.

Alistair: "Cinderella, du solltest die Tür nicht einfach so offen stehen la..."

Er bricht mitten im Satz ab und bleibt wie angewurzelt auf der Türschwelle stehen. Der Anblick, der sich ihm bietet, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren. Geradeaus, so dass sein Blick direkt darauf fällt, kniet eine Gestalt. Auch wenn Alistair das Gesicht nicht erkennen kann, so sieht er doch deutlich die Maske des weinenden japanischen Mädchens.

Jeffrey Ron Arrow.

Die Lüge kniet in seiner Kabine. Sofort beginnt Alistairs Herz zu rasen. Hektisch wendet er den Blick nach rechts und links, aber Cinderella ist nirgendwo zu sehen. Kein Schlachfest, kein an einen Haken gehängter Körper. Die Bilder vom CORE und der Gedanke an das Unaussprechliche, das Arrow dem Barbarian angetan hatte, schießen Alistair durch den Kopf. Nein. NEIN. Cinderella durfte nicht das nächste Opfer des Wahnsinnigen sein.

Alistairs Knie zittern und so ist es mehr ein Taumeln als ein Sprung, als er auf Arrow zuhechtet. Dessen Stimme aber hält ihn zurück. Der sonore Bariton klingt beruhigend... erschreckend beruhigend.

Arrow: „Shshshhhhh, Pretty Boy. Fürchte dich nicht.“

Die Lüge fährt mit zitternden Fingern über die verzerrten Furchen seiner Maske. Beinahe scheint er den Schmerz des Gummimädchens zu spüren. Ruckartig legt er seinen Kopf schräg, fährt mit den Händen seelenruhig in seine Hosentaschen und zieht seine Schultern hoch. So verletzlich.

Arrow: „Die Tochter des Regenläufers war artig, sie muss sich nicht änstigen. Sie… sie hat keine Strafe verdient.“

Die Lüge senkt den Kopf, verfällt in grüblerisches, unverständliches Gebrabbel… und hebt mit einem Mal den Zeigefinger, als wäre ein längst verloren geglaubter Gedanke aus den unendlichen Wirrungen seines unergründlichen Hirns wieder aufgetaucht. Frohlockend wendet er sein Handgelenk, richtet den Zeigefinger auf sich selbst und tippt sich auf die eigene Brust. Hühnerhaftes Kichern.

Der Kalifornier hält inne. Was für ein Spiel spielt Arrow hier? Noch einmal blickt er sich um. Tatsächlich deutet nichts darauf hin, dass Cinderella hier gewesen ist und dass ein Kampf stattgefunden haben könnte. Er atmet erst einmal durch.

Alistair: "Was willst du hier, Lüge? Schon wieder eines deiner Spielchen, mit denen du Jona zum Narren halten willst?"

Beinahe empört schüttelt Arrow den Kopf. Verharrt auf den Knien. Tippt sich abermals auf die Brust.

Arrow: „Ich bin es, der unartig war, Pretty Boy.“

Unverwandt hebt die Lüge den Kopf, starrt Alistair genau in die Augen, verliert sich in ihnen, tanzt mit der Iris, liebkost die Zonulafasern, ertrinkt in den endlosen Tiefen der Makula.

Arrow: „Ich bin hier, um mir abzuholen, was ich verdiene, Daddy.“

Die kindliche Belustigung weicht mit einem Schlag aus der Stimme der Lüge. Plötzlich poltert sie los, überschlägt sich, Kieksen und Krächzen wechselt sich mit Schreien und Stöhnen ab.

Arrow: „Scheiß auf Spielchen, Alistair Brunswick. Bei Vendetta 96 habe ich die Spielfiguren vom Tisch geschmissen, das Spielbrett zersägt und die Anleitung verbrannt. Das hier ist kein Spiel, Pretty Boy, das hier macht den Mann aus dir, der zu sein du so dringend zu vermeiden versuchst. Du spielst doch jetzt bei den guten Jungs, ist es nicht so, Pretty Boy? Lieber ein durch die Zähne gepresstes ‚Nein’ als blutige Vendetta in vollen Zügen zu genießen, lieber ein paar Streicheleinheiten von der Ehefrau, als dem Schwiegervater die Zähne in den Hals zu schlagen – und hier kommt das verfluchte Sonderangebot: Du bist kein dummer Kerl, Pretty Boy. Ich habe dir etwas genommen, was rechtmäßig dein sollte… den Sieg im Mainevent bei Vendetta. Und ich weiß, dass du kommen wirst, um dir zu holen, was dir zusteht. Du als großer Verfechter von actio und reactio.“

Kurzes Lächeln der Lüge.

Arrow: „Doch ich helfe dir, dabei reinen Gewissens zu sein. Du musst es dir nicht nehmen… ich biete dir auf einem Silbertablett, wonach du dich sehnst. Ich bin hier, Pretty Boy. Ich knie vor dir. Ich bin bereit, zu erdulden, was du für angemessen hältst. Kein Bitten, kein Betteln, kein Flehen, keine Widerwehr.“

Er sabbert sie heraus, spuckt und keucht sie hinaus, rotzt und bricht die Worte vor Alistair auf den Kabinenboden.

Arrow: „Komm schon, Pretty Boy, KOMM SCHON!“  

Alistair zögert. Das kann doch nicht sein Ernst sein?

Alistair: "Schon wieder eines deiner Psychospielchen, Arrow. Wenn du glaubst, ich würde darauf eingehen, dann hast du dich aber getäuscht."

Keine Antwort. Keine. Einzige. Silbe. Mit einem simplen Kopfnicken deutet Arrow auf eine schwere Vase, die direkt neben Alistair positioniert ist. Kurz treffen sich die Blicke der beiden, verharren aufeinander, rangeln miteinander wie kieksende Kinder, umgarnen sich mit frech flottierenden Schritten, ehe sie sich aufeinander stürzen und mit stummem Kampfgeschrei in der Luft… zerreißen. Wie in Zeitlupe wendet sich Alistair ab. Sieht tatsächlich zu der Vase hinüber.

Ein scheußliches Ding aus schwarzem Kristall, Cinderella hatte es mitgebracht. Aber sie ist vermutlich schwer genug, um Arrow mit einem einzigen Schlag auszuschalten. Mit etwas Glück ginge sie dabei auch noch kaputt, zwei Fliegen mit einer Klappe.

Alistair greift nach der Vase und wiegt sie in der Hand, während er auf den knienden Arrow zutritt.

Alistair: "Oh, Mann. Dass du es mir so einfach machen würdest."

Kurz hebt Arrow den Kopf, sucht Alistairs Augen und als er sich der Aufmerksamkeit des Quest-for-the-Best-Gewinners sicher ist, senkt er den Blick wieder, um leise vor sich hin zu flüstern.

Arrow: „Eine Offenbarung, oder, Pretty Boy? Es fühlt sich so gut an, der Lüge endlich mit der Wahrheit widersprechen zu können, right? Die Wahrheit in den eigenen, braungebrannten Fingern… ein Gefühl, besser als jeder Reichtum der Welt, ist es nicht so?“

Alistair stutzt. Sein Blick fällt auf die Vase, die er bereits angehoben hat, bereit zum Schlag. Er seufzt leise und lässt sie sinken.

Alistair: "Wahrheit? Was meinst du damit? Sprich nicht in Rätseln."

Arrow schüttelt sanft lächelnd den Kopf.

Arrow: „Du weißt genau, wovon ich rede, Pretty Boy. All diese unterdrückte Wut, dieser Hass, diese Zweifel, die mit jedem verfickten Herzschlag in deinem Blutkreislauf zirkulieren und deine Venen vergiften. Ich kann es beinahe physisch spüren, Alistair. Du bist nicht, was du vorgibst zu sein. Du bist nicht der weiße Ritter, der auf seinem Pferd geritten kommt, um die verlorenen Seelen dieser Welt zu retten. Du bist nicht hier, um deinen Mantel mit dem räudigen Köter zu teilen, der aus Robert Barker geworden ist. Du bist nicht hier, um mit dem Teufelskerl Stevie Van Crane in der Himmelsbar auf den Abschuss des schwarzen Engels Bleed anzustoßen. Das alles…ist Fassade, beschissene Leuchtreklamen, die du dir auf den Körper klebst, um all die Idioten davon abzulenken, dass du dich in deinem Inneren danach verzerrst, Knochen splittern und Sehnen reißen zu hören, ein oberflächlich hedonistisches Alter Ego, geboren aus der Furcht davor, dem Drang nach Bädern in Blut, Eiter und Eingeweiden nachzugeben.“

Die Lüge hält den Kopf gesenkt. Wispert. Liebkost die unsichere Seele seines heißblütigen Gegenübers.

Arrow: „Reiß sie herunter, Pretty Boy, reiß die Leuchtreklame herunter und zeig mir, wer du wirklich bist. Und wenn du dich davor fürchtest…“

Das Wispern wird zu einem verspielten Flüstern.

Arrow: „…dann vertraue mir: Ich werde es niemandem weiter erzählen. Niemandem!“

Alistairs Gedanken rasen. Langsam hebt er die Vase wieder an.

Alistair: "Du versuchst ein verdammtes Spiel mit mir zu spielen? Willst etwas in mir wecken, was nur in deiner kranken Phantasie existiert? Oh, Jeff, du hast gar nicht verstanden, worum es hier überhaupt geht... worum es im Leben überhaupt geht. Hier schlägt man sich nicht gegenseitig die Köpfe ein und gratuliert sich danach für die gelungenen Grausamkeiten. Niemand wird für den Versuch belohnt, der blutrünstigster Ficker in der Arena zu sein, weder du, noch Eleven noch Azrael. Das hier ist real, in diesem Leben gibt es Konsequenzen. Und genau diese wirst du zu spüren bekommen. Du kannst nur froh sein, dass du Cindy nichts angetan hast, denn sonst wäre die Waffe in meinen Händen nicht nur eine hässliche Blumenvase."

Seine Muskeln sind angespannt. Mit vollem Schwung würde er die Waffe auf dem Schädel seines Gegners zertrümmern, würde ihn für seine Verrat bezahlen lassen.

Irres Lachen der Lüge. Wie von Sinnen nickt er, sein ganzer Körper nickt, er ist die Reinkarnation der Zustimmung.

Arrow: „Los, Pretty Boy, tu es, reiß die ganze beschissene Fassade runter, LOS!“

Alistairs Finger packen die Vase fester. Er atmet noch einmal tief ein und dann...
... lässt er sie wieder sinken. Kopfschüttelnd wendet er sich ab.

Alistair: "Nein. Das bin ich nicht mehr. Du hast es verdient, aber so einfach mache ich es dir nicht. Du willst den Schmerz, aber ich gebe ihn dir nicht. Deal with it, geh woanders abspritzen."

Er lässt sich auf die Couch sinken, behält Arrow aber immer noch im Blick. Langsam hebt dieser den Kopf, so dass Alistair seine Augen hinter der Maske erkennen kann. Ein wutentbranntes Zischen entfährt der Lüge.

Arrow: „Du betrügst dich selbst, Brunswick, du begehst Verrat an der eigenen Person, du verdammtes Stück… dein Lügengebilde ist so gut, dass du dir selbst ins Netz gehst… Living Dead Boy!“        

Irgend etwas in Alistair verkrampft sich. Wie konnte Jeffrey Ron Arrow davon wissen? Was hatte er gemacht, bevor er ihn hier in der Kabine entdeckte...?

"Darf ich dir das abnehmen?"

Die Stimme reißt Alistair aus seinen Gedanken. Robert Breads steht in der noch immer offenen Kabinentür. Der Kanadier, mit dem Alistair sich bereits vor einigen Shows im Büro von Jona Vark "unterhalten" hatte, tritt in den Raum und legt den Kopf schief. Offenbar hat er die ganze Szenerie eine Weile beobachtet.

Robert Breads: "Die Wirkung deiner hochgradig tiefgründigen, mit Metaphern von schier unglaublicher Eloquenz ausgeschmückten Psycho-Spielchen wird geringfügig davon untergraben, dass du vor anderen Männern auf die Knie sinkst, Arrow. Du solltest dein Drehbuch noch einmal überarbeiten."

Alistair blickt ihn fragend an.

Alistair: "Was willst du in meiner Kabine, Breads?"

Der Kanadier tritt einen Schritt auf ihn zu.

Robert Breads: "Vielleicht bin ich ja hier, um das zu tun, was du nicht tun willst. Vielleicht will ich diesem Typen ja etwas auf den Kopf schlagen... nun, nein, diese Idee könnt ihr euch höchstens aus dem Kopf schlagen. Aber Alistair, das hier ist doch ganz einfach... Pretty Boy."

Höhnisch benutzt der Kanadier nun die gleiche Anrede für den Sieger des Turnieres wie die Lüge.

Robert Breads: "Ich meine, das war doch das ganze Ziel der Sache. Du läufst hier rein und er fordert dich dazu auf, ihn nieder zu schlagen. Er weiß, du wirst es nicht tun, nicht vor laufender Kamera, dafür ist es dir zu wichtig, was andere Leute von dir denken. Klar, du willst es eigentlich tun, denn du bist im Inneren auch nur PCA'ler Nummer was weiß ich, genau wie alle Anderen, blutrünstig und gewaltbereit, nur einen kleinen Schritt davon entfernt, Leute an Türen zu schlagen..."

Ein kurzer Blick Richtung Arrow.

Robert Breads: "...aber du wirst es nicht tun. Das weiß er. Und deswegen lässt er sich auf ein Spiel ein, dass er gewonnen hat, sobald du mitspielst. Du würdest gern, aber wirst nicht. Wirklich, das ist doch nicht schwer, oder? Vielleicht wärst du besser beraten, wenn du der Smart Boy der Liga wärst, Alistair. Aber sei's drum. Du bist mir egal. Arrow hier hingegen..."

Erst jetzt wendet sich Arrow Breads zu. Beiläufig. Desinteressiert. Den Blick gesenkt. Alistair behält die beiden im Blick, entspannt aber merklich.

Arrow: „Wenn man schon nicht seinen Prinzipien treu bleiben kann, wieso dann eigentlich seinem Beruf, nicht wahr, Breadsyboy? Vom Puristen zum Sadisten, vom Wrestler zum Hobbypsychologen, vom Ankläger zum Samariter… der helle Wahnsinn, wie schnell du deine Gewänder gewechselt hast.“

Die Lüge schnieft abfällig, legt den Kopf schief und betrachtet den Cryption Crown mit einem nach oben gezogenen Mundwinkel.

Arrow: „Interessant, wie du dich in Tiefenpsychologie versuchst. Jetzt, wo du zu erkennen beginnst, dass all deine Versprechungen an deine Fans und an dich selbst nur hohle Phrasen waren, die in einer Welt, in der das Chaos und der Terror herrschen, so nachhaltig waren wie Seifenblasen in einem Dornenbusch, beginnst du also, andere Menschen zu retten.“

Kurzer Blick zu Alistair. Süffisantes Grinsen.

Alistair: "Nichts von dem, was du sagst, ist es wert gehört zu werden. Du lügst nicht nur, du bist eine Lüge. Das warst du immer und wirst es immer sein. Ich habe das erkannt und Robert hat das erkannt."

Arrow: „Trau ihm ruhig, Pretty Boy. Er hat sich selbst verloren, also wird er dich sicher retten können.“

Robert Breads: "Weißt du, Jeffrey... vielleicht hast du ja Recht. Vielleicht erzählst du mir, was du selbst für eine Lüge hälst, aber vielleicht hast du ja doch Recht."

Nachdenklich reckt Breads das Kinn in die Höhe.

Robert Breads: "Du hast dein Spiel mit Alistair geplant, aber nicht mit mir. Wenn ich wirklich meine Prinzipien verraten habe, was hält mich dann davon ab dir Gerechtigkeit zuzufügen? Das habe ich mit Dalmi auch getan. Ich habe Dalmi und alles, wofür er steht, begraben, und dafür meine Prinzipien bei Seite geschoben. Das könnte ich nochmal machen. Ich habe ja wohl nichts mehr zu verlieren, wo mich doch nun jeder auch für einen gefährlichen Irren hält. Was hält mich eigentlich davon ab, dich genauso zu behandeln wie Kriss Dalmi? Ihr seid ohnehin alle gleich. Da habt ihr eigentlich auch die gleiche Behandlung verdient. Vielleicht, aber nur vielleicht... bin ich mit dir noch lange nicht fertig, Jeffrey Ron Arrow."

Der Blick des selbsternannten Wrestling Champions - verdient er diesen Titel noch? - ist schwer zu deuten. Nur sein schiefes, überzogenes Grinsen lässt darauf schließen, dass er sich hier über irgendwen lustig macht. Aber über wen - Brunswick, für seine versäumte Chance, oder Arrow, für den Glauben, Breads hätte sich geändert?"

Robert Breads: "Vielleicht habe ich aber andere Wege, mit dir umzugehen, als dich mit einer Vase niederzuschlagen, wie es jeder Andere tun würde. Vielleicht bin ich auch nur hier, um dir dein kleines Spiel zu versauen, sozusagen als Revanche für unser missglücktes Date im Ring. Und vielleicht, aber nur vielleicht... hast du überhaupt keine Ahnung, wer oder was ich bin, weil du nie verstehen wirst, was es heißt, zu seinem Wort zu stehen... Lügner."

Er streckt die Hand aus. Alistair versteht zuerst nicht, was diese Geste bedeuten soll. Dann aber fällt sein Blick auf die Vase, die er noch immer in der Hand hält. Hat Robert es etwa auf diese Waffe abgesehen?

Alistair: "Oh, boy..."

Er schüttelt den Kopf.

Alistair: "Wie gerne würde ich jetzt sagen: Du machst einen Fehler. Jemanden zu attackieren, der sich nicht wehrt, das ist nicht ehrenhaft. Wie gerne würde ich diesen Mann jetzt vor dir und deinem Zorn verteidigen..."

Alistair hebt den Blick wieder. Ein Funkeln ist in seinen Augen zu erkennen.

Alistair: "Auf der anderen Seite: Was habe ich denn schon zu verlieren? Meine Freunde, die mir ohnehin nicht trauen? Die Fans da draußen, die Arrow vermutlich ebenso gerne wie du und ich am Boden in seinem eigenen Blut liegen sehen würden? Shshsh. Ich mag vielleicht die Seiten gewechselt haben, aber eine gute Gelegenheit lasse ich mir deswegen noch lange nicht entgehen."

Er steht auf und blickt Robert nun direkt in die Augen, während er die Vase langsam hebt. Mitten hinein in den Staredown von Breads und Brunswick räuspert sich die Lüge. Nickt bestätigend.

Arrow: „Starke Rede, Pretty Boy. Endlich. Du kannst es. Du schaffst es. Ich glaub an dich. Schakka!“

Alistair würdigt ihn keines Blickes. Seine Augen sind starr auf Robert Breads gerichtet.

Alistair: "Robert, ich achte dich für das, was du darstellst. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wenigstens stehst du zu dem, was du tust. Kein verlogenes Geschwätz und im Ring bist du vielleicht einer der wenigen, die es mit mir aufnehmen könnten. Hut ab. Und nun sehe ich dich hier in meiner Kabine, während sich diese einmalige Gelegenheit auf Rache bietet..."

Er hebt die Vase erneut an. Diesmal noch fester noch entschlossener.

Alistair: "Und genau deshalb ist das hier die einzig mögliche Lösung."

Mit diesen Worten drückt er Robert die Vase in die Hand und wendet sich ab.
Als er die Tür erreicht hat, wendet er sich noch einmal zu den beiden um.

Alistair: "Tut, was ihr nicht lassen könnt. Aber wischt nachher das Blut auf, 'kay?"

Er knallt die Tür hinter sich zu. Zurück bleiben Jeffrey Ron Arrow und Robert Breads.
Der Living Dead Boy blickt sich nicht mehr um.

Feixend mustert Arrow seinen verbliebenen Gegenüber. Federt aus den Knien in den Stand.

Arrow: „Glaub mir, irgendwann kriege ich ihn dazu, zu tun, was sein Herz von ihm verlangt.. Ich würde sagen, chapeau, Herr Brot. Ich hab bei deiner Kreuzigung geholfen, du hast mir die Tour vermasselt…damit sollten wir quitt sein.“

Sprach’s und lüftet einen imaginären Hut vor dem amtierenden Cryption Crown, ehe er sich in einer geschmeidigen Bewegung an diesem vorbei durch die Türöffnung schlängelt und das Szenario verlässt.

Robert Breads: "Das sollten wir also, ja...?"

 

Mike Garland: "Und für einen Moment dachte ich glatt, Robert Breads würde Jeffrey Ron Arrow nun wirklich niederschlagen."

Vincent Craven: "Genau wie Alistair gibt es dabei ein Hindernis: Sein Gewissen."

Mike Garland: "Bla. Beide sind einfach zu feige, ihren Ruf aufs Spiel zu setzen."

Vincent Craven: "Vielleicht wollen sie sich an Arrow auch einfach nicht die Finger schmutzig machen? Er hat sie beide verraten und ihnen nun die Chance gegeben, sich dafür zu revanchieren. Vermutlich hätte er dieses Angebot aber nicht gemacht, hätte er befürchtet, dass einer der beiden die Gelegenheit ergreift."

Mike Garland: "Einen Jeffrey Ron Arrow kümmern Schmerzen nicht. Er hätte eine Abreibung kassiert und darüber vermutlich auch noch gelacht."

Vincent Craven: "So manchmal mache ich mir ein wenig Sorgen um den Geisteszustand einiger unserer Wrestler..."


------------------ PCWA ------------------

„Guten Abend, Jona!“

Er lacht. Er! Die Großartigkeit in Person, der Beste der Besten, der Unantastbare, der absolut Besteste (gibt es das Wort?), den es jemals gab, spricht mit der Kamera. Ich meine, hallo!!! Der Mann ist zweifacher Gerasy Champion, zweifacher Cryption Champion, Cotatores Champion, Quest 4 the Best Gewinner und natürlich ist er sowieso viel genialer als alle anderen… Es ist… Trommelwirbel… Azrael Rage… Echt eine Überraschung, oder?

Azrael Rage: „Offenbar hast Du Dich dazu entschlossen Mir nicht einmal mehr Eintritt in Dein Büro zu lassen… Aber gut. Ich war stets in Meinem Leben dazu bereit Konkurrenz zu ertragen. Also habe Ich für eine besondere Frau wie Dich, Jona, eine besondere Nachricht vorbereitet... Ich meine, ein Luxusweib kann man nicht nur mit etwas Champagner und einer Videocamera für sich begeistern. Du bist ja nicht Paris Hilton… obwohl es nur einen Eselstritt entfernt ist, dass Du für die Quote Deine Titt… Einerlei!“

Er dreht die Kamera zu sich, so dass sie nur sein Gesicht zeigt. Seine Zigarre nimmt er kurz aus seinem Mundwinkel.

Azrael Rage: „Hör Mir zu, kleine Hure! Keine Sorge! Das ist keine Beleidigung, sondern nur Fakt. Ich weiß ja, dass Du die Quote und in die Einnahmen liebst… wie eine Hure… alternativ könnte man auch Pornodarstellerin sagen… was Ich natürlich nie sagen würde. ABER! Ich bin hier, um Deine Einschaltquote zu steigern und das mit den möglichst günstigsten Mitarbeitern, die Du hast. Wir veranstalten ein kleines Theaterspiel nur zu Deinen Ehren. Ist das Gerasy-like, oder was?“

Er lacht. Laut. Dreckig. Alleine. Noch ein Zug an seiner Zigarre und dann macht er weiter.

Azrael Rage: „Um ehrlich zu sein, glaube Ich, dass wir uns nur auf den falschen Fuß erwischt haben, Jona. Eigentlich sind Du und Ich mehr Liebespaar, als wir Feinde sind. Es ist nur einfach vieles schief gelaufen. Wenn Du magst, kannst Du das alles als Entschuldigung sehen. Es wäre Mir eine Freude. Aber warum soll Ich so viele Worte verlieren, wenn die Fakten deutlich lauter sind, als Ich? Ich meine… das wäre doch Größenwahn, oder? Niemand ist größer als die Fakten.“

Wieder sein Lachen, während er in die Kamera blickt, die er in seiner linken Hand hält. Jetzt dreht er sie um und wir sehen einen sitzenden Mc-Double-D, der eine blutige Nase hat, eine blutige Unterlippe, und sich mit schmerzverzerrten Gesicht das linke Wadenbein hält, welches gefährlich angeschwollen aussieht. Deutlich wird ihm von Rage ein Zettel und eine Mad Dog Maske gegeben. Vorsichtig und dabei geradezu ängstlich sieht er den Kamerahaltenden an während er die Maske aufsetzt, das Mikrophon hält und den Zettel liest…

Mc-Double-D: „Ich bin Mad Dog…“

Azrael Rage: „Lies schneller!“

Schützend hält Mc-Double-D die Hand vor sein Gesicht.

Mc-Double-D: „Okay, okay… ich versuche mein Bestes.“

Azrael Rage: „Versuch es besser!“

Der gezwungene Vorleser versucht sich mehr zusammen zu reißen.

Mc-Double-D: „Ich bin Mad Dog. Ich wurde von dem göttlichen Azrael Rage leider vollkommen demontiert. Ich dachte stets, dass ich ein guter Kämpfer wäre, aber ich bin nur ein Stümper. Leider bin ich nur ein Stümper, der dieser Göttlichkeit…“

Azrael Rage: „Weiter! Du Wichser!“

Wieder hebt er schützend die Hand.

Mc-Double-D: „ … nicht würdig ist. Ich hatte nie den Hauch einer Chance. Um genau zu sein, war es der Vergleich zwischen Staubkorn und Universum. Azrael Rage ist unser Kosmos und ich bin nur Dreck unter den Füßen der Menschen. Es tut mir leid, dass ich die Zeit meiner Fans verschwendet habe, denn sie sollten Azrael Rage Fans sein. Ich bin und war mein ganzes Leben unfähig. Nein, das ist eine Unter…“

Azrael Rage: „Weiter! Weiter!“

Mc-Double-D: „Untertreibung, denn um genau zu sein, trage ich wieder diese Maske zur Schande, denn es war immer von vornherein klar, dass Azrael Rage mich schlagen würde. Aber ich habe nicht auf mein Urteilsvermögen gehört. Ich dachte, ich könnte ihn besiegen. Ich lag so falsch, es ist unglaublich. So falsch lag nicht einmal Kolumbus als er dachte, er hätte Indien gefunden… dabei war es Amerika. Ich Idiot. Aber wenn wir schon bei Geständnissen sind. Ich pinkle mich stets ein, wenn Ich gegen so mächtige Personen wie dich antreten muss. Es ist nicht schön und ich ekele mich vor mir selber, aber was soll ich machen? Ich kann meine Familie nur vor meiner Widerlichkeit beschützen, indem ich sie verstoße. Meine Tochter würde sich doch für so einen Vater zu Tode schämen… Das ist es. Das ist die traurige Wahrheit in meinem Leben und die Wahrheit in deinem Leben, Jona, ist, dass du Azrael Rage nicht aufhalten kannst.“

Das Mikrophon wir ihm weggerissen und die Kamera wird zum Strippenzieher dieses Schauspiels gedreht.

Azrael Rage: „Danke, Mad Dog. Ich bin froh, dass Du wenigstens jetzt ehrlich mit Mir und den PCWA-Fans bist. Aber das war echt peinlich, Mad Dog. Du solltest Dich jetzt einfach verpissen!“

Wieder wird die Kamera gedreht und wir sehen wie Mc-Double-D mit ein paar heftigen Tritten aus dem Bild und aus dem Raum gedrängt wird. Wieder dreht die Kamera.

Azrael Rage: „Aber, gute Jona, das ist nicht der einzige Deiner Superstars der uns etwas sagen will. Um genau zu sein hat vor allem Dein neuer Superstar richtig viel zu erzählen. Er flehte Mich richtig an, um das bisschen Airtime. Genug von Mir… lassen wir den Quest 4 the Best Sieger 2013 sprechen… Alistair Brunswick!“

Als die Kamera sich dreht, sehen wir einen Apfel Andy, welcher offenbar an einem blauen Auge, sowie einen gebrochenen Arm leidet. Ein blonde Perücke wurde ihm auf dem Kopf gesetzt und ein Rüschenhemd notdürftig übergezogen.

Apfel Andy: „Bitte, ich muss in ein Krankhaus!“

Eine schallende Ohrfeige ist die Reaktion von Rage.

Azrael Rage: „Lies von Deinem Zettel oder die ganze Crew von Emergency Room wird Dir nicht mehr helfen können.“

Zögerlich mit deutlicher Angst und Schmerzen im Gesicht beginnt er von dem Zettel abzulesen.

Apfel Andy: „Ich bin… Alistair Brunswick…“

Azrael Rage: „Das ist nicht Dein Auftritt im Puppentheater in der dritten Klasse. Gib Dir mehr Mühe oder Ich gebe Dir einen Freifahrtsschein ins Nirvana!“

Rauch von der Zigarre wird ihm ins Gesicht gepustet. Andy hustet kurz, versucht sich dann aber zu konzentrieren.

Apfel Andy: „Ich bin Alistair Brunswick. Ich bin der Sieger des Quest 4 the Best 2013. Mann, ist schon echt eine tolle Sache. Ich war nie in irgendwas der Beste bisher, außer da drin Minderjährige flachzulegen. Ist echt toll. Ist zwar auch erschreckend, wie sehr das Niveau dieses Turniers gesunken ist, aber echt toll. Dennoch, früher gewannen große Namen wie Azrael Rage das Turnier und heute ich. Das ist ein schlimmerer Werteverfall als selbst die FDP bei der Wahl. Aber egal… ich freue mich. Bin halt ein Sunnyboy. Schließlich habe ich das Glück gepachtet. Ich darf trotz all meiner offensichtlichen Fehler ein Teil der Familie Rage sein. Leider bin ich ein garstiger und undankbarer Bastard und zeige deswegen stets nicht, welche Großartigkeit auf mich hernieder scheint. Im Gegenteil. Ich werde immer dreister und frecher. Aber es tut gut in diesem Moment mal die Wahrheit zu sagen. Aber es gibt noch zwei schmerzhafte Wahrheit…“

Azrael Rage: „Wahrheiten, heißt das, Du Idiot!“

Apfel Andy: „Wahrheiten in meinem Leben. Erstens, aber das dürfte ein offenes Geheimnis sein, ich bin impotent. Es ist als ob ein Jellybean zwischen meinen Beinen hängt… mit Penisgeschmack. Aber genug von mir. Jona, es geht hierbei ja um dich und die Wahrheit ist simpel. Azrael Rage ist besser als du. In jeder Beziehung. Daher, als dein Superstar, bitte ich dich inständig die Macht an Rage zurückzugeben.“

Er bekommt dennoch eine Ohrfeige zum Abschluss von Rage und dieser dreht die Kamera.

Azrael Rage: „Oh, Alistair, das tut Mir alles so leid. Es muss furchtbar für Dich sein in Meinem Schatten zu stehen. Da wird Mir auch klar, warum Du derart aufsässig Mir gegenüber bist. Aber da Du nun so ehrlich zu Mir warst, will Ich Güte zeigen. Also geh nun.“

Man hört laut und deutlich einen Schmerzensschrei und kann vermuten, dass es hier einen kräftigen Tritt gab. Ein Grinsen von Rage in die Kamera. Man hört das Klappen einer Tür.

Azrael Rage: „Oh, das ist jetzt aber eine Überraschung. Liebe Fans und Freunde, soeben kam doch unsere Geschäftsführerin Jona Vark zu uns und hat darum gebeten auch ein paar Worte der Erkenntnis von sich geben zu dürfen.“

Lachend zieht er an seiner Zigarre.

Azrael Rage: „Jona, das Publikum gehört ganz Dir!“

Die Kamera wird gedreht und wir sehen natürlich nicht Jona Vark, sondern einen Pizzabäcker Salvatore, der eine Platzwunde über der Stirn trägt. Ein Kleid wurde ihm über gezogen, eine blonde Perücke aufgesetzt und mit einen Lippenstift bemalt, hält sich die Rippenregion, welche wohl schmerzt. Vorsichtig hebt er seinen Zettel und blickt flehend in die Kamera.

Salvatore: „Bitte hilf uns doch je…“

Ein kräftiger Faustschlag trifft ihn ins Gesicht.

Azrael Rage: „Entschuldigung, liebe Freunde, eine Fliege störte unser Bild. Ich musste sie kurz totschlagen… und Dich schlag Ich gleich wirklich tot, wenn Du nicht beim Text bleibst.“

Die Unterlippe von Salvatore wurde hart getroffen und er scheint zu weinen, aber er blickt, wie ein geprügelter Hund, gedemütigt, gebrochen auf den Zettel.

Salvatore: „Guten Abend, Mister Rage. Ich bin aus freien Stücken hier, um meine Irrtümer zu beichten.“

Azrael Rage: „Aber Jona, das macht doch nichts. Wir alle machen Fehler. Naja, alle außer Ich.“

Salvatore: „In dem Moment als sie die PCWA leiteten, revolutionierten sie das Wrestling und gaben der PCWA endlich eine Identität auf die sie stolz sein kann. Ich fühle mich immer noch wie ein Nestbeschmutzer, weil ich dachte, ich könnte diesen Job besser als sie, aber ich habe mich geirrt. Wieder einmal. Das kommt nun einmal davon, wenn man als reiche verzogene Göre versucht den Job eines wahren Könners zu übernehmen. Können sie mir vergeben?“

Mit offensichtlich gespielter milder Stimme, antwortet der Gott der PCWA ihr…

Azrael Rage: „Aber natürlich, Jona. Nie würde Ich Rache Mein Leben bestimmen lassen… Aber Jona, was ist das für ein fieser italienischer Akzent, den Du da hast?“

Hilfe suchend blickt Salvatore ihn an.

Salvatore: „Da steht nichts auf dem Zettel mehr.“

Betroffen klingt die Stimme.

Azrael Rage: „Oh, Jona, hast Du durch diesen plötzlichen Anfall von Italien Deinen Text vergessen? Keine Sorge, Ich kann Dir helfen. Öffne Deinen Mund.“

Verwirrt und ängstlich blickt Salvatore in die Kamera.

Azrael Rage: „ÖFFNE DEINEN MUND! Verdammt nochmal!“

Salvatore tut zögerlich, wie ihm geheißen wird, und öffnet den Mund. Der Blickwinkel auf ihn ändert sich, denn offensichtlich legt Rage die Kamera auf den Boden.

Azrael Rage: „Keine Angst, Jona. Es ist gleich vorbei.“

Der Arm des Gerasy Champions schnappt sich das Gesicht von Salvatore und hält dessen Mund an die Wand gepresst offen.

Azrael Rage: „Eine gute Havanna hat schon immer geholfen, bei fiesen Akzent.“

Unter lauten Schmerzgeräuschen drückt der Gott der PCWA seine Zigarre im Mund von Salvatore aus, bis dieser ohnmächtig vor Schmerz wird.
Die Kamera wird wieder gegriffen und auf sein eigenes göttliches Gesicht gehalten.

Azrael Rage: „Genug der Scherze! Ich werde nicht mit Mir spielen lassen. Ich habe hier die Macht. Wer was anderes sagt, lügt und er kann diese miese Propaganda ja gerne mal Mir ins Gesicht sagen. Um es klar zu stellen, Ich werde für keine Krankenhausrechnungen zahlen und auch in keiner anderen Weise Mich sanktionieren lassen. Einerlei, was Du tust, Jona, dann sehen wir uns halt vor Gericht. Aber glaube Mir, Ich zögere nicht. Entweder das hier ist Meine PCWA oder aber Ich werde alles an Ihr zerstören, dass Mich aufhält. In diesem Kampf kann es nur einen Sieger geben, denn Du bist nur eine reiche Rotznase, die von Daddy ein Unternehmen bekommen hat, damit sie sich in ihrem rosa Prinzessinzimmer nicht derart nutzlos fühlt… obwohl Du es bist! Ich hingegen bin die oberste Instanz, das Alpha und das Omega und nichts und niemand kann Mich aufhalten, denn es ist so simpel… ICH HABE DIE MACHT!“

Die Kamera wird einfach weggeworfen. Das Schlussbild zeigt den immer noch ohnmächtigen Salvatore, der den Boden vollblutet.

 

Vincent Craven: "Oh mein Gott... was ist nur aus Azrael Rage geworden? Er muss verrückt geworden sein."

Mike Garland: "Schon beim CORE hat er eine blutige Spur hinterlassen und nun misshandelt er auch noch unsere Jobber für seine miesen Spielchen. Wofür das alles?"

Vincent Craven: "Hier geht es um Demütigung. Er möchte seinen letzten Gegner Mad Dog ins Lächerliche ziehen, nachdem er ihn besiegt hat. Er möchte seinen Schwiegersohn Alistair als eine Witzfigur darstellen, nachdem dieser ihm gefährlich zu werden droht. Und er möchte von Jona Vark seine alte Machtposition zurück."

Mike Garland: "Wir alle wissen, dass Azrael der PCWA mit seinem Geld über eine sehr schwere Zeit geholfen hat. Ohne ihn würde es die Liga heute vielleicht nicht mehr geben. Aber dieser Erfolg scheint ihm zu Kopf gestiegen sein."

Vincent Craven: "Ein Azrael Rage ist nun einmal ein Machtmensch. Eine Position, die er einmal innehatte, gibt er ungerne auf. Genau so sieht es momentan aus. Er war der Chef der PCWA, nun ist er 'nur noch' deren Undisputed Gerasy Champion. Aber das reicht ihm nicht."

Mike Garland: "Und ich habe diesen Mann einmal verehrt."

Vincent Craven: "Wer hat das nicht, Mike? Wer hat das nicht?"


------------------ PCWA ------------------

Regentage. Sie hören nicht auf, zu nerven. Obwohl man sein ganzes Leben lang Zeit hat, sich daran zu gewöhnen, wenn man in Wales aufwächst. Aber es sind Momente wie diese, in denen der Niederschlag einfach lästig ist. Mit den Jacken über ihre Köpfe gestülpt stehen sie in ihrem geheimgesellschaftlichen Kreis an der grauen Sandsteinmauer. Orangenem Glimmen folgen bläulich-durchsichtige Rauchschwaden in der Atmosphäre und ein kollektives Husten. So stehen die Tyrannen da. Dylan, Rhodri, Gareth und Ian. Offiziell mögen die Lehrer an der Fitzalan High School die Autoritätspersonen sein, die Vier und all ihre Mitschüler wissen jedoch, dass das in Wirklichkeit nicht stimmt. Sie waren die wahren Herrscher, die Versklaver ihrer Mitmenschen, die sich dieser Rolle ängstlich fügten. Sogar einige Lehrer und Eltern wussten bescheid. Beweise gab es allerdings keine, oder vielleicht interessierte es die Erwachsenen nicht genug und so konnten sie bis zum heutigen Tage ihre flächendeckende Unterwerfung an der Fitzalan fortsetzen.

Dylan: „Shit! Gib mal dein Feuerzeug, Rhodri.“

Der seine Freunde bei Weitem überragende Rhodri tut wie ihm geheißen, fischt aus der Hosentasche das Zündwerkzeug und reicht es Dylan, der sich seinen Glimmstängel umgehend wieder anzündet und im Anschluss neuen Rauch in die Luft ausstößt. Gareth, eine verschlagene, hagere Erscheinung, dessen mittellange, zurückgekämmte Haare ihm durch das unerschütterlich auf den Rasen prasselnde Wasser im Gesicht hängt, neigt seinen Kopf zum inoffiziellen Anführer ihrer tyrannischen Zusammenkunft, einem Kerl, den man im Allgemeinen wohl mit dem Etikett "Schönling" bezeichnen würde.

Gareth: „Was machen wir eigentlich am Wochenende. Gibt's irgendwelche Pläne?“

Auch die anderen Häupter drehen sich zu Dylan und betrachten ihn erwartungsvoll. Er gab den Ton an, was er sagte wurde angenommen und ausgeführt. Weshalb, hinterfragte niemand, so wie es auch niemand wagte, ihre Herrschaft zu hinterfragen. Dylan lässt den Blick seiner grau-blauen Augen unter seinen Mitherrschenden schweifen, zieht ein weiteres Mal an dem weißen Stift und starrt bedeutungsschwanger in den Himmel, dessen finstere Wolken in unregelmäßigen Abständen von aufflackerndem Licht erhellt werden.

Dylan: „Ich weiß nicht... Bleiben wir in Leckwith, hocken uns in den Sevenoaks, saufen und pöbeln Leute an? Oder gehen wir lieber Downtown und saufen und pöbeln dort Leute an? Morgen Abend soll an den Roath Docks auch irgendwas steigen. Unangemeldete Party, glaube ich. Ich bin so unentschlossen! Was sagst du denn dazu, Ian?“

Sechs Augenpaare wandern nun zu dem Angesprochenen, der fragende Blicke mit Dylan, Gareth und Rhodri austauscht. Er lässt den abgebrannten Stummel zwischen seinen Fingern fallen, wo er von dem fließenden Regenwasser in die Ferne getragen wird.

Ian: „Keine Ahnung, aber wenn ihr länger machen wollt, dann falle ich sowieso außen vor. Sonntag morgen muss ich mit meinen Eltern halt wieder zu diesem scheiß Gottesdienst und wenn ich da nicht auftauche, dann töten die mich.“

Einträchtiges Aufstöhnen und Kopfschütteln in der durchnässten Runde.

Rhodri: „Der Katolliemiszus von deinen Eltan nervt so ab, Mate! Kannst du nich einfach konverieren oder son Scheiß?!“

Ian: „Nein, Mate, kann ich nicht! Ging letzte Woche nicht, geht diese Woche nicht und wird auch die nächsten Wochen nicht gehen.“

Gareth: „Also machen wir nichts, wenn hier keiner eine Idee hat.“

Darauf haben die Restlichen offenbar keine Antwort parat. Es war eigentlich mehr als Frage gemeint, mit jedem verrinnenden Moment wandelt es sich aber zusehends in eine Feststellung. Einmal mehr schweifen die Augen Dylans zur tosenden Himmelsdecke.

Dylan: „Das hört sich für euch jetzt vermutlich seltsam an, aber ich wünschte, wir hätten auch am Wochenende Schule!“

Sie starren ihren Anführer überrascht an. Was hat er da gerade gesagt?

Dylan: "Egal, was wir anstellen, egal wohin es uns am Wochenende verschlägt, egal wie viel Bier und Whisky wir dort in uns hineinschütten und egal wie vielen Idioten wir die Fresse einschlagen..."

Der Anführer hält für einen Augenblick inne, dann verzieht sich die makellos glatte Haut an seinen Mundwinkeln zu einem kaltherzigen Lächeln.

Dylan: "...unter der Woche mit unserem Spielzeug zu spielen, macht doch immer noch am meisten Spaß!"

Gareth: "Yipp."

Ian: "Uh-huh."

Rhodri: "Ya, sure!"

Es stimmte! Zugriff, zu jenem Mitschüler, zu jenem entmenschlichten Wesen, dem "Spielzeug", wie es Dylan hier nannte, hatten sie nur während der Schulzeit und wann immer sie ihr Werk während dieser Zeit verrichteten, das Geschöpf schlugen, beleidigten, ausnahmen, in jeder erdenklichen Art und Weise erniedrigten, waren sie unverwundbar. Wie ein Diplomat über dem Gesetz stehend, übten sie eisern ihre Macht über die Kreatur aus. Weil man sie ließ. Weil sich niemand wehrte. Weil es sonst niemanden interessierte. Und weil es verdammt noch mal süchtig machte!

Dylan: "Ich frage mich, wo er heute abgeblieben ist."

Rhodri: "Der Typ hat sich bestimmt den Strick genommen, haha! Fuck, sah der am Ende aus! Du hast echt übertrieben, Ian!! Wie er am Abkotzen war, als du ihn gezwungen hast, die Kloschüssel abzulecken! Zu geil, Mate!"

Der große Rhodri beginnt schallend zu lachen, sodass ihm versehentlich auch seine Kippe aus der Hand fällt aber er bemerkt es nicht. Stattdessen muss er bei dem Gedanken an das Bild, wie Ian den Kopf des armseligen Geschöpfs gegen die Schüssel gepresst hat und es mit der Zunge und vor Ekel zugekniffenen, tränenden Augen das vollgepisste und -geschissene Porzellan ablecken musste, seinen Bauch halten vor Lachen. Auch Gareth, Dylan und Ian steigen kichernd ein.

Ian: "Yeah, whatever! Der taucht schon wieder auf."

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Cold As Ice

Der Foreigner-Klassiker "Cold As Ice" spielt auf, Ian Christopher Edwards Einmarschmusik, die man von dem Zeitpunkt an nicht mehr zu hören bekam, an dem er sich dem Celtic Clan anschloss. Die Kelten sind jetzt weg, genau wie K&G einst verschwand. Der Alieratron bildet weder das in Öl gemalte Antlitz Platons, noch Noah O'Wellhublys zukunftsweisendes Zitat, noch das Logo der Keltenvereinigung ab. Er ist einfach nur schwarz. Edwards tritt allein aus dem Schutz des Vorhangs hervor. Sein Ring Gear ist bereits angelegt, ein Mikrofon findet sich fest von seinen Fingern umschlossen in seiner Hand wieder. Ein paar Fans buhen. Oder drehen desinteressiert Däumchen. Oder führen Gespräche mit ihren Sitznachbarn. Einerlei.

Der Waliser macht sich auf den Weg, das Sichtfeld starr auf das Seilgeviert gerichtet. Er verschwendet seine Zeit nicht mit Menschen um ihn herum, sie tun es schließlich auch nicht... Mit einem Satz steigt er auf den Apron, von dort durch die Seile ins Zentrum des Ringes, dann wirft er dem Mann an der Soundanlage einen Blick zu, der die Musik daraufhin verstummen lässt. Einmal noch schweifen die wachsamen Augen durch die Fanschar. Einen vorschnellen Überraschungsangriff von Kevin Sharpe erwartet er nicht. Dafür schätzt er den alten Mann zu sehr als Puristen ein. Die Gesichter, in die er starrt, wirken weniger wütend als vielmehr genervt. "Wo sind die Rages, Brunswicks, Van Cranes oder Mad Dogs?", scheinen sie sich zu denken. Edwards lächelt belustigt. Dann erhebt er das Mikrofon.

ICE: "Ich bin mir sicher, dass Sie, verehrtes Publikum, besseres mit Ihrer Zeit anzufangen haben, als sich einen meiner Vorträge im Ring anzuhören, aber ich fürchte, das müssen Sie für den Moment durchstehen, denn heute Abend haben Sie sich alle zu einer großen Premiere versammelt: Ich habe nämlich die zweifelhafte Ehre, das erste Mal in meiner kurzen PCWA-Karriere im Main Event zu stehen. Das ist schon einen kleinen Applaus wert, oder?"

Der Mann aus Cardiff entfernt das Sprechgerät von seinem Mund und applaudiert sich selbst zu, wobei man dem steinernen Gesichtsausdruck ablesen kann, was er tatsächlich darüber denkt. Er bleibt – wenig verwunderlich – die einzige Person, die Beifall klatscht. Dann wandert der handliche Schallwandler zurück an die Lippen.

ICE: "Die unter Ihnen, die bis jetzt noch nicht eingeschlafen sind oder das Theatre verlassen haben, fragen sich berechtigterweise, weshalb ich in diesem Zusammenhang das Wort 'zweifelhaft' gebrauche. Man würde von jemandem wie mir wohl eher erwarten, dass ich über diese Fügung des Schicksals erfreut sein müsste, konnte man mich in den letzten Wochen und Monaten doch dabei beobachten, wie ich sowohl bei meinen geschätzten Lockerroom-Kollegen, als auch bei unserem respektierlichen Office eine ewige Kaskade immer wiederkehrender Lamentierungen hervorbrachte, weil ich mich zu Höherem berufen wähnte. Wieso also das Wort 'zweifelhaft'?"

Scheinbar ruft die in den Raum gestellte Frage bei den wenigen, die sich noch dazu herablassen, einem random Undercard-Hansel, der fälscherlicherweise in den Main Event gebooked wurde, zuzuhören, in der Tat ahnungslose, bisweilen sogar neugierige Blicke hervor.

ICE: "Werfen wir doch einen kurzen, gemeinsamen Blick auf die Umstände, die dazu führten, dass ich heute das erste Mal die Spitze der Card bekleiden darf. Vielleicht erinnern Sie sich daran, wahrscheinlicher ist aber, dass Sie es längst wieder vergessen haben. Vendetta 96: Ich forderte, nachdem ich ihn mit der Hilfe von Declan O'Kelly und Graham MacKenzie unschädlich machte, Kevin Sharpe zu einem Match beim CORE 2013 heraus. Diesem Gesuch wurde von Seiten Jona Varks auf einer Pressekonferenz nach Vendetta 96 nicht stattgegeben, obwohl der alte Mann eingewilligt hatte und seien wir für einen Moment ehrlich: Alles andere wäre auch eine unsägliche Schande für unseren prätentiösen Wrestling-Rentner gewesen. Jona Varks fadenscheinige Begründung dieser Entscheidung war, dass ich topfit in das Halbfinale des Quest 4 The Best-Turniers starten sollte. Ich habe diese Chance angeblich verdient und müsse mich schonen, anstatt Kevin Sharpe das viel zu große Maul zu stopfen!"

Nun lassen sich doch einige Fans dazu hinreißen, lauter zu buhen, schließlich wurde gerade ihr Held aus alten Tagen, Teil des legendärsten Tag Teams... hinter Corps Nobilis beleidigt. Mit Reden hört Ian Christopher Edwards deshalb noch lange nicht auf. Nein, er hat noch sehr viel, das er sich heute von der Seele reden will.

ICE: "Damit ich also meine Chancen optimal nutzen kann, wird das Match zwischen Kevin Sharpe und mir kurzerhand auf die darauffolgende Vendetta-Ausgabe, auf den heutigen Abend verschoben und – sieh an! – unser Aufeinandertreffen findet sogar als der Main Event von Vendetta 97 statt. Wahrscheinlich bin ich der einzige im PCWA Theatre, dem bei dieser Sachlage einige Fragen durch den Kopf schwirren, doch, was soll ich nur davon halten, dass dieses Match von einer PPV Card gestrichen wird? Traute man es mir im Office etwa nicht zu, unter Umständen drei Matches zu bestreiten, zu denen es letztendlich nicht kam? Hätte man, gemäß dem Fall, Grizz Lee und/oder Stevie Van Crane hätten das Halbfinale des Quest For The Best erreicht, ihr gemeinsames Match auch einfach auf Vendetta 97 abgeschoben, weil man ihnen die Chance hätte zugestehen wollen, sich ordentlich auf das Turnier vorzubereiten? Oder ist dieses Match schlicht und ergreifend zu 'groß', als dass es noch auf die PPV Card gepasst hätte? Allem Anschein nach stellt dies Jona Varks Version des beißenden Sarkasmus dar, den man uns Briten so gerne nachsagt und einen gewissen Humor kann ich unserer Präsidentin auch nicht absprechen, denn die schelmische Pointe auf Kosten meiner nicht mehr vorhandenen Integrität in dieser Liga ist, dass dieses Match schlicht zu unwichtig ist, um auf einer PPV Card zu erscheinen!"

Und alle so: Schnaaarch!

ICE: "Doch auch wenn dieser Main Event eine spöttische Beleidigung meiner Arbeit in dieser Liga ist, auch wenn sich die hochgeschätzten Kollegen dort hinten im Backstagebereich hinter vorgehaltener Hand gerade köstlich amüsieren, falls sie nicht gerade damit beschäftigt sind, sich gegenseitig die Kehlen zu durchtrennen, letztendlich habe ich bekommen, worauf ich so lange gewartet habe: Ein Match. Gegen Sie, Mr. Sharpe! Und der Rest ist mir nach dieser Darlegung und Berichtigung der Fakten herzlich egal!"

Seine Gesichtszüge werden eisig, so wie gefrorenes Wasser oder Bling Bling. xD Kein Muskelzucken ist auf dem glattrasierten Antlitz des Walisers zu erkennen, der seinen Blick auf das nächstgelegene Kameraobjektiv wendet und daraufhin beginnt, langsam im Ring auf- und abzulaufen.

ICE: "Ich kann Ihnen nicht sagen, wann der Zeitpunkt eingetreten ist, an dem sich mein vergangenes Ich wieder in mein jetziges Leben zurückdrängte. Ich bin mir nicht sicher, wie Sie es geschafft haben, diese Seite von mir zu wecken, für die ich mich schäme und auf die ich mit Abscheu zurückblicke. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht mal, ob Sie daran überhaupt Schuld tragen. Was ich aber weiß ist, dass es passiert ist und dass Sie nicht nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren, sondern sich im Nachhinein auch noch redliche Mühe gegeben haben, diese Seite noch weiter aus mir herauszukitzeln. Für Sie mag das vielleicht alles nur ein großer Witz sein, für Sie mag ich nur ein verzweifelter Rookie sein, der sich an Ihrem Namen hochziehen will, aber glauben Sie mir, Mr. Sharpe: Dem ist nicht so! Für mich geht es nicht mehr um Aufmerksamkeit, Anerkennung oder Ruhm, für mich geht es nicht mehr darum, dass mir eine dieser 'Legenden' in der PCWA mit seiner bloßen Anwesenheit meinen Spot streitig macht. Ich habe verstanden, dass ich im großen Gefüge der PCWA zwischen all den gesponnenen Intrigen eines Azrael Rage und den Plänen zur Vernichtung der gesellschaftlichen Ordnung eines Elevens keine Rolle mehr spiele, ja nie gespielt habe."

Aus dem Hintergrund kann man Knabbergeräusche hören. Scheinbar hat sich entweder Vincent Craven oder Mike Garland, wahrscheinlich aber eher Mike Garland, eine Tüte Popcorn besorgt und verzehrt diese nun genüsslich. Gibt im Moment ja sonst nichts zu tun, während der Waliser redet. Und redet und redet und redet und redet und redet und redet...

ICE: "Es ist wahr! Ich muss die Tatsachen akzeptieren. Ich habe in der PCWA nichts erreicht. Keine Datenbank dieser Welt führt meine Erfolge, denn sie sind nicht existent. Ich habe dort hinten auch keinerlei Freunde. Und meine Freudin? Nun, es ist bloß noch eine Frage der Zeit, bis auch sie mich verlassen wird, wenn sie es nicht bereits getan hat, aber ich kann ihr nach meinem jüngsten Betragen keinen Vorwurf machen. Es ist ihr gutes Recht. Ich stehe also mit leeren Händen in diesem Ring, habe mich von allen und von allem abgewandt, ich besitze nichts, ich hätte also auch nichts mehr zu verlieren und wäre frei von allen Zwängen. Und doch habe ich, egal wer von uns beiden am Ende über wem thront, von vornherein schon verloren, ist es nicht so, Mr. Sharpe? Sollte diese Liga morgen ihre Pforten schließen, gäbe es keinerlei relevante Aufzeichnung von mir, die mich dauerhaft in den Köpfen der Fans manifestieren würde. Ich würde einfach in Vergessenheit geraten, so wie all die anderen zahlreichen Wrestler, die in der PCWA ein- und ausgingen. An Sie wird man sich, hingegen, auch weiterhin erinnern."

Edwards stoppt daraufhin, wendet sich erneut an die Kamera, erneut an seinen heutigen Gegner, erneut an Kevin Sharpe.

ICE: "Ich werde im heutigen Main Event nicht gegen Sie antreten, um die Demütigungen ungeschehen zu machen, ich trete auch nicht gegen Sie an, damit ich meinen von törichten Allianzen mit K&G oder den Kelten befleckten Namen reinwaschen kann. Ich trete gegen Sie an, damit man sich in Zukunft an mich erinnern wird, so wie man sich an Sie erinnert. Und glauben Sie mir, Mr. Sharpe: Das wird man, denn ich habe es zu meinem erklärten Ziel erkoren, den letzten Tag Ihres Comeback-Runs so schmerzvoll wie möglich zu gestalten. Ja, Sie haben richtig gehört. Ich sagte 'letzter Tag', denn das wird Vendetta 97 für Ihre aktive Karriere werden. Das wird mein Geschenk an die PCWA sein, das wird mein Andenken an Ihre Fans sein!"

Sein Mund erstarrt. Stillschweigen für die Dauer eines Herzschlags. Zwei, drei, vier. Dann spricht er die Drohung erneut aus. Im Flüsterton, mit einer Ungerührtheit, einer bislang unbekannten Kälte in der Stimme, die nur von einem Mann stammen kann, der sich von allem losgesagt hat.

ICE: "Heute Nacht beende ich Ihre Karriere, Mr. Sharpe!"

Es ist ausgesprochen. Von dem, der in der PCWA nichts mehr zu verlieren hat. Er starrt immer noch direkt in die Linse, gibt sowohl den Fans, als auch Kevin Sharpe, falls dieser überhaupt zusieht, die Zeit, das Gesagte in ihre Köpfe sickern zu lassen. Dann legt er das Mikrofon behutsam auf den Boden, rollt sich aus dem Ring und verschwindet ohne Umschweife hinter dem Vorhang. Dorthin, woher Ian Christopher Edwards gekommen ist. Zurück ins Nichts.

 

Vincent Craven: "Deutliche Worte von Ian Christopher Edwards!"

Mike Garland: "Der Waliser steht momentan tatsächlich vor einem Wendepunkt seiner Karriere. Er hat Kerry & Gaelic verloren, er hat den Celtic Clan verloren, er hat das wichtige Halbfinale des Quest 4 The Best verloren."

Vincent Craven: "Von Anna ganz zu schweigen, denn zwischen den beiden scheint es momentan ja stark zu kriseln."

Mike Garland: "Aber anstatt sich seinem Schicksal zu ergeben und im grauen Mittelmaß zu versinken, will er heute ein Ausrufezeichen setzen. Er will die Karriere von Kevin Sharpe beenden!"

Vincent Craven: "Wo ist nur der höfliche Ian Christopher Edwards von früher geblieben? Bewusst die Gesundheit eines anderen Wrestlers zu gefährden, das habe ich bisher so manchem zugetraut, aber nicht ihm."

Mike Garland: "The times they are a'changing."


------------------ PCWA ------------------

"Pierre, Pierre... warten Sie!", so schallt es aus dem Hintergrund als der PCWA Neuling Pierre Saint-Judas durch die Backstagekatakomben des Theaters läuft. Backstageinterviewerin Lisa Sanders läuft hinter ihm her und riecht offenbar eine Neuigkeit, die wenige Sekunden Sendezeit wert sind. Es ist nicht viel über den jungen Franzosen bekannt, eigentlich nichts. Im Internet las man die Meldung, dass die PCWA ihn nach einem erfolgreichen Tryout verpflichtet hätte. Für gewöhnlich interessiert sich aber niemand für die Neulinge. Sie unterschreiben ihren Vertrag, trainieren für ihr Debüt und treten dann nach einer Weile gegen andere Neulinge an. Es war nicht damit zu rechnen, dass man Saint-Judas so schnell zu Gesicht bekommt. 

Lisa: "Pierre, sagen Sie mal, ist das ihr Ernst, was sie im Videoeinspieler gesagt haben?"

Der selbst ernannte radikale Messias dreht seinen Kopf zur Seite und schaut die nun neben ihm herlaufenden Lisa Sanders kurz an. Nach wenigen Sekunden entscheidet er sich dazu stehenzubleiben, sodass Luke und sein Kameramann eine kurze Verschnaufspause gewährt wird.

Pierre: "Nenne mich Pierre."

Es folgt ein Wangenkuss links und rechts, was Lisa etwas zu überraschen scheint. Jedenfalls scheinen ihr kurzzeitig die Worte zu fehlen.

Pierre: "Ich weiß nicht, was für einen Einspieler du meinst."

Lisa: "Wir wollten eine Hintergrundgeschichte über Eri Osada drehen und haben sie zur Sprachschule begleitet. Dabei haben wir auch euren Streit mitgefilmt. Jona Vark hat entschieden, dass dieser Ausschnitt ausgestrahlt wird."

Nun ist Saint-Judas augenscheinlich überrascht. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass man diesen Streit ausstrahlt. Heißt das etwa, dass man auch vor hat sein Debüt live bei Vendetta auszustrahlen? Eigentlich hätte er damit gerechnet, dass dieses Match, wenn überhaupt, nur als Dark Match stattfindet.

Lisa: "Hast Du das, was du dort gesagt hast, ernst gemeint? Forderst du Eri zu einem Hardcore Match heraus?"

Der Franzose lächelt. 

Pierre: "Oui oui. Wir Franzosen diskriminieren nicht, wir lieben die Frauen und wenn Frauen kämpfen wollen, dann sollten wir Männer sie nicht davon abhalten. Eri Osada wird als erstes Opfer von Pierre Saint-Judas zum Schafott geführt."

Lisa kann kaum glauben was er da hört.

Lisa: "Eri Osda ist vier Köpfe kleiner als Du und wiegt vielleicht gerade mal ein Drittel. Sie ist eine Frau und du sprichst davon, sie in einem Hardcore Match zu zerstören?"

Die bereits leicht aufgebracht klingende Frage beantwortet der radikale Messias lediglich mit einem leichten Nicken. Fassungslosigkeit zeichnet das Gesicht des Interviewers.

Pierre: "Wenn die PCWA und Eri ihren Mut nicht verlieren, wird Le Ambassadeur de Hardcore bei der kommenden Vendetta einen Eindruck davon vermitteln, wie radikal die PCWA in Zukunft wird! Vive Saint-Judas! "

Der Franzose packt Lisa Sanders an beiden Schultern und gibt ihr erneut zwei Wangenküsse.

"Ich habe ein Match zu schauen! Adieu mes amis"

 

Mike Garland: "Da war er also, unser Neuling Pierre Saint-Judas. Er ist wirklich in der Halle."

Vincent Craven: "Und er plant tatsächlich, in der kommenden Show ein Hardcore-Match gegen Eri Osada zu bestreiten. Unglaublich!"

Mike Garland: "Wenn Frauen Hardcore wollen, dann bekommen sie auch Hardcore. In der PCWA machen wir keine halben Sachen."

Vincent Craven: "Schon seltsam, so sein Debüt bestreiten zu wollen. Was erhofft er sich davon? Verliert er den Kampf, dann blamiert er sich bis auf alle Knochen. Gewinnt er, dann wird er dafür verachtet, dass er einer Frau weh getan hat. Ein undurchsichtiger Typ."

Mike Garland: "So sind sie nun einmal, diese Franzosen. Offenbar will er sich auch das Tag-Team-Match gleich ansehen. Vielleicht greift er auch direkt ein?"

Vincent Craven: "Das wäre wirklich ein Einstand, der an Dreistigkeit kaum zu überbieten wäre."


------------------ PCWA ------------------

Festen Schrittes stöckelt Anna Richmond durch die Gänge des Theatres. Ihre Mimik ist fest nach vorn gerichtet, starr, zielorientiert, beinahe schon tunnelblickartig. Diesen Anschein soll sie zumindest erwecken. Wann immer sie eine bekannte Person auf diesen Fluren traf, und sie gegrüßt wurde, grüßte sie mit einem freundlichen Lächeln zurück, um daraufhin erneut ihr ernstes Mienenspiel aufzusetzen.

„Mienenspiel“. Sie lässt das Wort für einen flüchtigen Augenblick in ihren Gedanken kreisen und erwischt sich dabei, wie sich ihre Gesichtsmuskeln zu einem spöttischen Schmunzeln verziehen. Wie wunderbar dieses Wort doch ihre momentane Lage widerspiegelte. All die Menschen, die ihr in den Korridoren entgegenkamen, Mitglieder der Produktionscrew, Wrestler, Offizielle, konnten ihrem neutralem Gesicht nicht entnehmen, wie es in ihr drin aussah, welcher Sturm in ihr tobte. Vielleicht sahen sie sie, als sie Ian aufsuchte und sich zu einer emotionalen Reaktion hinreißen ließ, jetzt wollte sie sich allerdings nicht die Blöße geben.

Von dem Moment an, als sie ihren vollkommen abwesenden Freund traf, bis zum jetzigen Zeitpunkt, hatte sie viel Zeit zum Nachdenken. Normalerweise hätte sie die Show auf einem der zahlreichen Monitore im Backstagebereich mitverfolgt, so wie sie es schon immer tat. Heute nahm sie sich die Zeit, denn Zeit hatte sie momentan auch bitter nötig. Neben der Frage, ob die Bezeichnung "Freund" für Ian überhaupt noch zutreffend war, quälte sie eine riesige Menge anderer unbeantworteter Fragen, Fragen, die über den Status ihrer Beziehung hinausgingen, Fragen von existentieller Natur, Fragen, die, wann immer sie sie abwiegelte, mit einer noch viel größeren Wucht in ihr Bewusstsein zurückkehrten.

Sie musste den Tatsachen ins Auge blicken: Sie ist in diesem Jahr 37 geworden und lange würde es nicht mehr dauern, bis sie auch die 40 erreichen würde. Vierzig! In diesem Geschäft, als Frau, war sie, so hart es war, sich das einzugestehen, längst überfällig! Sie musste sich eigentlich glücklich schätzen, dass Miss Vark so gnädig war und ihr den Job anbot, zusammen mit Luke Tyler die Preshow zu kommentieren. Sie wurde nicht jünger und auch wenn sie mit ihrem Aussehen noch zufrieden war, hatte sie für bestimmte Dinge bald keine Zeit mehr. So bieder und stereotyp diese Wünsche auch waren, sie hatte in ihrem Leben noch vor zu heiraten, sie wollte noch Kinder kriegen, eine Familie gründen, samt Haus in der grünen Vorstadt. Wenn sie sich jedoch für die PCWA bloß in Arbeit vergrub und sich nebenbei noch mit einer dysfunktionalen Beziehung herumplagen musste, die – wie man in den letzten Monaten offensichtlich sehen konnte – zu nichts als Streit führte, würde sie womöglich bald keine Gelegenheit mehr haben, sich diese Träume zu erfüllen. Ian konnte das nicht verstehen. Wie hätte er auch? Mit seinen gerade mal 25 Jahren hatte er eine völlig andere Sichtweise auf die Dinge. Bis er an den emotionalen Punkt gelangen würde, an dem sie sich befand, wäre sie, überspitzt gesagt, kurz vor der Rente.

Vielleicht war es ja wirklich Zeit, endlich loszulassen. Dass das alles nicht so wirklich funktionierte, war ja nun kein Geheimnis... Ja, vielleicht sollte sie diesen Schritt wagen! So ablehnend, wie sich Ian verhielt, würde es ihn wohl ohnehin nicht sonderlich stören... Zuvor gab es aber noch eine Sache zu klären. Und während ihr diese Gedankengänge im Kopf herumschwirrten, ist die Waliserin endlich an ihrem Ziel angekommen. Das kleine, durchsichtige Schild mit den feingliedrigen, vornehm schwarzen Lettern, das auf Augenhöhe neben der Tür angebracht ist, lassen keinen Zweifel daran aufkommen. Sie wischt all die Gedanken, die sie bis eben noch hegte, hinfort und atmet einmal tief durch. Das könnte unter Umständen unangenehm werden... Dann schlägt sie ihre Fingerknöchel dreimal hintereinander gegen die Pforte. "Herein!", schallt es kurz darauf undeutlich von Jenseits der Tür. Ein weiteres Mal atmet sie tief durch. Dann öffnet sie die Tür.

Kevin Sharpe sitzt, das rechte Bein über das Linke geschlagen, im Sessel und schmökert in einem Buch. Etwas Ablenkung vor dem großen Zusammentreffen.

Sharpe: "Und wer will jetzt... "

Als er den Blick hebt verstummt er sofort. Er hatte mit jedem gerechnet, nur nicht mit Anna Richmond. Er legt das Buch beiseite und erhebt sich.

Sharpe: "Anna... äh... also... "

Verdammt. Er druckste hier herum wie ein Schuljunge. Das lag vielleicht auch daran, dass er Anna Richmond noch nie so "privat" getroffen hatte. Und verdammt nochmal... diese Anna war wirklich eine Schönheit. Er hustet kurz.

Sharpe: "Sorry, aber ich war lange nicht mehr in trauter Zweisamkeit mit einer solchen Schönheit."

Ein verlegenes Lächeln erscheint auf ihren roten Lippen und die Waliserin streicht sich ein paar Strähnen ihrer rotblonden Lockenpracht hinter das Ohr. Kevin Sharpe lässt seinen zugegebenermaßen rustikalen Charme spielen, worüber sie sich besonders in ihrer momentanen Situation nicht beklagen sollte, dennoch spiegelt sich in ihrem Gestus Unbehaglichkeit wider. Erneut erheben sich Zweifel darüber, ob das hier der richtige Schritt war. Nur zögerlich verlassen die Worte ihren Mund.

Anna Richmond: "E... Entschuldige bitte, wenn ich dich störe, Kevin! Aber ich muss mit dir reden. Über Ian... und euer Match."

Sofort ist die Nervosität wie weggeblasen. Kevin kneift die Augen zusammen und ballt die Fäuste.

Sharpe: "Ich wüsste nicht was es da noch zu reden gibt. Ian Christopher Edwards wird heute im Ring beerdigt werden und dafür bezahlen, dass er es auch nur gewagt hat sich mit mir auf eine Stufe stellen zu wollen!"

Anna verschließt die Arme vor der Brust und blickt zu Boden. Sie hatte mit einer solchen Reaktion schon gerechnet. Kevin Sharpe musste ein mindestens genauso großer Dickkopf wie Ian sein, also konnte sie auch gleich zur Sache kommen. Sie hebt den Blick erneut, schaut den mehrfachen Tag Team Champion direkt in die Augen und stößt die folgenden Worte so bestimmt hervor, wie es ihr möglich ist.

Anna Richmond: "Euer Kleinkrieg muss aufhören! Er ist sinnlos!"

Sharpe blinzelt kurz. Hatte er richtig gehört?

Sharpe: "Es ehrt dich ja, dass du deinen Freund in Sicherheit wägen willst, aber denkst du nicht dass es dafür ein wenig zu spät ist?"

Kopfschüttelnd wendet er sich von der rothaarigen Schönheit ab und geht in dem Raum auf und ab.

Sharpe: "Und überhaupt... was sollte es bringen jetzt noch zu versuchen die Schärfe rauszunehmen? Der kleine... "

Der strafende Blick von Anna lässt ihn die auf der Zunge liegende Beleidigung hinunter schlucken.

Sharpe: "Edwards hat doch angefangen, es auf die persönliche Schiene zu lenken. Also komm jetzt nicht zu mir. Ich wasche meine Hände in Unschuld!"

Anna greift Sharpe mit beiden Händen fest an den Schultern und stoppt somit seinen Dauerlauf durch den Raum. Gleichzeitig bemerkt sie, dass diese Geste zwischen zwei "Arbeitskollegen", wenn man so will, doch eine Note zu forsch war, was Kevin Sharpe augenscheinlich genauso zu sehen scheint. Sanft aber bestimmt nimmt er ihre Hände von seinen Schultern.

Anna Richmond: "Hast du die Promo gesehen, die Ian gerade im Ring gehalten hat? Hast du gehört, was er angekündigt hat? Er will deine Karriere beenden!!! Er will alles tun, um dich im Ring möglichst schwer zu verletzen!!! So habe ich ihn noch nie zuvor sprechen hören. Das... das ist nicht mehr Ian, der da spricht. Das ist auch nicht mehr der Mann, der dich vor zwei Monaten mit den Kelten attackiert hat. Man kann nicht mehr mit ihm reden, ihm ist alles egal geworden. Ich... Ich befürchte, dass er völlig außer Kontrolle geraten ist!"

Verzweiflung spricht aus ihren starren, tiefblauen Augen. Verzweiflung und... Angst? Kevin Sharpe gibt sich unbeeindruckt und winkt ab.

Sharpe: "Ja, ich habe die Promo gesehen. Und ich HOFFE, dass er jedes Wort auch so meint, wie er es gesagt hat. Denn dann wird es mir noch mehr Spaß machen, ihn in seine Schranken zu verweisen!"

Wieder beginnt das Mitglied des Blues Kreise in seiner Kabine zu ziehen und gestikuliert ausladend, während er weiterreferiert.

Sharpe: "Als ich hier ankam, habe ich es sicherlich im Guten mit JEDEM hier in der PCWA versucht. Auch mit einem gewissen Ian Christopher Edwards. Nur er musste es auf die persönliche Ebene schieben und das lasse ich mir sicherlich nicht bieten. Ich bin schon zu lange in diesem Business und werde mich nicht von einem verdammten Rookie so behandeln lassen. Er wollte den Krieg, er bekommt ihn. Im verfickten Vintage Blackheart Style!"

Ein unvermitteltes Kreischen erfüllt den Raum. Aufgestaute Wut und Frustration entlädt sich über Kevin Sharpe, der wie auf Kommando anhält und verstummt. Zornig fixieren ihre Augen ihn, scheinen ihn beinahe zu durchbohren. Erschrocken weicht Sharpe einen Schritt zurück.

Anna Richmond: "Du und Ian! Ihr verhaltet euch wie im Kindergarten!!!"

Stille. Sie hat es ausgesprochen. Sharpe schaut sie überrascht an.

Anna Richmond: "Wo ist eigentlich euer Problem? Euer Hass ist vollkommen unbegründet und wenn ihr euch noch weiter so hochschaukelt, dann werdet ihr euch heute Nacht da draußen umbringen!"

Kevin Sharpe sagt nichts, senkt stattdessen kleinlaut und irgendwie auch schuldig den Kopf.

Anna Richmond: "Reicht es nicht, wenn Menschen geschlachtet, gekreuzigt oder an Fleischerhaken aufgehangen werden? Gibt es nicht schon genug unnötige Gewalt in der PCWA? Müsst ihr zwei diese furchtbare Entwicklung noch weiter auf die Spitze treiben, weil ihr eure Egos nicht im Griff habt?!"

Darauf kann er nichts erwidern. Anna atmet tief ein und spricht dann weiter.

Anna Richmond: "Ich bin zu dir gekommen, weil ich glaubte, dass ich, im Gegensatz zu Ian, mit dir reden kann! Du bist schon Jahre in diesem Geschäft unterwegs und ich schätzte, dass deine Lebenserfahrung dich vielleicht zu einem vernünftigeren, einsichtigeren Mann gemacht hätte, aber da schien ich mich wohl getäuscht zu haben. Leider..."

Das lässt sie so im Raum stehen. Immer noch lässt Kevin Sharpe den Kopf hängen, während sich ein kollektives Schweigen über die Szenerie legt. Die Waliserin mit der rotblonden Lockenpracht seufzt resignierend, dann wendet sie sich von ihrem Gesprächspartner ab.

Anna Richmond: "Entschuldige, dass ich dich bei deiner Vorbereitung gestört habe."

Kevin greift nach ihrer Hand.

Sharpe: "Warte... "

Die Erinnerung hatte ihn wie einen Vorschlaghammer getroffen, während Anna Richmond ihre Bedenken geäussert hatte... damals...

German Championship Wrestling 2007

Hustend rollt sich Sharpe auf die Seite. Er hatte also verloren. Mit blutgetrübtem Blick beobachtet er Ivers, wie dieser schwankend auf den Beinen steht...und schon wieder kocht die Aggression in ihm hoch...sollte es so enden? Er blickt sich rasch um und erspäht eine einzelne Glasscherbe, die in Armreichweite liegt. Kevin greift den scharfen Gegenstand und mobilisiert noch einmal all seine Kräfte. Dann springt er auf und stürzt sich mit einem wilden Aufschrei auf Lexington Ivers.

Dieser hat noch nicht mal richtig begriffen was gerade passiert, die Wunde auf der Brust klafft und blutet heftig, schon hat K.S. ihn zu Boden gerissen und setzt die Glasscherbe an seiner Kehle an.

Das Adrenalin in Lex’ Körper verhindert die Panik. Er starrt Sharpe soweit das geht an.

Lexington Ivers: "Los Kevin ... bring es ... zu Ende."

Mit wildem Blick verscheucht Sharpe die Lumberjacks, die ihn von Ivers herunter ziehen wollen.

Sharpe: "VERPISST EUCH!!!! ODER DIESES SCHWEIN STIRBT!!!"

Er wendet seinen Blick wieder Ivers zu, dessen Hals schon leicht angeritzt ist. Doch dann beginnt er zu überlegen. Hatten die beiden nicht schon genug durchgemacht? Sollte es nicht endlich enden? Sharpe lässt einen lauten Seufzer und steht auf, die Glasscherbe wird achtlos in eine Ecke geworfen. Lex und Kevin schauen sich noch mal tief in die Augen, bis schließlich Sharpe die einzig richtigen Worte findet.

Sharpe: "Es ist gut. Es ist vorbei."

Mit diesen Worten humpelt er davon. Der Kopf der „Violent Show“ sinkt auf den Beton.

Er hält immer noch ihre Hand, Anna dreht sich zu ihm um, schaut erst auf die Hand, die ihre hält und dann in Kevins braune Augen. Spiegelte sich etwa so etwas wie Güte in diesen sonst so fokussierten, harten Augen?

Sharpe: "Du hast recht. Ich bin diesen Weg schon einmal gegangen, damals, vor 6 Jahren. Und es hat rechtzeitig geendet, bevor wirklich jemand tot war. Glaub mir, ich war wirklich kurz davor ein Menschenleben zu nehmen. Und das ist es wirklich nicht wert. Wenn es dir etwas bedeutet oder bringt, dann verspreche ich dir, ich werde alles versuchen, um Ian davon zu überzeugen dass wir uns ausschliesslich auf das Match konzentrieren und nicht darauf, uns gegenseitig das Herz heraus zu reissen."

Schweigend schauen sich die beiden an und Kevin bemerkt, dass er immer noch Annas Hand hält. Aber die Schönheit von der Insel zieht sie nicht weg. Kevin spürt, wie sie seinen Händedruck leicht erwidert.

Anna Richmond: "Ich danke dir."

Dann entwindet sie sich sanft seiner Hand und verlässt das Zimmer. Nachdem die Tür zugefallen ist, atmet Kevin tief durch. Sie hatte wirklich recht. Und hatte die Sache zur wirklich richtigen Zeit angesprochen.

 

Vincent Craven: "Es scheint so, als könnte Anna Kevin tatsächlich von seinen Plänen abbringen, Ian zu einem Klumpen Hackfleisch zu verarbeiten."

Mike Garland: "Vielleicht ist dieses Zugeständnis nur Taktik, um sie loszuwerden und sich in Ruhe vorbereiten zu können? Einmal Blackheart, immer Blackheart."

Vincent Craven: "Das glaube ich irgendwie nicht... hast du gesehen, wie Kevin unsere Anna angesehen hat? Wie er ihre Hand gehalten hat?"

Mike Garland: "Ja. Und wenn Ian Christopher Edwards das auch gesehen hat, dann hat er nachher einen Grund mehr, Kevins Karriere zu beenden."

Vincent Craven: "Wir wollen jetzt einmal keine Mutmaßungen anstellen, aber ich bin nun noch mehr auf unsere heutigen Main Event gespannt. Ob es nachher wirklich fair zugeht, das werden wir vermutlich erst dann sehen."

Mike Garland: "So sieht es aus."


------------------ PCWA ------------------

Ein Taxi fährt vor der Halle vor und endlich schafft er es da zu sein. Es hat auch lange genug gedauert, da der Verkehr und auch das Timing sich heute zu einem Bündnis gegen den Phoenix zusammengeschlossen haben. Zunächst verpasst Matt das Frühstück im Hotel, dann wird er auch noch von seinem bestellten Taxi nicht abgeholt und als er endlich ein Taxi gefunden hat gerät er in einen Megastau. Endlich sieht er die Halle und ist angekommen. Der Wagen fährt langsam auf dein Parkplatz und Matt bezahlt schleunigst. Er steigt ruckartig aus und stürmt in Richtung Backstageeingang. Die anwesende Security winkt Ihn sofort durch, während er Ihnen kurz zulächelt. Kaum ist er um die erste Ecke gebogen, da läuft er einem "Bekannten" in die Arme.

Sein Abend lief recht normal, wenn man davon absieht, wie verloren er sich aktuell in seiner PCWA fühlt. Und nun rennt ihn dieser Typ fast zum zweiten Mal über den Haufen. Doch Díego Alejandro Sanchéz konnte gerade noch rechtzeitig ausweichen. Wie gern würde er ihm nun auch mal ein 'Hast du keine Augen im Kopf' an den Schädel werfen, doch Konfrontation ist nicht das, was er heute sucht.

Sanchéz: "Hola, nicht so stürmisch, Muchacho. Wer weiß, was passiert, wenn du hier an diesem Ort in den Falschen hinein rennst."

'Nicht, dass du noch das Schicksal deiner Schwester teilen musst', liegt ihm auf den Lippen, doch er verkneift es sich. Er will den jungen Mann nicht aufregen oder auf falsche Gedanken bringen. Nachher will er dem Deutschmexikaner noch diesen Unfall anhängen. Schon fast freundschaftlich klopft Díego seinem Gegenüber auf die Schulter.

Sanchéz: "Ich muss sagen, Matt Mason, ich bin überrascht. Und auch ein wenig beeindruckt. Nach unserem ersten Treffen hätte ich nicht gedacht, dass du so lange in der PCWA überlebst."

Überleben...

Aus dem Mund des Mannes klingt es fast, als wüsste Díego was es heißt um sein Überleben zu kämpfen. Doch er hat nie Artilleriefeuer auf seine Position, Sperrfeuer in seine Richtung oder gezielte Distanzschüsse auf sich abgefeuert bekommen. Der Deutschmexikaner weiß nicht, was es heißt um das eigene Überleben zu kämpfen. Der Krieg hat Ihn im Kampf ums Überleben kämpfen lassen. Da ist das Schauspiel in der PCWA ein Kinderspiel.

Matt Mason: "Mach dir darum keine Sorgen, Díego. Ich überlebe länger, als mir die meisten zutrauen. Mein Fokus hat sich zwar leicht abgewandelt, da ich auf der Suche nach einem gefährlichen Irren bin, der gerne Menschen Treppen runterstößt... doch das Interesse an der PCWA hat sich gesteigert und ich will in diesem Haifischbecken überleben."

'Und wenn ich dafür sogar dich aus dem Weg räumen muss', will er sagen, aber letzendlich belässt er es bei einem kurzen Nicken.

Diego erwiedert das Nicken und mustert den Phoenix intensiv.

Sanchez: "Nun...Sorgen ist vielleicht das falsche Wort. Das gewöhnt man sich hier ziemlich schnell ab. Nennen wir es Neugier. Neugier wie sich der neue Fisch im Becken so macht. Wie er mit den ersten Rückschlägen umgeht. Und wie gesagt, ich bin beeindruckt."

Er würde seinem Gegenüber erneut auf die Schulter klopfen, doch zu viel Freundlichkeit kann auch negativ wirken.

Sanchez: "Auch deswegen wünsche ich dir viel Erfolg bei deiner Suche. Du wirst den Schuldigen schon finden."

Matt sieht Sanchez in die Augen und versucht darin zu lesen. Er weiß nicht, was er im Blick dieses Ausnahmeathleten erwartet...

Antworten?

Die Wahrheit?

Matt Mason lässt es bleiben, da sich die Suche einfach nicht lohnt. Der Fremde wird sich schon ein weiteres Mal melden oder es für immer sein lassen. Wichtig wäre nur ein Gespräch mit seiner eigenen Schwester, wegen dieser ganzen Thematik. Er hofft, dass Sie Ihm nicht mehr lange aus dem Weg gehen wird. Es wird Zeit zu reden.

Matt Mason: "Beeindruckt... aus deinem Mund klingt es wie ein Kompliment und ich fühle mich geschmeichelt. Du bist neben Alistair bisher einer der wenigen Menschen, die mir hier freundlich gegenüber treten. Danke, Díego..."

'Danke dafür, dass du mir die Gewissheit gibst nicht umsonst mich geändert zu haben', doch diese Worte verlassen den Kopf vom Phoenix nicht. Es könnte Ihm als Schwäche ausgelegt werden.

Matt Mason: "Ich weiß, dass es aus vielen Mündern eher hohle Phrasen sind... aber solltest du jemals, bei irgendwas, meine Hilfe brauchen werde Ich da sein! Ich respektiere dich, Díego, und weiß, dass ich von dir viel lernen kann. Auch wenn ich dich nur im Stillen bei deinen Kämpfen oder vor der Kamera beobachte. Doch egal bei was du meine Unterstützung brauchen solltest... Ich werde da sein! Darauf gebe ich dir mein Wort!"

Ein Schulterklopfer von Matt Mason folgt, als er sich langsam von Díego abwendet, weil er heute Abend noch ein wenig die Show genießen will. Matt Mason will nicht nur damit beeindrucken dass er lange in der PCWA "überlebt". Der Phoenix will damit beeindrucken, wie er sich einen Namen im Ring macht. Er will einer der technisch besten Wrestler werden und gleichzeitig das Charisma haben um die Halle nur mit zwei Worten am Mikrofon zu begeistern. Der Phoenix ist vor einigen Monaten aus dem Ei geschlüpft, aber nun wird es Zeit endlich fliegen zu lernen.

Der Deutschmexikaner schaut dem Phoenix hinterher. Kurz nickt er und lächelt. Wenigstens ein kleiner Lichtblick an seinem Horizont. Und auch wenn Matt nicht mehr in Hörweite ist, lässt es sich Diego nicht nehmen, noch ein paar Worte los zu werden.

Sanchez: "Muchas gracias. Ich weiß dein Angebot zu schätzen."

'Doch wer weiß, ob ich hier noch lange genug überlebe, um es in Anspruch zu nehmen.'

Sagt bzw. denkt der ehemalige Tribune, bevor die Kommentatoren wieder eingeblendet werden.

 

Vincent Craven: "Matt Masons Auftreten in den letzten Monaten hat sich wirklich gewandelt. War er früher noch sehr ungestüm und impulsiv, so ist er heute... regelrecht umgänglich geworden."

Mike Garland: "Haha. 'Umgänglich' ist ein anderes Wort für 'langweilig'."

Vincent Craven: "So würde ich das nicht sagen. Er hat sich mühsam den Respekt seiner Kollegen erarbeitet. Das ist mehr als all die Psychopathen und Axtmörder hier jemals erreichen werden."

Mike Garland: "Díego hat also einen Rückhalt, wenn er ihn einmal brauchen sollte. Ob Matt dieses Versprechen auch wirklich halten kann?"

Vincent Craven: "Er war einmal in der Armee und da pflegt man zu seinem Wort zu stehen. Ich wäre enttäuscht, wenn er es nicht täte."

Mike Garland: "Versprechen sind manchmal nicht viel wert, gerade wenn es um brenzlige Situationen geht."


------------------ PCWA ------------------

Den Kopf in der Schräge starrt Robert Barker undefinierbar auf seine blanken Hände.

Seit über einer Stunde rennt, stolpert, flüchtet er durch die endlosen Gänge des Theaters und doch kann er noch immer das kalte Metall des Schlagringes spüren, den er Alistair an den Schädel gerammt hat. Sein Daumen ist noch immer eingedrückt vom Kolben der Spritze, die er ihm in den Hals gerammt hat. Beide Handflächen eingerissen vom Stacheldraht, den er um den ganzen Körper des Superstars gewickelt hat. Das warme Blut, was ihm dabei über die Finger gelaufen ist, hinterlässt tropfende Spuren auf seinem Weg, die ihm eine eindeutige Spur zurück zu seiner Tat legen, wie entartete Brotkrumen die aus dem dunklen Wald hinaus führen. Verbinden ihn jedoch mit seiner größten Sünde, statt mit der süßen, unerreichbaren Freiheit.

Vor ihm taucht eine dieser vielen unschuldigen, leeren Gesichter auf, denen er auf seinem Weg heute schon so oft begegnet ist. Ruckartig weicht er ihm aus, einzig und allein darauf bedacht ihn nicht mit seinen schmutzigen, abartigen Händen zu entweihen. In all seiner Unschuld scheint sein Gegenüber nicht einmal zu bemerken, dass er doch über und über mit Blut bedeckt ist, scheint ihm zu verzeihen, was er vorhin mit dem auserkorenen Helden der PCWA angestellt hat, scheint so tun zu wollen, als wäre das alles gar nicht passiert, als hätte er Alistair heute gar nicht geschlachtet und wäre einfach nur tatenlos von dessen Feier verschwunden.

rObErt: „Danke. Vielen Dank. Aber das verdiene ich nicht.“

Vorwärts, immer weiter vorwärts. Denn hinter ihm lauert die giftige Schlange der Vergangenheit, bereit zu Ende zu bringen, was sie vorhin begonnen hat. Mit sinnloser Gewalt stößt er die Tür zu seinem Verließ auf. Hier kann er sich einschließen, bis er sich beruhigt hat, bis er weiß was zu tun ist, bis er seine Untat verarbeitet hat. Unsicheren Schrittes geht er auf das Sofa zu, das irgendjemand in seiner Abwesenheit verschoben hat. Während er mühsam auf das kalte Leder klettert, bemerkt er nebenbei, dass Nichts mehr dort steht, wo es vorhin noch stand. War er es vielleicht selber? Hat seine mitleidlose Zerstörung Alistairs, des Besten was die PCWA zu bieten hat, die ganze PCWA so sehr außer Bahn gebracht, das nichts, aber auch gar nichts mehr so war wie zuvor? Ist das alles seine Schuld? 

Rauchiges Räuspern aus der Ecke. Die Dusche hatte dem Grizzer tatsächlich gut getan, er war beinahe schon wieder vollkommen fit. Doch der Anblick, der sich ihm gerade bietet, lässt ihn für einen Moment wieder an seinem Zustand zweifeln.

Grizz: „Kann ich Dir irgendwie helfen, Barker?“

Der Mann auf dem Sofa dreht sich um und seine suchenden Augen finden nach einiger Zeit die desjenigen, der ihn gerade angesprochen hat. Die Stimme kommt ihm bekannt vor. Einer der Guten? Es liegt ihm auf der Zunge. Es ist…

Grizz: „Was willst Du hier?“

Berechtigte Frage. Das ist immerhin Grizz‘ Lockerroom und er wollte verdammt nochmal seine Ruhe haben, ein paar Zigaretten rauchen, Wasser trinken und sich die Show anschauen. Er fährt sich mit einem Handtuch durch die noch feuchten Locken, immer darauf bedacht, die unerwartete und unliebsame Gesellschaft nicht aus dem Blickfeld zu verlieren.

Grizz: „Wenn Du nichts zu sagen hast, was suchst Du dann hier?“

Grizz Lee. Hardcore Ikone. Tag Team Legende. Einer der größten Namen der letzten Dekade. Ein Mann, der sich Eleven gegenübergestellt hat und davon berichten kann. Er hat ihn nach ihrem letzten Treffen studiert. Grizz Lee. Ein blutrünstiges Monster, das ihn in diesem Moment dennoch anstrahlt wie ein glänzender Engel. Rein und unschuldig. Wie kann das sein? Wie kann jemand wie Grizz Lee so sauber und rein sein, während er selber so schmutzig und ekelerregend ist? Da muss doch etwas sein, irgendein Fleck auf der weißen Weste des Veteranen.

Grizz: „Verdammt, Barker...“

Barker sieht absolut nicht gesund aus. Die Augen blutrot und umrandet von Augenringen so schwarz wie die Pest. Blässe hat alles Leben aus seinem Gesicht gesogen und seine Hände zittern wie die eines Junkies auf Entzug. Grizz geht langsam auf ihn zu, um zu schauen, ob Barker sich sein Essen gleich nochmal durch den Kopf gehen lässt und damit seinen Lockerroom versauen würde.

rObErt: „DU! Du hast mich zu Eleven geführt!“

Da ist er! Schmutz! Dreck! Ekelige schwarze und rote Flecken im reinen Weiß seines Gegenübers. Sofort überkommt ihn ein Würgereiz, als er an das Zusammentreffen mit dem puren Bösen im Keller der PCWA zurückdenken muss. Eleven, Blake, Barker und der Schlächter. Diese Vier in einem Raum, das war falsch, so unglaublich falsch.

rObErt: „Warum musstest du mich zu Eleven zwingen? Warum? WARUM?

Er presst die Augen zusammen, will alles ausschalten. Will keine Erinnerungen mehr, will keine Gegenwart mehr. Doch als er die Augen öffnet, ist Grizz nicht etwa verschwunden, sondern steht genau vor ihm und erdreistet sich, Sorge zum Ausdruck zu bringen. Wie kann er nur?! Was fällt ihm eigentlich ein?!

Grizz: „Du siehst echt nicht gut aus, hast Du…“

Er will Barker eine Hand auf die Stirn legen. Das Letzte, was er jetzt gebrauchen kann, ist, dass der Typ hier in seiner Kabine kollabiert.

rObErt: „NEEIINNN!“

Er darf es nicht zulassen, dass Grizz ihn berührt, doch im Versuch das zu unterbinden greift er ihn mit beiden Händen, hat vergessen, dass er seine schützenden Handschuhe nicht mehr trägt. Hand trifft Hand. Haut trifft Haut. Barker trifft Lee.

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Ein Griff wie Handschellen um Grizz‘ Handgelenke. Der Mann ohne Grenzen reißt ihn nach unten und stößt gleichzeitig seinen eigenen Schädel wie eine Dampframme nach oben.

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Eben noch ein Haufen Elend auf dem Sofa, steht er nun vollkommen verändert vor dem überrumpelten Grizz. Gezielt, schmucklos und effizient schlägt er Grizz einen schnellen Haken gegen die sowieso schon blutige Nase.

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Mit glückseliger Bewunderung verfolgt er das perlende Blut von Grizz Nase an seiner Hand. Sie zittert. Er zittert. Vor Erregung.

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Grizz, den Schock überwunden, wehrt sich. Ein saftiger Kinnhaken reißt Barker aus seiner Trance.

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Schläge der Beiden wechseln sich ab. Barker. Grizz. Barker. Grizz. Immer schneller. Kommen irgendwann gleichzeitig. Beide schenken sich nichts als pure Härte. Gewalt auf Dauerschleife.

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Es war ausgeglichen. Unzeremoniell tritt er Grizz in die Eier und sieht selbstzufrieden dabei zu, wie der Getretene auf seine Knie sackt. Genüsslich beugt er sich zu ihm herüber und kreischt ihm ein stummes Grinsen ins Gesicht.

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Ein erfolgloser Griff an seine Brusttasche. Keine Spritze dabei. Verdammt. Ein Moment der nostalgischen Pause ist ein Moment zu viel. Der Blick zurück zu Grizz, gerade als der ihm in den Magen schlägt und sich hoch kämpft.

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Er kann Barker zusetzen. Ihn zurücktreiben. Barker macht schwungvoll Kontakt mit dem Tisch, als Grizz ihn dagegen stößt. Frisst einen weiteren Schlag. Und noch einen. Seine Hand findet etwas Festes. Grinst jetzt, trotz des nächsten harten Schlages und des eigenen Blutes das längst fließt.

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Der Grenzenlose kontert mit einem eigenen Schlag. Seine Hand hatte ein herumstehendes Glas gefunden. Es zerplatzt an Lees Schädel. Scherben fallen zu Boden. Es klingt wie schelmisches Kichern in den Ohren des Mannes ohne Grenzen.

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Grizz am Boden. Barker springt auf ihn drauf. Kniet auf seinen Armen. Macht ihn Bewegungsunfähig, während er mit seinem rechten Zeigefinger verspielt durch die einzelnen Scherben fährt und sich die Schönste heraussucht. Vorfreudig quetscht er sie mit dem Daumen auf den angewinkelten Zeigefinger.

Niemand… ist…

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Zwei, vier, sechs Arme greifen nach ihm. Ziehen ihn von Grizz herunter. Nehmen ihm die Scherbe, nehmen ihm den Spaß. Er wirft böse Blicke nach rechts und nach links, erkennt die Securities und denjenigen, dem sie gehören. Blake Milton.

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Grizz: "Scheiße, Barker!"

Grizz steht langsam wieder auf und wischt sich mit dem Handrücken über den Mund, bevor er erneut in Kampfstellung geht und sich für einen weiteren Angriff seitens Robert Barker bereit macht. Doch dieser bleibt aus. Der Schlächter hat aufgehört, sich zu wehren. Es ist nur noch Robert Barker, der sich zu befreien versucht und dabei allein von Blake festgehalten wird.

Grizz: „Ich hab’s gewusst!“

Grizz muss seine Abwehrhaltung lösen, denn ihm wird kurz schwarz vor Augen. Er stützt sich mit einer Hand ab, hält sich mit der anderen den schmerzenden Schädel.

Grizz: „Du verdammtes Dreckschwein! Ich hab’s gewusst!“

Er beäugt das Blut an seiner Hand. Nase, Mund und ein tiefer Cut über dem linken Auge – der Anblick ist hinreißend, denkt sich Blake, der ja eigentlich auf dem Weg zu Bleed war, um wenigstens so zu tun, als würde man das teamische Miteinander ernstnehmen und als wäre man professionell, aber dann konnte er doch nicht an der Schlägerei vorbeigehen. Er ist stehengeblieben, hat angeregt zugeschaut und erst danach eingegriffen.

Der Junge klammert sich fester an Robert und würde diesem am liebsten ein „gut gemacht“ und ein „mach weiter“ ins Ohr hauchen, aber stattdessen bemerkt er, dass nun auch Robert Barker aufgehört hat, sich zu wehren. Er hat die blutigen Spuren, die Blake so überaus erheiternd findet, entdeckt. Das Blut aus Grizz‘ Cut und seiner eigenen, vom Halten der Scherbe, zerschnittenen Hand hat sich am Boden vermischt. Und nun kauert Barker niedergerungen mittendrin.

Robert spürt, wie sich Blake an ihm festklammert und wispert: „Ich weiß, wie du dich fühlst. Ich weiß, wie es ist abhängig zu sein. Aber wenn du so weitermachst, machst du deine Kritiker nur wieder schrecklich unglücklich.“

Grizz: „Wer hat Dich nach Deiner Meinung gefragt!?“

Blake Milton: „Wer hat dich um ein Urteil gebeten?“

Grizz deutet angepisst auf Robert.

Grizz: „Das Arschloch hat mich angegriffen! Ist das nicht Grund genug!?“

Blake Milton: „Das kann man ihm doch jetzt nicht wirklich zum Vorwurf machen, oder?“

Blake lächelt Grizz süffisant an. Der schnappt sich das Handtuch, um Blut und Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. Langes, tiefes Durchatmen. Er sollte die beiden aus seinem Locker prügeln. Würde er sicher auch, wenn ihm nicht schon die Schlägerei so zugesetzt hätte. Aber er lässt es sich nicht anmerken.

Grizz: „Du brauchst gar nicht so dämlich zu grinsen, du Freak! JEDER weiß, dass Barker alle nur verarscht hat! Und dass ausgerechnet DU zu ihm hältst, wundert bestimmt auch Niemanden!“

Blake Milton: „Irgendwie scheinst du da gerade etwas nicht mitbekommen zu haben: ich hab dich vor ihm gerettet.“

Lee sammelt Blut und Spucke im Mund, rotzt es neben Milton auf den Boden.

Grizz: „Das kannst Du dafür haben, 'nen Lolli hab' ich leider grad nicht zur Hand. 'Gerettet', so ein Bullshit! Du brauchst Dir nicht einzubilden, dass ich nicht auch alleine mit ihm klar gekommen wäre."

„Ja, ist vollkommen klar“, sagt Blake in sarkastischer Überzeugung und wischt mit seiner Hand beiläufig den Spuckfleck weg, weil er nicht will, dass Robert später vielleicht ausversehen hineingreift.

Grizz: „Nein, mein vollkommener Ernst! Und wir werden das beenden, Barker, verstehst Du mich? So, wie es sich gehört. Mann gegen Mann, Du gegen mich, im Ring. Nächste Vendetta! Dann wirst Du nicht länger davon träumen können, mich besiegt zu haben."

Robert legt den Kopf schräg und starrt ihn undefinierbar an.

Robert Barker: „…sicher.“

 

Vincent Craven: "Steckt Robert Barker nun etwa mit Blake Milton unter einer Decke?"

Mike Garland: "Dann wäre auch die Rückkehr des Schlächters nicht zu verhindern."

Vincent Craven: "Vollkommen ohne Grund attackiert er Grizz Lee und scheinbar wäre er weiter gegen ihn vorgegangen, wenn Milton ihn nicht zurück gehalten hätte."

Mike Garland: "Ja, aber warum das Ganze? Ist Blake jetzt sein Aufpasser? Grizz Lee macht auf jeden Fall das, was jeder vernünftige Wrestler in so einer Situation machen sollte - er fordert Robert Barker zu einem Match bei der kommenden Vendetta heraus."

Vincent Craven: "Ich befürchte, dass wir spätestens bei diesem Kampf die Rückkehr des Schlächters sehen könnten..."


------------------ PCWA ------------------

Diese Stadt hat einen Bahnhof

Ein paar Kirchen, einen Park

Ein Industriegebiet, ein altes Heimatlied

Und einen Supermarkt

Mike Garland: „Chris McFly Jr., einer der Teilnehmer am Cotatores Trophy Match.“

Vincent Craven: „Überraschend bei der letzten Show wieder einmal aufgetaucht und immer für eine Überraschung gut.“

Auf der Rampe schaut der Angesprochene Renegade noch einmal in die Reihen des Publikums. Irgendwie wirkt es jedes mal seltsam wenn er wieder in der Berlin auftaucht. Das PCWA Theater ist immer ein bisschen gespalten wenn es um den Wandervogel des Wrestlings geht. Die einen buhen ihn aus. Die anderen feiern ihn. Die einen sehen in ihm jemand der ein Nestbeschmutzer ist und sich einfach immer da hin begibt wo er gerade Erfolge feiern kann. Die anderen sehen es als Zeichen großen Kampfes- und Wettbewerbswillens dass er sich nie versteckt. Wer ihn sucht, wird ihn auch finden. Und manchmal findet er auch jemanden.

Lauter liebe, nette Leute

Wohnen hier in dieser Stadt

Wo es nur einen gibt den keiner liebt

Weil man mit dem immer Ärger hat!

Und während die deutschsprachige Version seines Themes, eines seiner Markenzeichen, durch das PCWA Theater schallt macht er sich auf den Weg zum Ring. Gekleidet in fast schon simpel wirkenden Straßenklamotten. Jeans, einem Logo T-Shirt der PCWA das in großen Lettern „Vendetta 100“ auf der Brust trägt und einer tief im Gesicht sitzenden Basecap. Auf dem Weg zum Ring wird mit vielen Fans in der ersten Reihe abgeklatscht. So wirklich böse sein können sie ihm scheinbar dann doch nicht. Oder zumindest nicht wirklich lange.

Das ist Bad, Bad Leroy Brown

Dem ist alles zuzutrau’n

Denn in jedem krummen Ding

Da hat er die Finger drin

Am Ring angekommen steigt er schnell die Ringtreppe empor und wischt sich symbolisch die Schuhe ab bevor er zwischen dem zweiten und dritten Seil in den Ring steigt. Ein Mikro ist bereits für ihn in der Ringmitte zurecht gelegt. Er braucht sich nur danach bücken und es aufnehmen. Langsam geht McFly in die Knie und lässt die Stimmung auf sich wirken während Harald Juhnkes Version von „Bad, Bad Leroy Brown“ langsam zu verstummen beginnt. Er bleibt hocken. Hebt das Mikro an die Lippen und beginnt langsam zu sprechen. Sein Deutsch ist solide. Da und dort mal eine Silbe, die nicht richtig betont ist, aber ansonsten kaum Akzent. Der Mann hat an sich gearbeitet.

CMJ: „Guten Abend, Berlin. Ob ihr es nun glaubt oder nicht, ich freue mich mal wieder hier zu sein.“

Die ersten Worte geben ihm bereits die Aufmerksamkeit die er erhoffte.

CMJ: „Viele von euch haben, denke ich zumindest, den Pay Per View gesehen und wissen warum ich wieder einmal hierher gekommen bin. Ich möchte am Match um die Cotatores Trophy teilnehmen und werfe meinen Hut in den Ring um zu sehen ob auch hier noch wahres Tag Team Wrestling möglich ist.“

Langsam richtet er sich auf und schaut dabei in die Zuschauermassen.

CMJ: „Aber bevor ich dazu komme, möchte ich die Vergangenheit ein wenig rekapitulieren. Die meisten wissen das ich nicht unbedingt der Typ bin, der sich dauerhaft an eine Promotion bindet. Die Wrestling-Welt ist viel zu groß und dreht sich viel zu schnell um nur an einem Punkt zu verharren. Überall gibt es dieses „Elsewhere“ wo ein anderer Stolzer Krieger steht der nur darauf wartet von jemandem gefordert zu werden. In allen Arenen dieser Welt gibt es moderne Gladiatoren die euch, den Fans in den Hallen, an den Flachbildfernsehern oder Streams das geben was seit Anbeginn der Menschheit in unserer DNA steckt. Einen Kampf. Denn das Prinzip 'Brot und Spiele' funktioniert nicht erst seit den Tagen des alten Roms, habe ich recht?“

Zustimmung von den Fans. Wenn die Worte der Wahrheit vorgetragen werden von einem Mann der dies besser weiß wie andere, dann haben diese Worte auch die richtige Wirkung.

CMJ: „Warum kämpfen wir? Wir, die Gladiatoren der Neuzeit, die Pro Wrestler oder MMA Fighter? Wie die Überbleibsel einer archaischen Zeit? Nun, ich weiß es nicht. Ich weiß nur eines. Jedes mal wenn ich hierher zu euch...“

McFly deutet in die Menge.

CMJ: „...nach Berlin kam, dann um eine neue Geschichte zu schreiben. Um dem Buch der PCWA und natürlich auch meinem Buch des Lebens, dem Buch meiner Karriere, ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Beim ersten mal suchte ich den Vergleich mit einem Wanderer wie mir. Rebel called Hate war mein Ziel. Der Kampf und der Sieg um die Cryption Crown mein Lohn. By the way, Breads. Hüte dieses Baby! Ich habe gute, wenn auch schmerzvolle Erinnerungen daran.“

Leichtes Gelächter einiger Fans die sich scheinbar noch an das Crash the Mall 2 Match erinnern können.

CMJ: „Beim zweiten mal kam ich zum Brawlin' Rumble 9. Ein Match, das einfach zu groß ist um es mit wenigen Worten zu beschreiben. Ein Event, ein Happening, das jedes mal gigantischer zu werden scheint und das mir, das gebe ich offen zu, eigentlich nur dazu dienen sollte meine Finger an den Hals von James Godd zu bekommen. Ich wollte ihn stellen für das, was er mir damals angetan hatte als ich dort draußen...“

Der Renegade deutet willkürlich mit dem Zeigefinger seiner linken Hand auf eines der oberen Fenster des PCWA Theaters und deutet damit die Umgebung des Geländes selbst an.

CMJ: „...lag. Ich lag in meinem eignen Blut welches sich mit dem Regenwasser vermischte und in die Abwasserkanalisation von Berlin gespült wurde. Ja, man könnte sagen das seitem ein kleiner Teil von mir immer in Berlin bleiben wird.“

Kurzes retardierendes Moment der Besinnung.

CMJ: „Doch Godd ist nicht mehr hier. Er verschwand. Und mit ihm... verschwand auch ich. Meine Reise verlor ihren Sinn. Verlor ihr Ziel und ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich damals nicht ein letztes mal hier stand und euch, all denjenigen die mich sowohl anfeuern als auch ausbuhen, ein Au revoir sagen konnte.“

Wieder ein Moment des Schweigens. Die künstlich von ihm gesetzten Pausen garantieren ihm die Aufmerksamkeit der Zuschauer.

CMJ: „Doch jetzt bin ich wieder da. Ich bin wieder hier. Nicht in meinem Revier. Sondern in dem Revier der Azreal Rages und Alistair Brunswicks, der Kriss Dalmis und Roberts Breads', der Mad Dogs, der Miltons, der ICEs, Van Cranes und... der Grizz Lees“

Stille.

Irgendwann musste das Wort ja zu diesem Thema gelenkt werden.

CMJ: „Grizz. Lee.“

Wieder Stille.

CMJ: „Ein Mann der mich gefordert hatte. Und dem ich bereit war mich zu stellen. Doch die Zeiten haben sich geändert.“

Kurz ballt er die Hand zur Faust.

CMJ: „Grizz, weißt du was mich an der Sache zwischen uns beiden stört? Könnt ihr es euch denken? Nein? Nun dann will ich es euch erklären. Zuerst jammert da ein Möchtegern Hardcore Star rum das er sich mit mir messen möchte. Fine. Schön, wirklich. Gar nicht so lange her das ich meinen Arsch hierher bewegt habe. Soweit ich weiß haben das sogar die vielen Kameras auf dem Gelände gezeigt. Lee und McFly auf einem Parkplatz wie sie sich angiften und über ein Match sprechen... oder nein... über eine Serie Sprechen wie sie sehr wahrscheinlich nie zustande kommen wird. Und warum?“

Sein Blick wird von der Kamera genau eingefangen. Die Augen die unter der Basecap versteckt zu sein schienen, sind mit einem mal deutlich zu sehen. Und sie sprechen eine ganz eigenwillige Sprache.

CMJ: „Warum wird diese Serie wohl nie zustande kommen? Huh? Weiß es von euch jemand?“

McFly rollt sich aus dem Ring. Mit schnellen Schritten ist er bei den Fans der Kategorie A und fragt diese direkt.

CMJ: „Warum wird diese Serie nie stattfinden?“

Keine Antwort.

McFly fragt einen weiteren Zuschauer.

CMJ: „You looking kinda familiar to me. Where you from?“

Zuschauer: „I'm from London, England and I know you from that elsewhere you been talking 'bout.“

CMJ: „Really? Damn. Maybe you can help me giving all the People in the audience a answer to my question. Have you ever seen Grizz Lee in the elsewhere in London?”

Zuschauer: „Sir, no, sir!”

CMJ: „Thanks buddy that will help me to prove a point. So watch out and listen.”

Schnell rollt sich McFly dann wieder in den Ring. Setzt sich auf eines der Turnbuckles und wartet bis die Kamera wieder sein Gesicht erfasst hat. Kurzer überprüfender Blick auf den Tron und er setzt wieder an. Diesmal wieder in deutsch.

CMJ: „Der Grund warum diese Serie, die Grizz Lee so sehr will nicht zustande kommen wird ist so einfach und simpel das es mir schon fast weh tut darauf hinzuweisen. Aber Grizz, ich sage es wie es ist. Wer sich nur in seinem Schneckenhaus versteckt und nicht im Stande ist seinen alten, geprügelten Arsch auch mal wo anders hinzubewegen, der braucht mich nicht fordern. Wer heute darüber jammert das man ihn früher als Geldgeilen Söldner beschimpft hat und heute in der Bequemlichkeit versinkt, braucht nicht nach mir zu schreien. Ich habe deine Worte nicht vergessen Grizz. Dich nervt es das ich von den Kritikern und Fans gefeiert werde als der am härtesten arbeitenden Hunde im Biz, währen du damals nicht den kleinsten Funken Respekt bekommen hast.“

Blick nach links.

Blick nach rechts.

CMJ: „Währst du einmal nach London gekommen so wie ich hier in Berlin war... wer weiß... vielleicht wäre dann alles anders. Aber jetzt nehme ich die Sache in die Hand. Ich entscheide wo und wie! Und wir beginnen mit deiner Paradedisziplin. Tag Team Wrestling. Ich verbinde das Angenehme mit dem Nützlichen. Ich steige in den Ring, mit wem auch immer, und werde höchst persönlich dafür sorgen, dass du und dein Homeboy Sharpe nicht zum zehnten mal Tag Team Gold tragen werdet! Ich werde dich selbst aus diesem Match befördern - eins, zwei, drei! Dabei werde ich mir selbst diese Trophäe sichern, meine dann zweite in der PCWA, was übrigens nicht schlecht wäre für einen dahergelaufenen Freelancer wie mich. Ich werde dir, Grizz, und jedem anderen in diesem Business genannt Wrestling zeigen, dass nicht DU der beste Tag Team Wrestler bist, sondern ich! Ich habe mit Yaso Kuhl, Travis Taylor und Lex Streetman in 4 verschiedenen Promotions Tag Team Gold gehalten.“

NWA Tag Team Champion.
Clubnight Cup Champion.
GFCW Tag Team Champion.
MWA Tag Team Champion.

CMJ: „Und hier wird ein weiteres da kommen!“

McFly springt von dem Turnbuckle, packt sich die Kamera am Seil und zieht sie samt Kameramann näher zu seinem Gesicht heran.

CMJ: „You better count on it!“

Mit den letzten Worten lässt McFly das Mikro fallen und rollt sich danach aus dem Ring. Schnell ist er die Gangway entlanggelaufen und auf der Rampe schaut er noch einmal in die Masse der Fans. Es hat sich nicht geändert. Die eine Hälfte hasst ihn, die andere bejubelt ihn. Dann nickt er zufrieden und geht hinter den Vorhang.

 

Mike Garland: "Da isse wieder, die Fliege."

Vincent Craven: "Weltenbummler Chris McFly jr. ist wieder in Berlin und er will Grizz Lee beweisen, wer der bessere Tag-Team-Wrestler ist. Wo war er nur die ganze Zeit?"

Mike Garland: "In einem Land, in dem man offenbar nur sehr schlechtes Englisch spricht."

Vincent Craven: "Papperlapapp. Er will mit einem Partner nach Wahl in das Rennen um die Cotatores Trophy gehen, aber scheinbar hat sich noch niemand gefunden. Oder er macht ein Geheimnis daraus."

Mike Garland: "Wer es auch sein wird - wenn sie die Trophy gewinnen wollen, dann müssen sie an Lobotomy Blues vorbei, dessen bin ich mir sicher."


------------------ PCWA ------------------

Es ist wie immer der Getränkeautomat, der daran glauben muss und das nur, weil er Mixery in seinem Sortiment hat. Er ist verbeult, zerkratzt und – riecht es hier nach Brennspiritus?

Die Automatenfront ist weit geöffnet und ein paar Getränkedosen sind herausgefallen, von denen das Mixery gleich radikal zertreten wird und einmal quer über den Boden spritzt. „Scheiße“, murmelt Bleed. Jetzt hat dieses scheiß Zeug auch noch ihre scheiß Schuhe versaut, so wie dieser scheiß Bastard ihre scheiß Hochzeit versaut hat! „Scheiße, scheiße, scheiße.“

„Was habt ihr nur alle mit diesem scheiß Automaten?“

Die verschmähte Braut tritt frustriert die zerplatzte Dose beiseite, denn sie hat absolut keinen Nerv, sich jetzt auch noch mit demjenigen auseinanderzusetzen, dem Eleven immer alles durchgehen lässt, während sie sich ständig für alles rechtfertigen muss. Sie wischt sich die schwarz gefärbten Strähnen aus dem Gesicht. Ihre Augen schauen frustriert zu Boden.

Bleed: „Lass mich in Ruhe..“

Blake Milton. Offensichtlich ein verhätschelter Psycho. Darf machen, was er will und – ist das ein Lollipop in seinem Mund?

Blake Milton: „Es sind nur noch“ – er schaut auf sein Smartphone – „fünf Minuten bis zu unserem Match. Vielleicht sollten wir wenigstens festlegen, wer von uns beiden anfängt.“

Noch immer hat Blake die Augen auf sein Smartphone gerichtet, denn wenn er schon einmal dabei ist, kann er auch gleich die neusten Facebook-Meldungen und News checken. Er will sich ablenken, denn die ganze Zeit fragt er sich, was Robert Barker jetzt wohl gerade macht, dort, wo Blake ihn hingeschafft hat, damit er diese Show niemanden mehr verletzen kann. Am besten, er geht nach seinem Match noch einmal zu ihm. Doch erstmal muss er sich etwas wegen NEON einfallen lassen, gegen den er gerade in Begleitung der Adlatin des Bösen nur ungern in den Ring steigen wollte, heute aber MUSS.

Besagte Adlatin stützt die Hände in die Hüften. Ihre blutroten Lippen zittern.

Bleed: „I know.. wir sollen uns vertragen. Uns arrangieren. Wer bin ich, dass ich an SEINEN Worten zweifle? Ich verstehe seinen Weg nicht immer. Aber das muss ich nicht, weil er uns ans Ziel führen wird.. Egal wie verschlungen und qualvoll die Pfade sind, egal wieviele Dornen in mein Fleisch schneiden. Ich blute für ihn. Ein Leben lang. Aber es bedeutet nicht, dass ich auf dich hören muss, Blake. Du meinst es gut. Aber, du und ich.. “ – sie schaut ebenfalls auf Miltons Smartphone – „hörst du mir eigentlich zu?“

Der Junge nickt. OBI hat endlich wieder Kabelbinder in verschiedenen Größen im Angebot.

Bleed: „Tag Team Matches sind nicht unbedingt deine Stärke, was ich ehrlich gesagt, scheiße finde, weil ich jetzt wegen dir dieses Kindermatch nicht gewinnen werde, da du absolut keine Sozialkompetenz hast!“

Der Junge nickt erneut. OBI hat auch Nagelpistolen im Angebot.

Bleed: „Ich weiß, daß Eleven etwas in dir sieht. Dass er es sucht und vielleicht schon gefunden hat, aber in meiner Welt bist du so weit weg“ – sie nimmt ihm das Smartphone weg – so weit weg von dem, was Eleven und mich verbindet! Der Ruf des dritten Rads am Wagen ist schlechter als verdient.. es nimmt den Druck bei der Fahrt über steinige Wege. Aber meine Glieder schmerzen. Und ich bin müde vom Arrangieren und Vertrauen. Ich muss rasten, ich muss ausruhen.. Doch ich werde hochgezerrt und für dieses Match an deine Seite geschubst. Vielleicht verdiene ich diese Lektion sogar. Aber sie macht müde.. Und ich HASSE es, müde zu sein..“

Sie schaut verächtlich auf die Kameras.

Bleed: „WOLLT IHR MICH VERARSCHEN!?“

Der Baumarktenthusiast greift ihre Finger und biegt sie nach hinten weg. Die Reaktion von Bleed ist ein kurzer, aber lauter Schrei. Tränen schießen ihr in die Augen. Schmerzen verzerren ihr eigentlich bildhübsches Gesicht. Sie geht in die Knie, während Blake seinen Lollipop aus dem Mund nimmt.

Blake Milton: „Du musst wissen, ich versuche mir gerade das Rauchen abzugewöhnen, weshalb ich etwas“ – er rührt mit der Süßigkeit am Stiel in der Luft herum – „nun ja, sagen mir mal so, ich bin etwas gereizt. Geht mir immer so, ohne mein Nikotin.“

Er lässt sie los und sie muss sich, um das Gleichgewicht zu halten, auf dem Boden abstützen. „Scheiße“, murmelt sie erneut. Jetzt hat sie das scheiß Zeug auch noch an ihren scheiß Fingern kleben!

Blake hält ihr die Hand hin, doch als sie zugreifen und sich aufhelfen lassen will, zieht er sie wieder weg und deutet auf sein Smartphone, was er eigentlich gern wieder zurückhaben wollte.

Bleed: „Siehst du, das ist genau das, was ich meine!“

Wiederwillig gibt sie ihm das Smartphone zurück. Ja, er hat so seine Defizite, weil er im Baumarkt keine Kundenpunkte sammelt. Das sollte er ändern. Er nimmt den Lollipop wieder in den Mund und hockt sich zu Bleed.

Blake Milton: „Ich bin ein Opfer meiner Erziehung. Und dass du in Elevens Team bist, macht dich nicht gerade zu jemandem, der an Land steht. Wir sitzen im selben Boot. Also? Wie rudern wir es deiner Meinung nach an Land?“

Sie fährt sich durch die Haare und hasst Blake Milton immer noch. Aber es beruht auf Gegenseitigkeit, was immerhin schon mal eine Gemeinsamkeit der beiden ist.
Sie hört seinen Atem dicht neben sich. Und irgendwie beruhigt es sie.

Bleed: „Mit allen Mitteln. Ich will dieses Match gewinnen. Es reicht schon, dass dieser Bastard mich wie ein Kleinkind behandelt hat. Ich will zurückschlagen. Egal wie oft ich zu Boden gehe. Ich will Bluten. Ich will nicht mehr müde sein.“

Blake Milton: „Mit allen Mitteln also?“

Bleed: „Hast du etwa Mitleid, weil du glaubst Neon wäre dein Freund? Werd' erwachsen, Blake. Neon hat dich schon längst durch Robert Breads ersetzt.. und davon mal abgesehen ist Neon ohne dich“ – sie nimmt ihm den Lollipop weg – „einfach besser dran. Er ist glücklich ohne dich. Hast du das etwa nicht mitbekommen?“

Einmal nur leckt Bleed über die Süßigkeit am Stiel. „Waldmeister“, stellt sie fest und gibt Blake den Stängel zurück. „Ist nicht so meins.“

„Sie darf also schon deinen Lolly lecken?“

NEON LOVE beäugt neugierig seine beiden Kontrahenten, die vom Boden aufstehen und vehement den Kopf schütteln, während Eri Osada im Hintergrund nur kichert und mit ihren Fingern ein kleines Herzchen formt. Der junge mit den weiß-rosa Leggings trägt, stolz wie der König der Welt, seinen Titelgürtel um die Hüften. Die LED-Lampen des Gürtels blinken munter vor sich hin.

Eri Osada: „可愛い.

„Süß“, sagt sie.

NEON hüpft freudig auf seinen ganz bestimmt ZWEITbesten Freund zu, doch als er ihn umarmen will, fällt dem Lilalaunebär plötzlich ein, dass er doch eigentlich sauer auf Blake ist. Er hüpft also zwischen Blake und Bleed hindurch und umarmt den Getränkeautomaten. Ist ja schließlich ein Freund der Familie... der gute alte Automat. 

NEON: „Müsst ihr immer alles Ki-kaputt machen!?“

Blake zeigt emotionslos auf Bleed. Diese erntet dafür den bösesten Blick, welchen NEON zustand bringen kann.

NEON: „Wie unflauschig, sich an etwas zu verkreifen, was ni-na-nichtziges getut hat! PFUI!“

Die Schuldige rollt mit den Augen, während NEON sich wieder vom Automaten trennt und auf Blake zeigt.

NEON: „Und du? Warum hast du mich nicht angerufen, war es so spannend im Keller bei Omi und dem Elfenkönig?"

Blake Milton: „Ich hab angerufen. Du weißt das nur deshalb nicht, weil dein Smartphone scheinbar immer noch bei Alistair ist und er dir nicht Bescheid gesagt hat.“

NEON: „Oh. Ja. Mist. Verdammt. Stimmt.“

Er gibt sich selbst eine Kopfnuss und lacht. Und Eri lacht mit ihm.

Eri Osada: „結婚式について彼に教えてください.

„Erzähl ihm von der Hochzeit“, sagt sie.

Zum Glück kann Bleed das bis hier hin noch nicht verstehen, doch als NEON mit dem Thema freudestrahlend seinen vielleicht ZWEITbesten Freund damit zutextet, hat sie plötzlich das Bedürfnis nicht nur Mixery-Dosen zu zertreten.

NEON: „Eri und ich werden hi-ha-highlander-heiraten!“

Alles quietscht und hüpf, außer Blake und Bleed. Letztgenannte ganz besonders nicht.
Sie schaut auf NEON und Eri wie auf entlaufene Einschläferungskandidaten aus dem örtlichen Streichelzoo.

NEON: „Also, jetzt nicht so ri-ra-richtig, aber schon, also so in echt und full HD!“

Seine Worte überschlagen sich und er gestikuliert aufgeregt mit seinen Armen, um den beiden zu verdeutlichen, wie supidubi toll das doch alles wird. Immerhin bekommt er Geschenke. Jeder mag Geschenke. Ob ihm wohl jemand ein Bild malt? NEON mag Bilder.

NEON: „Wir machen das für's japanesische Fernsehn und das wird bestimmt genauso ri-ra-rar-bar-ba-reinhauen, wie bei“ – er zeigt auf Bleed – „dir und Stiffy. Nur halt mit Happy Meal End und mehr LED Lampen. LED Lampen sind sehr toll. Die kann man kaufen. Im Internet - www.Lightout.com!“

Bleed will gerade auf NEON losgehen, da packt Blake sie schon am Arm und hält sie zurück. NEON wird misstrauisch, lächelt aber trotzdem. Hat ja auch grade Werbung gemacht und ganz viel Geld verdient.

NEON: „Kein Wunder, dass dich keiner lieb hat. Immer willst du alle aufessen. Immer musst du alles kaputt machen. PFUI!“

Erneut will Bleed auf NEON losgehen, aber einmal mehr hält Blake sie zurück. Seine klebrige Hand krallt sich in Hüfthöhe durch Bleed's schwarzes ALEC EMPIRE-Shirt in ihr Fleisch.
Sie ertappt sich bei dem Schauer des Gefallens.
NEON hält sich die Hand neben den Mund, so als würde das die Wiederholungstäterin davon abhalten, ihn zu verstehen.

NEON: „Wieso machst du ausgerechnet mit der da ein Tag Team? Ich meine, die ist doch ur-alt, oder? Bestimmt schon über dreißig. Einfach ur-alt.“

Bleed: „Yeah..? So.. also.. I mean.. genau wie deine Mutter!“

Blake Milton: „Ich muss.“

NEON: „Wer’s glaubt, glaubt auch an Hulk Hogan! Du hast die anderen viel vieliger lieb als-wie mich, gib’s doch einfach zu!“

Blake Milton: „Wer addet hier denn jeden Breadsarsch als Freund?“

NEON: „Das war jetzt aber unflauschig, weil“ – er schnüfft kurz – „auf Robär kann man sich wenigstens verlassen! Nicht so wie auf dich! Und ich fette, dass du es nicht mal schaffst, fair zu pleiben! Schon kar nicht mit“ – er deutet auf die Adlatin des Bösen – der da! Und mit der da“ – er deutet härter auf die Adlatin den Bösen – „akkangierst du dich doch nur, weil sie vom Elfenkönig ist! Und du magst den Elfenkönig noch viel mehr wie du die anderen magst! Bestimmt sogar noch viel mehr wie du deinen Daddy magstetest.“

Das ganz große Drama und Eri tätschelt ihm die Schulter. Die Rehäuglein schauen seinen Blakey traurig an. Fast wie Bambi, als Mutti erschoßen wurde. 

Eri Osada: „悲しいことしないでください.

„Sei bitte nicht traurig“, sagt sie.

Eri Osada: „私はそれが何であるかを知っているが、彼らはあなたに意味している場合、あなたからの言葉だけを入れて、私はフラットなんませんが!

„Ich weiß zwar nicht um was es geht, aber wenn die da gemein zu dir sind, dann reicht nur ein Wort von dir und ich mach sie platt“, sagt sie weiter.

NEON: „Wir haben keine Angst vor euch! Sie sollen ruhig kommen, die Tiger, mit ihren Krallen! Komm mit, Eri! Wir haben gleich ein windhund-wichtiges Match und sollten keine Zebra-Zeit verschwenden!“

Damit dreht er sich schwungvoll um, hakt sich bei Eri ein und beide hüpft mutig und unbeirrt von Dannen, während Blake sich so einiges durch den Kopf gehen lässt. NEON ist ihm nicht gewachsen, genau wie die anderen, die einfach nicht dafür geschaffen sind seine Freunde zu sein.

„Mit allen Mitteln“, hatte Bleed gesagt. Vielleicht sollte er auch genau das tun. Immerhin hat diese Diskussion hier schon den Grundstein gelegt. Solche Leute wie Eleven oder Lucifer sind kein Umgang für NEON. Er wäre in Blakes Nähe nie sicher. NEON sollte ihn besser hassen, denn dann wären solche Vorfälle wie mit Jeffrey Ron Arrow auch Geschichte.

„Ich wette sogar, dass du es nicht mal schaffst fair zu bleiben“, hatte NEON gesagt. Jupp, Blake wird ihn definitiv enttäuschen. Aber macht er das wirklich, weil er ihn schützen will, oder macht er das nur, weil er von einer einzigen Facebook-Meldung namens „NEON LOVE und Robert Breads sind jetzt Freunde“ gekränkt ist?

Blake Milton: „Du hast Recht.“

Bleed kramt ein Feuerzeug hervor und – ja, es riecht hier eindeutig nach Brennspiritus.

Blake Milton: „Er ist ohne mich besser dran.“

Bleed atmet schwer. Sie will zerstören. Sie will nicht mehr rasten.
Sie will Blake's Hände in ihrem Fleisch. Sie will ihre ringebewehrte Faust in NEON's Gesicht.
Es klickt zweimal. Das Feuerzeug fliegt wie eine Minifackel durch die Luft.
Und da brennt er auch schon, der Getränkeautomat!

 

Mike Garland: "NEEEEEEIIIIINNNN!"

Vincent Craven: "Was kann denn der arme Getränkeautomat dafür?"

Mike Garland: "Blinde Zerstörungswut. Bei soviel Gewalt muss man bei dem Match ja gleich auf der Seite von NEON und Eri stehen... verdammt. Vielleicht auch nicht."

Vincent Craven: "Die Sache mit dem Lama wird dich in deinen Träumen noch verfolgen, right?"

Mike Garland: "Das wird sie, verdammt das wird sie."

Vincent Craven: "Interessant übrigens die Matchkonstellation. Während NEON und Eri bald heiraten wollen, sind sich Bleed und Blake alles andere als grün."

Mike Garland: "Ihre Partnerschaft mit Eleven ist das einzige, was die Kellerkinder verbindet. Wobei es mir irgendwie auch widerstrebt, dabei von Partnerschaft zu sprechen."

Vincent Craven: "Aber ich traue beiden doch soviel Ehrgeiz zu, dass sie sich wenigstens für diesen einen Kampf zusammen reißen und Seite an Seite kämpfen."

Mike Garland: "Und wenn nicht, gibt es Ärger mit Onkel Eleven."


------------------ PCWA ------------------

Dunkelheit taucht die Arena in ein lichtloses Nichts.
Im zerstörerischen Einklang mit dem hereinbrechenden Stroboskoplicht prügelt ALEC EMPIRE mit „MAKE ’EM BLEED“ los.

Für die Aussenstehenden würde dieses Theme all ihre Wut ausdrücken, den Hass, Frustration, das Ergebnis der "Hochzeit" bei CORE.
Doch Bleed lebte schon immer in ihrer eigenen Welt.
So ist es für sie nur ein Song.. für sich selbst..

IT HAS BEEN GOING ON FOR YEARS
THEY ATTACKED MY DREAMS
TO MAKE ME FIT THE SYSTEM
AND THEN THEY RIPPED MY IDEAS
TWISTED THEM, PISSED ON THEM
SOLD THEM OUT TO THE MASSES
CORRUPTED THE SCENES, WRECKED SOME SOULS
BUT I'M HERE AND I STILL STAND

 

Bleed tänzelt diesmal nicht aus dem Entrance.
Sie geht, als wären all die Zweifel für heute nicht mehr existent. Als hätte es einen SVC nie gegeben.
Als hätte das Gespräch über all diese Dinge mit Eleven bereits stattgefunden.
So als hätten sie Beide bereits alle Worte darüber verloren.

START THE FIGHT!
FUCK THE POWER!
FIGHT IT DOWN!
YOU KNOW I'M RIGHT!
START THE FIGHT!
FUCK THE POWER!
FIGHT IT DOWN!
YOU KNOW I'M RIGHT!

 

 

Bleed trägt ein simples, an exquisiten Stellen zerrissenes, schwarzes Alec Empire-Shirt.
Schwarze und rote Strähnen hängen über ihren dunklen Augen, der Mund ist leicht geöffnet und atmet Luft aus Schweiß, Blut und Excitment.
Ihre schweren Dockers mit den blutroten Schnürsenkeln bringen sie voran..

Das ist die Welt, in der ihre Feinde nach Sauerstoff ringen und wie Avatare funktionieren.

NEON und ERI sind solche Produkte. Nichteinmal wert ihrer Verachtung.
Sie sieht sie im Ring. Und in ihren Augen sind sie Sandsäcke, die aussehen wie stinkende Leichen, die über dem Ring baumeln.
Ihre Welt ist tiefer. Sie ist anders. Sie ist gefüllt mit Wissen, Wahrheit und einem Anführer, der diesen Namen auch verdient.

Das Apocalypse Girl rollt sich durch das unterste Seil in den Ring hinein.
Warten.. auf den Ex-DogBoy.

Vincent Craven: "Bleed ist im Ring, warten wir auf ihren Partner."

Mike Garland: "Natürlich kommen beide getrennt zum Ring."

Theme by Depeche Mode
REACH OUT AND ↑ CLICK ↑ FAITH

x---x---x---CUT---x---x---x

YOUR OWN PERSONAL JESUS
Ein kleiner, kranker Junge
SOMEONE TO HEAR YOUR PRAYERS
betritt das große Rampenlicht.
SOMEONE WHO CARES

YOUR OWN PERSONAL JESUS
Zwei Securities begleiten ihn
SOMEONE TO HEAR YOUR PRAYERS
zum Schutz der anderen.
SOMEONE WHO'S THERE

x---x---x---CUT---x---x---x

FEELING UNKNOWN AND YOU'RE ALL ALONE
Er hat Gabriel Lucifer versklavt
FLESH AND BONE BY THE TELEPHONE
und Robert Barker geschlachtet.
LIFT UP THE RECEIVER I'LL MAKE YOU A BELIEVER

TAKE SECOND BEST PUT ME TO THE TEST
Die Angst eines Mythos und
THINGS ON YOUR CHEST YOU NEED TO CONFESS
die Sterblichkeit eines Schlächters
I WILL DELIVER YOU KNOW I'M A FORGIVER
kleben an ihm und jeder weiß es.
REACH OUT AND TOUCH FAITH

x---x---x---CUT---x---x---x

REACH OUT AND TOUCH FAITH
Brawlin’ Rumble IX Sieger!
YOUR OWN PERSONAL JESUS

x---x---x---CUT---x---x---x

Er wird NEON enttäuschen, aber immerhin mal wieder alle anderen in ihren Meinungen klar bestärken. Ein Auszug:

„DU KRANKER PSYCHO!“

„BUUUUUUUUUUUUUUH“

„DU WIRST AUCH DIESMAL DEINEN BESTEN

FREUND IM STICH LASSEN, IST ES NICHT SO?“

„BUUUUUUUUH!“

 

„DU GESTÖRTER FREAK!“

„BUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUH!“

Emotionslos läuft das Problemkind der PCWA an alle dem vorbei, denn scheiße ja, nach diesem Match werden ihn nicht nur alle anderen hassen, sondern auch NEON, der ohne den „kranken Psycho“ – Schrägstrich – „gestörten Freak“ einfach mal besser dran ist. Und sollte Robert Breads zukünftig nicht die Finger von NEON lassen, wird auch dieser von Blakey eins ungeniert auf die Fresse kriegen.

Vincent Craven: "Nicotin & Bacteria warten nun auf ihre Gegner."

Jane Nelson: "Hier sind... mit einem Gesamtgewicht von 114 kg... NEON LOVE UND ERI OSADA!"

Licht aus, Ring frei.
Für Konfetti, rosafarbene Ponys und tanzende Teenager in Kätzchenkostümen.
Ja, und das alles meinen wir vollkommen ernst.

Quitschend laut ertönt die Einzugsmusik aus den Boxen, 'Chance' von Koharu Kusumi. Die englische Übersetzung des Textes wird dabei auf dem Screen am Entrance eingeblendet.

Chaca chance! With an invincible energy
Chacha chance! With a strong will
I'll say goodbye, ah, to the days that have gone before

Und da sind sie auch schon, das Traumpaar der PCWA. NEON LOVE, der flauschigste Ritter in rosa Leggins, den diese Welt jemals gesehen hat. Natürlich mit selbstbemaltem T-Shirt, wie es sich gehört. Händchenhaltend hüpfen er und Eri in Richtung des Ringes. Gekleidet ist sie in ein kurzes rosa Kleidchen mit aufgedruckten Hello-Kittys. Die kurzen Stiefel mit den hohen Absätzen liften sie auf kolossale 1,57 Meter und ihre Beine stecken in rosafarbenen Kniestrümpfen. Ihre Haare hat sie zu zwei wippenden Zöpfen gebunden.

Chacha chance! No matter how much I change
Chacha chance!
Don't stop watching me
I'm going to walk this sparkling road ahead with you

Eri und NEON winken auf ihrem Weg zum Ring einigen Zuschauern zu, die den beiden zujubeln. Andere hingegen schlagen die Hände vor dem Gesicht zusammen. Sehen wir diesen quietschbunten Unsinn gerade wirklich?

The forecast was wrong and the sun's shining bright!?
The bill is 777 yen!?
This is today's mode
There are two moons, moons all over the place, and anything can happen

Die sichtlich nervöse Eri gibt ihrem NEON im Ring ein Küsschen, bevor die beiden sich im Ring aufbauen und dabei ungefähr so bedrohlich aussehen wie zwei Kätzchen, denen man Strampelanzüge angezogen hat.

Chacha chance! I'll get through with a miracle
Chacha chance! Get out of my way if you're against me
I'll make a dramatic change, ah, to the days that have gone before

3rd Match
-Flauschige Bakterien-
Mixed Tag-Team Match
&
vs.
&
(Sieg durch Pin oder Aufgabe, Disqualifikation oder Count Out - Referee: Johannes Ullrich)

Vincent Craven: „Eri Osada und Bleed beginnen im Ring.“

Mike Garland: „Johannes Ullrich lässt das Match anläuten und damit kann es losgehen.“

Vincent Craven: „Bleed und Eri umwandern sich – Osada möchte den Lock-Up.“

Mike Garland: „Kick von Bleed! Auf einen Lock-Up will sich Bleed nicht einlassen.“

Die N&B Dame zieht den Arm ihrer Gegnerin herum und setzt ihr mit weiteren Kicks in den Unterleib zu. Eri versucht sich zu erwehren und dreht nun mit Schwung ihrerseits den Arm Bleeds herum, sodass deren Oberkörper nach vorne geworfen wird. O-Soto-O-Gari, die große Außensichel kommt zum Zug und zieht Bleed auf den Boden. Eri geht kurz in die Seile… Sentonsplash. Osada aber knallt auf den Rücken, Bleed ist ausgewichen und wirft sich nun auf ihre Gegnerin. Schläge prasseln auf die Japanerin ein.

Mike Garland: „Oh, da gerät die Hello Kitty Fraktion ins Hintertreffen.“

Vincent Craven: „Bleed mit purer Härte gegen Eri Osada.“

Mike Garland: „Jetzt erst lässt sie von ihr ab. Bleed stürmt heran.“

Vincent Craven: „Kneehit gegen Eri.“

Mike Garland: „Oh man… das katapultiert sie aus dem Ring.“

Eri staunt nicht schlecht, als sie sich außerhalb des Seilgevierts wiederfindet. NEON kommt sogleich zu ihr, um zu sehen, ob alles ok ist. Bleed kommt heran geeilt. BASEBALLSLIDE gegen NEON LOVE! Der Junge fliegt gegen die Guardian Rail, doch seine Freundin konnte im letzten Moment ausweichen und trifft Bleed nun mit einem Dropkick, der die Kellerhexe gegen die Ringtreppe schleudert.

Vincent Craven: „Da hat Eri die Oberhand zurück erkämpft.“

Mike Garland: „Bleed wird wieder in  den Ring gerollt, während Eri von ihren Fans bejubelt wird.“

Vincent Craven: „Pierre Saint-Judas applaudiert jedoch nicht. Er beobachtet seine kommende Gegnerin nur aus der Zuschauerperspektive.“

Mike Garland: „SENTON SPLASH OVER THE ROPES! Jetzt sitzt er!”

Vincent Craven: “Und Standing Moonsault hinterher. WOW!“

Mike Garland: „EINS!“

Vincent Craven: „ZWEI!“

Mike Garland: „Bleed zieht die Schulter hoch. Eri hat sie aber nun unter Kontrolle. Whip-In.“

Vincent Craven: „Blake wechselt sich ein!“

Mike Garland: „BODYPRESS VON ERI GEGEN BLEED!“

Vincent Craven: „Blake zieht Eri von Bleed und HÄMMERT SIE MIT EINER LARIAT ZU BODEN!“

Osada liegt erst einmal flach, doch Blake zieht sie emotionslos auf die Gehglieder zurück. Schmeißt sie in die Ringecke und setzt mit Shoulderthrusts nach. Mit der Schulter drückt Blake Eri zwischen dem zweiten und dritten Seil hindurch. Eri hält sich den Unterleib, aber Blake zieht sie aus den Seilen und zimmert sie mit einem DDT auf die Ringmatte.

Vincent Craven: „Entschlossen geht Blake hier vor gegen Eri. Er will das Match gewinnen.“

Mike Garland: „Koste es, was es wolle.“

Nach einer weiteren Kickkombination liegt Eri wieder auf dem Boden. Blake zieht sie zurück und whippt sie in die Seile, als Osada hinaus gelaufen soll, kann sie unter den Beinen Miltons hindurch rutschen. Osada schnellt auf die Beine, aber Superkick! Mit der Schuh trifft Blake Eris Kinn, die getroffen zum Boden fliegt. Blake steigt auf das Ringseil.

Mike Garland: „Was hat der Security nun vor?“

Vincent Craven: „DOUBLE FOOTSTOMB!“

Mike Garland: „ERI WEICHT AUS.“

Vincent Craven: „BLAKE KNICKT LEICHT WEG…“

Mike Garland: „SPINKICK VON ERI OSADA!“

Beide Wrestler liegen auf dem Boden, doch die kleine Japanerin hat die Fans hinter sich, die sie zum Tag mit ihrem Partner rufen. Blake hält sich derweil das Kinn, als sich seine Gegnerin langsam in Bewegung setzt, um zu LOVE zu gelangen.
Dieser reckt und streckt seinen Arm nach vorne, um so den Raum für Eri zu verkürzen. Blake aber hält seine Gegnerin an ihrem Bein fest, um sie von einem Tag abzuhalten. Eri tritt aus, doch Milton setzt einen Anklelock gegen Eri an und hat sie somit in der Mangel.

Mike Garland: „Das war es erst einmal mit dem Tag.“

Vincent Craven: „NEON muss sich weiter gedulden.“

Mike Garland: „Oder verliert das Match ohne Einsatzzeit.“

Vincent Craven: „Wenn Eri jetzt aufgibt, wäre das auf jeden Fall so.“

Mike Garland: „Sie versucht an die Seile zu kommen!“

Vincent Craven: „Fast ist sie da… fast.“

Mike Garland: „Blake zieht nochmal an. Überdreht das Gelenk.“

Vincent Craven: „ERI IST AM SEIL! ER MUSS LÖSEN!“

Johannes Ullrich ist bei Blake Milton, aber die Security möchte das Bein seiner Gegnerin noch nicht loslassen. Ullrich zählt den Wrestler jetzt an, während sich Osada langsam auf das eine Bein kämpft, was Blake nicht in seinen Klauen hat. Diesen Moment nutzt Blake, um Eri von den Seilen wieder weg zu ziehen, was deutliche Buhrufe und Pfiffe der Fans nach sich zieht.

Mike Garland: „Blake zieht sie von den Seilen weg, aber Eri springt auf einem Bein rum.“

Vincent Craven: „ENZURIGIRI!!!“

Mike Garland: „GEIL!“

Blake wurde voll am Kinn getroffen und fliegt kurz benommen zum Boden. Eri Osada will die Gunst des Moments nutzen und kriecht herüber zu ihrem Partner NEON LOVE. Blake aber kommt wieder zu sich und kommt zurück auf die Beine, um Eri erneut von einem Wechsel mit ihrem Partner abzuhalten. Blake rennt heran, aber Eri springt.

Vincent Craven: „THE TAG IS MADE!“

Mike Garland: “NEON LOVE ist nun im Ring.”

Vincent Craven: „CLOTHESLINE GEGEN BLAKE!“

Blake Milton kommt auf die Beine zurück, allerdings ist NEON on fire und zieht ihn erneut mit einer Clothesline zu Boden. Ein zweites Mal kommt Blake auf die Beine zurück und ein drittes Mal ist NEON da, um Blake zu Boden zu rammen. LOVE wirbelt herum und tänzelt vor Freude, ob dieses gelungenen Angriffs. Die Fans stehen hinter ihm und wollen sehen, wie er den Hot Tag zum Sieg nutzt.

Vincent Craven: „BODYSLAM gegen Blake. NEON hebt ihn aus.“

Mike Garland: „ONEEEE!“

Vincent Craven: „TWOOOO!“

Mike Garland: „Kickout von Blake Milton. NEON sieht ihn an, doch Blake bittet um Mitleid.“

Vincent Craven: „Was soll das denn?“

Mike Garland: „Er hebt die Arme und NEON stoppt tatsächlich mit irgendeiner Aktion. Er hört auf zu kämpfen.“

Vincent Craven: „MISSILE DROPKICK VON BLAKE. Was ein mieser…”

Mike Garland: “NEON wankt zurück. Blake kommt hinterher… TWIST OF FATE!“

LOVE knallt auf die Matte, während Blake Milton aufgrund dieser gemeinen Taktik von den Fans ausgepfiffen wird. Doch Milton geht weiter seinem Ziel nach das Match zu gewinnen. NEON zieht sich auf die Beine zurück, doch der Sicherheitschef packt ihn von hinten und zieht einen BACKSTABBER durch! NEON knallt auf die Beine seines Gegners und hält sich schmerzverzerrt den Rücken.

Vincent Craven: "Whip-In von Blake gegen NEON."

Mike Garland: "Doch LOVE taucht unter einem Sidekick durch!"

Vincent Craven: "FLYING FOREARM..."

Mike Garland: "AUCH BLAKE DUCKT AB!!"

Vincent Craven: "DOWNER! DOWNER!!!"

Mike Garland: "Der Finisher von Blake!"

Vincent Craven: "Das könnte es sein."

Mike Garland: "ONEEEEEEEEEEEEEEEEEEE!"

Vincent Craven: "TWOOOOOOOOOOOOOOOOOO!"

Mike Garland: "Da ist Eri und unterbricht das Cover."

Vincent Craven: "Das wäre es gewesen, aber bei einem Tag-Team Match gibt es zwei Gegner."

Mike Garland: "SPEAR VON BLEED GEGEN ERI!"

Jetzt ist auch die Partnerin von Blake Milton im Ring und schmeißt Osada aus dem Ring, nur um gleich hinterher zu springen. Der Fokus liegt wieder auf den beiden Männern im Ring. Blake Milton hebt NEON wieder auf.

Vincent Craven: "Will er nun noch einmal den Downer zeigen?"

Mike Garland: "SMALL PACKAGE! SMALL PACKAGE!!!"

Vincent Craven: "ONNEEEE!"

Mike Garland: "TWOOOOO!"

Vincent Craven: "KICKOUT!"

Mike Garland: "Da hat sich Blake nochmal befreit, kommt wieder auf die Beine."

Vincent Craven: "KISS MY ASS GOODBYE!!! KISS MY ASS GOODBYE!!!"

Mike Garland: "NEON DRÜCKT IHM SEINEN ARSCH INS GESICHT!"

Vincent Craven: "Doch er ist zu erschöpft, um gleich zu Covern!"

Beide liegen schwer atmend auf dem Boden, während Johannes Ullrich beginnt, die beiden anzuzählen. Blake und NEON bewegen sich fast gleichzeitig. Beide versuchen zu ihren Partnerinnen zu kommen, doch Milton hat es deutlich kürzer. Und schon erfolgt der Tag mit Bleed und NEON hat noch ein paar Meter zu kriechen.
Bleed stürmt den Ring und springt auf NEON zu. Das kann Eri aber nicht ertragen und will sich für den Spear von eben revanchieren.

Mike Garland: "Eri Osada attackiert Bleed...KITTY TAKEDOWN!!"

Vincent Craven: "BLAKE! BLAKE! CHAIRSHOT GEGEN ERI."

Mike Garland: "Sie ist erstmal ausgeschaltet."

Vincent Craven: "Bleed hält sich trotzdem den Arm...steht aber entschlossen wieder auf."

Mike Garland: "Johannes Ullrich ist bei Blake und schickt ihn aus dem Ring."

Vincent Craven: "NEON HAT DEN STUHL! CHAIRSHOT GEGEN BLEED!"

Mike Garland: "WHAT?"

Vincent Craven: "ONEEEEE!"

Mike Garland: "TWOOOOOOO!"

Vincent Craven: "ERI HÄLT BLAKE ZURÜCK...."

Mike Garland: "THREEEEEEEEE!"

Vincent Craven: "NEON UND ERI GEWINNEN!!!"

Mike Garland: "Das gibt es nicht..."

Jane Nelson: "Gewinner dieses Mixed Tag-Team Match by Pinfall... NEON LOVE UND ERI OSADA!"

Blake hat mit diesem Match einmal mehr nicht nur die Erwartungen der anderen erfüllt, sondern auch leider die von seinem eigentlich besten Freund und ist damit der Antiflausch, von dem NEON tatsächlich kein einziges „tut mir sorry“ mehr erwarten darf, denn der „kranke Psycho“ – Schrägstrich – „gestörte Freak“ verlässt den Ring, als würde ihm die Niederlage kein bisschen bedeuten.
Eri Osada und NEON LOVE aber feiern ihren ersten gemeinsamen Sieg in der PCWA ausgiebig mit den Fans.

 


------------------ PCWA ------------------

***Flash Forward****

Illdisposed – Ich bin verloren in Berlin

Das Tempo des Lebens
Sohn der Welt

Brauche keine Tarnung
Trotz der Kälte der Nacht
Bin ich
Verloren in Berlin

Wir wollen
Unser Schicksal bestimmen
Unsere einfache Vision
Von Wissen
Mein größter
Schmerz und Luxus
Dreh dich nicht
Weg von mir

Wenige Stunden nach der Show. Der Renegade sitzt derweil mit seinem iPad in der Hand auf einem bequemen Bett in irgendeinem Hotelzimmer in Berlin. Er überprüft die E-Mails die in den letzten Stunden dazugekommen sind. Leider keine die ihm hilft. Leider keine mit dem Inhalt den er sich erwünscht. Er hat noch keinen Tag Team Partner. Niemand möchte zum jetzigen Zeitpunkt mit ihm in die Schlacht ziehen.

Der schaltet das Gerät aus. Er braucht seinen Schlaf. Der Jetlag macht ihm oft genug zu schaffen. Hat er sich diesmal vielleicht übernommen?

I’m lost in Berlin
The speed of life
Son of the world

Don’t need any carmouflage
Despite the cold night
I’m still
Lost in Berlin


------------------ PCWA ------------------

Jane Nelson steht im Ring.
Doch anstatt nun das nächste Match anzukündigen, obliegt ihr eine andere Aufgabe. Eine Ankündigung, die jedoch nicht minder interessant ist.

Jane Nelson: "Meine Damen und Herren... ich präsentiere ihnen den Sieger des diesjährigen Quest 4 The Best.... aus Long Beach, Kalifornien... ALISTAAAAIR BRUUUUNSWICK!"

Licht aus.
Spot an.

NO respect
 NO loyality
 NO regrets

Für einen Moment regt sich nichts am Entrance.
Plötzlich aber brandet Jubel aus einer anderen Ecke auf. Als die Scheinwerfer dorthin umschwenken, fangen sie eine Gestalt ein, die sich ihren Weg durch die Reihen der Zuschauer bahnt. Begleitet vom Schulterklopfen und den Anfeuerungen des Publikums.

Ausgestattet mit dem Körper eines Adonis und der Sonnenbräume Kaliforniens macht der selbsternannte Superstar eine gute Figur in jeder Lebenslage. So kennen ihn seine Fans, so lieben ihn die kreischenden Teenies, die wieder reihenweise in Ohnmacht fallen. Das blonde Haar fällt ihm seidig auf die muskulösen Schultern, die stahlblauen Augen blitzen schelmisch. Alistair trägt ein einfaches weißes Shirt, eine löchrige Blue Jeans und blankpolierte Boots. Durch das Publikum kommt er nur sehr langsam voran, aber er genießt jeden einzelnen Augenblick, während sein Theme aus den Boxen hämmert.

,Here‘ von VAST.

where do i put the shame?
it feels like a broken toy
i can't play with anymore


where do i put the hate?
to a pixilated screen
i can't watch anymore

Begleitet von den Rufen des Publikums erreicht Alistair die Ringabsperrung und springt mit einem behenden Satz darüber hinweg. Ein weiterer Sprung und schon landet er mit seinen schweren Stiefeln direkt auf dem Apron, von wo er direkt auf einen der Ringpfosten klettert. Dort breitet Alistair die Arme aus, wirft den Kopf zurück und genießt die Atmosphäre. Seine Fans, sein Moment, für den er so lange gekämpft hat.

all i know is that i'm here
drifting somewhere in the vast
somewhere in eternity
and i never want to leave

where do i put the books
there's so many i could read
but they all are filled with lies

where do i put the lies
there's so many i
could say
but it seems they're in the books

Langsam fadet die Musik aus.
Jane hat Alistair ein Mikrofon gereicht, welches er nun langsam zum Mund führt.

Alistair! Alistair! Alistair!

Fast schüchtern wirkend setzt er noch einmal ab und verbeugt sich vor dem Publikum, was den Jubel nur noch lauter werden lässt. Neckisch deutet er mit einer Geste auf seine nicht vorhandene Armbanduhr und versucht es ein weiteres Mal. Diesmal mit mehr Erfolg.

Alistair: "Well... well... well... Leute, das ist ein großer Moment für mich. Ich würde mich nun gerne hierhin stellen und behaupten, dass ich vom ersten Moment an nur diesen einen Traum gehabt hätte. Dass ich mir nichts sehnlicher gewünscht hätte, als eines Tages als Sieger des Quest 4 The Best hier zu stehen und von meinen Fans bejubelt zu werden. Aber ehrlich... das wäre Bullshit."

Er lächelt.

Alistair: "Wir alle wissen, dass ich diese Liga gehasst habe, als ich noch neu hier war. Wir können uns alle noch an diesen Idioten erinnern, der hier herum lief, bevorzugt Wehrlose verprügelte und mehr Teenies abschleppte als der Rest des Rosters in seiner gesamte Karriere. Guess what: Dieser Idiot war ich. Aber dann passierte etwas, mit dem ich selbst nicht gerechnet hatte: Gabriel Lucifer gab mir den Tribune Title. Viele Leute hassten mich dafür, dass ich den Erfolg geschenkt bekam, für den sie so lange schuften mussten. Aber ich habe all diese Männer und Frauen widerlegt, indem ich diesen Titel gegen JEDEN Gegner verteidigte, der sich mir in den Weg stellte. Und so machte ich den Tribune Title wieder zu etwas Wertvollem, zu etwas Besonderem. Ich bewies, dass man auch aus Geschenken das Beste machen kann und in diesem Moment wusste ich auch, worum es hier in der PCWA wirklich geht: Der Beste zu sein."

Er setzt kurz ab.
Seine Augen schimmern feucht, denn er muss in diesem Moment an jemanden denken, der nicht mehr an seiner Seite ist.

Alistair: "John, ich danke dir, dass ich den Gürtel an jemanden wie dich abgeben konnte. Niemand hat ihn mehr verdient als du. Ich weiß, dass du das hier in den Staaten wahrscheinlich siehst. Gib deiner Frau einen Kuss von mir und drück den kleinen Hosenscheißer, bevor ihr ihn zusammen ins Bett bringt."

Alistair schließt kurz die Augem und genießt den Jubel, der seinem Freund John Smith gilt. Erst nach einigen Augenblicken setzt er fort.

Alistair: "Nachdem ich den Tribune Title verloren hatte, war da zunächst dieses tiefe Loch, in das ich zu fallen drohte. Erinnert sich hier noch jemand an James Godd, Pavus Maximus, Rebel called Hate und den Rest der feigen Bande? Sie alle verschwanden schon beim kleinsten Zeichen von Gegenwind, sie verloren den Lust am Abenteuer PCWA. Ich aber, ich bin geblieben. Ich habe mein Ziel nicht aus den Augen verloren, habe keinen einzigen Tag daran gezweifelt, dass ich es eines Tages erreichen würde. Und dafür habe ich mich zu bedanken. Mein Dank richtet sich an euch, die Fans der PCWA."

Er setzt kurz ab und klatscht mit erhobenen Händen kurz Beifall, in den das Publikum sofort einstimmt.

Alistair: "Ich weiß, dass es da draußen verdammt viele von euch gibt, die mich nicht ausstehen können. Und wiederum andere, für die ich eine Art Vorbild bin. 'Ich sehe aus, wie ihr aussehen wollte, ich ficke, wie ihr ficken wollt', vergessen wir diese Fight-Club-Scheiße. Ich feiere euch nicht dafür, dass ihr mein Merchandise kauft oder Pappschilder mit meinem Namen in die Höhe streckt. Die PCWA hatte eine verdammt schwere Phase, konnte nicht einmal mehr ihre eigenen Angestellten bezahlen. Aber ihr seid trotzdem gekommen und habt euch billig produzierte Shows mit Musik von den Bontempi-Orgel bei der Beleuchtung einer Schultheateraufführung angesehen... weil ihr genau so süchtig nach der PCWA seid wie ich es bin. Aus diesem Grund verneige ich mich vor euch Fans, denn ohne euch wäre ich heute nicht mehr hier."

Er setzt kurz ab und lässt den Trubel auf sich wirken.

Alistair: "Es geht hier in der PCWA nicht darum, die coolste und unnahbarste Sau von allen zu sein. Es geht vor allem um eines: Sich selbst treu zu bleiben und dennoch jeden Morgen in den Spiegel zu blicken mit dem Gedanken: Scheiße, bin ich gut. Nichts ist schlimmer als Langeweile, nichts ist erdrückender als die ewigen gleichen Wiederholungen."

Er verneigt sich tief. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht.
Erneut brandet Jubel auf, den Alistair aber mit einigen Gesten beschwichtigt.

Alistair: "Bedanken möchte ich mich aber vor allem bei einer Person, ohne die ich niemals die Kraft aufgebracht hätte, all das durchzustehen. Die Person, die bei mir ist, wenn meine Knochen schmerzen und die frisch getackerten Wunden nicht aufhören wollen zu bluten. Ich möchte mich bedanken bei dem wichtigsten Menschen überhaupt in meinem Leben..."

Er wendet sich in Richtung des Entrance, wo in diesem Augenblick tatsächlich noch jemand erscheint.

Sie wirkt zerbrechlicher denn je, als sie aus dem Entrance schreitet. Ihr schwarzes Kleid und das mattglänzende Haar bilden einen Kontrast zu ihrer blassen Haut. Mit ihren dunklel umrandeten Augen blickt sie Alistair an, ihren Mann. Und wir sehen eine Gefühlsregung bei ihr, die sie nicht oft zeigt: Cinderella lächelt. Ein paar Schritte und schon steht sie im Ring, wo Alistair vor ihr auf ein Knie fällt.

Alistair: "Cinderella..."

Cinderella: "Ja, love?"

Alistair: "Es ist nun schon über zehn Monate her, dass wir uns in Tokio vor Smartin Phynix das Ja-Wort gegeben haben und viel ist in dieser Zeit geschehen. Aus dem Jungen Alistair wurde der Mann Alistair. Aus einem Lebemann, für den kreischende Groupies das Wichtigste waren in seinem Leben, wurde ein Ehemann, für den Verantwortung nicht nur eine leere Phrase ist. Ohne diese Entwicklung hätte ich es nie soweit bringen können und das verdanke ich alles dir. Und deshalb kann ich es nur hier draußen vor allen Leuten noch einmal wiederholen: Ich liebe dich, Cinderella, mehr als alles andere."

Langsam steht er auf, sieht sie direkt aus seinen strahlenden Augen an. Die beiden wollen sich gerade zu einem innigen Kuss umarmen, als plötzlich...

Ach, kommt. Als hättet ihr es nicht alle erwartet.

Mit einem Mikrophon in der Hand stellt sich der Gott der PCWA direkt vor Alistair. Cinderella schiebt allerdings beide auseinander, obwohl sie sich anblicken als würden sie sich jeden Augenblick zerfleischen wollen. Cinderella blickt ihren Vater flehend an und spricht durch das Mikrophon ihres Mannes.

Cinderella Brunswick: „Bitte, Vater, wir sind doch eine Familie.“

Tatsächlich sagt ihr Vater – noch – nichts und blickt nur seinen Schwiegersohn herausfordernd an, während seinen Gerasy auf der linken Schulter richtet. Der Sieger des Quest 4 the Best 2013 ist es indessen auch, der seine Frau zur Seite schiebt und wieder einen Schritt vorwärts macht.
Alistair baut sich vor seinem Schwiegervater auf, der ihn fast um Haupteslänge überragt.

Alistair: "Rage. Wie klar es mir war, dass du hier auftauchst."

Zynischer Blick von Rage.

Azrael Rage: „Natürlich. Du hast doch geradezu um Meine göttliche Anwesenheit gebettelt, wie ein kleiner Junge. Genau genommen konnte niemand dieses Gesülze Backstage mehr ertragen. Ich bin nur wie üblich derjenige, der für das Team spielt und hier heraus kommt, um es zu beenden.“

Tatsächlich nimmt der Beste der Besten Abstand von dem Staredown und fängt ausführend an, umher zu gehen.

Azrael Rage: „Du stehst hier und bezeichnest Dich als den Besten… Ich fühl Mich richtig geehrt in Deiner Anwesenheit. Der Beste hat sicherlich auch den Undisputed Gerasy.“

Gespielt erschreckt blickt er Alistair an.

Azrael Rage: „Oh nein, Alistair, geliebter Schwiegersohn, wo ist denn Dein Gerasy?“

Gespielt erleichtert blickt er auf seine linke Schulter.

Azrael Rage: „Ach, gut, hier ist er ja… aber etwas verwundert Mich doch massiv daran. Der Gerasy liegt auf MEINER Schulter. Das kann aber doch nicht sein. Das würde doch bedeuten, dass Ich der Gerasy und der Beste bin. Hmmm, aber wenn Ich der Beste bin, bedeutet das ja, dass Du lügst, Mein Schwiegersohn.“

Belehrend hebt er den Zeigefinger.

Azrael Rage: „Lügen ist eine sehr schlimme Sache, junger Mann. Zudem war das nicht gerade geschickt von Dir, denn jeder weiß doch, dass nur jemand, der ein Gott, Retter der PCWA und einfach fabelhaft ist, den Gerasy halten kann. Leider bist Du, so sehr es Mich doch schmerzt, aber nur ein Emporkömmling und das obwohl Ich Dich in der letzten Zeit so lieb gewonnen habe.“

Ein gespielt betroffenes Gesicht von Rage.

Alistair blickt ihn scharf an. Dabei streift sein Blick auf das Gold auf Azraels Schulter.

Alistair: "Du hast niemanden lieb außer dich selbst. Du hast Mad Dog beim CORE in einem fairen Match besiegt, aber macht dich das zu einem Gott? Nein, Azrael. Du magst vielleicht einmal ein Gott gewesen sein. Erinnerst du dich an diese Zeiten, erinnerst du dich an den Regenläufer? EIn häßlicher Kerl hinter einer Porzellanmaske, aber eines hatte er dem heutigen Azrael voraus: Die Fans da draußen haben ihn unterstützt, weil er trotz seines grotesken Auftretens immer jemand war, der bereit war alles zu geben. Jemand, zu dem sie aufschauen konnte. Wie auch seine Tochter zu ihm aufschaute. Aber was ist noch vom Regenläufer übrig geblieben, old man? Ich sehe dich an und ich erkenne, hinter all diesem Pomp und Luxus, nicht viel mehr als einen einsamen alten Mann. Du magst jede Nacht mit einer anderen Frau ins Bett steigen können, du magst Stevie einen teuren Rassehund schenken, für dessen Preis sich andere Leute ein Haus bauen... aber eines, das kannst du nicht: Verbergen, dass deine Zeit langsam vorbei ist. Mit jedem Tag, mit jeder einzelnen Minute, wirst du nur älter und steuerst deinem Ende entgegen. Die Leute haben keine Angst mehr vor dir, egal wie viele Jobber du auch noch mißhandeln magst. Nur Götter sind unsterblich, aber du bist kein Gott, Azrael, egal wie häufig du das auch von dir behauptest. Es ist an der Zeit, deinem Nachfolger ins Gesicht zu blicken."

Er geht einen halben Schritt auf ihn zu uns blickt ihn von unten an.

Alistair: "And guess what... dieser Nachfolger steht jetzt gerade genau vor dir."

Die Fäuste schon ballend geht auch Rage einen Schritt vor, aber Cinderella stellt sich dazwischen. Sie hat sich inzwischen ein eigenes Mikrophon besorgt.

Cinderella Brunswick: „Vater, Alistair, bitte, Ich habe einen Weg gefunden diese Familie zusammen zu führ…“

Unsanft wird ihr von dem Undisputed Gerasy das Mikrophon weggenommen. Er wirft es einfach aus dem Ring.

Azrael Rage: „Entschuldige, Tochter, aber hier spricht der Erwachsene.“

Der Fokus geht wieder zu Alistair.

Azrael Rage: „Fein, Du sagst – Meinem Nachfolger ins Gesicht blicken. In Ordnung, in 10 oder 20 Jahren will Ich das sicherlich nicht mehr machen hier, aber aktuell ist da einfach Niemand, der es mit Mir aufnehmen kann. Sehen wir die Fakten, Schwiegersohn. Mad Dog war Euer Trumpfass, Euer stärkster Kämpfer und er scheiterte an Mir, wie Watte an Metall. Nun trittst Du hier auf, weil Du einen Witz von einem Turnier gewonnen hast, da nur die zweite und dritte Garde da überhaupt mitspielt, und meinst Mein Nachfolger sein zu können? Bitte, aber das muss Dir doch selber lächerlich vorkommen, nicht wahr? Aber wie üblich rede Ich gerne mit dem Pöbel in simplen Worten. Es wird so laufen. Du wirst scheitern, Jona wird scheitern und jeder andere wird auch scheitern. Irgendwann, wenn die Zahl der Opfer derart hoch ist, werdet Ihr nichts anderes anerkennen können, als Mich. Wo wir gerade bei Opfern sind… Ich habe zwar heute schon Mein Soll erfüllt, aber für Freunde und Familie mache Ich doch gerne eine Zugabe.“

Alistair spannt sämtliche Muskeln an und macht sich kampfbereit. Eine Konfrontation war nun nicht mehr zu vermeiden. Und auf diesen Moment hatte er gewartet.

Alistair: "Sieh dich an, Azrael. Same old shit, dein Gerede beginnt mich zu langweilen. Zu ärgerlich, dass dein Scherge Dalmi heute nicht hier ist, dann wäret ihr sicherlich schon beide über mich hergefallen. Du redest von einer Zukunft in 10 oder 20 Jahren, aber diese Zeit ist schon gekommen. Nun sind nur wir beide hier, du und ich. Niemand, der uns aufhalten kann. Ich habe Mason, Sharpe, Barker und Sanchéz besiegt, alles ehrliche Männer, die im Ring ihr Bestes gegeben haben. Ich habe sie fair besiegt und mich dabei nicht in die Niederungen deiner miesen Tricks begeben. Ich bin bereit! Bereit, dir in einem Match gegenüber zu treten und den Wachwechsel zu vollziehen. Ich werde dich auf den Boden der Tatsachen zurück bringen und aus einem eitlen Möchtegern-Gott wieder einen Menschen machen. Einen Menschen, zu dem die Fans aufblicken können, zu dem auch... deine Tochter aufblicken kann."

Er wendet sich kurz Cinderella zu, ohne Azrael dabei jedoch aus dem Auge zu verlieren.

Alistair: "Indem ich ihn besiege, werde ich dir deinen Vater zurück bringen und diesen Wahnsinnigen dort zerstören, der von ihm Besitz ergriffen hat."

Nun blickt er Azrael wieder direkt an.

Alistair: "Es wird dir sehr weg tun. Tut mir leid, Pops."

'Tut mir leid, Pops'. Das letzte Mal, als Alistair diesen Satz gesprochen hat, das war in seiner Umkleidekabine, fernab aller Kameras. Der Moment beim Brawlin' Rumble, seit dem Adam Reynolds bis heute verschwunden ist.

Azrael Rage: „Sieh Dich an, Du Winzling. Du versteckst Dich immer noch hinter Meiner Tochter. Du kannst es einfach nicht lassen. Deswegen nehme Ich sie nun mit und sie verschwindet aus Deinem Leben – FÜR IMMER!“

Cinderella aber wehrt sich.

Cinderella: "Vater! NICHT!"

Azrael Rage: „Nein, Tochter. Dieser Spaß ist lange genug gegangen. Es wird Zeit, dass das endet. Wahrscheinlich durfte dieser Laienpriester Smartin Phynix sowieso nicht eine Hochzeit durchführen. Ich werde alle Hebel in Bewegung setzen, um diese Ehe endlich annullieren zu lassen. Du hast Ihn doch eh nur geheiratet, um jemanden zu haben, den Du unter Kontrolle hast, Tochter! Er ist ein Nichts. Nutzlos. Wertlos und räudig. Wir suchen Dir jemand besseren!“

Alistair reisst die Augen auf. Er kann gar nicht glauben, was Azrael ihm hier in seinem ganzen Hass und seiner Wut entgegen schleudert. Er packt Cinderella am Arm und versucht diese, von ihrem Vater weg zu ziehen, aber dessen Griff bleibt stahlhart

Cinderella spricht wieder durch das Mikrophon ihres Mannes.

Cinderella Brunswick: „Bitte, Ihr Beiden, Ich habe eine Lösung für all das.“

Aber weder Alistair, noch Azrael wollen hören..

Alistair: "Du lässt sie sofort los, du lausiger Bastard, oder ich..."

Weiter kommt er nicht, denn in diesem Moment fliegt Azraels Faust bereits auf ihn zu. Ein hammerharter Schlag, der Alistair sicherlich den Kiefer gebrochen hätte.
Wenn... ja, wenn Cinderella sich nicht dazwischen geworfen hätte.

Alistair: "NEEEEEIIIINNNNN!"

Vincent Craven: "UNGLAUBLICH! Cinderella wird von ihrem eigenen Vater niedergestreckt!"

Mike Garland: "Azrael wollte eigentlich seinen Schwiegersohn treffen, aber Cinderella hat sich dazwischen geworfen, so dass sie den Schlag mitten ins Gesicht bekommen hat!"

Das Krachen ihres zersplitternden Nasenbeins und die Blutfontäne, die sofort hervorspritzt, zeigen die Wucht, mit der Azrael zugeschlagen hat. Für eine Sekunde, einen winzigen Augenblick nur, bleibt Cinderella einfach stehen, blickt unglaubig auf das ganze Blut und die Faust ihres Vaters. Die vier Buchstaben R-a-g-e sind das letzte, was sie sieht, bevor sie zusammenbricht.

Auch ihr Vater geht sofort auf die Knie. Kann nicht glauben, wen sein Schlag gerade erwischt hat. Er schlägt die Hände über den Kopf und scheint kurzzeitig fast an seinem Verstand zu zweifeln. Nie würde er Hand an seine Tochter legen… oder doch? Nein, nein, nein, der Schlag galt Alistair. Warum hat sie das gemacht? Es war nicht ihr Kampf.

Er will zu seiner Tochter, aber Alistair ist schneller bei ihr. Ihr Röcheln und die Unmengen an Blut, die ihr noch immer aus der gebrochenen Nase spritzen, verheißen nichts Gutes. Panisch versucht Alistair die Blutung zu stillen. Als er sich aufbeugt, ist auch sein Gesicht voller Blut. Voller Blut der einzigen Person, die ihm wichtiger ist als er selbst. Voller Blut seiner Frau.

Alistair: "VERDAMMT! WIR BRAUCHEN EINEN SANITÄTER!"

Auch Rage will zu seiner Tochter, will sich um sie kümmern. Durch das fallen gelassene Mikrophon hört man leise seine Worte.

Azrael Rage: „Es tut Mir leid, Cinderella. Es ist alles seine Schuld.“

Er versucht zu ihr zu kommen.
Aber Alistair lässt ihn nicht an Cinderella heran. Seine beiden Augen blitzen wie zwei haßerfüllte Lichter in seinem blutverschmierten Gesicht.

Alistair: "Das wirst du bitter bereuen."

Fünf Worte, mehr nicht.
Fünf geflüsterte Worte, bevor Alistair und Cinderella in dem Pulk aus herbei geeilten Sanitätern verschwinden, die sich um die Verletzte kümmern.
Fünf Worte und soviel Hass in ihnen.
Der Hass einer toten Gesellschaft.

 

Mike Garland: "Vater, Tochter und Schwiegersohn... was für eine beschauliche Familie."

Vincent Craven: "Unglaublich, was wir hier gerade gesehen haben. Azrael wollte Alistair einmal wieder niederstrecken, aber stattdessen trifft er seine eigene Tochter Cinderella, die sich dazwischen geworfen hat."

Mike Garland: "Ob er das nun in Kauf genommen oder sogar riskiert hat, das dürfte das Band zwischen ihm und seiner Tochter doch erheblich belastet, wenn nicht gar zum Reißen gebracht haben."

Vincent Craven: "Azrael schiebt die Schuld auf Alistair, aber der wird das nicht auf sich beruhen lassen. Wir wissen, dass Alistair jederzeit ein Match seiner Wahl fordern kann - und Azrael dürfte nun erst Recht sein Ziel sein. Die Familienbande sind unwiderruflich zerrüttet."

Mike Garland: "Aber anstatt nun direkt ein Match zu fordern, kümmert sich Alistair lieber um seine Frau. Was für ein Weichei."

Vincent Craven: "Manche Dinge sind eben wichtiger als Wrestling-Matches."

Mike Garland: "Ja? Und wo war Alistair bitteschön, als Azrael uns beim CORE verprügelt hat? Wo war da dein strahlender Held??"

Vincent Craven: "Wir müssen es uns eingestehen: Cinderella beschützt er anscheinend lieber als zwei Kommentatoren, von denen einer ihn meistens verspottet."

Mike Garland: "Hrmpf."


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Seine Hände sind mit Handschellen gefesselt. Er hat sie sich selbst angelegt, gleich nachdem er Blake Milton darum gebeten hat, ihn irgendwohin zu bringen, wo der Schlächter keinem mehr schaden kann. Resigniert sitzt er dort nun am Boden und der, der ihn aufgehalten hat, hockt sich zu ihm, legt seine Arme unbeholfen über die Knie und seine großen, leeren Augen auf Robert Barker.

Es ist still und es riecht nach verbrannten Kabeln und versengtem Metall. Für den Getränkeautomat kam jede Hilfe zu spät – für Robert vielleicht nicht.

Blake Milton: „Warum hast du das getan?“

Barker dreht seinen Kopf von ihm weg, so als könne er sich dadurch vor ihm verstecken. Scham. Triezende Ausläufer eines schlechten Gewissens und größter Nachteil von 'den Guten'. Entgegen aller Vernunft ist es jedoch nicht die Tat an sich, die ihn beschämt, sondern die innere Ruhe und tiefe Zufriedenheit, die sie ihm beschert hat. Ein unbeschreibliches High. Für den Moment haben die Hände aufgehört zu zittern, die Schmerzen im Knie haben nachgelassen und selbst die Schnittwunden in seinen Fingern füllen ihn irgendwie mit Leben. Das Blut, die Schlägerei, der Schlächter - es war befreiend und erregend und es durfte verdammt nochmal niemals wiederholt werden!

„Gib mir meine Handschuhe“, sagt Robert leise und Blake fragt daraufhin genauso leise: „Warum?“

Weil er ein Idiot war. Weil er in der Panik über das, was er getan hat, vergessen hat seine Handschuhe mitzunehmen. Ohne Handschuhe fühlt Robert Barker sich so offen und verletzlich, dass er genausogut nackt hier sitzen könnte.

„Gib sie mir einfach“, wiederholt sich Robert, der genau weiß, dass sich seine Handschuhe in Blakes Hosentasche befinden, denn der Sammelfreak in ihm hat sie mit Sicherheit schon längst bei Alistairs Kadaver gefunden. Der Unfallvoyeur hat bestimmt genau gesehen, was der Schlächter mit dem selbst ernannten Superstar gemacht hat.

Blake fährt mit dem Zeigefinger fasziniert über das blanke Metall der Handschellen.

„Ich bevorzuge Kabelbinder. Die sind günstiger und wesentlich effektiver“, im Sinne von schmerzhaft. Die von OBI haben scharfe Kanten und hinterlassen Schnittwunden, wenn sich das gefangene Objekt zur Wehr setzt und – warum ist Robert eigentlich so brav?

Besorgt nimmt der Junge den Lollipop aus dem Mund, atmet tief durch und macht eine auffordernde Handbewegung, auf dass der Schlächter ihm sein Leid klage.

Blake Milton: „Willst du darüber reden?“

Der Sorgenfall verzieht kurz das Gesicht. Es liegt auf der Hand, was Blake hören will. Aber will er darüber reden? Nein. Er will, dass alles geregelt ist, dass er sich um nichts mehr kümmern muss, dass er niemals die Kontrolle verloren hat und alles einfach nur gut ist. Er will das Unmögliche. Und so beginnt sein Bein langsam wieder zu Schmerzen, genauso die Schnitte in seiner Hand. Doch er sagt nichts, denn diese jämmerlichen Verletzungen sind nichts im Gegensatz zu dem, was er Alistair angetan hat.

rObErt: „Ich will, dass du ihn aufhältst.“

Blake Milton: „Wen genau?“

„Den Schlächter“, flüstert rObErt, als würde er Angst haben, der Genannte könnte ihn hören. Blake unterstützt diese Vorsichtsmaßnahme und flüstert ebenfalls: „Vielen Dank, für ihr Vertrauen in Gabriel Security.“

rObErt: „Neinneinneinnein! Ich will dich! Nicht Gabriel Security! Nicht irgendwelche Söldner! Einzig und allein dich.“

Sein Gegenüber schließt die Augen in tiefer Ergriffenheit.

Blake Milton: „Sag das nochmal.“

rObErt: „Was?“

Blake Milton: „Dass du mich willst.“

Robert verpasst Milton einen Head Butt. Sofort hat der Junge Nasenbluten – vom Treffer, nicht von der anregenden Konversation mit rObErt. Er reißt die Augen auf und drückt sich den Zeigefinger gegen den Nasenflügel.

Blake Milton: „Das, also das – er zeigt kurz auf seine Nase – „war jetzt aber hinterhältig. Du solltest – WARUM HAST DU DAS GETAN?“

Robert Barker: „Weil du mich nicht ernst nimmst! Das ist kein Spiel, Blake! Das ist mein ganzer, verdammter Ernst! Und es ist wichtig... nicht nur für mich... sondern für alle. Du weißt, was er getan hat und ich will nicht, dass er es wieder tut... all die Schmerzen, all das Blut, all das Unrecht, alles nur zu seinem Vergnügen, alles nur, um ihn die PCWA regieren zu lassen... es ist die dunkle Ära der PCWA und sie darf auf keinen Fall wiederholt werden. Ich würde ihn so gerne wegsperren und anketten und ihn so lange ignorieren, bis er endlich wieder verschwindet, aber ich kann ihn nicht besiegen, kann ihn nicht aufhalten, dafür bin ich zu schwach, ist er zu stark.“

Beide starren sich an und man sollte vielleicht nicht vergessen, dass sich hier zwei Menschen gegenübersitzen, die sich gegenseitig eigentlich total gern schlachten wollen würden. Die erstaunliche Harmonie zwischen den beiden ist sogar einem Blake Milton etwas zuuu abnorm. Robert hingegen ist zu abgelenkt von Schwindel und dem Gefühl in Sekundenschlaf zu verfallen. Mal ist er hier, mal ist er da. Er fühlt sich seltsam. Es ist alles so verwirrend. Der Abend ist in einen grauen Nebel gehüllt, der ihm einen klaren Blick verwehrt. rObErt weiß nur eins. Er muss aufgehalten werden.

rObErt: „Du musst ihn aufhalten! Du kannst ihn aufhalten, hast es schon einmal bewiesen, kannst es wieder tun! Wenn du das tust... dann... bin ich bereit alles für dich zu tun. Wenn du versprichst ihn nie wieder jagen zu lassen… gehöre ich dir.“

Das Nasenbluten wird abrupt stärker, dass sich der Junge beide Hände an seine Nase halten muss und dabei seinen Lollipop einsaut. „So ist das also“, nuschelt Blake.

Blake Milton: „Du willst also verhandeln? Und das, obwohl du schon längst mir gehörst?“

Mal ist er hier, mal ist er da.

Robert Barker: „Das war keine Bitte! Das sind keine Verhandlungen! Du wirst ihn aufhalten! Hast du das verstanden?“

„Weißt du, es macht mich an, wenn man so mit mir spricht“, wispert Blake erregt und muss sich nach vorn an Robert abstützen, weil der Blutverlust ihm jetzt doch zu schaffen macht. Wer es noch nicht wusste: man kann auf diese Weise verbluten.

Noch mehr Blut! Der vorsichtige Robert in ihm schiebt Blake geradlinig von sich weg, will nichts von Blakes süßem, wunderschönem Blut abbekommen, weil er weiß, was dann passieren würde. Und Blake sollte das auch wissen. Ein weiteres Opfer, bei weitem kein Unschuldiges, doch auf jeden Fall eines zu viel. Jedes Opfer würde ihn stärken und deshalb durfte er selbst jemanden wie Blake nicht auslöschen, egal wie sehr er es verdient hat, das weiß rObErt.

rObErt: „Lass das doch bitte einfach sein, Blake. Das ist jetzt nicht der Moment dafür... das ist eine Aufgabe, die nur jemand wie du erledigen kann. Niemals hätte ich jemanden wie Alistair oder sogar Mad Dog darum bitten können... ich kann keinen der 'Guten' darum bitten, denn dies ist ein Job für einen kranken Bastard, der den Schlächter ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Verkehr ziehen würde. Ein Job für jemanden wie dich und ich weiß, dass ich mich dabei auf dich verlassen kann, denn wenn es um krankhafte Besessenheit geht, gibt es leider niemanden in der PCWA, auf den man sich so gut verlassen kann, wie auf dich.“

Der manisch Kranke legt den Kopf in den Nacken.

rObErt: „Das, was da draußen passiert ist, darf nicht wieder passieren. Das mit Grizz nicht, aber vor allem… vor allem das mit Alistair nicht.“

„Kann ich verstehen. Gab schon einige Kritiken im Forum, was die Schlächter-Story angeht“, nuschelt Blake. „Aber viel schlächter kann es ja nicht werden“, fügt er hinzu und muss sogar kurz über seinen eigenen Witz lachen. Erst danach fällt ihm das mit Alistair auf.

Er nimmt den Kopf aus den Nacken.

Blake Milton: „Welchen Teil der Geschichte mit… Alistair… wollen wir nicht wiederholen?“

Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Barker guckt ihn an, als ob Blake ihn verarschen will.

Robert Barker: "Alles, verdammt! Alles! Ich... wie... verdammt! Blake! Diese ganze Psychoscheiße geht mir gewaltig auf den Geist! Lass mich das hier nicht noch mehr bereuen, als ich das sowieso schon tue. Ich bin nur hier, weil ich keine andere Wahl habe, weil ich den Schlächter nicht wieder gewinnen lassen darf... ich habe mit Alistair die größte Hoffnung der PCWA geschlachtet und ich kann mich kaum daran erinnern! Ich habe ein verficktes Problem und wenn es noch etwas schlimmer wird, dann habt ihr alle ein verdammtes Problem!"

Blake Milton: „Interessant“, denn Robert glaubt, er habe Alistair geschlachtet. Dabei hatte Blake diesen doch erst vor kurzem noch lebend gesehen. Verwunderung.

Robert Barker: „Ich will, dass du den Schlächter aufhältst! Egal wann, egal wo... und egal wie!

Der Trophäensammler legt seine Arme um die Knie und lauscht seinem Sammelobjekt, als würde es eine wahnsinnig spannende Geschichte erzählen.

Robert Barker: „Blake…“

Die Stimme von Barker ist erstaunlich ruhig, gefasst und fokussiert. Er weiß, was er will und er weiß, was er dafür tun muss. Aber es kostet ihn Überwindung. Es kostet ihn so viel Überwindung und Nerven, sich hier bei seinem eigenen Schlächter zu befinden und allein für die gute Sache, die schlechte Sache zu wählen – freiwillig, willig.

Robert Barker: „…ich mache alles, was du willst. Sag mir, was das für mich bedeutet.“

Blake Milton: „Free Hugs!“

Der Junge breitet spontan die Arme aus, wartet kurz auf eine ausbleibende Reaktion und winkt ab.

Blake Milton: „Diese Frage kann dir Gabriel Lucifer am besten beantworten. Aber der ist momentan“ – er wählt eine familienfreundliche Beschreibung – „abhandengekommen.“

Robert Barker: „Ich will es von dir hören.“

Blake Milton: „Es bedeutet, dass ich weiß, was das Beste für dich ist.“

Sein Nasenbluten hat aufgehört. Er nimmt die Hände herunter und steckt sich den blutigen Lollipop wieder in den Mund.

Blake Milton: „Ich habe noch eine Bedingung.“

Robert Barker: „Das hier ist keine Verhand—.“

Blake lässt seine Knie nach vorn kippen und auf das lädierte Knie von Robert droppen. Ein schmerzverzerrter Laut folgt, denn trotzt Schiene ist der unerwartet Druck und die ungewohnte Haltung für den Moment unerträglich. Der Verletzte zieht die Luft zwischen seinen Zähnen ein und bleibt ruhig.

Blake Milton: „Ich bin der einzige, der dich je stoppen konnte. Natürlich ist das hier eine Verhandlung. Und ich genieße das“ – er verlagert kurz sein ganzes Gewicht auf Roberts Knie – „also lass es mich auch genießen, scheiße verdammt!“

Kooperation. Erstaunlich, aber wahr. Man sieht rObErt jedes Fünkchen Verzweiflung an, das man von jemanden erwarten darf, der jemanden darum bittet ihn im Notfall aus dem Verkehr zu ziehen.

rObErt: „Was willst du denn noch?“

Blake Milton: „Ich will nicht, dass du mich ‚Bastard‘ nennst. Oder ‚Psycho‘. Oder ‚krank‘. Denn weißt du“ – er verlagert noch einmal kurz sein ganzes Gewicht auf Roberts Knie – „das verletzt mich. Verstehst du das? Ich bin kein Gestörter!“

Robert Barker: „Dann hör auf, Spielchen zu spielen!“

Blake nimmt seine Knie wieder zurück und verweilt in seiner ursprünglichen Hocke.

Blake Milton: „Du bist schlimmer als Gabriel. Der hat sich zwar auch hier und da etwas geziert, aber mit ihm konnte ich wesentlich leichter verhandeln.“

Robert Barker: „Weil du ihm nie eine richtige Chance dazu gegeben hast.“

Blake zuckt kurz mit den Schultern.

Blake Milton: „Ja, weil man mit einem Gabriel Lucifer niemals verhandeln sollte.“

Robert Barker: „Ihr beide nehmt euch da nicht viel. Dass du dein Match verloren hast liegt nur daran, weil du es allen so scheiße schwer machst mit dir zusammenzuarbeiten. Niemand will freiwillig mit dir teamen, oder hilft dir aus reiner Nächstenliebe. Du akzeptierst sie nur dann wirklich, wenn du sie besitzen kannst. Die anderen wissen das, Blake. Die sind nicht blöd. Bei dir gibt es kein wir, da gibt es nur ein du. Dein Problem ist nicht, dass Lucifer gebrochen wurde. Dein Problem ist, dass er nicht von dir gebrochen wurde. Und das verletzt dich. Nicht die Namen, die sie dir geben.“

Es ist still und Robert Barkers Eigentümer beißt auf seinen Lollipop.

Robert Barker: „Da hat Eleven sich so viel Mühe gegeben, dir alles zu nehmen… und dabei wissen wir beide doch, dass du über so etwas einfach nicht hinwegkommst. Ich glaube auch nicht, dass du Gabriel getötet hast, denn dafür hängst du einfach zu sehr an deinen Trophäen. Und genau deshalb bin ich hier.“

Der Junge starrt ihn einige Sekunden lang emotionslos an, denn sein neustes Objekt der Begierde hat ihm gerade die ganze schöne Verhandlung ruiniert. Die Stimmung kippt.

Blake Milton: „Du solltest jetzt besser das Thema wechseln…“

Wieder lässt Blake seine Knie nach unten droppen, erwischt erneut genau die richtige Stelle bei Robert und will damit lediglich dezent verdeutlichen, dass ab sofort nur noch er weiß, was das beste für ihn ist.

„Ich werde dir niemals verzeihen, was du mir angetan hast“, zischt Robert, während Blake ihm innig durch die Haare fährt und wispert: „Du wirst dir niemals verzeihen, dass du zu mir gekommen bist!

 

Vincent Craven: "Robert Barker ist nicht viel mehr als ein Häufchen Elend. Er spürt, dass der Schlächter in ihm stärker und stärker wird und deshalb bittet er Blake Milton um Hilfe."

Mike Garland: "Feuer sollte man mit Feuer bekämpfen. Aber was ist, wenn am Ende nur noch Asche übrig bleibt?"

Vincent Craven: "Dann greift das Feuer zumindest auf niemanden über. Vielleicht ist das alles, was Robert Barker noch erreichen kann."

Mike Garland: "Aber was für ein Interesse hat Milton an der Sache? Geht es ihm wirklich nur um Anerkennung?"

Vincent Craven: "Irgendwo tief in ihm, da schlummert immer noch dieser missverstandene Junge, der niemanden mehr hat. Leute wie wir können schlecht nachvollziehen, wie es wirklich in ihm aussieht."

Mike Garland: "Da lässt es sich schwer nach Logik urteilen."

Vincent Craven: "Genau so sieht es aus. Egal in welche Richtung es geht... ich befürchte, es wird kein gutes Ende nehmen."


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...vielleicht. Ein Wort, so vage, so verschwommen, wie seine Situation. Seit einer gefühlten Ewigkeit sitzt er in seiner Kabine. Zwischen zwei Stühlen, einem alten, trostlosen Tisch, einer an der Wand hängenden mexikanischen Flagge, keucht verblassten Postern von diversen PCWA PPVs sitzt Díego Alejandro Sanchéz auf dem Boden und vergräbt sein Gesicht in Ausschnitten aus Fachzeitschriften.
Dort prognostizieren so genannte Experten das allmähliche Ende seiner so genannten Karriere. Zwar sehen sie durchaus seine Erfolge beim Quest, diese seien aber aufgrund der Niederlage im Finale so gut wie wertlos.

Er hasst es. Diese Zweifel, seine Unzufriedenheit mit allem...seinen depressiven Zustand. Freunde haben ihm nahe gelegt einen Psychologen aufzusuchen. Doch er will sich selbst aus diesem Loch herausziehen. So wie er das immer getan hat. Er muss es einfach. Schließlich ist er ein gebranntes Kind. Seine negativen Erfahrungen mit Kerry & Gaelic, diese ganze psychologische Scheiße, machen es ihm schwer, solche Hilfen in Anspruch zu nehmen.
Wütend zerknüllt er die Papierschnipsel und wirft sie hinter sich. Vielleicht hilft es ja. Man sagt doch 'Aus den Augen, aus dem Sinn'...

Es könnte alles so einfach sein, wenn...Ja dieses eine verdammte 'Wenn'. Wenn die PCWA ihm nicht so ans Herz gewachsen wäre. Wenn die Liga unter den Schwingen des Phönix nicht zu seiner Heimat geworden wäre.
Es wäre so einfach. Ein kurzes Adios, kein Blick mehr zurück, raus gehen und nie wieder zurück kehren. Frei sein von allem, was ihn belastet, was ihn schier zu erdrücken scheint.
Aber wieder einmal machen seine unnützen Emotionen aus solch einfachen Dingen sehr komplexe Umstände.

Wieder holt er etwas hervor, doch dieses Mal können wir erkennen, was es ist. Papier. Ein weiterer Blick zeigt, dass es sich um den Arbeitsvertrag des ehemaligen Tribune Champions handelt. Seine Berechtigung hier zu sein. Sein Lebenselixier und Fluch zugleich.
Fast ehrfürchtig und quälend langsam streicht er mit den Fingerspitzen über das Deckblatt.

Sanchéz: "Das ist alles. Alles was mich noch mit der PCWA verbindet. Alles, was mir noch etwas bedeutet. Vier...V...I...E...R... verdammte Buchstaben, die mein Leben sind. Doch lohnt sich ein weiteres Kämpfen noch? Bin ich dazu überhaupt noch in der Lage?Die Gefahren und Bedrohungen sind so zahlreich wie vielfältig. Für die PCWA heißt für Jona Vark an vorderster Front zu stehen. Kann ich das? Bin ich das überhaupt noch?"

Der Kopf bewegt sich langsam hin und her. Díego sucht in seiner leeren Kabine Antworten, die er nur in seinem Inneren finden kann. Finden MUSS.

Sanchéz: "Pro PCWA, pro Jona...Kontra Rage, Dalmi, Eleven und wie sie noch alle heißen. Kämpfen und enden wie Gabriel? Kämpfen und geschlachtet werden? Oder gekreuzigt? Oder vielleicht doch einfach einsehen, dass ich es nicht mehr drauf habe?"

Díego räumt seinen Kram zusammen. In seinem Kopf dreht sich alles. Er braucht Zeit. Zeit die er nicht hat. Mit jedem weiteren Tag, den er ungenutzt verstreichen lässt, erlischt seine Karriere immer mehr. Vielleicht kann ihm ein Abstecher nach Mexiko den Kopf sortieren. Vielleicht findet er dort endlich Antworten. Vielleicht...


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Wieder eine Show, wo er kein Match hatte. Wieder eine Show, wo sich mehr Fragen als Antworten aufgetan haben. Er sucht nach Antworten und findet keine. Seine Schwester ist in Berlin und hat noch nicht einmal den Kontakt zu Ihm gesucht! Er weiß nicht, ob Maria Ihm Vorwürfe machen wird. Er weiß nicht, ob Maria Ihn überhaupt sehen will. Sie hat sich seit mehreren Wochen nicht bei Ihm gemeldet und auch auf seine Nachrichten nicht reagiert. Manchmal glaubt er, dass ihm Maria aus irgendwelchen Gründen aus dem Weg geht. Sie schien so tapfer und letztendlich scheint Sie doch an der Verletzung zu zerbrechen.

Vielleicht war es doch ganz gut, dass er kein Match gehabt hat. Zu sehr beschäftigen Ihn viele Fragen und letzten Endes muss er alleine die Antworten finden. Matt hat den Kreis der Verdächtigen auf vier Personen davon eingegrenzt. Keine der Personen hat er heute angetroffen, aber einer von diesen Vier könnte der Täter sein. Seinem Hauptverdächtigen will er in den kommenden Tagen auf den Zahn fühlen.

Weiter kommt Matt Mason nicht mit seinen Gedanken, da vor Ihm ein Gesicht aufgetaucht ist. Der Look ähnelt einem modernen Holzfäller und das Lächeln bei Matt lässt die Gedanken um seine Schwester für einen Moment in den Hintergrund rücken. Eine Ihm scheinbar nicht ganz unbekannte Person scheint Grizz Lee zu sein. Der ehemalige UFWA-Superstar war ein Kindheitsheld für den jungen Matt Mason gewesen und auch in Ohio war Grizz bekannt wie ein bunter Hund. 

In diesem Fall allerdings wirkt der einstige Held der Kindheit nicht wirklich heroisch, da man doch die Prügelei zwischen Grizz Lee und Robert Barker erkennen kann. Das Haar des Deutschen ist zerzaust und Schweiß lässt es leicht im Gesicht kleben. Die Atmung ist immer noch schwer. Ein zukünftiges Duell mit Grizz Lee hätte schon seinen Reiz, aber nicht in seinem Zustand. Matt muss allerdings erst in die Position kommen, solche Gegner herauszufordern. 

Auch Idole stehen einem im Weg, wenn man nach ganz Oben will...

Diese Worte hatte er zuletzt von Alistair Bruinswick zu hören bekommen, abseits der Fernsehkameras. Aber er gibt dem zukünftigen Champion recht. Man muss auch über die Leichen der eigenen Freunde steigen können, damit man das Gold gegen dieses große Rudel an Hyänen verteidigen kann.

Sein Blick richtet sich auf Grizz Lee, der immer noch vor Ihm steht. Aus seinem Mund kommt kein Wort, lediglich ein neugieriger Blick wird dem größeren Mann aus Toledo zugeworfen. Der Veteran wartet ab, während sich Matt Mason in Gedanken kurz und knapp ordnet. Es wird Zeit das Gespräch zu beginnen. 

Matt Mason: "Grizz Lee... wir beide haben uns noch nie in diesen ehrwürdigen Hallen getroffen. Es tut doch immer gut mit neuen Gesichtern zu interagieren und nicht ständig den gleichen Dumpfbacken zu begegnen. Ich hoffe es geht gut? Diese Prügelei heute schien recht heftig gewesen zu sein."

Gut, also kein weiterer Angriff. Denn der Trouble Magnet, der seinem Nickname heute abend schon mehr als genug Ehre gemacht hat, atmet innerlich auf, als Mason ihn einfach nur anspricht. Die 'Sitzung' bei Dr. Häuser war lange genug, um sie nicht gleich wiederholen zu wollen. Wenn man, wie er, schon so viele Wunden genäht bekommen hat, zählt man nicht mehr die Stiche, man wartet einfach nur noch den Moment ab, in dem man wieder gehen darf.

Seufzend geht der Grizzer also mehr oder weniger entspannt zwei Schritte zur Seite, um sich an eine Wand zu lehnen und einen Schluck aus der Wasserflasche zu nehmen.

Grizz: "Nichts, was ich nicht schon unzählige Male erlebt hätte, Matt. Im Gegenteil, das war eher noch harmlos. Der Verrückte hatte keine Utensilien dabei, man könnte fast schon sagen, dass die Sache fair verlaufen ist. Aber, was willst Du machen..."

Er schenkt dem Amerikaner ein schiefes Grinsen.

Grizz: "Willst Du hier was reißen, musst Du mit sowas leben. Könnte genau so in 'ner Kurzanleitung für's Wrestling stehen. Irgendwie."

Matt Mason nickt kurz und knapp und lächelt leicht. Grizz Lee unterhält sich tatsächlich mit Ihm und weiß sogar seinen Namen! Aber er verhält sich mittlerweile wie ein Profi und unterdrückt dieses Fanboy-Gehabe. Was sollte sonst Grizz von Ihm denken? Zu viele von diesen Hyänen halten Matt weiterhin für Naiv und das muss er endlich ändern. Er ist weder Naiv, noch leicht zu überrumpeln. Matt ist gefährlicher, als manche von Ihnen glauben.

Matt Mason: „Ein schöner Abend geht langsam dem Ende entgegen. Konntest du die Kämpfe auch genießen, trotz dieses kleinen Zwischenfalls zwischen dir und Barker? Bisher war der Showverlauf in Ordnung, aber anstelle von NEON LOVE hätte meine Wenigkeit auf der CARD stehen sollen! Ich würde alles für einen Kampf geben. Egal gegen wen es wäre... aber scheinbar plant Joana Vark mit mir nicht... noch nicht... bald wird sich dies aber auch ändern."

So sprach er bereits beim PPV und letztendlich hat sich nicht viel geändert. Er hat sich neu ausgerichtet, aber mehr auch nicht. Er hängt genauso in der Luft wie vorher auch! Man attestiert Ihm Talent, aber er sei noch nicht so weit. Andere werden bevorzugt und erreichen schneller den Fokus als er. Neue Gesichter werden in die Liga geschwemmt und wollen Ihre Duftmarken setzen. Matt Mason darf den Anschluss nicht verlieren!

Grizz: "Hm..."

Er fingert eine Zigarette aus seiner Hosentasche und lässt den Blick durch die Gänge schweifen. Auch wenn es der Rookie nicht direkt formuliert hat, will er wohl irgendeinen Tipp. Einen Weg. Oder zumindest eine Richtung. Ausgerechnet heute. Ausgerechnet nach einer seiner bittersten Niederlagen.

Grizz: "Da geht es einfach um Geld, denk' ich. Wenn dieser Hello-Kitty-Müll mehr einbringt, als Du, dann wird Jona eben auf die beiden setzen. Neue Märkte erschließen und solche Sachen. Aber auf lange Sicht werden sie eben nichts reißen. Sie werden in diese Cotatores-Sache bei der 100 gehen und aus dem Ring gefegt werden."

Buh-Rufe aus dem Inneren des Theaters sind leise zu vernehmen.

Grizz: "Das wird so sein, auch wenn es einige nicht verstehen wollen. Was aber langfristig zählt und Menschen anlockt, das sind Typen, die gewinnen. Und genau dann, wenn Du wieder in den Ring steigen darfst, Matt, dann musst Du die Chance wahrnehmen und zeigen, dass Du es wert bist. Und ich geh' mal stark davon aus, dass Du in naher Zukunft wieder eine erhältst."

Er schnippt ein wenig Asche von seiner Kippe.

Grizz: "Und wenn nicht, musst Du einfach hartnäckig bleiben. Vielleicht mehr, als Dir lieb ist, okay. Aber wenn Du es bist, wird es sich auszahlen. Ganz bestimmt."

Ein Tipp von einem alten Hasen kann Gold wert sein. Grizz Lee ist so ein Typ von dem Matt Mason gerne Tipps annimmt. 

Matt Mason: „In einigen Jahren, hoffe ich anders gesehen zu werden. Egal, ob du es bist, ein Ian Christopher Edwards oder Bob Mile... Ihr alle haltet mich für einen naiven und kleinen Vollspacken, der es zu nichts bringen wird. Leute wie Jeffrey Ron Arrow reden auf Leute wie mich ein. Sie wollen junge Leute, die Ehrgeizig sind, mit Ihren Worten einschüchtern und unten halten. Ihnen sagen, dass Sie es zu nichts bringen werden, da es größere Namen in dieser Liga gibt. Doch wo standen Sie zu beginn Ihrer Karrieren? Waren Sie nicht irgendwo in den Ligen kleine Fische die dort auf größere Fische trafen? Wo warst du zu Beginnn deiner Karriere? Gleich oben auf oder doch am Anfang der Leiter?"

Bestätigend nickt der Grizzer.

Grizz: "Die Meisten haben einfach nur Angst, ihren Status zu verlieren. Und ich würd' lügen, wenn ich sagen würd', dass es bei mir nicht genauso ist. Aber, wie viele andere, hab' ich nicht vergessen, wo ich herkomm'. Als Hardcore-Prügler haben sie mich belächelt, als reinen Tag-Team-Wrestler abgestempelt."

Kurz denkt er an das 'reinigende' Gespräch mit Blacky vor einigen Minuten.

Grizz: "Der Punkt ist einfach, dass Du immer am Ball bleiben musst. Wie schon gesagt. Nimm' Mad Dog als Beispiel. Der Mann war ein kleines Licht, als ich ihn kennenlernen durfte. Aber er war immer da, hat sich keine Auszeit gegönnt, hat sich niemals aus dem Spiel genommen. Und dann, als er gesehen hat, dass seine Zeit gekommen ist, dass er die Chance nutzen kann, hat er es getan."

Die JPS findet ihren Weg unter seinen Schuh. Ein bisschen wehmütig denkt er über das, was er gerade erzählt, nach. Weil er selbst es bislang noch nicht erreicht hat.

Grizz: "Klar, er hat gegen Rage am Ende den Kürzeren gezogen. Aber er kann sich umdrehen und sagen, dass er Undisputed Gerasy war. Es vielleicht wieder wird, wer weiß das schon. Er war am Anfang ein kleiner Fisch, wie Du so treffend sagst, aber doch wurde er der gekrönte Hecht im Karpfenteich. Ausdauer und Willen, Matt. Und immer das Ziel im Fokus. Rückschläge sind nur temporär."

Trichtert er eher sich selbst ein, als dass er es Mason rät.

Sein Weg führt Ihn über viele Steine, nicht über einen geraden Weg. Doch es bleibt der gleiche Weg geradeaus zum Ruhm. Manche hatten wohl weniger Steine auf Ihrer Strecke, andere Personen dagegen viel mehr. Matt will sich darüber nicht beklagen und lächelt. Er hat einige Dinge in dieser Liga richtig erkannt, während manches noch im Verborgenen liegt. Veteranen wie Grizz Lee kennen viele Tricks, aber auch Sie können von neuen Talenten einiges lernen. 

Matt Mason: „Ich hoffe eines Tages, dass wir Beide uns mal im Ring zu einem fairen Match treffen werden. Ich will wissen, ob ich es mit einem gestandenen Superstar aufnehmen kann oder noch nicht soweit bin. Eines Tages Grizz...bis dahin muss ich meine Probleme in den Griff gekriegt haben. Aber wenn das der Fall ist garantiere ich dir mein Bestes zu geben und verspreche dir einen großartigen Kampf!"

Der Grizzman muss lächeln. Kann sich aber nicht erinnern, dass er selbst jemals so demütig gegenüber einem Veteranen gesprochen hat. Aber wer war gegenüber jemandem, der seit 15 Jahren in diesem Geschäft weilt, schon ein Veteran? Was soll er ihm jetzt sagen? Dass faire Matches im Grunde genommen doch die Ausnahme sind? Dass Matt Mason 14 Jahre jünger ist, und alleine schon deswegen große Chancen hat, ihn zu besiegen? Oder dass er der Star der Zukunft ist? Auf die eine oder andere Weise wäre eigentlich alles nur gelogen. Ansichtssache eben. Oder auch einfach nur Selbstbewußtsein.

Grizz: "Ehrlich gesagt, Matt..."

Er richtet sich auf und klopft seinem Gesprächspartner freundschaftlich gegen den Oberarm.

Grizz: "Weißt Du erst, dass Du soweit bist, wenn Du es geschafft hast. Wenn Du sie alle besiegt hast. Rage, Brunswick, Mad Dog oder Breads. Vielleicht auch mich. Vorher sind das alles nur Träumereien. Es gibt kein 'Jetzt bin ich bereit!'. Nur wenn Du das Gold um die Hüften trägst, DANN weißt Du, dass Du soweit bist."

Und das weiß er bis heute selbst noch nicht.

Der Phoenix nickt ein letztes Mal in Richtung Grizz Lee und geht langsam zurück in Richtung Halle. Er will den Main Event Live sehen und weiter lernen. Ein letzter kurzer Blickkontakt zwischen den Beiden und dann verschwinden Sie in verschiedene Richtungen. Aus einer dunklen Ecke tritt ein großer grauer Wolf heraus. Er leckt sich die Pfote, als ein Pfiff aus dem Schatten ertönt und der Wolf wie ein Geist in diesem Schatten verschwindet. 

 

Mike Garland: "Karrieretipps mit Onkel Grizz, so würde ich das nennen."

Vincent Craven: "Sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung von Matt, ihm zuzuhören. Grizz ist schon so lange dabei, seine Ratschläge sind sicherlich nicht falsch."

Mike Garland: "Matt will hoch hinaus aber er steht noch am Anfang seiner Karriere. Bis er es soweit wie ein Grizz Lee gebracht hat, da können Jahre vergangen sein."

Vincent Craven: "Aber er zeigt gute Ansätze. Und irgendwann, da werden auch die Grizz Lees von heute älter und dann stehen Männer wie Matt Mason bereit, um in ihre Fußstapfen zu treten."

Mike Garland: "Ob die momentan nicht noch ein wenig zu groß für ihn sind?"

Vincent Craven: "Das kann man nie erfahren, wenn man es nicht austestet."


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Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Berliner Charité

Doktor Pohl: "Guten Tag, Herr Dalmi!"

Kriss Dalmi: "Hallo, Doc!"

Doktor Pohl: "Bevor wir heute beginnen, möchte ich Ihnen sagen, dass es mich äußerst freut, dass Sie jetzt bereit sind, sich mir langsam zu öffnen. Sie machen löbliche Fortschritte, Herr Dalmi. Auch wenn wir immer noch ganz am Anfang stehen."

Kriss Dalmi: "Danke für das Kompliment, Doc!"

Doktor Pohl: "Als wir gestern aufhören mussten, wollten Sie mir eine Geschichte erzählen. Aus Ihrer Kindheit. Ist es nicht so?"

Kriss Dalmi: "Das ist vollkommen richtig, Doc."

Doktor Pohl: "Dann würde ich vorschlagen, dass wir einfach genau da weitermachen!"

Kriss Dalmi nickt in Zustimmung. Der Arzt lächelt höflich, lehnt sich in seinen Sessel zurück und überschlägt die Beine, während sein Ellenbogen auf der Sitzlehne ruht und seine eine Hand die andere umschließt. Die Zwangsjacke, die den Serben einschließt, ist immer noch vonnöten, genau so wie die Fußfesseln, die neu hinzugekommen sind und seine Bewegungen noch weiter einschränken. Zwar hatte Doktor Pohl in den letzten Tagen das Gefühl, dass sein Patient generell ruhiger geworden ist, trotzdem hatte er immer noch mit dem einen oder anderen, plötzlich auftretenden Gewaltausbruch zu kämpfen, die in unachtsamen Moment bedauerlicherweise auch zu weiteren Personenschäden in seiner Klinik führten.

Doktor Pohl: "Erzählen Sie mir, was Ihnen auf dem Herzen liegt!"

Kriss Dalmi: "Klar doch, Doc!"

Kriss Dalmi tut es ihm gleich, hebt die Beine auf die Sitzfläche und versenkt seinen Hinterkopf in die flauschigen Kissen, die gegen die Armlehne gelehnt sind. Für einen kurzen Augenblick scheint er seine Gedanken sammeln zu müssen. Dann, nach einem tiefen Ausatmen, beginnt er zu erzählen.

Kriss Dalmi: "Du musst wissen, dass in der modernen Zeitgeschichte ein großes Missverständnis über uns Serben herrscht. Natürlich war es damals so, wie es vorher auch schon war: Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben und das konnten wir Serben nun nicht gerade von uns behaupten... Für den Rest der Welt sind wir Serben die Bösen, darauf hat man sich geeinigt. Menschenrechtsverletzungen, Hinrichtungen, ethnische Säuberungen, das alles verbindet man mit Serbien und unterbewusst auch mit Serben wie mir. Doch ich bin, was ich bin, ist es nicht so? Wir können uns nicht aussuchen, wo wir geboren werden!"

Doktor Pohl nickt zustimmend und mit dem Kugelschreiber in der Hand gibt er seinem Patienten mit einer Geste zu verstehen, fortzufahren.

Kriss Dalmi: "Indirekt werden auch wir für die Misere im Kosovo verantwortlich gemacht, die einfache, serbische Bevölkerung, obwohl diese Taten allesamt vom Milošević-Regime begangen wurden. Natürlich sind Albaner scheiße, das bezweifelt ja wohl niemand, aber sie waren sicherlich nicht die einzigen, die in diesem Krieg leiden mussten. Das ist bei einem Krieg nie der Fall!"

Doktor Pohl: "Die NATO-Luftangriffe! Hatten Sie Familie, die Sie in diesen Tagen verloren haben?"

Langsames Kopfschütteln.

Kriss Dalmi: "Nein, Doc! Das war nicht der Fall. Jedenfalls nicht direkt. Aber ich erinnere mich noch jetzt, nach Jahren, in denen ich mir mein Hirn weichgedrückt und -gezogen habe, sehr klar daran. Es war am 22. April 1999.

Doktor Pohl: "Da waren Sie neun!"

Kriss Dalmi: "Genau, Doc!"

Eine Notiz gesellt sich zu den anderen auf das ans Klemmbrett geheftete Blatt.

Kriss Dalmi: "Da gab es diesen Nachbarsjungen. Sein Name war Stokan. Stokan Đukić. In meiner Kindheit waren wir ziemlich gute Freunde, wenn nicht sogar beste Freunde! Und auch, wenn fast tagtäglich irgendwelche Meldungen über Unruhen im damaligen Jugoslawien, insbesondere im Kosovo, den Alltag in unserem Land begleitete, war das für uns in diesem Alter nicht von Belangen. Der Krieg war so... abstrakt für uns... Jedenfalls haben wir damals jeden erdenklichen, jugendlichen Schwachsinn getrieben, ohne an den Krieg zu denken. Wir teilten quasi alles. Auch unsere Bemühungen, den Krieg zu verdrängen."

Doktor Pohl: "Und dann hat er sie... verlassen?"

Der spröde Mund des Serben formt sich zu einem wehleidigen, beinahe nostalgischen Ausdruck, dem jedoch mehr Schmerz als behütete Erinnerung innezuwohnen scheint.

Kriss Dalmi: "Ich konnte das damals nicht begreifen, als ich am 23. April von meiner Mutter geweckt wurde und diese mir unter Tränen berichtete, dass die Đukićs bei der Bombardierung umgekommen sind. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt zwar schon eine Vorstellung davon, was 'Tod' bedeutet und mit welchen Konsequenzen er verbunden war. Wie sich das für einen Hinterbliebenen anfühlt, wusste ich davor nicht. An diesem Morgen jedoch, am 23. April 1999, wurde ich zum ersten Mal wahrhaft mit der Tatsache konfrontiert, dass ich einen geliebten Menschen nie wieder sehen würde. Und trotzdem wollte ich das in meiner Naivität nicht wahrhaben! Trotzdem suchte ich nach Wegen die Unausweichlichkeit des Todes vergessen zu machen. Und ich glaube, ich fand sie dann auch."

Doktor Pohl: "Wollen Sie sagen, dass Sie schon im Alter von neun Jahren damit begannen, Drogen zu konsumieren?"

Ein flüchtiges Auflachen entweicht dem Belgrader. Das ist dann doch eine Nummer zu absurd!

Kriss Dalmi: "Nein, Doc! Die Drogen kamen erst später dazu. Allerdings bin ich zu dem Schluss gekommen, dass genau das der Zeitpunkt sein könnte, an dem mein Leben begann, die Stufen der Wendeltreppe in den Abgrund des Wahnsinns zu nehmen. Ich wurde meines besten, wichtigsten Freundes beraubt! Die Gräuel des Krieges haben mir die fürchterlichen Seiten des Lebens mit allem Nachdruck ins Gesicht gepresst. So wie all die vertriebenen Kosovo-Albaner wurde auch ich ein Opfer. Das, was ich tue, das, was ich getan habe, nahm seinen Ursprung in dieser Nacht. Davon bin ich jetzt überzeugt!"

Dann gerinnt seine Stimme. Kriss Dalmi wendet seinen Blick von seinem Gegenüber ab und starrt an die schmuckvoll vertäfelte Decke des Behandlungszimmers, in die hübsche kronleuchterähnliche Deckenlampe. Seine Lippen sind versiegelt, so wie die von Doktor Pohl, der konzentriert den Stift in der Hand schwingt und weitere Notizen auf dem Klemmbrett niederschreibt, während im Hintergrund die altertümliche Bodenstanduhr gleichmäßig und unnachgiebig tickt. Als er seine Beobachtungen zu Papier gebracht hat, legt Doktor Pohl sein Klemmbrett auf dem Beistelltisch ab und setzt eine zuversichtliche Miene auf. Auf eine bestimmte Weise wirkt er glücklich.

Doktor Pohl: "Herr Dalmi, ich bin wirklich stolz auf Sie! Ich bin stolz darüber, dass Sie bereit waren, eine solch schwierige Geschichte mit mir zu teilen. Es könnte sein, dass uns soeben ein gewichtiger Durchbruch gelungen ist!"

 

 

 

 

Kriss Dalmi: "BUAHAHAHAHAHAHAAA!!!!!!!!!"

Schrilles Gelächter platzt aus dem einstigen Sektierer heraus. Bellend und überschlagend erfüllt es das gesamte Praxiszimmer und legt sich wie ein bedrückender Schatten über die Szenerie. Der Meister der Geschmacklosigkeiten kann gar nicht mehr aufhören. Ausschweifend lässt es seinen aufgesetzten Körper in euphorischer Ekstase erbeben, während sich aus seinen fest zusammengepressten Augen nasse Bahnen ihren Weg nach unten gangbar machen und im diffusen Licht der verzierten Deckenlampe sein Antlitz zum Glänzen bringen. Der Arzt schaut seinen über alle Maßen amüsierten Patienten mit skeptischer Missbilligung an und nimmt die fassungslose Brille mit einem gleichsam quittierenden und verärgerten Seufzen von seiner Nase.

Kriss Dalmi: "AHAHAHAHAAAA!!!!! Sch.... Schau dich an!!!! D... d... dein Gesicht hättest du mal... HIHIHIHOHOHO!!!!!! Ich kann nicht mehr, ICH! KANN! NICHT! MEHR!!! BWAHAAHAHAHAA!!!!!!!"

Doktor Pohl: "Herr Dalmi, ich bekomme das enervierende Gefühl, dass Sie nicht wirklich an einer Heilung interessiert sind."

Kriss Dalmi: "D... d... da HEHE, da könntest du.... HRHR... recht haben..."

Ein tiefes Prusten entfährt dem geisteskranken Serben, der sich von seinem plötzlichen Lachanfall erschöpft zurück in die Couch niederlässt und daraufhin sein Gesicht ins Kopfkissen drückt, um daran seine feuchten Augen abzuwischen, bis er sich im Anschluss mit einem breiten Grinsen wieder an Doktor Pohl wendet.

Kriss Dalmi: "Wenn ich ehrlich bin, ist mir das alles auch scheißegal! Scheiß auf den Kosovokrieg! Scheiß auf Stokan, der eh nur erfunden war! Scheiß auch auf diese Postraumatische Belastungsdings! Wie ich schon sagte: Ich bin, was ich bin. Und wenn Wahnsinn und Drogensucht dazugehören, dann ist das halt so. Davon lasse ich mir meinen Urlaub im weißen Märchenschloss aber nicht verderben! Mir gefällt's hier doch. Ich werde einfach bleib..."

Mitten im Satz bricht er ab. Der Psychiater wirft ihm einen fragenden Blick zu.

Kriss Dalmi: "Hörst du das auch? Was ist das?"

Doktor Pohl antwortet nicht, stattdessen lauscht auch er aufmerksam der entfernten Geräuschkulisse von Außerhalb. Einzig das monotone Ticken der Uhr ist aus ihren Sphären zu vernehmen. Von draußen können sie dumpfes Tosen hören. Krachen und Knacken, Aufstöhnen, Schreie... Wieder Stille...

Dann ein Knall! Die Tür springt krachend auf, zwei geschändete Leiber fallen qualvoll stöhnend über die Türschwelle auf den Boden und verteilen ihr Scharlach auf dem jüngst von Kriss Dalmi beschmutzten Perser. Chaos!

Wer ist dafür verantwortlich?

Der Grund dafür steht im hölzernen Rahmen des Eingangsbereich. Die eine Faust umschließt einen besudelten Schlagring, die andere ein beflecktes Dokument.

Kriss Dalmi: "Jelly-Jeffrey!!!!"

Doktor Pohl: "Wa... Was wird das? Was machen Sie hier???"

Ein freudiger Glanz breitet sich in den Augen des Serben beim Anblick der Lüge und seinen ohnmächtigen Opfern aus. Wortlos mustert Arrow den Patienten und den behandelnden Arzt, welcher einen verstohlenen Blick zu seinem Schreibtisch und dem sich darauf befindlichen Telefon wagt. Er hat die Situation erkannt...

…und mit einer unvermittelten Schnelligkeit springt der Psychiater auf und hastet strauchelnd zu dem Schreibtisch. Mit weiten Schritten überquert Jeffrey Ron Arrow die Distanz zwischen ihm und dem Arzt, der panisch den Hörer abgenommen hat und wild auf eine der Schnellwähltasten rumhämmert, doch da wird er schon an den ihm verbliebenen Haaren gepackt und mit seinem Antlitz grob in die Tischplatte gedrückt. Er rudert mit den Armen umher und versucht sich schreiend aus dem Griff zu befreien, was jedoch lediglich zur Folge hat, dass sein Gesicht nur noch weiter in das lasierte Palisander gepresst wird. Die Botschaft ist unmissverständlich: Widerstand wird mit weiterer Gewalt geahndet, also versucht sich der alte Mann zu beruhigen.

Als der Arzt sich kurz schüttelt, um alle Sinne wieder zusammen zu bekommen, lockert die Lüge den Griff ein wenig, legt den Kopf schräg und lacht kaum vernehmbar.

Arrow: „Ich denke, sie haben verstanden, welche Konsequenzen es für sie hat, wenn sie nicht so handeln, wie es mir beliebt?

Ohne eine Antwort des verängstigten Mediziners abzuwarten, fährt die Lüge mit honigsüßer Stimme fort.

Arrow: „Sehr gut. Ich habe hier etwas, das ihrer Unterschrift bedarf.“

Mit einer lockeren Handbewegung schleudert die Lüge das Dokument auf den Schreibtisch, das er bereits zuvor in Händen hielt. Durch den kurzen physischen Disput mit dem Arzt sind weitere Knicke und Falten erkennbar. Mit dem Handballen streicht Arrow das Papier notdürftig glatt und bedeutet dem Arzt mit einem Nicken, seiner Aufforderung nachzukommen.

Doktor Pohl: "Was ist das?"

Die Lüge seufzt und blickt zu Dalmi herüber, der den Neuankömmling begeistert beobachtet. Dann wendet er sich wieder dem Doktor zu.

Arrow: „Das, mein lieber Doktor Pohl, ist ein so genanntes Entlassungsformular. Sollte ihnen das eine oder andere Mal in ihrer Laufbahn untergekommen sein. Also vorausgesetzt, sie waren nicht darauf aus, die Krankenkassen so sehr zu schröpfen, dass sie die Aufenthalte der Insassen stets auf unbestimmte Zeit verlängert haben.“

Mit wachem Blick mustert die Lüge Doktor Pohl. Schweißperlen sammeln sich auf der hohen Stirn des approbierten Mannes. Heftig beginnt er abzuwinken, versucht der Lüge nonverbal klar zu machen, dass er nicht diese Art von Arzt ist, versucht, seiner Ausbildung geschuldet, eine emotionale Bindung zu der Lüge aufzubauen. Als die Lüge zu lächeln beginnt, wirkt das Gesicht des weinenden japanischen Mädchens auch gleich weniger bedrohlich. Schüchtern lächelt der Arzt zurück, als abermals die honigsüße Stimme der Lüge erklingt.

Arrow: „Doktor Pohl – wir sind doch alle zivilisierte Menschen. Wenn sie einfach ihren Kugelschreiber und ihren Stempel bemühen und diese Entlassungspapiere unterzeichnen würden, die auf den Namen Kriss Dalmi ausgestellt sind? Und wenn sie jetzt nicht weiter versuchen, Zeit zu schinden? Damit wäre uns wirklich allen sehr geholfen und in mir würde sicherlich auch dieser Trieb zurück gedrängt, sie mit dem Gurt aus Dalmis Zwangsjacke an ihrer zum Kotzen hässlichen Deckenlampe aufzuhängen oder ihnen solange mit ihren überaus flauschigen Kissen die Luft zu nehmen, bis sie vor Angst, zu ersticken, das ganze Zimmer voll pissen.“

Ermutigend nickt er abermals in Richtung des Dokuments.

Arrow: „Das wäre wirklich…sehr…zuvorkommend.“

Heftiges, ungläubiges Kopfschütteln des Doktors. Dalmi versucht, sich von seinem Sitzplatz zu erheben, scheitert dabei aufgrund der Körperfesseln auf skurril unschöne Art und Weise.

Doktor Pohl: "Ich werde das unter keinen Umständen unterschreiben. Herr Dalmi ist weit von seiner geistigen Gesundung entfer..."

Mit einem lauten Knall schmettert die Lüge seine Faust direkt neben Doktor Pohl auf den Tisch, was von diesem mit einem erschrockenen Zucken, von Dalmi mit einem entzückten Kieksen begleitet wird. Wie ein just geschliffenes Bowiemesser zerschneidet Arrows Stimme die Worte des Arztes.

Arrow: „Sie werden das auf jeden Fall unterschreiben. Und es ist mir in der Tat vollkommen egal, was ich dafür tun muss. Sie verfechten die Ansicht, dass jeder Mensch, egal, wie gebrochen er ist, geflickt werden kann? Nun, ich vertrete die Ansicht, dass jeder Mensch, egal wie stabil er vorgibt zu sein, gebrochen werden kann. Und glauben sie mir, ich bin sehr firm darin, diesen Punkt zu finden. Auch bei ihnen.“

Einem unverständlichen Stammeln des Doktors folgt ein weiteres, allerdings zaghafteres Kopfschütteln. Mit einem leicht entnervten Ächzen hievt sich die Lüge auf den Schreibtisch, wendet sich wieder dem Doktor zu und lässt theatralisch gelassen seine Beine baumeln.

Arrow: „Sie sollten sich das genau überlegen. Schauen sie mal..“

Die Lüge führt eine Hand nach vorne, dreht die Handfläche nach oben.

Arrow: „…auf der einen Seite haben wir Kriss Dalmi, der ihrer Ansicht nach noch weit von seiner geistigen Gesundung entfernt ist,“

Arrow führt die andere Hand vor, dreht auch diese.

Arrow: „Auf der anderen Seite haben wir sie, Doktor Pohl. Kerngesund, nur knapp über die besten Jahre hinaus…und ich verspreche ihnen, wenn sie diesen Wisch nicht unterschreiben, ist die Entfernung Dalmis zu seiner geistigen Gesundheit ein verdammter Katzensprung im Vergleich zu ihrer Entfernung von ihrer physischen Gesundheit.“

Wieder dieses sanftmütige Lächeln, das die Mundwinkel der Lüge umspielt…bevor er in einer kaum wahrnehmbaren Bewegung den Kugelschreiber vom Klemmbrett des Doktors wischt…und diesen übergangslos in das Gewebe zwischen den Fingersehnen der rechten Hand des Doktors treibt, mit der dieser sich jüngst auf dem Tisch abgestützt hatte.

Betont gelangweilt gleitet die Lüge vom Tisch, stemmt sich dabei mit dem ganzen Gewicht auf den Kugelschreiber, ein kurzes, kratzendes Geräusch gibt Aufschluss darüber, das entweder eine Sehne des Doktors getroffen wurde oder die Mine des Kugelschreibers abgebrochen ist. Die Augen des Arztes treten hervor, Tränen schießen seine Wangen herunter, sinnfreies Luftschnappen weicht jaulendem Geschrei, ein Schütteln überkommt seinen Oberkörper, ehe er sich zur Seite krampft und eine Fontäne Erbrochenes über den Fußboden speit. Lautes Quieken aus der Ecke von Dalmi. Arrow zieht die Nase hoch. Wischt sich mit der freien Hand eine Strähne aus den Augen. Kommt dann mit seinem Gummigesicht ganz nah an das des Arztes heran, der leise vor sich hin wimmert. Die Lüge wispert, forsch lockend.

Arrow: „Ich denke, wir verstehen uns?“

Schwaches Nicken des Arztes. Arrow lockert seinen Griff. Zieht mit einem Ruck den Kugelschreiber aus der Hand von Doktor Pohl. Sofort ergießt sich ein Rinnsaal bordeauxroten Blutes aus der geöffneten Wunde. Mit vor Verwunderung verzogenen Mundwinkeln mustert die Lüge den Kugelschreiber, der abgesehen von der roten Verfärbung tadellos in Takt zu sein scheint.

Arrow: „Und ich hätte schwören können, dass ich eben das Zerbrechen der Mine gehört habe. Wie auch immer – darf ich um ein Autogramm bitten?“

Mit zitternden Fingern empfängt Pohl den Kugelschreiber und setzt ihn auf das Papier. Mit einem letzten Rest Widerstand hebt der seinen Blick. Sieht Arrow direkt in die Augen.

Doktor Pohl: „Wenn das hier vorbei ist, werde ich Ihnen das Leben zur Hölle…“

Das Lachen auf den Lippen der Lüge mutet ekelhaft an, während er seinen ausgestreckten Zeigefinger in das Stigma der Hand des Arztes drückt. Abrupt unterbricht dieser seinen Satz, ersetzt die Worte durch tränenversetztes Stöhnen.

Arrow: „Sie werden absolut gar nichts machen, Doktor Pohl. Wenn sie das hier unterschrieben haben, werden sie meinen Namen nie wieder erwähnen und mein Antlitz nie wieder ansehen. Sollte ich dahinter kommen, dass sie versuchen, irgendwelche Maßnahmen zu treffen, werde ich damit beginnen, ebenfalls Maßnahmen zu ergreifen. Haben wir uns verstanden?“

Der gebrochene Mann nickt untertänig, Kennzeichnet das Entlassungspapier mit einer krakeligen Unterschrift. Mit einem halb lesbaren Stempel, der die nachlassende Kraft der maroden Sehnen der zerstörten Hand dokumentiert.

Doktor Pohl: „Sie haben, was sie wollen. Was geschieht jetzt?“

Arrow: „Das kann ich ihnen sagen. Jetzt…“

Mit einem krachenden Schlag ins Gesicht des Doktors bringt er diesen zu Fall. Wie ein nasser Sack prallt der Besinnungslose auf den eigenen Schreibtisch und rutscht dann in obskurer Langsamkeit an diesem herunter, bis er den Boden erreicht. Für den Augenblick ruht das Sichtfeld der Lüge noch auf den von der Ohnmacht übermannten Psychiater, wie um zu kontrollieren, ob er auch wirklich nicht wieder aufwachen wird. Dann macht er auf dem Absatz kehrt und wendet sich wieder dem Junkie zu, welcher das gewaltsame Treiben nach wie vor mit einem faszinierten Leuchten bedenkt.

Kriss Dalmi: "Was für eine Überraschung! Was für ein bombastischer Auftritt! Ich würde dir dafür jetzt gerne applaudieren, Lüge, aber mir sind leider die Hände gebunden!"

Der blasse, spröde Mund des Zwangsjackenträgers verzieht sich zu einem albernen Grinsen und ein wieherndes Kichern entweicht seiner Kehle. Ein Wortwitz von einem anderen Stern! Arrow ignoriert es, schreitet stattdessen bedächtig zum Gefesselten hinüber und positioniert sich in dessen Rücken. Kriss Dalmi macht sich währenddessen nicht mal die Mühe, sich zu ihm umzudrehen und lässt sein Haupt schlaff nach vorn hängen, wobei sein Gesicht immer noch diese absurde, belustigt zähnefletschende Fratze abbildet. Er presst die Worte zwischen seinen zusammengebissenen Kiefern hervor, während sich die Finger der Lüge behutsam an den Gurten der Zwangsjacke zu schaffen machen.

Kriss Dalmi: "Du hättest dir die Mühe wirklich sparen können. Warum auch immer du mir jetzt diesen Besuch abstattest und was immer es ist, das du von mir willst: Du kommst zu spät! Ich habe keinerlei Interesse mehr."

Kurz hält die Lüge inne, lässt die Gurte der Zwangsjacke los. Streichelt dann mit spitzen Zeigefingern über selbige, verliert sich in den Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit. Mit einem Mal zuckt er zusammen, ist wieder zurück im Hier und Jetzt. Seine Ausführungen klingen von Heiserkeit belegt.

Arrow: „Warum ich hier bin? Das wirst du schon noch früh genug erfahren, Kriss. Allerdings solltest du lieber zweimal darüber nachdenken, was du sagst und was du lieber für dich behältst. Ich bin zu spät? Im Ernst, ich bin so gut in der Zeit, das hätte nicht einmal der Mann aus der Zukunft besser hinbekommen.“

Die Lüge stützt sich auf den Schultern Dalmis ab, umkreist dessen Kopf mit dem eigenen in einem kleinen Halbbogen, so, dass er ihm, hinter ihm stehend, direkt in die Augen schauen kann.

Arrow: „Du hast Interesse. Ich weiß, dass du Interesse hast. An mir, an meiner Welt, an dem, was ich getan habe, während du noch dabei warst, deine Playmobilmännchen zu massakrieren. Du brauchst es genauso, wie ich. Du liebst es, in vollkommenere Ruhe dazustehen, der einzige unbewegliche Pol, während um dich herum der Himmel in blutigem Rot aufgeht, die Fluten über die Ufer treten, die Dornbüsche in Flammen aufgehen und Menschen zu Wesen mutieren, die von Tieren nicht mehr zu unterscheiden sind. Du liebst es genauso wie ich, dich an das Chaos zu schmiegen, als wäre es deine heimliche Geliebte, mit der du Dinge anstellen darfst, die diese Welt noch nicht einmal zu hören bereit ist.“

Die Lüge legt die Hände wieder an die Gurte der Zwangsjacke und fährt damit fort, diese zu öffnen.

Arrow: „Ich spüre deine Erregung bei diesem Gedanken. Und glaub mir, es macht weitaus mehr Spaß, wenn man diese Gefühle mit jemandem teilen kann. Machen wir uns die Welt untertan, wie ein Rudel tollwütiger Bluthunde, das miteinander rauft und gleichzeitig füreinander sorgt. Wenn wir erst all diese Fesseln, all diese Konventionen durchtrennt haben, wenn wir ausgebrochen sind aus dem, was die Gesellschaft als Normen und Werte festgeschrieben hat, gibt es nur noch uns. Dich, Mich. Und all die anderen.“

Dem Mann, der nunmehr Armfreiheit genießt und sich seine tauben Unterarme reibt entkommt ein ephemeres Kichern. Nicht infantil, diesmal eher spöttisch. Oder resignierend.

Mit einem Rascheln fällt die Zwangsjacke zu Boden. Arrow kniet vor dem Serben nieder, macht sich mit gekonnten Fingerbewegungen an den Fußfesseln zu schaffen.

Arrow: „Du bist nicht mehr interessiert? Ist das der Dank dafür, dass ich interessiert bin? Ist das der Dank dafür, dass ich hier bin, um dich rauszuholen? Wir können auch gerne auf Azrael Rage warten. Wo ist er, dein größenwahnsinniger Freund? Irgendwo verloren in seiner ausufernden Männlichkeit, zwischen Marmortischen und Pediküren? Wer ist hier, Dalmi? Rage oder Arrow?“

Ein letzter Ruck. Die Fußfesseln fallen zu Boden. Die Lüge legt den Kopf schräg, blickt Dalmi direkt in die Augen. Bemüht sich, in dem Serben zu lesen, all die Zweifel, all die beiseite gedrängten Ängste nachzuempfinden.

Der Junkie kann dem nichts entgegensetzen, denn er hat vollkommen recht. Niemand kam ihn sonst noch besuchen. Außer vielleicht Jona Vark. Doch wer hätte sonst kommen sollen? In der PCWA fürchtete man seinen Umgang und verachtete ihn für das, was er seit seinem Erscheinen in der Berliner Liga veranstaltete. Wer neben Jeffrey Ron Arrow hegte noch ein Interesse an ihm? Rage war in der Zwischenzeit offensichtlich zu sehr damit beschäftigt, seinen Gerasy Championship zu polieren...

Die Mimik des Serben verfinstert sich bei dieser Erkenntnis. Nun, da sich auch die Zwänge der Fußfesseln gelöst haben, macht Kriss Dalmi Anstalten aufzustehen, als er im nächsten Augenblick etwas aus dem Augenwinkel bemerkt, das an ihm vorbeifliegt und neben ihm auf der Couch landet.

Arrow verfolgt die irritierten Blicke des ehemaligen Cryption Crown Trägers. Nickt in Richtung des Gegenstandes, der dort auf der Couch liegt.

Arrow: „Ich brauche dich, Kriss. Nimm das, es wird den Nebel in deinem Kopf lichten und das Chaos zurück bringen. Diese Welt…ist nicht zu ertragen ohne das Chaos im Kopf. Wenn sich alles ordnet und sortiert, reihen sich all die Ängste, Sehnsüchte und Sorgen aneinander und fordern dich zum Spielen auf. Das ist nicht, was du jetzt gebrauchen kannst. Nicht, was wir gebrauchen können.“

Skeptisch wechselt Dalmis Blick von dem Päckchen zu Arrow. Und zurück. Mit arthritischen Fingern beginnt der Serbe, das Päckchen zu öffnen. Einer Spritze…folgt eine gefüllte Phiole…wirr blickt Dalmi Arrow an.

Dalmi: „Ist das…?“

Arrow: „Reinstes AstroHappy. So rein wie meine Absichten, wenn ich diesen Vergleich bemühen darf.“

Der Anblick des halb umwickelten Bündels beschert dem Drogensüchtigen augenblicklich ein starkes Zittern seiner Hände. Wie sehr hat er sich danach gesehnt! AstroHappy. Sachte, so gut das mit seinen schaudernden Fingern möglich ist, entblättert er den Beutel weiter, schüttet seinen Inhalt nun ganz auf der Sitzfläche aus und starrt mit weit gespreizten Augen die auf der Couch verteilten Instrumente an. Die eingeschweiße Einwegspritze, der medizinische Armgurt, die versiegelte Plastikphiole mit dem AstroHappy. Seine unmerklich feucht gewordenen Handflächen streichen bedächtig über die Utensilien, seine Finger greifen den Gurt, ziehen diesen über seinen Oberarm, zurren ihn fest. Kriss Dalmi merkt, wie das Zittern seiner Hände dadurch stärker wird. Über 30 Tage clean und allein dieser Automatismus lässt die Dämme in seinem Kopf mit einem Paukenschlag brechen. Er braucht es jetzt. So sehr! Grobschlächtig packt er die Spritze mit der Einen, beißt ihre Folie auf, entfernt die Nadelkappe, nimmt mit der Anderen danach die Plastikphiole, die das im Licht schwach bläulich fluoreszierende Teufelselixir beinhaltet, jagt die Nadel durch den Gummikorken und zieht sie auf. Der wachsame Blick der Lüge ruht auf diesen nervösen Unternehmungen.

Dalmi klatscht mit der flachen Hand mehrere Male auf seine Armbeuge, sucht eine besonders hervortretende Ader, einen geeigneten Einstichpunkt und setzt die hauchfeine Spitze an. Waren es bis eben noch nur seine Arme, die sich schüttelten, ist es nun jede seiner Körperpartien, die von einem Kribbeln umfasst wird. Eine ganze Käferkolonie scheint unter seiner Haut herumzuwuseln. Die Nadel vibriert wie bei einem Tätowiergerät und rührt in seiner äußeren Dermis herum, ohne sie dabei aber wirklich zu durchbohren. Er schafft es nicht. Er kann es nicht. Er ist viel zu aufgeregt.

Ein wortloses, hilfloses Flehen geht zur Lüge, der über diese Reaktion für einen Augenblick den Kopf verwundert zur Seite neigt, sich dann aber zu dem menschlichen Häufchen Elend hinunterbeugt, ihm die Spritze aus der Hand fingert, sie selbt fachgerecht ansetzt und den hervorstehenden Kolben eindrückt... Ein erlösendes, befreites Seufzen folgt... Die fremde Substanz breitet sich durch die Venen in seinem Leib aus und ein Lächeln voller Genugtuung bildet sich auf den blassen Lippen des Serben ab, als er merkt, wie das unliebsame Kribbeln einer beruhigenden Wärme weicht. Es fühlt sich wieder so wahnsinnig gut an! Wie er es vermisst hat!

Mit einer flüchtigen Bewegung streicht Arrow dem Serben über den Kopf. So, als würde er einem kleinen Jungen zeigen wollen, dass es gut war, was er gerade gemacht hat. Hockt sich neben den Dahinschwebenden. Beinahe liebevoll betrachtet die Lüge sein Werk. Lächelt sanft bei dem Gedanken, den selbst ernannten Künstler zu einem obskuren Portrait seiner selbst gemacht zu haben. Und all das mit einem Pinsel voller AstroHappy. Bemutternd erklingt die Stimme Arrows.

Arrow: „Siehst du es jetzt, Kriss? Erkennst du den höheren Sinn? Wir gehören zusammen. Du und ich, wir sind eins. Nur zusammen sind wir von unendlicher Schönheit. Von einer Schönheit, die keine Leinwand, kein Stein, kein Marmor dieser Welt erreichen kann. Wir sind die Schönheit des in der Seele vereinten Fleisches.“

Ohne jegliche Widerwehr lässt Dalmi es zu, dass Arrow seinen Kopf mit beiden Händen umfasst und sein Gesicht an das eigene heranzieht. Die Lüge drückt seine Stirn gegen die Stirn des Serben. Reißt die eigenen Augen weit auf, ein Moment vollkommener Glückseligkeit umspielt seinen Ausdruck.

Arrow: „Gott…Kriss, du bist so schön, wenn du das Chaos zulässt. Du szintillierst, deine Seele strahlt in dem bemerkenswertesten Schwarz, das ich je gesehen habe, du bist das Feuerwerk, das die Straßen nach Nirgendwo in betörendes Licht taucht, du bist wie ich und doch bist du…einzigartig.“

Sein Gegenüber antwortet nicht. Stattdessen löst er seinen Kopf friedlich und selig lächelnd aus den Händen der Lüge und versenkt seinen Hinterkopf abermals in das flauschige Kissen. Die Lüge streckt einladend seine Hand zu dem Serben aus, der ihm wiederum seinen schlaffen Arm entgegenstreckt. Für einen Moment wirkt es so, als wollten die beiden Michelangelos Fresko zur Erschaffung Adams in der sixtinischen Kapelle nachstellen, dann packt Jeffrey Ron Arrow den Junkie am Handgelenk und zieht ihn zu sich hoch.

Arrow: „Träume weiter, mein Kind. Halt dich einfach an mir fest. Wir müssen hier raus und ich werde dafür Sorge tragen, dass niemand dir jemals wieder ein Haar krümmen wird.“

Mit einem Arm stützt die Lüge Dalmi, der allerdings ohnehin durch den Raum zu schweben scheint. Mit der anderen angelt er nach dem Generalschlüssel, der an einer Gürtelschlaufe des noch immer bewusstlosen Doktor Pohl befestigt ist. Mit einem Ruck löst Arrow die Schlüsselkette und zieht Dalmi hinter sich her zur noch immer geöffneten Tür des Behandlungszimmers. Ein letztes Mal blickt sich die Lüge um. Lächelt erfüllt. Leise erklingt seine Stimme, mehr an sich selbst, als an Dalmi gerichtet.

Arrow: „Kein Mensch kriegt Arrow. Niemals. Unmöglich.“

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CORE 2013

Kriss Dalmi: "EHEHEHEE, SCHLIESST MICH RUHIG WEG, STOPPEN KÖNNT IHR ES DADURCH ABER NICHT!!!! DIE LEINWAND IST LÄNGST BESUDELT HOHOHOHAHAHAAAA!!!!! NACH UND NACH WERDEN SICH ALLE IHRER NATUR ERGEBEN!!!!!!! BWAHAHAHAHAAA..."

Sabberfäden aus seinem Mund fliegen umher und benetzen die Oberteile seiner Eskorte, während er seinen Kopf immer wieder ruckartig zu seinen Seiten dreht und versucht, mit seinem Mund nach ihnen zu schnappen. So heftig rüttelt er an den Handgelenkschnallen, dass die Trage umherschaukelt und wohl umkippen würde, würden die Herren in Weiß nicht an ihren Seiten entgegenwirken. Inzwischen hat die Kohorte den Service-Eingang erreicht, vor dem ein Rettungswagen steht, dessen offene Hecktüren wie ein aufgesperrtes Maul bereits nach ihnen lechzt. Kriss Dalmi versucht kurzzeitig einen Blick von dem Vehikel zu erhaschen, blubbert dann aber weiteren Irrsinn vor sich hin.

Kriss Dalmi: "ALLES WIRD SICH VERÄNDERN, ALLES DAGEWESENE WIRD KOLLABIEREN EHEHEHAHAHAHAAA!!!!!!! HÖRT IHR MICH, IHR BASTARDE??? HUHUHEHEHEHEEE!!!!"

Seine Begleitung nickt ihm verständnisvoll zu, während sie seine Trage anheben, ihn in den Rettungswagen verfrachten, anschließend die Hecktüren verschließen und sich danach in die Fahrerkabine begeben. Die dumpfen Schreie und Flüche und das Gelächter sind noch aus dem Inneren des Fahrzeugs zu vernehmen, die kurz darauf vom startenden Motor verschluckt werden. Rote Lichter erstrahlen am Heck, dann rollt der Wagen los. Er entschwindet in die Nacht. Und mit ihm Kriss Dalmi...

Es müssen erst einige Sekunden vergehen, bevor sich die drahtige Gestalt aus dem Schatten einer massiven Betonsäule löst. Das fest umschlossene Mobiltelefon in ihrer Hand verschwindet in der noch immer vom Scharlach des Barbaren besudelten, weißen Jeans. Die toten Augen des japanischen Mädchens blicken in die Ferne, betrachten die unzähligen Lichter der fernen Berliner Innenstadt. Irgendwo dort wird er sein. Irgendwo dort wird er ihn finden und zurückholen. Unter den ausdruckslosen, künstlichen Lippen liegt ein bösartiges Lächeln begraben.


------------------ PCWA ------------------

"Einer gegen Alle" von Samsas Traum ertönt, und die Fans wissen was das heißt und gerade weil sie das wissen, beginnen die Buhrufe. Robert Breads ist zweifacher PCWA Cryption Crown Champion, oder wie er sagen würde... ach, ihr wisst schon. Auf jeden Fall hätten das die PCWA-Fans nicht noch einmal gebraucht. Bei Kriss Dalmi hätten sie immerhin das bekommen, für das dieser Titel eigentlich steht. Blut, Gewalt, Waffen - aber nun will Breads dem Gürtel wieder seinen Stempel aufdrücken. Die Frage ist nur, was er nun hier, gegen Ende der Show, noch möchte?

Auf jeden Fall kommt der Kanadier, Gürtel um die Hüften, in die Halle geschritten, und hat ein unglaublich provokatives, arrogantes Grinsen im Gesicht, fast schon eine Fratze, die zu schreien scheint: "Ihr alle wollt reinschlagen, aber keiner kann es!" Und damit hat er wohl auch Recht. Er überspielt was früher in der Show passiert ist, seinen Streit, sein Problem, er präsentiert sich, wie er wahr genommen werden will - als strahlender Ritter mit dem Gürtel, dem Titel, seinem Titel.

Der Kanadier stolziert zum Ring und entert selbigen, lässt sich ein Mikrofon reichen und die Musik verstummt langsam. Die Fans beruhigen sich langsam wieder, sie wissen, wenn sie buhen dauert der Monolog nur noch länger. Also hinter sich bringen und eine halbe Stunde lang zuhören oder wegnicken.

Robert Breads: "Ich denke, viele andere Männer würden, wären sie in meiner Position nun sagen... dass sie der Beste sind. In diesem Ring, an diesem Mikrofon, sogar am Kommentar... keiner kommt mir nahe."

Die durchaus offensichtliche Anspielung schlägt auch beim Publikum an, und Breads wirbelt mit dem höhnischen Lächeln im Gesicht das Mikrofon in der Hand umher, ehe er fortfährt.

Robert Breads: "Und obwohl das alles der Wahrheit entspricht sage ich das heute nicht zu euch, weil das nicht genügt. Ich bin nämlich vor allem eines: Ein besserer Mensch als alle Wrestler, alle Mitarbeiter der PCA und jeder Einzelne von euch!"

Da kommen sie doch noch, die Buhrufe, und "Canada's Own" lässt sie buhen. Das ist seine Show, er spielt mit Ihnen, holt sich die Reaktionen die er will. Er ist Champion. Er kann sich das leisten.

Robert Breads: "Ich habe das Monster besiegt. Ich habe die Farce vom Imperial Impact wieder gut gemacht, ich habe diese Peinlichkeit ausgemerzt indem ich über mich hinaus gewachsen bin, meine Prinzipien für einen Abend... einen Abend... bei Seite gelegt und alles wieder richtig gestellt habe. Nur ein großer Mann... nur ein großer Mensch kann das. Und nur ein sehr, sehr großer Mensch widersteht den Versuchungen, denen ich widerstanden habe, und kehrt nun, nach dem einen Mal, zurück zu dem, was ihn ausmacht. Ich meine, das war nicht einmal ein PCA-Match. Technisch gesehen habe ich nie in einem Match eine Waffe verwendet, nicht? Und das wird auch für immer so bleiben. Denn Dalmi ist besiegt. Kriss Dalmi ist gefallen. Tot ist die PCWA Cryption Crown. Hoch lebe der Sieger dieses Krieges, der Bezwinger des Monsters, hoch lebe PCA Wrestling Champion Robert Breads!"

Niemand will ihn hoch leben lassen, aber diese absichtlich übertrieben mit Pathos vollgestopfte Rede ist wohl auch nur dazu da, zu provozieren. Breads macht das hier Spaß, okay - aber warum ist er eigentlich wirklich hier?

Robert Breads: "Nun, da unter dem... neuen Regime... ja der Champion die Regeln macht - eine in dieser Liga einzigartige Revolution, die ihr übrigens mir zu verdanken habt - bitte ich darum, diese... meine Regeln nun hier und jetzt offiziell absegnen zu lassen. Und genau deshalb bitte ich die Person heraus, die das kann. Jona Vark.. werte Dame, betreten sie den Ring, wenn ich Sie höflichst darum bitten darf."

Entrance Theme

Als hätte sie darauf gewartet, lässt die Geschäftsführerin der PCWA, Miss Jona Vark, ihren Entrance Theme einspielen - hat sich eigentlich Jemals gefragt, ob der eigens für sie geschrieben worden ist? - und läuft in einem bezaubernden schwarzen Kleid zum Ring. Mit einem Mikrofon in der Hand klatscht sie sogar bei ein paar Fans ab und lächelt. Vielleicht, weil Robert Breads seine Schlacht mit Kriss Dalmi wirklich überlebt hat, vielleicht aber auch, weil dies eventuell eine etwas angenehmere Sache wird, als sie den Rest des Abends bisher erlebt hat. Geschäftsführer in der wohl größten Wrestlingliga Deutschlands sein ist für die zierliche, hübsche Britin kein Zuckerschlecken... aber das wusste sie ja vorher.

Im Ring angekommen wird Jona Vark sogleich von Breads begrüßt.

Robert Breads: "Ich freue mich, dass man es einrichten konnte, dem höchsten Champion der Liga..."

Wieder Buhrufe.

Robert Breads: "...persönlich im Ring zu seinem Sieg zu gratulieren."

Ein Lächeln, welches wohl jeden Menschen der Welt zur Weißglut treiben würde. Nicht aber die Dame aus Großbritannien. Die Geschäftsfrau lächelt dem Kanadier stattdessen freundlich ins Gesicht.

Jona Vark: "Ich freue mich, Mister Breads. Ganz ehrlich. Sie haben ein Monster besiegt und sich das Gold zurückgeholt und stehen nun in den Geschichtsbüchern der PCWA als dritter doppelter Träger der Cryption Crown auf einer Stufe mit Mike Novoselic und Azrael Rage. Eine beachtliche Leistung. Allerdings muss ich Ihnen eine Frage stellen..."

Eine dramatische Pause, Miss Vark fixiert den neuen Champion allerdings mit ihren tiefbraunen Augen ganz genau.

Jona Vark: "Sie sind vielleicht Champion und sie sehen sich vielleicht als besten Wrestler, den besten Menschen der Welt an. Aber sollte der beste Mensch der Welt nicht auch seine eigenen Fehler einsehen?"

"Canada's Own" setzt einen fragenden Blick auf, doch Miss Vark lässt ihn nicht lange warten.

Jona Vark: "Ich spreche vom Ende des Kampfes beim CORE. An diesem Abend waren sie vielleicht der bessere Wrestler, Mister Breads. Aber ein besserer Mensch? Sie haben ihre eigenen Regeln gebrochen und die Kontrolle verloren. Sie haben keinen Deut besser gehandelt, als Mister Dalmi es getan hätte. Ich meine, klar. Nachdem, was mit ihnen passiert ist, hätte wahrscheinlich Jeder so reagiert, aber..."

Robert Breads: "Ich bin aber nicht Jeder! Ich bin Robert Breads, PCA Wrestling Champion, Revolutionär, Brawlin' Rumble-Rekordsieger und der einzige Mann in diesem Laden, der noch alle Tassen im Schrank hat."

Wütend starrt "Canada's Own" seine Chefin an.

Robert Breads: "Gerade mir erklärst du, was allen Anderen auch mal passiert? Ich bin nicht wie alle Anderen, kapiert? Ich bin anders. Und ich bin nicht anders, weil ich das sage, weil ich die Leute von links statt von rechts aufschlitze, weil ich ich meiner traurigen Kindheit von meinem Vater und nicht von meiner Mutter vergewaltigt wurde, weil ich mir als Namen ein beschissenes englisches Wort verpasse und mich dafür feiern zu lassen, überhaupt nichts zu tun. Nein, ich bin der Einzige, der tut was er sagt. Ich habe gesagt ich bin das W in der PCWA, und wer liefert die besten Matches dieser Liga? Ich. Ich sage ich mache die Farce rückgängig, nehme Kriss Dalmi den Titel wieder ab, und das habe ich getan. Und das alles habe ich getan, ohne mich dieser Liga anzupassen, ohne zu sein wie die Anderen. Ich bin anders, und genau deswegen werde ich die Regeln für DEN Titel der PCA festlegen, den einzigen Titel der etwas wert ist, den Titel, den ich wertvoll gemacht habe, nachdem diese Liga ihn mit Füßen trat."

Nun wendet sich die ehemalige Stimme des Wrestling an alle Leute in der Halle.

Robert Breads: "Dieser Titel wird ausschließlich in Singles Matches verteidigt werden und kann ausschließlich durch einen Pinfall oder eine Submission wechseln. In allen Matches um diesen Titel werden die Klauseln Disqualifikation und Count-Out aktiv werden, und bei einem Sieg der Herausforderers auf eine der beiden letztgenannten Arten wird der Titel nicht wechseln. Jeder Low Blow, jeder Stich ins Auge, jeder Einsatz irgendeiner illegalen Waffe wird mit der sofortigen Disqualifikation bestraft. Das hier ist der PCA Wrestling Title, und ich bin sein Champion... mich müsst ihr besiegen.. und zwar in meinem Spiel, dem einzig wahren Spiel, dem Wrestling."

Wieder wendet Breads sich um, jetzt an Vark.

Robert Breads: "Du kannst den Titel eigentlich auch offiziell in Wrestling Title umbennen, er wird für immer so heißen. Ich werde diesen Titel nicht mehr abgeben, nie wieder, und ich werde ihn für immer so nennen, bis jeder Affe es begriffen hat. Ich werde den Titel so lange halten dass ich die meisten Tage mit diesem Gürtel um meine Hüften in der Geschichte dieser Liga habe... ach was, ich werde diesen Rekord auch nur mit diesem Run brechen. Vergesst meinen Ersten, ich werde noch einen draufsetzen. Ich werde diesen Titel halten bis ich zurück trete und bis dahin wird das Wrestling leben. Egal, welche Steine man mir in den Weg legt, ich werde nicht nur darüber springen, sondern sie zur Seite treten und den Weg immer weiter gehen, bis zur Unsterblichkeit, bis diese Liga mich für immer als den Revolutionär und den Wrestler in Erinnerung hält, der ich bin, war und immer sein werde. Ich will, dass man mich in Erinnerung behält als den besten Wrestler... und Menschen, den diese Liga je gesehen hat. Robert Breads... für immer Wrestling Champion. Und niemand kann daran etwas ändern!"

Das sehen die Fans in der Halle wohl anders und wehren sich lautstark dagegen, doch Breads ignoriert sie.

Robert Breads: "Womit ich noch einmal bei dir wäre, Jona. Ich weiß, Vendetta 100 steht an. Die große Show, hm? Die Jubiläumsshow. Man will ja wohl die größtmöglichen Matches dort präsentieren, die irgendwie möglich sind, oder? Nun, bis jetzt sieht es ja nicht so gut aus. Schwiegersohn gegen Schwiegervater, Champion der nie fair gewinnen kann gegen den Typen der diesen Shot nur bekommt weil ich keine Lust auf das Turnier hatte um einen Titel der schon längst begraben ist und beim CORE nur noch mehr der Lächerlichkeit preis gegeben wurde... ein GZSZ-Match im Main Event der größten Show des Jahres? Viel Spaß. Oh, oder das Finale das Tag Team Turniers? Wessen glorreiche Idee war das nochmal, ein Turnier für Teams anzusetzen, in einer Liga, die nicht einmal einen Tag Team Title hat? Aber gut, ein Turnier ist natürlich eine gute Idee, das ist etwas Besonderes, das gibt es ja sonst nie. Und wahrscheinlich gibt es noch mehr sinnlosen Mist, den sich kein Mensch angucken will, also will ich eines von dir: Einen Gegner."

Der Mann aus Toronto tritt näher an Vark heran, wird eindringlicher.

Robert Breads: "Die Leute wollen meine Matches sehen. Es ist egal, auf welche Position der Card du mich steckst, ich bin immer der Main Event. Die Wrestling Fans dieser Welt wollen ein Match bei Vendetta 100 sehen, das würdig ist, bei so einer großen Show statt zu finden. Ich will ein Match, dass würdig für meinen Titel ist, einen würdigen Gegner für den besten Wrestler und Champion. Ich will nicht den charakter- und farblosen Spuckrest Sanchéz, die Pseudo-Legende Kevin Sharpe oder einen Security-Jungen ohne Wrestling-Ausbildung. Ich will einen richtigen Gegner, Jona. Ich will bei Vendetta 100 ein Match über das die Leute später noch reden, weil es grandios war, und nicht weil ich lächerlich-kurzen Prozess gemacht habe. Bring mir den besten Wrestler, den du anzubieten hast, Jona. Gib mir einen Gegner, der dieser Veranstaltung würdig ist, der deiner Meinung nach würdig ist, um den höchsten Titel dieser Liga anzutreten."

Eigentlich sollte sie wahrscheinlich unzufrieden drein blicken, doch Jona Vark lächelt auch nach diesem cholerischen Monolog weiterhin unentwegt. Immerhin wird weder ihr, noch irgendwelchen Offiziellen Gewalt angedroht und hier fließt kein Tropfen Blut. Es könnte schlimmer sein.

Jona Vark: "Danke, dass ich jetzt auch mal auf Sendung darf, Mister Breads. Ich freue mich gewaltig, dass sie auf Herausforderungen aus sind. Und in der Tat konnte ich die Zeit ihres Vortrages nutzen und mir Gedanken um einen Gegner machen. Wobei das nicht einmal schwer ist, da sie auch ohne diesen Titel auf der Liste von einigen PCWA-Superstars stehen. Allerdings gibt es da einen besonderen Kandidaten, der nicht nur meine Anforderungen an einen Herausforderer erfüllt, sondern auch ihren Vorstellungen einer Herausforderung, einer richtigen Challenge entsprechen dürfte. Ein dekorierter Mann, ein echter... WRESTLER. Ein Mann, der über die Jahre hinweg immer bewiesen hat, dass er große Siege einfahren kann. Ladies and Gentlemen... Mister Breads... der Herausforderer auf ihre PCWA Cryption Crown ist..."

Es erklingt TOUCHED von VAST.
Und jeder, der dieses Theme kennt, erhebt sich.

Weil sie wissen, wer folgt.


 

Touched ...

 

you say that i am too
so much of what you say is true
I'll never find someone

quite like you
again
I'll never find someone
quite like you like you

 

Stevie Van Crane aus dem Entrance auf.
Die Halle steht Kopf, Jubel brandet auf. Das Scheitern beim Quest For The Best hat seiner Popularität offenbar nicht geschadet.
Stevie schaut zum Ring, den Kopf stolz erhoben, dennoch - unverkennbar - finsterer sein Blick als in den Wochen zuvor.
Das Erbe von Misstrauen und Verschwörungstheorien.

Leise flüstert er ein paar Worte Richtung Robert Breads. Unhörbar für jeden.
Aber für Stevie Van Crane selbst unsagbar wichtig. Für ihn, der schon mit mehr als einem Fuss aus der Tür raus war.
Der schon die Whiskeyflasche in der Hand hatte. Am Steuer des Van, in dem er CORE hinter sich gelassen hatte.

Stevie Van Crane schiebt seine schwarze Lederjacke ein Stück zurück, so dass Breads auf sein weißes Shirt blicken kann.
Und - auch wenn die zwei dort aufgedruckten Worte allenfalls Insidern etwas sagen würden - so gibt er sie frei.
Weil sie verkünden, wohin alle Pfade sich schlängeln würden.

T H E   C R A F T

Breads starrt zurück, noch ein wenig überrascht, noch ein wenig schockiert.... und im nächsten Moment hocherfreut. Das widerliche, breite Grinsen kehrt zurück, und Robert Breads schnallt sich den Gürtel von den Hüften los, hebt ihn über den Kopf und lächelt seinen Gegner bei Vendetta 100 mit einer Arroganz an, die nur aus grenzenlosem Selbstvertrauen rühren kann. Den Krieg gegen Dalmi hat er gewonnen, doch nun kommt die nächste, größtmögliche Hürde auf ihn zu. Und das wird alles Andere als einfach.

 

Mike Garland: "Stevie Van Crane! Jona Vark ernennt Stevie zum Herausforderer Nummer 1 auf den Cryption Title!"

Vincent Craven: "Nach seinem Sieg beim CORE gegen Grizz Lee hat er sich dieses Match redlich verdient. Stevie ist ein fairer Sportsmann, genau der Gegner, den Robert Breads immer gefordert hat."

Mike Garland: "Er kann sich also nicht heraus reden, wenn er verlieren sollte. Aber so wie wir das Brot kennen, wird er auch dann eine Ausrede parat haben."

Vincent Craven: "Stevie hat ja schon so manchen Titel in diesem Business gehalten, aber ein Gürtel in der PCWA gehörte noch nicht dazu. Bei Vendetta 100 wird sich das vielleicht ändern."

Mike Garland: "Oder Robert Breads macht seine Ankündigung wahr und prägt mit seinem Titlerun wirklich eine gesamte Ära."

Vincent Craven: "Beides ist möglich. Wenn ich das richtig deute, dann möchte Stevie offenbar an alte Craft-Zeiten anschließen. Wir erinnern uns: So nannten er und sein Schwager Michael Thera sich vor vielen vielen Jahren. Ob er sich mit ihm ausgesöhnt hat?"

Mike Garland: "Dann könnte er vielleicht auch das Sorgerecht für seine Tochter zurück bekommen. Das wäre vermutlich sein größter Wunsch,  vielleicht noch vor einem Titelgewinn."


------------------ PCWA ------------------

LiViNG DEAD SOCiETY
T-7
Crescendo.

 

Dunst verhüllt die Straße, während in der Ferne die Lichter des Phönix Centers ihre Botschaft in die Welt hinaus tragen.
Das hier ist Berlin in all seiner grau-kalten Häßlichkeit. Glitzernde Hochhöuser und Einkaufszentren auf der einen Seite, der erfrierende Bettler in einer Pfütze aus Erbrochenem direkt daneben. Jede Medaille hat zwei Seiten und so hat es auch diese Stadt.

Schwere Stiefel stapfen durch den Dreck, ein funkelndes Augenpaar leuchtet in der Dunkelheit mit dem hin und wieder aufglimmenden Rest einer Kippe um die Wette. Der 'Last Warrior' ist auf der Suche, unruhig streift er durch die Nacht wie ein Raubtier auf der Suche nach Beute. Dabei hat er sie doch schon längst gefunden.

Was ist die Living Dead Society?


Warum stellen wir uns Fragen, deren Antworten uns möglicherweise ängstigen könnten? Warum sind wir neugierig, wenn es doch manchmal besser wäre, die Augen zu verschließen? Sich vorzustellen, an einem schöneren Ort zu sein, das wäre so einfach und würde uns glücklicher machen. Sind wir deswegen Helden, verwegene Personen, die vor nichts Angst haben? Nein. Es ist pure Sensationsgier, die uns diese Entscheidung treffen lässt. Wir starren den erfrierenden Alten an, damit wir auf der nächsten Cocktailparty ein Gesprächsthema haben. Damit wir selbst uns besser fühlen können.

Der Schatten, der einmal Adam Reynolds war, hat ein Gebäude erreicht, eine alte Fabrikhalle. Dumpfe Beats von drinnen verraten uns, dass es sich um einen Club handelt. Mit einem Nicken winkt ihn der Türsteher durch und sofort befindet er sich in einer Menschenmasse aus schwitzenden zuckenden Leibern. Hunderte Männer und Frauen befinden sich hier, eng zusammen gequetscht wie Ameisen in ihrem Bau. Wie ein einziger tanzender Organismus, so folgen sie dem Rhythmus der ihnen vorgegeben wird.

Nirgendwo ist das Leben so echt wie in dem Moment, in dem man sich nur der Musik hingibt. Er kämpft sich durch die Menge, sein Blick wandert suchend durch den großen Raum. Er spürt Hände an seinem Leib, die gierig nach ihm greifen, ihn berühren. Er aber spürt sie schon längst nicht mehr.

Schließlich findet er Patricia. Diese tanzt eng an einen Typen geschmiegt, der sie trotz ihrer Häßlichkeit, trotz der feuerroten Narben auf ihrem kahlen Schädel gierig anfasst. Seine Absichten sind eindeutig und Patricia lässt es mit sich geschehen. Zu lange schon hatte sie kein Mann mehr so berührt. Diese Erinnerungen An Barker, diese Berührungen von Blaze, all das scheint so lange her zu sein...

Mit einem Ruck reißt Adam seine Tochter von dem Typen weg. Seine riesige Pranke hat ihr Handgelenk fest umschlossen, als er sie energisch hinter sich herzieht, direkt von der Tanzfläche. Sie lässt es einfach mit sich geschehen. So kommen sie schließlich in einen dunklen Flur. Als die schwere Blechtür hinter ihnen zuklappt, ist die Musik nur noch ein dumpfes Wummern im Hintergrund, nicht weiter von Belang. Patricia blickt ihren Vater fragend aus großen blauen Augen an.

Patricia: "Wozu sind wir hier, Vater?"

Aber ihr Vater antwortet nicht. Stattdessen nestelt er eine weitere Kippe aus seiner Tasche und zündet diese an. Erst nach einigen Zügen kommen einige Worte aus seiner Kehle, auch wenn sein Blick starr ins Nichts gerichtet ist, direkt an seiner Tochter vorbei.

Adam: "Wir bringen Leute dazu, Särge auszugraben und nach Leichen zu suchen. Wir tragen dazu bei, dass alte Schrecken sich regen und Robert Barker diesen Kampf verliert. Wir bringen sogar Eleven dazu, kurz zuzuhören."

Patricia nickt, verzieht dabei aber fragend das Gesicht.

Patricia: "Aber wozu das alles?"

Adam seufzt leise.

Adam: "Weil sie es... wollen. Weil sie es nicht anders verdienen. Sie wissen es nicht, aber sie alle sind Teil eines großen Spiels."

Eine Spur Häme huscht über Patricias Häßlichkeit.

Patricia: "Dann geben wir ihnen, was sie sich wünschen. Dann gehen wir hinaus und halten ihnen direkt den Spiegel vor, damit sie sich selbst erkennen.

Adam wirkt nachdenklich. Seine Stimme ist nur noch ein Flüstern.

Adam: "Ja, vielleicht sollten wir das tatsächlich tun..."

Er beginnt zu lachen und nach einigen Augenblicken stimmt auch seine Tochter in dieses Lachen mit ein.
Und so verlassen wir die beiden, bis sie nur noch zwei weit entferne Gestalten unter vielen sind.
 

< >

Ein abgedunkelter Raum. Das Flimmern eines PC-Monitors ist die einzige Lichtquelle. Wir sehen Finger, die über eine Tastatur huschen. Die weiße Seite mit Leben füllen.
Wir erkennen die Worte, die gerade geschrieben werden.

Schritt für Schritt steigt Alistair die Stufen zum Dach des PCWA Theatres empor.
Graffitti ziert die unverputzten Betonwände links und rechts seines Weges.

 

< >

Wir alle sind die Living Dead Society. Nicht irgendwelche Geister, keine lebenden Toten, keine Hirngespinste. Das ist es, was wir 'Leben' nennen.


------------------ PCWA ------------------

Er schließt die antik anmutende Fenstertür vorsichtig, die mit einem hölzernen Ächzen zufällt, danach zieht er den Vorhang auseinander. In der Enge der Kammer, deren Maße – wenn überhaupt – gerade mal einen Quadratmeter betragen, versucht er, mehr schlecht als recht, den Kniefall vor dem Herrn zu tätigen und sich dabei zu bekreuzigen, doch es ist schließlich der Wille, der zählt.

Ian: "Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen"

Anerkennend nickt die Silhoutte, die jenseits des kunstvoll verzierten Gitterfensters sitzt, und bekreuzigt sich ebenfalls vor der Brust.

Priester: "Jehova ist barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte."

Es vergeht ein Moment der wortlosen Stille, der Ungewissheit der ersten Beichte seit sehr langer Zeit geschuldet ist und lediglich vom dezent keuchenden Atmen des Geistlichen untermalt wird. Dann antwortet auch Ian mit einem "Amen."

Priester: "Wie lang ist deine letzte Beichte her, mein Junge?"

Abermals zögerndes Schweigen. Vor Jahren... Aber waren es fünf? Oder sechs oder gar sieben? War es in solcher Situation überhaupt relevant? Das einzige, das er mit Sicherheit weiß, ist, dass er bei der letzten Beichte noch ein anderer Mensch war. Kein Ungeheur, wie er es jetzt ist.

Ian: "Euer Hochwürden, ich bin mir nicht sicher. Es muss vor Jahren gewesen sein. Normalerweise betrete ich das Haus Gottes außer zu den sonntäglichen Gottesdiensten nicht, denn mein Glaube ist schwach. Ich glaube ich... habe mich vor langer Zeit von Gott entfremdet."

Priester: "Wie kommt es dann zu dem Sinneswechsel? Wieso möchtest du dich ihm offenbaren? Was bedrückt dich, dass du diesen Ort nach so langer Zeit wieder aufsuchst?"

Ian: "Ich.... weiß sonst nicht, wohin ich gehen kann! Ich kann mit niemandem sonst darüber reden und Gott hört jedem Menschen zu, egal wie schlecht er ist, oder?"

Priester: "Solches tut der Herr. Egal wie schwer die Sünde wiegt, die du begangen hast, er vergibt jedem seiner Kinder."

Ian: "Da... Dann möchte ich in Reue meine Sünden vor Gott bekennen, denn ich habe Schlechtes getan. Ich bin daran schuld..."

Er muss abbrechen, denn in diesem Moment hallt die gestrige Schreckensnachricht in seinem Kopf wider und trifft ihn mit der Wucht eines Dampfhammers in der Magengegend. Er spürt, wie sich in ihm innerlich alles zusammenzieht, wie bei dem Gedanken daran das unverdaute Essen seine Speiseröhre hochschwappt. Er beginnt zu zittern, fürchterlich zu zittern...

Ian: "Ich bbin... daran schu-schuld... dass ein Mensch gest... gestorben ist!"

Er setzt wieder ab, er kann nicht weiterreden. Jedenfalls nicht sofort. Der Geistliche auf der anderen Seite wartet geduldig darauf, dass sein Gegenüber weiterspricht.

Ian: "S... Sein Name war Ho... Howell.... und wi... wir haben ihn gequält... und er...er..erniedrigt.... und ihm... sein..... seine ga-ganze Me-menschenwür....würde genommen."

Abermals muss er innehalten, um sein Schluchzen zu unterdrücken. Die Tränen, hingegen, laufen unnachgiebig und heiß an seinen geröteten Wangen herunter und hinterlassen dunkle Flecken auf seinem Schoß.

Ian: "Ge....gestern hab-haben wir.... erfahren.... d..... das e-er... den Fre....Freitod gewählt h... hat."

Er kann das Schluchzen nicht verstecken. Es bricht aus ihm hervor. Die Tonnen, die auf seinen Schultern lasten, die grauenhafte Erkenntnis am Tod eines Menschen die Schuld zu tragen, erstickt ihn wortwörtlich. Er muss mehrere Male jauchzend nach Luft schnappen, während der Nasenschleim seine Nasenlöcher blockiert.

Ian: "Es tut m-mir.... so...so...schreckli...lich leid.... Ich... habe das ni-nicht gewoll.... ich.... wollte nicht... dass... es so en... end..... Ic... Ich wusste ja nicht.... dass er...!"

Es fühlt sich so an, als müsse er sich hier und jetzt erbrechen. Wieder schnürrt ihm die Erkenntnis seiner Tat die Kehle zu, verpasst ihm Tritte in die Magengrube. "Heuchelei!", brüllt ihm das Gewissen entgegen. Es ist Heuchelei, dass er ausgerechnet jetzt, nachdem es so weit gekommen ist, den Beichtstuhl aufsucht und ausgerechnet bei Gott um so etwas bittet. Weil die Last ihn erdrückt. Und er nicht weiß, wie er das in ihm tobende Gewissen sonst besänftigen kann. Zaghaft, angsterfüllt und mit schwächlicher Stimme verlassen die Worte seinen Mund, weil er hofft, dass er durch sie die gesuchte Erlösung finden wird.

Ian: "I-Ich... b-bitte u...um Ver... Verge-gebung mei... meiner Sünd... Sünden... Ich... Ich bereue..... da-dass... ich... Böses getan..... habe....."

Aber eigentlich weiß er, dass, egal, was er in seinem späteren Leben noch tun wird, er diese schändliche Tat nie wieder gutmachen kann.

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Emsiges Treiben herrscht hinter den Kulissen. Der Mainevent rückt in greifbare Nähe und die Verantwortlichen tun ihr möglichstes, damit alles glatt läuft. Hier wird ein Kabel getragen, ein Kameramann erhält letzte Anweisungen. Drei Meter von dem Vorhang, der zur Rampe führt, steht Kevin Sharpe. Der ehemalige Blackheart prüft nochmal das Tape, welches an beiden Händen über die Fingerknöchel bis zur Hälfte des Unterarms hinauf reicht und atmet tief durch.

Schlichtes Ringgear... eine lange Tarnhose, schwarze Boots und ein weisses Tanktop. Die Haare frisch auf drei Millimeter gestutzt, den Bart ebenfalls. Eine Kombination aus Gesichts -und Kopffrisur, wenn man so will. Kevin tänzelt nervös von einem Fuß auf den anderen. Das Gespräch mit Anna Richmond beschäftigt ihn immer noch. Auch wenn er es nicht wahr haben will, Anna hatte recht. Beide, Ian Christopher Edwards und er selbst hatten sich zu sehr in diese Sache hinein gesteigert. Er selbst aus vielleicht falschem Stolz und dem Drang, dem jungen Burschen zu zeigen was das alte Eisen hergibt. Und Edwards... nun ja, er hatte sicherlich in den letzten Wochen keinen leichten Stand. Seine "endgültig" klingenden Aussagen, die Drohung, dass er seine Karriere beenden wollen würde. Ein Produkt der derzeitigen Frustration. Oder etwas anderes. Aber das würde er Edwards wohl auch noch aus dem Kopf schlagen... mit Worten!

Seine Gedanken wandern zurück zu Anna Richmond... ein leichtes Grinsen umspielt seine Lippen. Eine tolle Frau... das war ihm vorher nicht wirklich aufgefallen. Vielleicht sollte er, wenn das alles vorbei war, nochmal ein Gespräch mit ihr führen.

Sharpe: "Schliesslich bin ich auch nur ein Mann und nicht aus Holz!"

Verwirrt blickt ihn eine Praktikantin an. Kopfschüttelnd winkt er ab.

Sharpe: "Entschuldigung... ich habe wohl laut gedacht."

Mit genervtem Blick wendet sie sich ab und zieht ihres Weges und rennt dabei beinahe den plötzlich aufgetauchten Ian Christopher Edwards um, den es – warum auch immer –  scheinbar ebenfalls frühzeitig zum Vorhang trieb. Ein vorzeitiger Plausch unter Intimfeinden kann es nicht sein, denn der leere Blick in seinem Antlitz, welchen er während der Show über schon die ganze Zeit mit sich herumträgt, suggeriert, dass er die Anwesenheit von Kevin Sharpe gar nicht wirklich realisiert oder realisieren will. Er passiert ihn einfach, wortlos, als wäre er Luft, und stellt sich direkt vor den herunterhängenden Stoff des Vorhangs, denn er wird (aus Gewohnheit) der erste Wrestler sein, der einläuft.

Sharpe: "Mister Edwards... auf Sie habe ich gewartet."

Edwards neigt den Kopf zu seinem heutigen Gegner und scheint ihn erst jetzt zu bemerken. Das unweigerliche Aufzucken seiner Augen drückt Verwunderung aus. Darüber dass er angesprochen wurde, darüber dass er dabei auch noch gesiezt wurde. Er lächelt kurz in sich hinein. Spöttisch. Und ein wenig anerkennend. Eine letzte Provokation vor der eigentlichen Schlacht aber der Waliser geht nicht weiter darauf ein. Für ihn ist diese Sache zwischen ihm und Kevin Sharpe geregelt. Ohne ihm den Blick zuzuwenden erwidert er.

ICE: "Ich bewundere Ihren nonchalanten Umgang mit den Sie betreffenden Situationen, Mr. Sharpe. Mir hätte eine solche Art in der PCWA sicherlich gut weitergeholfen. Sollten Sie jedoch versuchen durch die unerwartete Entdeckung Ihrer Höflichkeit, vorherige Entgleisungen gegenüber meiner Person ungeschehen zu machen, dann muss ich Sie leider enttäuschen, denn dafür ist es zu spät. Mein Entschluss ist gefallen."

Die Androhung von Kevin Sharpes Karriereende schwebt unausgesprochen über den beiden Kontrahenten.

ICE: "Ich habe in dieser Show wahrlich genug Worte verloren. Die Zeit des Redens ist nun vorbei. Wenn wir beide dort draußen gleich vor diese Leute treten, werde ich mich dem fürchterlichen Dogma dieser Liga fügen, ich werde ihnen die schlimmsten Qualen bar jedweder erdenklichen Grausamkeit bereiten. Nicht weil ich Sie leiden sehen will, sondern um es in die Köpfe all der Zuschauer und Fans zu brennen! Ich werde mein Versprechen wahr werden lassen, Mr. Sharpe!"

Ausdruckslos und jeder Stimmmelodie beraubt verlassen diese Ankündigungen des Mannes aus Cardiff seinen Mund. Dem, dem dieses Versprechen gilt, hat er lediglich seinen Kopf zugedreht. Dieser hält den teilnahmslosen Blick des Walisers.

ICE: "Heute Abend... in nicht weniger als ein paar Minuten, treten Sie zu Ihrem letzten Match in der PCWA an! Ihre ruhmreiche Karriere im Wrestlingbusiness endet heute Nacht. Beendet von mir, einem Namenlosen, einem Gesichstlosen, einem Niemand, einem flüchtigen Gespenst. Also. Nutzen Sie die Chance ein letztes Mal und scherzen Sie, lachen Sie, verspotten Sie mich! Am letztendlichen Matchergebnis wird es nichts ändern."

Kevin fährt sich durch die Haare und muss sich Mühe geben, ein gequältes Stöhnen zu unterdrücken. Das könnte schwerer werden, als befürchtet, aber er muss... er will diplomatisch bleiben. Er hatte es Anna versprochen.

Sharpe: "Es wundert mich nicht, dass Sie so denken, schliesslich hatte ich nicht unerheblichen Anteil daran. Die Dinge, die ich getan und gesagt habe... ich glaube, ich habe mich da in etwas verrannt, was so nicht nötig war. Im Nachhinein denke ich, ich hätte auch einfach nach einem Match FRAGEN können... gegen Sie. Vielleicht gehöre ich wirklich zum alten Eisen und bin es einfach so gewöhnt. Den Trash-Talk... das Stochern in offenen emotionalen Wunden. Wie dem auch sei. Es ist bekanntlich nicht zu spät, zu einer Einsicht zu kommen. Daher möchte ich Ihnen einfach sagen, dass es mir leid tut. Ich wünsche mir einfach ein faires Match, ohne Eingriff von aussen oder sonstiges. Und der, der am Ende als Sieger da steht, hat es schlussendlich auch verdient."

Mit erwartungsvoller Miene schaut er Ian Christopher Edwards an, will eine Reaktion von ihm hören aber der einstige Firmenmann dreht sich weg und legt mit einem Seufzen den Kopf in den Nacken.

ICE: "Haben Sie mich nicht verstanden? Es ist mir egal."

Sharpe atmet genervt aus.

Sharpe: "Nun seien Sie doch nicht so dickköpfig. Ich habe mich bei Ihnen entschuldigt, zumindest habe ich es versucht."

ICE: "Es ist alles gesagt."

Wut kocht in Kevin hoch. War diesem Kerl wirklich alles gleich? Er bemüht sich, ruhig zu bleiben.

Sharpe: "Junge... sei doch kein Idiot... "

Ignoranz.

Sharpe: "JETZT HABE ICH ABER GENUG!"

Flinken Schrittes überquert der ehemalige Blackheart die Distanz zum Waliser, der sich verdutzt umdreht, als er von seinem Gegenüber mit einer schnellen Bewegung gegen die Wand gepresst wird. Der linke Unterarm fixiert die Kehle, während die Rechte die Stirn des Walisern festhält.

Sharpe: "Weisst du, wer vorhin bei mir war? Weisst du es, hm?"

Die korrekte Anrede ist vergessen. Anders schien der Junge es nicht verstehen zu wollen. Warmer Speichelniesel spritzt in das Gesicht des Walisers, während Sharpe ihn aus kurzer Distanz anschreit.

Sharpe: "Deine EIGENE Freundin! Anna war bei mir, um MIR ins Gewissen zu reden! Weil sie Angst hat, dass wir uns in unserem sinnlosen Zorn da draussen GEGENSEITIG umbringen! Weil sie sich Sorgen um DICH macht, verdammt! Ich kenne dieses Gefühl... den unbändigen Hass auf eine Person und wenn man bereit ist, wirklich alles zu tun. Und dann stellst du dich da draussen hin und erzählst davon, dass du meine Karriere beenden willst! Fine with me... aber kannst du mit den Konsequenzen leben? Ich hätte es seinerzeit nicht gekonnt und ich danke Gott JEDEN VERDAMMTEN TAG dafür, dass ich dieses Dreckschwein damals 2007 NICHT aufgeschlitzt habe! Du willst mich zum Krüppel machen? Zum Sport-Invaliden? Bitte... dann tu es. Ich werde mich so gut es geht wehren. Aber denk immer daran... "

Sharpe lässt von ihm ab und ICE hält sich hustend den Hals. Kevin hat die Arme in die Hüften gestemmt und seufzt. Dann schaut er Edwards nochmals direkt in die Augen.

Sharpe: "Kannst du mit den Konsequenzen auch leben?"

Ian Christopher Edwards weicht dem eindringlichen Blick aus. Dieses Gespräch, das er ohnehin nicht wollte, hat eine unliebsame Richtung eingeschlagen, eine Richtung, die ihn an die alten Tage seiner grässlichen Tyrannei erinnert, die sich in diesem Moment vor seinem geistigen Auge abspielen. Kann er mit den Konsequenzen leben? Ein weiteres Mal? Er hebt den Blick, sieht Kevin Sharpes braune Augen voller Entschlossenheit, die auszudrücken scheinen, dass er, wenn es nötig sein sollte, auch bereit wäre, so weit zu gehen, wie er selbst es ankündigte zu treiben. Es war nicht richtig. Es ist nicht richtig.

Sharpe: "Hör mal! Keiner verlangt, dass wir händchenhaltend dort rausgehüpft kommen und uns vor versammelter Mannschaft eine herzliche Umarmung geben. Das ist immer noch ein fuckin' No Holds Barred-Match, aber wir sollten diese Sache sportlich und fair zu Ende bringen, ohne dass jemand seine Karriere beenden oder - noch schlimmer! - im Ring sein Leben lassen muss. Ich bin es meiner Familie schuldig und du bist das verdammt noch mal deiner Freundin schuldig."

Der Anflug eines Grinsens beim ehemaligen "Blackheart". Der muss dann doch noch mal raus.

Sharpe: "Sie hat es schwer genug mit dir!"

Kevin mustert die Züge des Walisers, sucht nach verräterischen Anzeichen in der Miene. Im Gesicht des Mannes aus Cardiff scheint es zu arbeiten. Die Erwähnung von Anna... Nie hätte er geglaubt, dass sie überhaupt noch einen Gedanken an ihn verschwenden würde, hatte er ihr selbst doch ein solches Gefühl beschert. Sie... empfand noch für ihn. So war es doch, oder? War es das dann wert? War es das wert, alles hinzuwerfen und sich von allem loszusagen? Und was, wenn es wirklich so endet wie damals? Was, wenn es wirklich wieder eskaliert?

Ein Zögern. Worte liegen auf seiner Zunge aber er spricht sie nicht aus. Er weicht nur wieder seinem Blick aus und schweigt vor sich hin. Kevin Sharpes Zuversicht wandelt sich zusehends in Enttäuschung. Er will nicht hören. Er hat es versucht, aber er will einfach nichts davon wissen. Resignierend schüttelt Kevin Sharpe den Kopf, als von jenseits des teilenden Stoffes Foreigners "Cold As Ice" beginnt, aus der Anlage zu dröhnen.

Kevin Sharpe: "Es geht los!"

Ernüchterung schwingt in diesen Worten mit. Das war es dann also... Sie werden sich gleich bis aufs Blut bekriegen und es könnte gut sein, dass einem von ihnen gleich jenes Schicksal blüht, das Lexington Ivers damals erspart blieb.

Edwards wendet sich von seinem Gegenüber ab und positioniert sich abermals vor dem Vorhang. Seine Hand fährt zwischen den beiden Vorhängen durch, bereit, sie gleich aufzuschlagen und zur Bühne hinauszugehen. Der Mann aus Cardiff macht einen Schritt nach vorn... und stoppt. Kevin Sharpe hebt den Blick. Was ist denn noch? Ohne sich umzudrehen, spricht Ian Christopher Edwards diesen einen Satz aus...

ICE: "Sie haben mit allem vollkommen recht!"

...und tritt dann vor die Massen.

 

Vincent Craven: "Ian Christopher Edwards und Kevin Sharpe sind bereit... denn unser Main Event steht unmittelbar bevor!"

Mike Garland: "No holds barred - ich bin wirklich gespannt auf diesen Kampf. Egal ob sich nun beide die Köpfe einschlagen oder fair miteinander umgehen wollen ein solcher Kampf birgt immer gewisse Risiken. Beste Unterhaltung oder ein bloßes Massaker, das kann verdammt dicht beieinander liegen."

Vincent Craven: "Wir werden es sehen. Und zwar - jetzt!"


------------------ PCWA ------------------

Cold As Ice

Ian Christopher Edwards kommt zwischen dem Vorhang hervor. An den Reaktionen der Fans hat das Gespräch zwischen Kevin Sharpe und Ian Christopher Edwards, das allem Anschein nach noch eine versöhnliche Richtung genommen hat, nichts geändert. Hier und da wird gebuht, der eine oder andere enttäuschte Fan verlässt seinen Platz zum Austreten, andere sind einfach nur still. Ohne Umschweife marschiert ICE mit starr nach vorn gerichtetem Blick zum Squared Circle. Die einzige Show, die bei diesem Einmarsch geboten wird, stammt aus der Musikanlage...

Jane Nelson: "Auf dem Weg zum Ring: Aus Cardiff, Wales, mit einem Kampfgewicht von 93 Kilogramm: IAN CHRISTOPHER EDWAAARDS!!!"

Mit einem Satz erklimmt er den Apron, steigt zwischen Middle- und Toprope in den Ring und begibt sich dann konsequenterweise sofort in seine designierte Ringecke, wo er auf die Ankunft seines Gegners wartet.

 

Decisions made from desperation

No way to go

Internal instincts craving isolation

For me to grow

Fell in a river of illusion

And apathy

Drowning in a self-induced confusion

I'd rather be, yeah

My fears come alive

In this place where I once died

Demons dreaming

Knowing I, I just needed to realign!

 

 

Und dann kommt auch sein Gegner hinter dem Stoff, der Wrestler und Fans trennt, hervor. Genauso zielstrebig marschiert Kevin Sharpe zum Ring und reißt dabei seine Fäuste in die Höhe. Die einträchtigen "Kevin Sharpe!"-Chants beinahe Jane Nelsons Ansage zu verschlucken.

Jane Nelson: "Meine Damen und Herren... begrüßen sie mit mir seinen Gegner... er ist 1,92 m groß und wiegt 115 kg... hier ist KEVIIIIIIN SHAAAAARPEEEE!"

Einmal mehr verstärkt sich die Lautstärke am Ort, als sein Name ausgerufen wird. Flink slidet der Tag Team Partner von Grizz Lee in den Ring, schenkt Edwards ein knappes Nicken und begibt sich dann eben so schnell wie Ian Christopher Edwards in seine Ringecke. Er ist bereit. Sie sind bereit. Das Match kann seinetwegen starten.

Main Event
-Besser spät als nie-

No holds barred Match

vs.


(Sieg durch Pin oder Aufgabe - Referee: Charlie Swanson)

*Ding Ding Ding*

Der Main Event ist eröffnet! Kevin Sharpe und Ian Christopher Edwards stehen sich gegenüber. Beide schauen sich in die Augen. Bei letzterem scheint es für den Moment so zu sein, als ob der leere, glanzlose Blick seiner Augen, der sein Gesicht während der Show über zierte, einer tiefen Konzentration gewichen ist. Der ehemalige Blackheart schmunzelt hingegen und streckt seinem Gegenüber die Hand aus. Ein letzter, sportlicher Handshake bevor es zwischen ihnen zur Sache geht...

Vincent Craven: "Lock-Up! Edwards lässt sich nicht auf Spielchen ein!"

Mike Garland: "Richtig so! Vielleicht haben sie ihren Frieden geschlossen oder besser gesagt einen 'Waffenstillstand' ausgehandelt, das heißt aber noch lange nicht, dass hier im Ring gekuschelt werden muss!"

Edwards schießt nach vorn und auch der Sickman reagiert sofort. Für drei bis vier Sekunden zerren die beiden im Zentrum des Seilgeviert aneinander herum, dann wird jedoch sehr deutlich, dass die etwas größere Körpermasse von Kevin Sharpe auch einen kleinen Vorteil mit sich bringt. Relativ problemlos kann der Mann aus Nashville, Tennessee seinen Rivalen aus dem Vereinigten Königreich nach hinten in die Seile drücken, wo er ihn, mit beiden Händen am Kinn weiter in die Taue zwingt, sodass sie beinahe schon in den Rücken des früheren K&G- und Celtic Clan-Mitglieds schneiden.

Vincent Craven: "Faustschläge in den Bauch von Sharpe!"

Mike Garland: "Mit der Geschlossenen, wohlgemerkt! So wird's gemacht!"

Ian Christopher Edwards braucht sich hierfür nicht genieren, es ist schließlich alles erlaubt... nun ja, fast alles! Aber Closed Fist Punches gehören dazu und diese setzen dem Tag Team Partner von Grizz Lee auch so zu, dass er sich schmerzvoll ächzend seinen Bauch halten muss. Ein stiff klatschender Sidekick gegen die Brust des Hardcore-Spezialisten aus Amerika sorgt dafür, dass er weiter in die Ringmitte zurückgedrängt wird. Dann sucht ICE die Seile, holt Schwung und reißt im Lauf seinen Fuß hoch - Big Boot!

...den der Veteran aufgrund ungewaschener Socken meilenweit gegen den Wind riechen konnte und dem er deshalb auch ausweichen konnte, indem er seinen Kopf eingezogen hat. Verwundert dreht sich der Eismann um, da reißt ihn aber schon eine Clothesline zu Boden.

Kevin Sharpe verliert keine Zeit, eilt zu seinem gestürzten Opponenten und verziert das Antlitz des Walisers mit seiner geschlossenen Rechten. Eins, zwei, drei, vier, fünf! Dann zerrt er ihn zügig wieder hoch und nimmt Edwards in den Front Facelock - DDT!

Vincent Craven: "Nein! Mit einem Tritt in den Magen unterbrochen! Front Facelock stattdessen jetzt von Edwards! Snap Suplex!!"

Kevin kracht auf die Ringmatte und sogleich hakt ICE das Bein seines Kontrahenten für das erste Cover in dieser Partie ein.

ONE

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TW... KICK OUT!

MIke Garland: "Das reicht natürlich nicht. Das war wohl allen im Theatre, einschließlich Ian Christopher Edwards, klar. Schlechter Typ!"

Vincent Craven: "Und trotzdem hat er schon mal ein erstes Ausrufezeichen setzen können. Die Frage ist natürlich, ob das einen Routinier wie Kevin Sharpe psychisch überhaupt unter Druck setzen kann..."

Mike Garland: "Von dieser Fritte? Nein."

Beide Männer richten sich wieder auf, wobei der Brite eine Sekunde Vorsprung hat, die er auch ausnutzen will. Rücklings sucht er Schwung in den Seilen - Shoulder Block!!!

Ja, oder auch nicht! Kevin Sharpe macht den Baum und bleibt einfach an Ort und Stelle stehen. Ein herausforderndes Grinsen ziert sein Gesicht. Offenbar will er dem Waliser so vermitteln, dass er sein Glück einfach noch mal versuchen soll, was dieser sich auch nicht zweimal sagen lässt. Einmal mehr sprintet der Brite in die Seile... doch diesmal folgt kein Shoulder Block, denn noch bevor er den Schwung der Taue überhaupt mitnehmen kann, steht da schon Kevin Sharpe im Weg, der ihn zu einem Fireman's Carry hochnimmt.

Vincent Craven: "Der Death Valley Driv... Nein! Edwards rutscht hinten runter... Neckbreaker von Edwards und das Cover!!!"

ONE

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TWO

KICK OUT!

Abermals zu früh, um hier wirklich einen Blumentopf zu gewinnen. Allerdings bemerkt der Mann aus Cardiff, dass Kevin Sharpe diesmal offenbar ein wenig länger braucht, um sich zu erholen. Das will der Freund (?) von Anna Richmond natürlich ausnutzen und so schnellt er auf die Beine zurück, steigt zwischen den Seilen aus dem Ring und lässt sich auf die Matten vor dem Squared Circle fallen. Es wird offensichtlich Zeit, dass diese Begegnung mit ein paar Schmankerln aufgepeppt wird!

Vincent Craven: "Das kommt jetzt unerwartet! Ausgerechnet Ian Christopher Edwards bringt die erste Waffe ins Spiel, obwohl er sich in der Vergangenheit strikt weigerte, Foreign Objects in seinen Matches einzusetzen."

Mike Garland: "Die Fans scheint es zu freuen und mich im Übrigen auch! Waffen sind immer gut! Waffen bedeuten mehr Gewalt, Waffen bedeuten mehr BLUT!!!! Und mehr BLUT bedeutet MEHR EINSCHALTQUOTEN!!!!!"

Vincent Craven: "Davon abgesehen, dass du mir manchmal echt Angst machst, Mike..."

Mike Garland: "BLUT, BLUT, EINSCHALTQUOTEN, KOMMERZ, GELD!!!!"

Vincent Craven: "...muss man sich an dieser Stelle wohl die Frage stellen, ob Edwards sein Versprechen, Kevin Sharpes Karriere zu beenden, nicht doch wahrmachen will, wenn er jetzt offensichtlich kein Problem mit solchen Dingen hat."

Diese Frage wird uns ICE wohl auch gleich beantworten, denn er hat einen passenden Gegenstand gefunden, den er unter dem Ring hervorzieht und der johlenden Masse präsentiert: Ein Stuhl! Ein flüchtiger Kontrollblick geht in den Ring – Kevin Sharpe ist offenbar noch damit beschäftigt, den Taumel abzuschütteln und kämpft sich auf die Beine – dann schiebt Edwards sowohl den Steelchair als auch sich selbst in den Squared Circle. Er packt die zusammenklappbare Sitzgelegenheit, steht auf und wendet sich seinem Gegner zu, der aber auf einmal gar nicht mehr so umnebelt ist wie zuvor geglaubt und auf seinen Kontrahenten zuhält. Edwards holt aus, will ihm einen Chairshot verpassen, doch unversehends springt dieser in die Luft und verpasst Edwards einen Dropkick. Sharpes Füße treffen mit einem blechernen Scheppern auf die schwarze Sitzfläche. Das frühere K&G- und Celtic Clan-Mitglied stolpert zurück in die Ringecke und verliert dabei auch den Stuhl. Wie ein Betrunkener mit einer Haltung, die man irgendwo zwischen Lehnen und Sitzen verorten kann, hängt Edwards im rechten Winkel der Seilumspannung, während Kevin Sharpe direkt wieder auf die Beine springt und seinem Gegner entgegensaust.

Vincent Craven: "Back Elbow von Edwards! Der Waliser setzt sich aufs Toprope. Second Rope Double Axe Handle Blow!!"

Der Mann aus Nashville, Tennessee geht in die Knie und Knie ist daraufhin auch das, was er ins Gesicht bekommt – Knee Lift! Und der befördert den Ex-GWF-bRd-GCW-Wrestler dann auch auf den Boden. Der Waliser lässt sich zu einem dritten Pinversuch niedersinken.

ONE

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T... KICK OUT!

Mike Garland: "Was denkt er sich denn?! Als ob so ein billiger Kneelift reichen würde, einen Veteranen wie diesen Sharpe zu besiegen?!"

Vincent Craven: "Edwards wirkt auch nicht sonderlich traurig über diese Tatsache. Du darfst nicht vergessen, dass jeder Versuch, dem Pinfall zu entkommen, Kraft kostet. Das spielt Edwards an dieser Stelle in die Karten."

Mike Garland: "Karten-Marten! Was ist denn jetzt nu' mit dem Stuhl? Kriegt jemand das Ding endlich mal über den Schädel gezog... Oh, Edwards hebt ihn auf, ich bin schon ruhig!"

Richtig! Die zusammenklappbare Sitzgelegenheit war ja auch noch da! Und die hält Edwards nun in den Händen und lässt sie senkrecht auf die Magengegend des ehemaligen Blackheart niedersausen, dessen Körper sich beim Aufprall zusammenzieht und dem ein schmerzliches Aufstöhnen entfährt. Zwei weitere Schläge mit der Stuhlkante gegen den Bauch des gealterten Wrestlers. Das mag bei einem No Hold Barred-Match zwar legal sein, hält die Fans aber trotzdem nicht davon ab, den Waliser auszubuhen, weil er nur ein langweiliger und irrelevanter Nervspast ist. Ein letztes Mal fixieren die braunen Augen des Mannes aus Cardiff seinen Opponenten, der offensichtlich keine Anstalten mehr macht, aufzustehen, dann überquert er, mit dem Stuhl in der Hand, die Distanz zur gegenüberliegenden Ringecke, verkeilt das Konstrukt dort zwischen Middle- und Toprope und dreht sich erneut zu seinem Gegner. Dieser probiert wankend, sich aufzurichten, sieht, wie sein walischer Gegner auf ihn zusteuert und will ihm einen Faustschlag verpassen, doch der blockt diesen einfach ab, packt ihn am Handgelenk und whipt ihn ein – natürlich in die Ecke mit dem Stuhl!

Vincent Craven: "Reversal! Edwards steuert auf den Stuh... Er kann abbremsen!!!"

Freilich bemerkt das auch Kevin Sharpe, der seinen Gegner erst mit einem Stirnrunzeln bedenkt, als dieser sich aus dem Lauf an den angrenzenden Topropes festhält, so den Aufprall stoppen kann, und selber auf ihn zustürmt, um nun nachzuhelfen...

Vincent Craven: "SPEARRREEEIINNN!!! DROPTOE HOLD VON EDWARDS!!!!"

*Schepper*

Mit 180 Sachen ballert Kevin Sharpe mit dem Gesicht voran in den Stuhl, als der einstige Firmenmann und Kelte ihm geistesgegenwärtig zwischen die Beine gegrätscht ist. Nachempfundener Schmerz spiegelt sich in den zusammengezogenen Gesichtszügen der Crowd wieder, der von einem kollektiven, zischenden Einatmen begleitet wird. Das sah in der Tat ziemlich übel aus! Sogleich will der Brite aus dieser Situation aber natürlich seinen Vorteil ziehen, nimmt den rammdösigen Kevin Sharpe von hinten in den Waist Lock und lässt sich zu einer Rückwärtsrolle nach hinten fallen – Roll-Up!

ONE

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TWO

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T... KICK OUT!

Ultraknapp aber ausgekickt und im PCWA Theatre ist ein einträchtiges, erleichtertes Aufatmen zu hören. Andere wären nach einem solch heftigen Kopftreffer wahrscheinlich nicht in der Lage dazu gewesen aber der durch Hunderte geschlagene Schlachten geschulte Instinkt des Veteranen verhalf Kevin, einer verfrühten Niederlage zu entgehen. Der Waliser legt die Stirn in Falten. Genuine Verwunderung darüber, dass sein Kontrahent hier wirklich noch entkommen konnte, zeichnet sich auf seinem Gesicht. Allzu lange denkt er darüber jedoch nicht nach, steht stattdessen wieder auf und führt auch den Sickman wieder aufs Bein zurück, wo er ihm einen deftig klatschenden Sidekick gegen die äußere Oberschenkelseite. Der Mann aus Nashville, Tennessee knickt ein wenig ein, was direkt einen weiteren Sidekick gegen die selbe Stelle zur Folge hat.

Vincent Craven: "Spinning Back Fist von Edwards! Sharpe jetzt heftig am Taumeln!"

...aber nicht am Umfallen, so wie eigentlich geplant, was die Überraschung in Ian Christopher Edwards Gesicht wachsen lässt. Nicht nur aufgrund des größeren Körpergewichts scheint der gealterte Athlet, der die härteren Spielarten seines Sports favorisiert hier wie der Fels in der Brandung zu stehen. Es ist Willensstärke und diese will und muss Edwards brechen, um einen Sieg gegen den Veteranen zu erringen.

Mike Garland: "European Uppercut!"

Kevin Sharpe strauchelt zur Seite, wendet sich ab doch nach wie vor scheint er nicht umfallen zu wollen. Man merkt wie die Stimmung beim Briten sich durch diese Beharrlichkeit merklich senkt. Er positioniert sich direkt hinter seinen Gegner, packt dessen eines Handgelenk mit der Rechten und fasst durch die entstandene "Armschlaufe" mit dem linken Arm...

Vincent Craven: "Cobra Clutch von Edwards!!! Cobra Clutch von Edwards!!!"

Mike Garland: "Sharpe greift mit der freien Hand das Seil und ist ein kompletter Vollidiot, weil das in einem No Holds Barred-Match keinerlei Wirkung hat!!!!!!!"

In der Tat schreitet Charlie Swanson nicht ein. Die Seile sind hier nicht die Rettung und ein dieser Fakt zaubert ein Schmunzeln auf das angestrengte Gesicht des Mannes aus Cardiff, der versucht, Kevin Sharpe von dem Seil zu lösen und ihn weiter ins Zentrum des Ringes zu zerren, wo alle Fluchtmöglichkeiten versiegen.

Mike Garland: "Boah, er kann das Seil auch loslassen! Hat er nicht kapiert, dass es bei diesem Match keinen Ropebreak gibt? Der alte Mann wird scheinbar senil!"

Vincent Craven: "Nein, Mike! Schau!"

Während der Sickman innerlich damit kämpft, durch das der Blutzufuhr zu seinem Kopf nicht frühzeitig in Ohnmacht zu fallen, wendet er die gesamte Muskelkraft in seinem freien Arm auf, um sich weiter zu den Seilen zu ziehen. Nacheinander stellt seine Füße aufs Bottom Rope, zieht die Beine an und lässt dann plötzlich los...

Vincent Craven: "Was zum?!"

Mit einem Poltern krachen Edwards und Sharpe auf die Matte. Letzterer hatte die Anstrengungen seines Opponenten, ihn selbst zum Ring zu ziehen ausgenutzt und sich zusätzlich noch mit den Beinen von den Seilen gestoßen. Edwards – von dieser Wende der Ereignisse völlig überrumpelt – ist gestürzt und musste als Konsequenz Kevin Sharpe aus seinem Cobra Clutch entlassen.

"KEVIN SHARPE!!!"

"KEVIN SHARPE!!!"

Beeindruckt von dieser cleveren Konterreaktion schreien die Fans einträchtig seinen Namen. Edwards ist schon wieder auf den Beinen zerrt auch die eine Hälfte von Lobotomy Blues wieder hoch, doch dieser wehrt sich tapfer mit den Fäusten, welche er in die Bauchgegend des Waliser versenkt.

Vincent Craven: "Kevin Sharpe holt Schwung in den Seilen... THESZ PRESS!!!!"

Der Ringveteran stürzt sich mit seinem ganzen Körpergewicht auf Ian Christopher Edwards, reißt ihn zu Boden, hebt seinen Hinterkopf an und verpasst ihm einen deftigen Headbutt, nur um das Prozere immer wieder zu wiederholen.

Mike Garland: "Es hagelt Kopfnüsse für Edwards!!"

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs... Kevin Sharpe will gar nicht mehr aufhören und wird aufgrund der Hardcore Stipulation dazu auch nicht genötigt. Man muss schon Angst haben, dass der Brite hier kein Hirn-Schädel-Trauma erleidet, so wie der einstige Blackheart hier die Kopfnüsse verteilt. Irgendwann hat der Mann aus Nashville, Tennessee scheinbar genug... oder seine Stirn tut ihm zu sehr weh. Auf jeden Fall bleibt er gleich auf seinem Gegner sitzen und drückt mit seinen Händen gegen seine Schultern. Folgerichtig wertet Charlie Swanson dies als Pin und wirft sich in den Staub, als würde Azrael Rage vor ihm stehen.

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KICK OUT!

Haarscharf! Da fehlten nur noch wenige Zentimeter zwischen der Hand des Referees und der Ringmatte aber ICE hat es geschafft, im letzten Moment auszukicken! Kevin Sharpe schlägt mit der geballten Faust auf den Boden auf und kehrt zurück in den Stand. Sein Blick wandert zu dem Stuhl, der immer noch unschuldig darauf wartet benutzt zu werden so wie frühreife Teenies! Kevin schnappt sich die Sitzgelegenheit und wirft sie auf den Boden neben seinen Widersacher und zerrt diesen daraufhin hoch. Dann positioniert sich das Lobotomy Blues-Mitglied mit Edwards vor dem Stuhl und packt den Briten an Hüfte und Kniekehle: SIDEWALK SLAM AUF DEN STUHL!

Doch der Eismann kann sich schwer machen! Kevin Sharpe bekommt seinen Opponenten nicht ausgehoben, stattdessen kloppt der einstige Firmenmann und Kelte mit Elbow Strikes gegen den Nacken seines Gegners bis dieser mit einem Ächzen loslässt, nur um daraufhin selbst den Arm über seine Schultern zu legen und den ihm zugewandten Arm zu packen.

Mike Garland: "Russian Leg Sweep auf den Stuhl-Kevin Sharpe windet sich heraus!"

Ähnlich schnell wie Ian Christopher Edwards konnte der Tag Team Partner von Grizz Lee hier schalten, drehte sich um 180°, sodass er seinem Gegner gegenübersteht und dessen Schulter und Oberschenkel umgreift.

 

Freundschaftliche Umarmung!

 

NO!

T-BONE SUPLEX!!!

 

Es donnert einmal durch die Halle. ICE kracht mit einem vertikalen Überwurf auf den Ringboden. Zwar nicht auf dem Stuhl, so wie zuvor geplant, dass diese Suplesse aber trotzdem ordentlichen Schaden am Rücken des Walisers angerichtet hat, darf trotzdem angenommen werden. Der mehrfache Tag Team Champion versucht sein Glück und hakt das Bein ein!

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TWO

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KICK OUT!

Der Mann, dessen Szenentitel wie Mr Freeze-Sprüche aus "Batman & Robin" heißen, kickt abermals aus. Kevin Sharpe steht von seinem Gegner auf, bedenkt diesen mit einem Kopfschütteln und wendet sich den jubelnden Fans zu. Er schaut sie erwartungsvoll an, scheint sie fragen zu wollen, was er jetzt machen soll. Sie Fans haben da offensichtlich eine ziemlich genaue Vorstellung...

"We want tables!"

"We want tables!"

Was schreien sie da? Er streckt sein verschwitztes Antlitz über die Ringseile, zieht eine Augenbraue hoch und horcht mit der Hand an seiner Ohrmuschel, so als hätte er die Fans nicht verstanden. Diese verleihen ihrem Wunsch einmal mehr Ausdruck.

"WE WANT TABLES!"

"WE WANT TABLES!"

Schreie der Begeisterung sind aus allen Ecken des Theatres zu hören, als Kevin mit einem erschöpften aber dennoch verschmitzten Lächeln aus dem Ring steigt, und die Ringschürze hochschlägt und einen zusammengeklappten Tisch unter dem Ring hervorholt. Anschließend schiebt er das rechteckige Konstrukt unter dem Bottom Rope ins Seilgeviert und rollt sich selbst in den Ring.

Vincent Craven: "BASEBALL SLIDE!!!"

Mike Garland: "INS NICHTS!!!!"

Mit einer eleganten, beinahe tänzerisch wirkenden Drehung, die man dem grobschlächtigen Hardcore-Experten so wohl nicht zugetraut hätte (Kandidat für die nächste Dancing with the Stars-Staffel?), ist er Edwards Attacke ausgewichen. Der Waliser blickt sich um, will direkt den nächsten Angriff starten, wird jedoch von Kevin Sharpe an der Taille gepackt und hochgehoben. Urkräftiges Kampfgebrüll entfährt dem Lobotomy Blues-Mitglied, dann rennt er los...

Vincent Craven: "Wawawaaas? SPINEBUSTER AUF DIE RINGTREPPE!!!!"

*Klonk*

Mit dem Rücken kracht Icy Edwards auf die Stahlkonstruktion, die eigentlich eine Aluminiumkonstruktion ist, und ihm entfährt dabei ein gänsehauterzeugender Schmerzensschrei. Die Fans im PCWA Theatre sind dagegen aus dem Häuschen und feuern den Mann aus Nashville, Tennessee einheitlich für diese Aktion an. Mit einer zu sich winkenden Handgeste bedeutet er ihnen, dass sie ihm noch lauter zujubeln sollen und plötzlich fangen sie an, "Hardcore!" zu rufen, so als wäre Nightmare gerade im Haus. Was sie aber eigentlich damit ausdrücken wollen ist, dass Kevin Sharpe doch jetzt bitte mal diesen zusammengeklappten Tisch aufstellen soll, was dieser auch bereitwillig tut, weil er ein hardcorehaftig ist. Direkt neben ihm rührt sich Edwards währenddessen keinen Zentimeter. Er ist immer noch vollkommen weggetreten. "Gut für mich.", scheint sich der Sickman zu denken, der den Tisch nun komplett aufgestellt hat, Edwards von der Ringtreppe schiebt, sie in Richtung der Fans ausrichtet und den Tisch davor stellt. Er hat das Match nun endlich unter seiner Kontrolle und ist auch nicht mehr bereit sie abzugeben. Nein, er wird es jetzt beenden!

Mike Garland: "Vince, denkst du das, was ich denke?"

Vincent Craven: "Was denkst du denn?"

Mike Garland: "Ich glaube, es wird gleich maximal gewalttätig!"

Vincent Craven: "Und dabei hatten sie doch ausgemacht, sich hier draußen nicht umzubringen. Offenbar hat Kevin Sharpe diesen Vorsatz wieder über Bord geschmissen."

Man kann es nicht genau sagen, doch das euphorische Lodern in den Augen des mehrfachen Tag Team-Champions deutet an, dass er sich im Modus befindet. Er zerrt Edwards zu sich hoch, steigt mit ihm auf die oberste Stufe der Ringtreppe. Einmal noch lässt er den Blick durch jubelnden Publikumsreihen schweifen. Front Facelock, Griff an die Kniekehle, dann hievt er Ian Christopher Edwards in die Luft.

 

MAXIMUM VIOLENCE!!!

FISHERMAN BUSTER DURCH DEN TISCH!

 

Krachen von Holz, die sich überschlagenden Schreie der Fans, zwei ineinander verschlungene Körper, ein einziges Chaos! Aus allen Teilen der Arena einträchtige "HOLY SHIT!" rufe. Das sah nicht gesund aus und auch wenn das kein Zereo Killer-Match ist, kann man diese Aktion ruhigen Gewissens in die Kategorie "Kranke Scheiße" einsortieren. Kevin Sharpe, neben Edwards liegend, schüttelt den Kopf, schüttelt die Holzsplitter von sich ab und erhebt sich aus den Trümmern. Seine Augen richten sich auf seinen Kontrahenten und dessen spastisch zitternden Körper. Er greift nach ihm, um ihn in den Ring zu zerren, doch hält inne... Irgendetwas... stimmt da nicht! Auch der misstrauisch zu ihnen schauende des Referees Charlie Swanson suggeriert das. Dieser steigt nun aus dem Ring, um sich die Sachlage aus der Nähe anzusetzen. Es scheint, als ob Edwards gar nicht mehr mit Zittern aufhört. Die weit aufgerissenen, glasigen Augen, die Schaumbläschen, die sein Speichel an seinen Mundwinkeln bilden, es ist ein beunruhigendes Bild. Der Unparteiische redet auf Edwards ein, fragt ihn, ob er noch da ist, bekommt aber keine Antwort.

Vincent Craven: "Da ist irgendwas passiert! Irgendwas ist da schiefgelaufen!"

Diese Vermutung wird sogleich zur Tatsache, denn Swanson kreuzt die Arme und formt das berüchtigte X.

Matchabbruch. Und es dauert nur wenige Sekunden, bis die Sanitäter mit einer Trage herauseilen. An ihrer Seite: Anna Richmond, die mit angsterfülltem Blick schluchzend zu Ian Christopher Edwards eilt. Eine bedrückende Stille hat sich unvermittelt über das Theatre gelegt. Sorgenvolle und entsetzte Blicke bei den Fans, die die Rettungshelfer dabei beobachten, wie sie den Briten behutsam aus den Trümmern befreien, ihn auf die Trage heben und ihm eine HWS-Krause umlegen, während Anna Richmond weinend danebensteht und Ian zuredet. Kevin Sharpe ist etwas abseits zu einer Salzsäule erstarrt. Mit Schock geweiteten Augen starrt er hinüber zu dem Menschenauflauf, der sich um den Waliser gebildet hat. Eine Erkenntnis schleicht sich in sein Bewusstsein.

Das, was da passiert.

Er war das!

Er hat es vermasselt.

Er hat sein Versprechen nicht gehalten.

Vincent Craven: "Leider können wir noch nichts genaues zur Verletzung von ICE sagen. Es wird sich wohl erst in den nächsten Stunden herausstellen, wie ernst die Situation ist."

Mike Garland: "Dennoch müssen wir leider für heute Schluss machen, liebe PCWA-Fans. Unsere Sendezeit ist um."

Vincent Craven: "Das war für sie Vincent Craven..."

Mike Garland: "Und Mike Garland. Schalten sie auch das nächste mal wieder ein."


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