Scene

Id
3700  
Name
Just checking ...  
Summary
Shadow einmal mehr auf der Suche nach Antworten - diesmal innerhalb der eigenen Company.  
Position
22  
Scenetype
Off Camera  
Created At
2018-05-18 17:56:30  
Edited At
2018-06-04 22:44:34  
Show
Vendetta 134  


…. Irgendwo in Berlin ……….

…. Irgendwann vor der Show ……….

 

Es ist ruhig – für manche vermutlich zu ruhig … und bildet damit gewissermaßen einen Kontrast. Denn obwohl man angesichts nächtlicher Uhrzeiten noch weniger als üblich in dem sowieso schon recht dunklen Lagersaal ausmachen kann, ist das, was dieser eigentlich beherbergt, gewissermaßen ein entferntes Echo grellbunter Erfahrungen, Geschichten und Begebenheiten. Feinsäuberlich strukturiert allerdings…

„…. was denn nu schon wieder los? …..“

Zum schleppenden Jargon passen die schlürfenden Schritte, welche über den Boden kratzen, als würden sie sich immer weiter nähern – bis letztlich der grelle Strahl einer Taschenlampe zwischen zwei Regalreihen erscheint. Das Licht geht ruckartig von der einen zur anderen Ecke, um jeden noch so düsteren Winkel mit Licht zu fluten. Die müden Augen des Verantwortlichen folgen diesem, doch das mit lautem Gähnen einhergehende Blinzeln dieser dürfte selbst davon nur einen Bruchteil mitbekommen. Der Ankömmling wischt sich gedankenverloren die offensichtlich beschmutzte Hand an dem ausgewaschenen Overall sowie einem Namensschild ab, welches ihn als „Dexter“ ausweist. Während er die Hand weiter kreisen lässt, greift die andere den Schirm seines Basecaps und kratzt mit dem paar freier Finger wirr durch das verwuschelte Haar … ehe er seine Mütze wieder aufsetzt und die Lampe abschaltet.

Dexter: „Schon wieder falscher Alarm, ach leck mich doch …“

Auf dem Hacken kehrtmachend begibt sich Dexter nebst einiger unverständlich gemurmelter Flüche zurück auf seinen Posten, wonach die Dunkelheit wieder Besitz von den langen Regalreihen nimmt …

… und von der fast schwarzen Raumecke, in welcher einzelne Konturen nun zum Leben erwachen. Die Schattenschemen in farblich passenden Klamotten treten aus dem Winkel heraus, die Finger und Hände prüfen den Sitz des Handschuhs am jeweils anderen Armende. Der matte Schein eines Notausgangsschildes sowie die illuminierten Richtungspfeile auf dem Boden genügen Shadow derweil, um sich sowohl zu orientieren als auch das ausfindig zu machen, weswegen er gekommen ist.

Fast lautlos schleicht er die Gänge ab, hebt den Kopf nur ab und zu, um nachzusehen, ob er die richtige Reihe erreicht hat. Regal um Regal …

Er hätte das Ganze auch einfacher haben können: eine offizielle Anfrage – eine detaillierte offizielle Antwort. Aber das war nun mal nicht sein Stil … denn Schatten sind ja immer da, wo kein Licht ist. Licht, die Spielwiese geradlinigen Handelns. Für ihn als umschreibenden Taktiker und Metaphoriker war das nichts – und wäre momentan wohl auch eher hinderlich. Denn wer garantierte ihm, dass die detaillierte Antwort auch das enthielt, was er wirklich benötigte. Das PCWA Office und Jona Vark waren schließlich nicht auf den Kopf gefallen. Und wenn er mit Informationen geizte dann waren solche Anfragen gefundenes Fressen, um einerseits den Informationsfluss zu dosieren, damit andererseits dem Gegenüber so beiläufig wie möglich in die Karten geschaut werden konnte…

Stop! Hier war es! So geräuscharm wie zuvor wandte er sich den mannshohen Regalreihen voller beschrifteter schwarzer Boxen zu. Er war beim korrekten Buchstaben angelangt – nun musste er nur noch den Namen finden … oder auch nicht. Denn eigentlich war sein Kommando-Unternehmen genauso diffus wie er selbst. Erschien ER wirklich in den Annalen oder jagte Shadow nur einem Hirngespinst her? Zumindest vergewissern musste er sich, denn auf das wilde Spekulieren der alten Weggefährten gab er nichts… allerdings hatte ihn das erst bis hierher getrieben. Verdammter Teufelskreis!

Die Augen hinter dem Wall langer Haare, die ihm wie immer vor dem Gesicht hingen - auch jetzt -, grasten systematisch die Buchstaben der Register-Boxen ab. Im Grunde wäre seine übliche Maskerade nicht nötig gewesen, denn wer sollte ihn hier schon sehen. Höchstens Dexter und der Rest des Trupps, doch die vermuteten ihn nicht einmal hier. Es war wie das altbekannte Rätsel, ob ein umfallender Baum ein Geräusch mache, wenn doch niemand da ist…

Mit einem Ruck kam alle Bewegung Shadows zum Erliegen. Sein Atem ging flach und rhythmisch wie immer, doch sein Blick war fokussiert wie der eines jagdbereiten Falken. Die Hand folgte der Augenrichtung … und streifte mit dem Zeigefinger an der Box mit dem gesuchten Namen entlang. Und an noch einer … und noch einer ………….

Also doch: wenn sie ihn schon katalogisiert hatten, war das die fast sichere Bestätigung dessen, was er vermutete. Nun hatte er Gewissheit – und hätte sie doch am Liebsten gegen den Irrtum eingetauscht. Das Schicksal führte sie also zwangsläufig früher oder später wieder zusammen – und dem konnte man nicht entfliehen … oder lag darin vielleicht sogar eine Chance?! Es heißt ja nicht umsonst, dass man die Dinge so nehmen soll, wie sie kommen. Aber man sollte auch dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte. Er als unergründliches Dunkel hatte es somit in der Hand. Blieb nur noch die Frage, wie lange …

Shadow überflog das lange Regalabteil: sie hatten wirklich exakte Arbeit geleistet und nahezu alles eingeholt, was es an gutem Material über ihn gab. Die Bandbreite reichte von den Anfängen damals über harte Zeiten oft Schulter an Schulter. Tja, es war eine andere Zeit und andere Situation … ein WAR …

Er las weiter die Beschriftungen früherer Erlebnisse … und hielt erneut inne. Sein Finger blieb auf dem Zwischenraum zweier Boxen liegen – und zog dann geschickt den kleinen gefalteten Zettel hervor, welcher dazwischen klemmte. Er besah ihn prüfend von allen Seiten und verharrte einige Sekunden länger auf dem handgeschriebenen „Für Shadow…“ … Woher verdammt … aber genau wie ihn selbst würde und sollte er auch ihn nie unterschätzen.

Mehr als vorsichtig entfaltete Shadow den Bogen und ließ die Worte auf sich wirken.

 

„Hallo, alter Weggefährte!

Wenn du diese Zeilen lesen solltest, dann habe ich dich richtig eingeschätzt – und auch Deinen üblichen Instinkt. Lass dich allerdings nicht von meinen gesammelten Werken täuschen: noch habe ich den entscheidenden Handschlag nicht getätigt, aber nachdem sich nun für mich eine Tür geschlossen hat, bin ich wieder auf der Suche nach einer Offenen.

Ich hoffe du verstehst, dass ich über diese Variante nachdenke – und ich hoffe auch, dass wir wieder eines beweisen können: nämlich parallel und erfolgreich einer Liga unseren Stempel aufzudrücken. Wir werden also sehen, was die Winde des Schicksals für uns bereithalten.

Und selbst wenn nicht  – dann kennst du ja mein Motto: don’t blame it on yourself …

 

CU, TC.“

 

 

Shadow las die Zeilen gefühlt ein halbes Dutzend Mal, bevor er den Arm mit dem Schriftstück sinken ließ. Er kannte seine Spielchen und nutzte diese gleichfalls  – aber das hatte er auch nie bezweifelt. Zumindest die Seite an ihm war für den Schattenmann stets bar jeglicher Spekulation gewesen. Dem Gegenüber standen jedoch die Erfahrungen vergangener Zeiten und die Last, deren manchmal bitteren Geschmack über die Jahre zu tragen und zu ertragen. Noch waren seine inneren Waagschalen im Gleichgewicht, doch eine Seite tendierte inzwischen mehr und mehr…

Mit einem matten gläsernen Klingeln und grell flackernd gingen mit einem Mal sämtliche Leuchtstoffröhren in dem Raum an und fluteten diesen derart, dass man erst jetzt die gesamte Dimension von ihm ausmachen konnte.

„… hör auf mit dem Quatsch und der Hetzerei.“

„Ich hab es euch einmal gesagt und ich wiederhole mich gern: ich habe da was gehört und auch gesehen.“

„Na, wenn’s was Lebendiges war, dann vermutlich deine Fantasie….“

Mit schnellen Schritten erschienen Dexter und zwei weitere Angestellte erneut zwischen den Regalen, begaben sich dann auf den breiten Quergang und blickten sich nach allen Seiten um. Nichts war zu sehen und auszumachen.

„Tja, wie sie sehen, sehen sie nichts – das war ja mal wieder eine schöne Gespensterjagd, Flexter.“

„Komm, sei leise – sonst weckst du Kasper und Konsorten vielleicht noch auf…“

Das Duo feixte sich eins und wurde von Dexter mit einem bösen Blick bedacht.

„Ja, lacht ihr nur, aber wenn hier dann doch was fehlen sollte, möchte ich nicht eure blöden Gesichter sehen.“

„Deins reicht uns schon …“

„… und mal ehrlich: wer sollte hier schon einsteigen, wo es doch genügend legale und illegale Videoportale online gibt. Komm schon – du bist dran mit geben…“

Mit sanftem Klaps bugsierten die beiden Dexter wieder aus dem Raum, loschen das Licht und verschlossen die Tür hinter sich. Nun kann man deren Beschriftung sehen:

 

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