Scene

Id
3900  
Name
Calm before the dark  
Summary
Die beiden Teilnehmer der zweiten Halbfinals haben vor ihrem Kampf ein letztes verbales Stelldichein - in Sharpes Keller ...  
Position
15  
Scenetype
Live  
Created At
2018-10-23 17:43:20  
Edited At
2018-11-25 09:10:24  
Show
CORE 2018  


Er bewegt sich mit der Eleganz eines Lebewesens, das ganz an sein Element angepasst ist. Und dies zusätzlich noch als genaues Gegenteil seiner Umwelt, die sich erst an die Gegebenheiten gewöhnen muss. Nur … ist es dann meist schon zu spät - eine unfaire Situation. Und doch das Credo eines echten Jägers. Die Vorstellung gefiel ihm - sehr sogar.

Seine Augen stieren in den Spiegel vor sich im Zwielicht. Die Hände vollführen ihre Tätigkeit akkurat und mit ruhiger Sicherheit zugleich. Es heißt nicht umsonst, es gebe keine Dunkelheit - nur Ignoranz. Aber das habe er auch schon abseits der Lichtverhältnisse bemerkt. Und im Grunde … war die Ignoranz sogar ursächlich dafür, wie er jetzt war.

Kevin Sharpe steht im Dämmerlicht einer einzelnen im Kellerraum baumelden Lampe und zieht mit dem Kajal die Linien seines aktuellen Makeup - Stilmittels nach. Im satten Schwarz mit allen Schattierung in den Ausläufern - sein persönliches Stigmata. Gleichzeitig sein Schicksal und Ausdruck dessen, was er in seinem Innersten trägt, denn genau das war es, was die Massen ja von ihm sehen wollen. Wer die Musik bestellt, muss dann auch das tanzen, was dargeboten wird. Selbst, wenn die Melodien des Repertoires dann düster und disharmonisch sind.

"Müssen wir hier denn im Halbdunkeln herumsitzen? Warum machst du nicht das Licht an? Ich meine... wofür haben wir den Keller denn renovieren lassen?"

Anna Richmond pustet sich eine Strähne aus dem Gesicht. Ein Anzeichen dafür, dass sie extrem genervt ist. Dafür sprechen aber auch die vor der Brust verschränkten Arme und das unablässige Auftippen mit dem rechten Fuß. Ohne sich umzudrehen wabert Kevin's Stimme durch das Gewölbe.

Sharpe: "Ich habe meine Gründe, Schatz. Vertrau' mir einfach."

Kevin vollführt einen letzten Strich, bevor er ablässt und zufrieden in den Spiegel nickt. Seine Pupillen grasen schnell jeden Zentimeter des Spiegelbildes ab. Er verschmiert den Lidstrich nochmals mit beiden Händen, bevor er sich herumdreht und grübelnd mit dem Stumpfende des Kajals gegen seine Lippen tippt. In der Art geht er ein paar Schritte …
… bevor Sharpe kurz den Arm hebt und mit dem Stift gegen die Lampe tippt, welche durch den Effet nun hin- und herschwingt. Der trübe Schein gleitet einem Spot gleich durch das Arbeitszimmer des schwarzen Herzens und erleuchtet auf seiner Bahn für Sekundenbruchteile, was er trifft: die Stühle, den Schreibtisch, die Computer, den Schrank … sowie die Konturen einer Person, die in den wenigen Schattenbereichen des ohnehin dunklen Zimmers verharrt.

Sharpe: "Unser 'Gast' fühlt sich so sicherlich wohler. Aber du hast Recht..."

Verwirrt blinzelt die Rothaarige.

Anna Richmond: "Wer... "

Er klatscht zweimal in die Hände - und die Energiesparlampen erhellen den Raum in ein milchig-weisses Licht. Kevin schaut an seiner Freundin vorbei.

Sharpe: "Er ist schon eine ganze Weile hier. Er muss vor uns hier herunter gekommen sein. Ich habe ihn sofort bemerkt, deshalb habe ich das Licht nicht angemacht. Aber das macht nichts. Es passt zu ihm. Hallo, Shadow. Willkommen in meinem Domizil."

Richmond wirbelt herum und nun erkennt sie auch den Besucher.
Mit der Grelle einfließender Helligkeit verschwinden auch die Bereiche opaken Zwielichts, sodass sich der selbsternannte Schatten nun ohne selbige deutlich von der Kellerwand abhebt. In seinen dunklen Klamotten und den Kopf wie immer haarverhangen leicht vorgebeugt holt er die hinter seinem Rücken verborgenen Arme und Hände hervor. Ein wenig lässt er die Finger kreisen, als er sich von der Wand abgedrückt einige Schritte bewegt und an einer der schmalen Seiten des Schreibtisches ankommt. Dann stützt er sich daran mit beiden Armen ab und wartet wortlos auf das, was das schwarze Herz nun tut.

Der Ex-Gerasychampion geht allerdings nur um seinen Tisch herum und lässt sich auf dem Stuhl nieder.

Sharpe: "Ich muss den Hut vor dir ziehen: nicht jeder hat die Eier, hier einzubrechen. Also... Glückwunsch. Auch zum Erreichen des Halbfinales. Aber denke ja nicht, dass ich später im Ring ebenso nachlässig sein werde. Fehler kann man durchaus machen... die Kunst ist, daraus zu lernen und sie nicht noch einmal zu begehen."

Sharpe federt zufrieden lächelnd in seinem Sessel hin und her, wirft einen kurzen Blick zu Anna hinter ihm, bevor er wieder Shadow ins Blickfeld nimmt…
… der inzwischen einen der Stifte von Kevins Schreibtisch genommen hat und verspielt um die Finger rollen lässt.

Shadow: „Scheinbar ist meine Phrasendrescherei ein abfärbendes Phänomen - aber vermutlich immer nur dann, wenn man keine Hand für das Sarkasmus-Schild frei hat.“

Der Soul Survivor drückt sich leicht von der hölzernen Tischplatte ab und setzt sich halb auf diese, den Kopf Sharpe wie auch der in seinem Hintergrund stehenden Richmond zugedreht. Noch immer wirbelt er den Stift, bevor er ihn beiseitelegt.

Shadow: „Sei auch du mir gegrüßt, Alpha-Kevin. Du … und deine charmante Gespielin. Es ist schön, dass du die Zeit seit unserer letzten Begegnung genutzt hat, um nicht nur Wunden zu lecken, sondern auch mit neuerlich gewetzten Krallen zuzuschlagen. Was anderes habe ich auch nicht erwartet - und ich glaube, du bist ebenfalls nicht so dumm, etwas Ähnliches bei mir vorauszusetzen. Ich sage nur quid pro quo: die Höhle eines Raubtiers sollte man stets wachen Auges und gut bewaffnet betreten. Und ich kann dir sagen: die von dir beschriebene Kunst … hab ich bereits für mich verinnerlicht.“

Die Rothaarige reckt das Kinn nach oben.

Anna Richmond: "Du bist reichlich unverschämt für jemand, der in die 'Behausung' eines anderen eingebrochen ist. Aber was ich so gesehen habe ist das eben deine Art. Aber die muss ich nicht gut finden. Ich... "

Kevin hebt die Hand.

Sharpe: "Lass' es gut sein, meine wesentlich bessere Hälfte. Shadow hat die Verbalerotik gepachtet wie kein anderer. Ich hätte es wirklich gerne gesehen, wie er sich im Wortgefecht mit einem Gabriel Lucifer oder einem Azrael Rage geschlagen hätte. Der alte Teufel hätte ihn wahrscheinlich sofort geköpft. Aber hey... das waren andere Zeiten. Und er ist nun einmal hier. Egal ob er nun eingebrochen ist oder nicht. Lass' uns das professionell durchziehen. Das solltest du können, Schatz, oder?"

Die Lippen der walisischen Schönheit sind nur ein Strich. Aber dennoch nickt sie knapp.
Der Kopf des Schattens wippt leicht, gleichzeitig geht seine rechte Hand mit dem Okay-Daumen kurz nach oben.

Shadow: „Ich freue mich, wenn das mit dem professionell dann auch klappen würde. Wäre in der Tat mal eine Abwechslung zum üblichen rache-durchsifften Ring-Pathos, den man sonst immer als Tagesaufgabe kredenzt bekommt. Allerdings bin ich auch nicht enttäuscht, solltest du zum Normalzustand übergehen: also dem eye for an eye oder dem athletischen Fehdehandschuh, beispielsweise für die Ehre der Holden. Und wo wir gerade beim Thema sind…“

Sein ungefährer Blick bleibt kurz an Richmond hängen.

Shadow: „Der wahre Diener ist der wahre Herr … da haben wir sie ja: die Gespielin. Auch genannt die formvollendete Variante des Lakaientums, mit etwas Glück gesegnet durch eine Personalunion aus smarten Ganglien und keckem Mundwerk. Da kann man fast Lenin und seine nützlichen Idioten vergessen - denn man wähnt jemand an seiner Seite, der stets fleißig, gehorsam und beratend ist. Und der nie vorzeitig die Hände in den Schoß legt - zumindest nicht in den eigenen….“

Ein Augenrollen, der Kopf wird nach hinten geworfen und dann folgt ein Kopfschütteln. Die typische Frauenreaktion eben. Der Schatten wartet kurz ab, doch Anna Richmond bedeutet ihm mit einer Handbewegung, mit seiner Rede fortzufahren.

Shadow: „Aber du musst zugeben, Kevin: es hat schon Methode. Poe und seine Chefin, selbst, wenn es gerade etwas knirscht. Du und deine Anna, Godd und sein Weib, selbst Lee hat sich inzwischen Gefolgschaft gesucht. Ganz im Sinne von: einer trage des anderen Last - ist das nun der Siegeszug des wrestlerischen Sozialismus … oder doch bloß ein Ausdruck dessen, dass es die werten Herren nicht allein schaffen, ihre Angelegenheiten in den Griff zu bekommen."

Die Schreibtischlampe wird mit einer Handbewegung von eben Selbigem gefegt und knallt scheppernd gegen die Wand. Das schwarze Herz ist aus seinem Stuhl aufgesprungen und jeder Muskel angespannt. Die dunklen Augenhöhlen fixieren den Schatten.

Sharpe: "Niemand spricht so über meine Frau! Besides... du bist allein, Mann im Schatten. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass es sosehr an dir nagt, dass du jeden, der jemanden um sich hat, damit versuchst in die Enge zu treiben. Aber das funktioniert so nicht, Shadow. JEDER braucht eine Person um sich, bei der er am Ende des Tages sich fallen lassen kann. Wer ist dein Rettungsanker, Shadow... hm? Wer? Sofern es so jemanden überhaupt gibt."

Der Schatten lässt sich Zeit. Er mag nicht nur ein Kenner der genannten Verbalerotik sein, sondern auch der Gesprächspausen - was auf einige befremdlich wirkt. Diese nutzt er dafür kurz aufzustehen, den Rest der geborstenen Lampe vom Boden aufzuheben und in Händen zu halten, bevor er sich wieder setzt.

Shadow: „Damit wären wir beide am Puls des Moments angelangt: du hast meinen ebenso gefunden wie ich deinen…“

Er biegt den Lampenhals ein klein wenig gerade, hält ihn dann so, dass er damit auf Sharpe deuten kann.

Shadow: „… Anna mag deine Ratio und deine Zuflucht sein. Also tu uns beiden einen Gefallen und mach es so wie immer - und lass sie nicht ringside erscheinen. Ganz im Sinne lupenreiner Professionalität.“

Das unergründliche Dunkel stellt die Restlampe zurück neben sich auf den Tisch.

Shadow: „Was deine Analyse meinerseits angeht: das hast du recht. Da gibt es nichts … noch nichts. Nichts, was einem die wachsamen Augen im Rücken ersetzt. Nichts, dass einem die warme wie wohlige Hand behutsam auf den geschundenen Körper legt. Nichts … das einem Zuversicht zurückgibt, wenn man beispielsweise dabei ist, die eigenen Ziele anzuzweifeln …“

Für einen kurzen Moment hält er inne, atmet durch.

Shadow: „…. Nichts, dass einem wie Giftgas etwas einsäuselt. Nichts, dass eine Umarmung zu einem Würgen werden lassen kann. Nichts, dass einen im entscheidenden Moment allein lässt … Auch Rettungsanker haben scharfe Ecke, die tief ins Fleisch schneiden können. Da ich keinen habe, bleibt mir dies ebenso erspart wie auch die Vorteile eines Trabanten. Und da mir diese Gratwanderung bis auf einige Wackler auch ganz gut gelungen ist, brauche ich sie nicht zu hinterfragen. Die Frage, die sich mir mehr stellt…“

Er deutet auf Sharpe.

Shadow: „… wie kannst du es dir leisten, nicht allein zu sein? Ich muss nur in die Annalen der PCWA schauen, um ein kleinere Liste all derjenigen anzufertigen, denen du abtrünnig geworden bist. Und da muss ich nicht mal allzu weit in die Vergangenheit blättern. Also - wenn da mehr sein sollte als die eigene Aura und das Alter ego aus verschmiertem Mascara, bin ich ganz Ohr…“

Die Fäuste immer noch geballt setzt sich Kevin wieder in seinen Stuhl. Dann legt er die Beine auf den Tisch, entspannt die Hände und faltet diese ineinander. Dann fixiert er den Schatten.

Sharpe: "Nur weil du dich in Einsamkeit übst, muss das nicht auf mich zutreffen. Und um auf deine 'Liste' zurückzukommen... ich habe meine Beweggründe mehrfach geäußert. Wenn sich das deinem Verständnis entzieht, nicht mein Problem. Ich umgebe mich mit denen, die ich eben um mich haben möchte."

Er erhebt sich und ballt erneut die Fäuste.

Sharpe: "Und du gehörst nicht dazu. Also... entweder du verschwindest jetzt oder wir ziehen unser Match vor und fangen sofort an... hier und jetzt."

Kevin lässt die Fingerknöchel knacken.

Sharpe: "Your call... "

Als würde nun er nicht darauf reagieren, nimmt Shadow wie beiläufig die kaputte Lampe wieder in die Hand und begutachtet sie scheinbar von allen Seiten.

Shadow: „Manchmal will man auf Eiern gehen und keines zerbrechen … du weißt genauso wie ich, dass es nur einen Ort gibt, wo wir alle gleich sind. Und das sind die seilumrankten Quadratmeter unseres üblichen Kampfgrundes. Also halte dich zurück und entstaube besser nochmal deine … Kunst. Denn das wird für dich gleich kein aus dem Handgelenk geschütteltes Sparring zurück zur Stairway to Gold, was du dir ausmalst. Ich werde genau da mit dir weitermachen, wo ich in der Chamber aufgehört habe. Und ich werde dich ebenso aus dem Weg räumen wie später den Triumphator des Europa-Duells. Denn im Gegensatz zu dir, zu euch allen, bin ich wahrhaft … HUNGRY!“

Kevin lächelt.

Sharpe: "Die Worte kommen mir sehr bekannt vor. Denn es waren die Meinigen vor dem Elimination Chamber Match. Und MEIN Hunger ist beileibe noch nicht gestillt. Aber bedenke immer eines, Shadow: um seine Beute zu zerreissen benötigt man Zähne... und die werde ich dir gleich ausschlagen, wenn du nicht verschwindest!"

Mit einem Satz fliegt nicht nur der Stuhl weg, sondern steht das Blackheart auch kampfbereit. Eine Faust vorgestreckt, die andere bereit, The Unfathomable Dark in die Finger zu bekommen…
… als der nur Sekundenbruchteile später mit den behandschuhten Fingern seiner rechten Hand nach den aus der Lampe ragenden Drähten greift. Ein kurzes Knistern, ein Lichtbogen - und mit einem plötzlichen „Plopp!“ stehen Kevin und Anna im Dunkeln. Die Attacke des Ex-Gerasy wird von der Finsternis verschluckt, aber der Orientierungsinstinkt eines Jägers in seinem Territorium springt sofort an …

… und so erleuchtet das grelle Lampenlicht nach erneutem Klatschen schon bald wieder die Kellergewölbe des schwarzen Herzens. Kevin schaut sich um: von Shadow keine Spur mehr. Er blickt zu Anna, welche ihn noch eine Spur verwirrter anschaut.

Anna Richmond: "Eins muss man ihm lassen: seine Auftritte sind absolut bühnenreif."

Dem ehemaligen Gerasy Champion entfährt ein raubtierhaftes Knurren.

Sharpe: "Er wäre nicht der Erste, der versucht, mit mir Mindgames zu spielen. Und wie so viele vor ihm... wird auch er scheitern. Schon allein die Tatsache, dass er MEINE eigene Einstellung zu der Seinigen macht zeigt mir, dass er mich nicht ganz einzuschätzen weiss. Und das ist mein Vorteil. Dennoch kann ich seine Ninja-Scheiße nicht leiden."

Kevin lässt sich in seinen Stuhl fallen, blickt sich nach allen Seiten um. Die letzten Worte entfleuchen ihm mit dem kältesten Zischeln, zu dem er fähig ist.

Sharpe: "Komm' NIE wieder hier runter!!!"


Vincent Craven: "Muss er ja auch nicht, denn jetzt gleich tritt er dir im Ring gegenüber, Sharpe."

Mike Garland: "Ein verbales Duell bevor die Fäuste fliegen. Psychologische Kriegsführung. Im zweiten Match des Abends werden wir erkennen, bei wem sie gewirkt hat."

Vincent Craven: "Bis dahin steht aber zuerst das andere Halbfinale an. Louis Rouswell gegen James Godd."



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