Scene

Id
4317  
Name
Hotel California  
Summary
James Godd und Kevin Sharpe laufen sich in Kalifornien bei niemand anderem als Chris McFly Jr. ├╝ber den Weg, da beide den Rat ihres Freundes einholen wollen. Der Renegade verhindert eine Eskalation und wirft beide aus seinem Haus.  
Position
14  
Scenetype
Video  
Created At
2019-08-23 22:14:38  
Edited At
2019-10-07 20:13:28  
Show
Out of Ashes 2019  


Vor einigen Tagen...

- Part 1 -

And I was thinking to myself
"This could be Heaven or this could be Hell"

Hotel Califormia (The Eagles)

 

Heißer Wind weht über die Straßen einer kleinen, namentlich nicht wichtigen Stadt im Süden Kaliforniens. Da und dort hört man ein Auto fahren. Die Mittagshitze lässt die Luft über den Asphalt wabern. Der Klang der Schuhsohlen ist das einzige, was die Stille der Mittagszeit durchbricht. Auf einer alten Veranda, die zu einem noch älteren Haus gehört, das eher die Bezeichnung Verschlag verdient, sitzt der alte Jorgé Villalobos. Seine Augen ruhen in zwei ledrigen Schlitzen, gegerbt von der unbarmherzigen Sonne, als diese einen Fremden erfassen. Der Gringo gehört nicht hierher. Das kann Jorgé schon an der Aufmachung erkennen. Niemand kann so töricht sein bei dieser Hitze in DIESEM Aufzug hier herum zu laufen.

Jorgés Hund Tino hebt kurz den Kopf, schaut sein Herrchen fragend an. Doch der schüttelt nur den Kopf. Deutet dem Mischlings-Rüden an, sich wieder um seinen Napf mit Wasser zu kümmern. Der Fremde läuft direkt auf ein Grundstück zu, das Jorgé nur zu gut kennt. Bis 2017 hat es seinem Bruder gehört. Nach dessen Tod stand es ein paar Wochen leer, ehe ein frisch vermähltes, junges Paar zu ihm kam und es ihm abkaufte. Die Señora war eine ausgesprochen rassige Mamacita. Und ihr beneidenswerter Ehemann strahlte die Kraft eines wahren Kriegers aus.

Jorgé überlegte, ob er seinem Nachbarn einen Anstandsbesuch abstatten sollte. Nur für den Fall, dass der Fremde ein Problem darstellen könnte. Denn irgendetwas an der Haltung dieses Gringos gefiel ihm nicht. Es erinnerte ihn an seinen Neffen Estebán. Die Anspannung. Die Laufgeschwindigkeit. So sah jemand aus, der gehetzt war. Oder nach etwas suchte. Jorgé beschloss Morgen mal wieder mit seinem Neffen Estebán zu telefonieren. Soweit er sich erinnern konnte, war es morgens in San Quentin den Insassen erlaubt zu telefonieren.

 

**Ding**Dong**

 

Die hellblaue Tür öffnete sich. Und der Mann hinter ihr erstarrte, als er sah, wer ihn hier besuchte. Einen Moment herrschte Schweigen. Dann begann der Besucher zu sprechen.

„Was ist los, alter Freund? Lässt du mich hier in der Mittagshitze austrocknen oder darf ich rein kommen?“

Trotz der Hitze trägt der Neuankömmling zu den kurzen Camouflagehosen einen schwarzen Hoodie, dessen Kapuze über den Kopf gezogen ist. Die Füße stecken in schwarzen Armeestiefeln.

"Als ob dir so warm wäre... wenn ich mir deinen Aufzug so anschaue."

Der Angesprochene lächelt... zumindest erahnt man es unter der Kapuze. Dann wird diese zurück gezogen. Und Kevin Sharpe lächelt.

Sharpe: "Besser so, Buddy? Aber rein kommen wäre nicht schlecht. Und vielleicht ein Glas Wasser... ich bin ziemlich durstig."

Blackheart macht einen Schritt auf die Tür zu, doch der Hausherr versperrt den Weg, indem er den rechten Arm gegen den Türrahmen stützt.

„Ich kann dich nicht rein lassen, es ist gerade ein schlechter Zeitpunkt.“

Die Stimme des Hausherren klingt ruhig. Aber auch sehr distanziert. Gerade will dieser ohne weitere Erklärungen die Tür schließen, als Kevin Sharpe sich dagegen stemmt. Die Augen der Beiden treffen sich.

Sharpe: „Really? Ich mache mir den weiten Weg von Deutschland hierher und du schickst mich weg? Ich will doch nur mit dir reden, Al!“

Der Hausherr, dessen Namen wohl Al zu sein scheint, blockt erneut den Mann, der in sein Haus kommen möchte.

„Kevin, wir sind Freunde. Daran hat sich nichts geändert. Und an jedem anderen Tag wäre ich stolz dich wieder unter diesem Dach meinen Gast nennen zu dürfen. Aber heute ist ein verflucht ungünstiger Tag.“

In diesem Moment macht sich auf der anderen Straßenseite eine Gestalt bemerkbar. Gegenüber auf dem Übersteig steht ein grimmig dreinschauender älterer Mann, an dessen rechter Seite ein Hund sprungbereit steht und die Zähne bereits leicht gefletscht hat.

„Señor Avello, gibt es Probleme mit diesem … Besucher?“

„Nein Jorgé! Alles in Ordnung.“

Dann schaut der Hausherr seinem vermeintlichen Gast ins Gesicht. Die Miene verzieht sich.

„Also gut, Kevin, aber ich schwöre dir, wenn Du dich nicht benehmen kannst in meinem Haus, dann haben wir beide ein Problem. Und wie du gesehen hast, die Nachbarschaft kümmert sich hier noch um einander.“

Blackheart ist sichtlich verwirrt.

Sharpe: „Was zum Fick ist hier eigentlich los, hm? Ich dachte eigentlich ich besuche den TJW Iron Man Turney Sieger und nicht einen Mann, der seit seiner Hochzeit vor zwei Jahren zu einem Couch Potato verkommen ist... der eine alte Mumie mit Köter als Schutz braucht. Also was ist los, Al? Oder gibt der einst so wortreiche Chris McFly Jr. keine Erklärungen mehr ab? Erst recht nicht seinem Freund? Den Er einst aus den Tiefen seiner schwarzen Seele wieder ans Licht gezogen hat?“

Der einstige Swingin' Wrestler deutet seinem letzten PCWA Gegner an die Schuhe auszuziehen. So viel Ordnung muss sein. Dabei fällt der Blick des Undisputed Gerasy Champions auf ein Paar Schuhe im englischen Stil. Beste Qualität. Handarbeit. Poliertes Leder. Definitiv nicht billig.

CMJ: „Du bist nicht der Erste, der mich heute so nennt. Und für dich gilt das gleiche wie Ihn. Benehmt ihr euch nicht in Lucys und meinem Haus, werde ich euch zeigen, zu was ich immer noch im Stande bin."

Alle Emotion weicht aus Kevin's Gesicht. Die Lippen werden aufeinander gepresst. Und die Fäuse ballen sich so stark, dass die Knöchel weiß werden.

Sharpe: „Bitte nicht... sag nicht, dass ER hier ist...“

„Doch. Er ist hier.“

Erklingt eine Stimme aus dem Wohnzimmer. Und sie dürfte einigen bekannt vorkommen.

 

Earlier that day …

- Part 2 -

I hate the fucking Eagles, man.

The Dude (The Big Lebowski)

 

„Es freut mich, dass du dir für mich Zeit nimmst. Ich weiß das zu schätzen.“

CMJ: „Kein Problem. Ich finde es nur ein bisschen ungewöhnlich, dass du hierher nach Cali gekommen bist. Noch einen Schluck Tee?“

„Sehr gerne! Und by the way, Kompliment an Lucille, sie scheint ganz ausgezeichnete Backkünste zu haben. Aber ich bin nicht hierher gekommen, um die Scones deiner Frau zu loben. Nach dem Du damals unmissverständlich angekündigt hast, nie wieder nach Berlin zurückkommen zu wollen, war es für mich selbstverständlich, dass ich zu dir kommen würde.“

Der Gast vom ehemaligen Chicagos Finest hat sich derweil ein weiteres Gebäckstück von dem mittig auf dem Tisch platzierten Teller genommen und beißt genüsslich in das Hefegebäck britischen Ursprungs.

CMJ: „Oh James, da muss ich dich ein Stück weit enttäuschen. Nicht Lucy hat die Scones gebacken. Ich war das. Ich gebe aber zu nach dem Rezept, dass du mir damals gegeben hast. Ich betreibe das Backen und Kochen als eine Art Meditation in den Tourpausen.“

Die Augenbrauen des angesprochenen James bewegen sich ruckartig gen Stirn, während er genüsslich auf dem Gebäck weiterkaut.

CMJ: "Dann erzähl mal, was bringt meinen einstigen Tag Team Partner und Finest Catch Club Co-Mitglied hierher nach SoCal? Wie du schon sagtest, ein James Godd reist nicht um die halbe Welt für einen Schluck Tee und etwas Hefegebäck."

Zustimmendes Nicken vom Briten. Kurz kaut er noch zu Ende und spült mit einem Schluck Tee nach.

James Godd: "Yeah You're right Pal'. Aber bevor ich loslege, hätte ich eine Frage: Was bekommst du von der PCWA überhaupt noch mit?"

Fragender Gesichtsausdruck beim Engländer. Schulterzucken vom einstigen Chicagoer.

CMJ: "Offengestanden nichts. Es interessiert mich auch nicht, was in dieser Liga passiert. Ich habe mit der PCWA abgeschlossen und auch wenn es sich manch einer vielleicht nicht vorstellen mag, ich habe meinen Frieden gefunden. Ich lebe hier in Southern California, fliege halbwegs regelmässig für Touren nach Japan, einmal im Jahr bin ich sogar für eine Woche in England, aber ansonsten...? Ich fürchte, ich stehe in den Geschichtsbüchern als der Depp, der niemals seinen Q4tB-Vertrag eingelöst hat und es könnte mir nicht egaler sein."

James Godd: "Das habe ich befürchtet."

Mit diesen Worten stellt der Brite die Teetasse auf den Tisch und atmet erst einmal tief durch. Er ist sich immer noch nicht ganz sicher, ob es richtig war seinem früheren Weggefährten mit dem Thema, das ihn beschäftigt, zu nerven. Erst recht nicht, nachdem dieser gerade deutlich gemacht hat, dass ihn das aktuelle Geschehen nicht weniger interessieren könnte. Aber er muss einfach. Die Reise wäre sonst komplett für die Katz gewesen.

James Godd: "Du weißt also nicht, dass ich gegen Kevin Sharpe oder viel mehr Blackheart in den Ring steige und dass es dabei um den Undisputed Gerasy geht?"

Wieder ein Schulterzucken.

CMJ: "Well... Gratuliere. Möge der Bessere gewinnen..."

Einen Moment scheint der Brite zu überlegen. Seine Augen wandern, sturr auf den Tisch gerichtet, mehrfach von links nach rechts. So als lese er ein geheimes Manuskript durch, um so seinen passenden Einsatz zu finden.

Godd: "Al... Chris... ich bin hier, weil ich..."

**Ding**Dong**

CMJ: "Du entschuldigst kurz. Ich denke es ist nur die Post. Lucy erwartet ein Päckchen."

Sprach er und ging Richtung Haustüre.

 

2 Minuten später...

- Part 3 -

Look at all the happy creatures, dancing on the loan...

Looking out my back door (Creadence Clearwater Revival)

 

Der Hausflur. Leider keine unendlichen Weiten. Und genau das wäre jetzt notwendig gewesen. Aus dem Wohnzimmer kommend baut sich der Contender auf den Undisputed Gerasy Titel auf. Von der Haustüre her tut dies der amtierende Champion ebenso. Und mittendrin steht der Hausherr. Chris McFly Jr., der eigentlich mit der ganzen Sache nichts zu tun hat. Oder viel mehr, nichts damit zu tun haben will.

CMJ: "Gläzend. Genau das worauf ich keine Lust hatte. Ein Face Off Szene bei mir zu Hause."

Derweil starren sich die beiden Hauptdarsteller des kommenden PCWA Großevents direkt in die Augen. Kevin Sharpe, das schwarze Herz, ist dann der Erste, der den Bann des Schweigens bricht.

Sharpe: "Was sucht dieses lächerliche Abziehbild eines Wrestlers hier?"

Godd schnaubt verächtlich und verzieht seine Augen zu kleinen Schlitzen. All der Hass, den er für Sharpe empfindet, ist deutlich in der Luft spürbar.

James Godd: "I could ask You the same!"

CMJ: "Jungs..."

Die Atmosphäre wird angespannter. Die Stimmen und deren Tonlagen schärfer. Das Einzige, was dem Szenario einen gewissen Touch an Surrealität gibt, ist die Tatsache, dass sowohl Kevin Sharpe als auch James Godd nur in Socken in dem Flur stehen. Soviel Respekt scheinen beide dann doch vor ihrem einstigen Weggefährten zu haben.

Sharpe: "Ich wollte meinen alten Freund besuchen. Ist immerhin schon über zwei Jahre her, dass ich hier gewesen bin zu seiner Hochzeit."

Der Tribun denkt an die Hochzeit zurück. Damals war die Welt noch in Ordnung. Damals standen er und Sharpe sich noch nicht in Feindschaft gegenüber. Ganz im Gegenteil, war man damals noch befreundet gewesen. Lange ist es her ...

James Godd: "Bei der ich auch war, schon vergessen!?"

Sharpe verdreht die Augen.

Sharpe: "Geschenkt. Aber das erklärt nicht, wieso du JETZT hier bist."

Ein kurzes Augenrollen beim Engländer.

James Godd: "Vielleicht wollte ich auch nur mal meinem alten Buddy aus Finest-Catch-Club-Zeiten 'Hallo' Sagen!? Du scheinst zu vergessen, dass er nicht nur DEIN Freund ist ... verdammter Egomane!"

Der Renegade hebt beide Arme... beschwichtigend, um die Situation, die sichtlich zu eskalieren droht, zu entschärfen.

CMJ: "Jun-hungs..."

Beide nähern sich einander an. Sie werden eigentlich nur noch von Ihrem Gastgeber von einander getrennt. Man spürt förmlich, dass dies hier nicht mehr lange gut gehen kann. Der ausgestreckte Zeigefinger Blackheart's wird in Britain' s Finest Richtung gestreckt. Der ballt wiederum seine Fäuste zusammen.

Sharpe: "Ich weiß genau, was du hier willst, du miese Ratte..."

Kurz lacht James ein trockenes Lachen aus.

James Godd: "Yeah ... tell me more about it!"

Sharpe: "Willst du das wirklich hören? Ich glaube nämlich, dass Chris das nicht gerne hören wird!"

James Godd: "Oh come on! Jetzt beginnst Du dich bereits vor dem PPV hinter ihm zu verstecken!"

Sharpe: "Wenigstens komme ich nicht hierher und horche ihn nach den Schwächen meines kommenden Gegners aus!"

Die Stimme des Engländers wird lauter. Die Worte werden fast schon geschrieen.

James Godd: "BULLSHIT! Das sind deine Methoden aber nicht meine!"

Sharpe: "Ach ja!?"

James Godd: "Ja!"

CMJ: "RUHE! VERDAMMT NOCH MAL!"

Mit einem Ruck stößt der einstige Swinigin' Wrestler seine Weggefährten aus einer anderen Zeit jeweils einen Meter von sich weg. So ist die Distanz zwischen den Streithähnen wieder größer. Aber McFly's Blick spricht Bände. Und beide, Contender wie Champion, sind gut beraten in diesem Moment auf Ihr Bauchgefühl zu hören.

CMJ: "Ich fasse es nicht! Wollt ihr beiden mich für DUMM verkaufen!? Natürlich seid ihr beiden hierher gekommen, in meinen RÜCKZUGSORT, um mich über den jeweils anderen zu befragen! Ich kenne euch beide gut genug. Und ich weiß, dass ihr beide manchmal dazu neigt die Grenzen zu überschreiten und Tricks und Spielchen anzuwenden! Schon alleine die Tatsache, dass ihr beide am absolut gleichen Tag zu fast identischen Zeiten hier eintrudelt zeigt mir, dass ich recht habe. So viel Zufall kann es nämlich in diesem und mindestens zwei anderen Universen nicht geben. Aber ich verrate euch etwas. Ich werde keinem von euch beiden helfen. Ich werde auch nicht nach Berlin fliegen, denn mit Berlin bin ich fertig!"

Schweigen von den beiden Combatanten. Diesmal ist es Godd, der die Ruhe als erstes bricht.

James Godd: "Ich wollte doch nur..."

CMJ: "Mich fragen, ob ich in der Ecke stehe? Vergiss es!"

Godd reagiert nicht auf den falschen Vorwurf. Er hatte nie vor das zu fragen, denn er braucht niemanden in seiner Ecke. Seine Motivation reicht auch so, doch er befürchtet, dass er die Situation nur verschlimmert, wenn er das jetzt zur Sprache bringt.

Ein Auflachen beim amtierenden Champion

Sharpe: "Das war wohl nichts, James. Es macht mich wirklich traurig, dass du den Weg nun so ganz ums..."

CMJ: "Schnauze Kevin! Dir würde ich genauso wenig helfen! Ihr wollt euch die Köpfe einschlagen? Fein tut das in Berlin bei der PCWA. Dieses Haus hier ist Continental Ground, wenn ihr versteht, was ich meine!?"

Die Anspielung auf die populäre Action-Film-Reihe mit Keanu Reeves in der Hauptrolle haben beide verstanden.

CMJ: "Ich rufe jetzt zwei Taxis. Und ihr werdet in diese einsteigen, wegfahren und euch frühestens in drei Monaten zu Weihnachten oder dem Jahreswechsel bei Lucy oder mir melden. Und keine Mätzchen. Das ist mein Haus. Mein Rückzugsort und ich habe keinen von euch beiden hier reingelassen, damit ihr mir eure Probleme aus Berlin mit hierher bringt!"

James Godd hebt vorsichtig den Finger. Kevin Sharpe verzieht das Gesicht und unisono kommt von beiden ein...

"Aber..."

CMJ: "Kein Aber!!"

 

10 Minuten später...

- Part 4 -

Don't wanna sound like Satan, but I am to them. So I try to forget in any way I can!

Rocking in a free world (Neil Young)

 

Autotüren werden zugeschlagen. Aus zwei Taxen schauen zwei Menschen zurück, als diese sich in Bewegung setzen. In beiden Fahrzeugen sitzen Menschen, die unser Hausherr und Gastgeber als Freunde betrachtet. Beides sind Weggefährten und beide waren zu unterschiedlichen Zeiten an einem Ort auf der anderen Seite des Planeten gute Freunde. Sie hier von seinem Grund und Boden zu verjagen, schmerzt den einstigen Wandervogel des Professionellen Ringkampfes. Die Sonne knallt immer noch mit einer erbarmungslosen Kraft und Ausdauer auf den Asphalt vor dem Grundstück der Avellos. Leichter Wind kommt auf aus Richtung Wüste, treibt ein Büschel des Wüstengrases vor sich her. Beinahe könnte man von einem High Noon Szenario sprechen. Wie in den alten Western Filmen, wo sich alternde Cowboys in der Mitte einer Stadt gegenüber stehen und kurz davor sind sich über den Haufen zu schießen. Wer weiß, vielleicht ist so ein ähnliches Szenario gerade abgewendet worden. Der Hausherr wird es so schnell jedenfalls nicht erfahren.

Neben ihm baut sich die Gestalt des alten Jorgè auf. Der Alte ist so eine Art Ortsvorsteher in dieser kleinen Gemeinde - die übrigens nicht Needles heißt - und hat immer ein waches Auge auf seine Mitmenschen. Oft hat er schon mit Rat und Tat geholfen. Heute ist er einfach nur neugierig.

Jorgé: "Freunde von Ihnen Señor Avello?"

CMJ: "Alte Weggefährten."

Jorgé: "Ich gehe recht in der Annahme, dass Ihre Frau nichts vom Besuch dieser ... Gentlemen wissen muss."

Ein kurzes Nicken von McFly, den hier wirklich alle nur unter seinem bürgerlichen Namen kennen. Kurz überlegt der alte Villalobos.

Jorgé: "Aus der Zeit vor ihrer sportlichen Karriere?"

Der Alte weiß wirklich SEHR viel. Könnte aber auch daran liegen, dass er McFly schon seit wesentlich mehr als 10 Jahren kennt. Er war in Chicago als Vertreter einer Chicano Gang als ein gewisser Wrestler sich noch als Straßenschläger verdient gemacht hat.

CMJ: "Dios mio, Jorgé! Wo denken sie hin? Aus dieser Zeit ist gottseidank niemand mehr übrig. Diese beiden waren mal Tag Team Partner und auch mal Gegner. Sie wissen doch, wie das so ist im Lucha Libre. Aber meine Frau muss das trotzdem nicht wissen. Sie weiß zwar selbst ganz genau, dass dieser Sport, mit all seiner Hingabe und all seiner Intensität die Menschen verändert, aber sie muss nicht wissen, dass ich Besuch aus Berlin, Alemania hatte. Dieser Teil meines Lebens liegt hinter mir."

Bedächtig nickt nun der Alte. Seine Hand kratzt dabei über den weißen Dreitagebart.

Jorgé: "Kann man das? Mein Onkel war ein stolzer Luchador. Er kämpfte in Tijuana. Bis ins hohe Alter. Und er starb im Ring. Er war mittellos und hat bis zu seinem 68 Lebensjahr gekämpft. Da frage ich mich, ob man das wirklich so einfach abstellen kann?"

CMJ: "Nein. Es ist nicht einfach. Ich habe schließlich auch nicht einfach so aufgehört. Und wenn ich es versucht habe, dann bin ich immer wieder zurückgekommen. Aber man sollte sich rechtzeitig einen Platz zum Kämpfen suchen, der gut zu einem passt, bei dem man sich nicht seelisch kaputt macht. Ich weiß, was es heißt seine körperliche wie geistige Gesundheit für die Titel dieses Sports aufs Spiel zu stellen."

Jorgés Hund schleicht zu Ihnen. Setzt sich zur linken seines Herrchens und lehnt seinen Kopf an dessen Knie, während er den ständig kleiner werdenden Staubwolken der Taxen hinterherschaut.

Jorgé: "Es geht also um Gold?"

CMJ: "Ja. Nicht irgendeines. Das höchste Gold einer ganz besonderen Promocion. Vielleicht werde ich mir den Kampf ansehen."

Jorgé: "Hielten sie jemals dieses Gold in ihren Händen?"

CMJ: "Nur um es jemand anderem zu übergeben. Ein Goldrausch kann einen Menschen verderben."

Jorgé: "Ja, das kann er. Aber wenn diese beiden Seniores ihre Weggefährten waren, dann können es keine schlechten Menschen sein. Nicht in der Tiefe von Corazon... ihrem Herzen. Denn mit solchen Menschen geben sie sich nicht ab."

McFlys Kopf neigt sich ein wenig zur Seite.

CMJ: "Nein. Keiner von beiden ist ein schlechter Mensch. Aber man darf nie vergessen, dass wir uns manchmal blenden lassen vom schönen Schein. Ein Stück Leder mit einer goldenen Plakete darauf ist so viel mehr als nur ein Wrestlingtitel."

Der Alte macht Anstalten zu gehen. Auch sein Hund hat sich bereits von seinem Platz erhoben.

Jorgé: "Señor Avello, sie sollten sich den Kampf der beiden ansehen. Ich glaube, wenn diese Seniores hierher gekommen sind, um sie zu sehen, vor so einem wichtigen Ereignis, dann ist es das Mindeste, was sie tun können."

McFly löst seine verschränkten Arme.

CMJ: "Sie haben Recht, Jorgé. Ich werde mir den Kampf ansehen. Das ist das Mindeste, was ich tun kann, denn das bin ich Ihnen schuldig."

Fade out


Vincent Craven: "Das heißt also, wir haben einen sehr berühmten Zuschauer heute Abend. Hallo Chris McFly - zumindest von dieser Stelle hier."

Mike Garland: "Wenn er denn schon eingeschaltet hat, Vince. Vielleicht schaut er wirklich nur den Main Event; die Liga scheint ihn ja an und für sich nicht mehr zu interessieren."

Vincent Craven: "Irgendwie befremdlich... irgendwie aber auch beneidenswert."

Mike Garland: "Für Godd und Sharpe bedeuten PCWA und Gerasy indes noch die Welt. Wie bescheuert, dass die beiden ausgerechnet in ihrer Matchvorbereitung zu CMJ fahren... Crazy!"

Vincent Craven: "Heute Abend wird die beiden jedenfalls keiner davon abhalten, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Wir müssen ja nur mal einen Blick nach oben auf den Käfig werfen, der über dem Ring hängt... und wir bekommen neben dem gerade Gesehenen einen kleinen Vorgeschmack davon, was uns heute Abend noch erwartet!"

Mike Garland: "Wer richtig hinsieht, bemerkt außer dem Höllenkäfig ein Seil! Dort werden später die Cotatores aufgehangen - und auch in diesem Match möchte zumindest einer seinen Gegner gehörig an die Gurgel! Und auch das ist eine ziemlich lange Geschichte."

Vincent Craven: "...der wir uns jetzt mit einer Schalte zu Jimmy Maxxx widmen."



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