Scene

Id
2648  
Name
Etzala Seggsschreiben!  
Summary
 
Position
33  
Scenetype
Live  
Created At
2016-01-11 23:29:32  
Edited At
2016-01-17 22:13:52  
Show
Vendetta 114  


Ein eigenartiges Bild bietet sich dem geneigten Zuschauer, als die Kamera aufblendet und den Fight Club einfängt. Das hat allerdings weniger etwas damit zu tun, dass jemand die Kirche der Religion of Death neu eingerichtet oder zu einem Flüchtlingsheim umfunktioniert hat, sondern daran, dass er zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Show wie verlassen wirkt. Kein einziges Mitglied der RoD ist zu sehen, weder im Wrestlingring, noch im Octagon. Bloß Ashley Stanton, Hannibal Cains Gast für den heutigen Abend, hat sich in der Sitzecke auf einem der quadratischen, grauen Filzsessel niedergelassen und wartet, gelangweilt mit einigen Strähnen ihres Haares spielend, darauf, dass die Gemeinde wieder in ihr Gotteshaus einkehrt.

Nachdem er sich nach seinem Match wieder frischgemacht hatte, bot Hannibal ihr zwar an, ihn, wie schon früher am Abend, bei seinen zahlreichen Terminen abseits der Kameras zu begleiten, aber nachdem sie bei seinem Match zu seinen Gunsten eingriff und ihm so zum Sieg verhalf, empfand sie es als keine gute Idee, noch weiter durch den Backstagebereich zu streifen. Natürlich hätte sie mit ihrem Backstage-Pass, der um ihren Hals baumelte, alles das machen können, was sie schon als Wrestlerin hätte tun können. Allerdings verzichtete sie lieber und wollte im Schutze zweier am Eingang positionierter Sicherheitsmänner im Fight Club bleiben. Es hätte sich nach diesem Matchausgang nur noch merkwürdiger angefühlt, die Korridore des PCWA Theaters unsicher zu machen, fühlte sie sich seit Beginn der Show doch schon wie ein Fremdkörper in dieser Liga. Das stimmte ja irgendwie auch. Laut Jona Vark wurde sie ja bereits durch Kathy Strong ersetzt. Ausgerechnet Kathy! Und jeder andere war offenbar damit einverstanden. Es war wie Hannibal letztendlich prophezeite. Man hatte sich in der PCWA gedanklich bereits von ihr verabschiedet. Just another girl getting lost in the shuffle. But who cares, right? Wer war sie schon im Gegensatz zu Chicagos neuer Wrestling-Hoffnung namens Kathy Strong?

Unwillkürlich verzieht das Mitglied der Religion in spe ihre Lippen zu einem Schmollmund und trommelt mit ihren Fingern einen geräuschlosen Rhythmus auf den Armlehnen ihres Sessels, während sie ihren finsteren Blick über den wie leergefegt wirkenden Fight Club gleiten lässt. Sie würde sich das nicht gefallen lassen. Sie würde ihnen noch beweisen, dass sie einen Fehler gemacht haben, als sie sie gehen ließen. Sie würde ihnen beweisen, dass sie – und nur sie – die beste Athletin war, die dieses Geschäft je gesehen hat. Noch vor Runa Lillith Heritage, vor Devil's Bitch, vor Melina, vor allen anderen, die kamen und gingen. Und ganz besonders vor dieser kleinen, usurpierenden...

"Lasst mich durch! Ich will zu ihr!"

Die Stimme aus dem Hintergrund lässt die junge Frau aus KCMO aus ihrer überlaunigen Gedankenwelt auftauchen. Konsterniert schaut sie zum Eingangsbereich und erblickt dort James Godd, der mit den Mannen von Gabriel Security gerade eine hitzige Diskussion darüber zu führen scheint, ob man ihm den Eintritt zum Fight Club gewährt oder nicht.

James Godd: "Du!"

Nun hat auch "Britain's Finest" sie entdeckt, was Ashley Stanton wiederum dazu veranlasst, sich aus der Sitzecke zu erheben und zu den Streitenden aufzuschließen. Den Tag Team Partner von Chris McFly jr. auf Abstand haltend, dreht einer der Sicherheitsmänner sich zu Ashley Stanton an.

Security: "Sollen wir ihn wieder vor die Tür werfen? Fühlen Sie sich von ihm belästigt, Ms. Stanton?"

Ms. Stanton. Als ob sie, ein einfacher Gast, hier irgendetwas zu sagen hätte?! "Ms. Stanton" setzt ein höfliches Lächeln für den Security auf und winkt im gleichen Zug ab.

Ashley Stanton: "Nein, schon gut. Es gibt offensichtlich etwas, das er unbedingt loswerden muss."

...und sie kann sich schon vorstellen, was das ist, obwohl sie überhaupt keine Lust hat, hier und jetzt mit James Godd zu diskutieren.

Die Männer der Gabriel Security geben den Weg für den Londoner frei, der sich daraufhin vor der Brünetten aufbaut und sie mit verärgerter Miene anstiert. die ehemalige ATHENA-Wrestlerin erwidert den Blick mit dem gleichen ablehnenden Augenausdruck, will ihn wissen lassen, dass sie seine Anwesenheit hier nicht schätzt.

Ashley Stanton: "Also. Was willst du?"

Der Engländer schüttelt kurz den Kopf, ehe er ausschnauft.

James Godd: "Tu nicht so, als ob du nicht wüsstest, weshalb ich hier bin, denn ich habe bisher nicht unbedingt den Eindruck gewonnen, dass du dumm seist! Also was sollte der Bullshit? Wieso zum Teufel hast du für Cain eingegriffen? Ich dachte eigentlich nicht, dass wir beide Probleme miteinander hätten!"

Sie antwortet nicht, starrt die eine Hälfte des Finest Catch Clubs nur feindselig an. Rechtfertigungen. Sie hat es inzwischen so satt.

James Godd: "Was ist los Ashley? Hat es dir die Sprache verschlagen? Oder hast du einfach schlichtweg nichts zu deiner Verteidigung vorzubringen?"

Er blickt sie fragend an. Er will wirklich wissen, was das sollte. Er hat eigentlich schon mehr als genug Feinde.

Ashley Stanton: "Was erwartest du denn zu hören, James? Dass das nette Mädchen von nebenan wie Lindsay Lohan plötzlich ihre unartige Seite an sich entdeckt und ab jetzt nur noch mit den Mean Girl an einem Tisch sitzt? Dass ich das aus reiner Boshaftigkeit getan habe und dein Match ruinieren wollte?"

Ashley stellt diese Kaskade an hypothetischen Fragen mit einer überraschend ungehaltenen Intonation.

Ashley Stanton: "Ich habe es getan, weil ich es tun musste. Weil es nötig war. Um meinen Job zu retten. Das hatte rein gar nichts mit dir zu tun. Du hattest lediglich das Pech, heute gegen Hannibal Cain in einem Match zu stehen..."

Die Augenlider des Engländers zucken auf.

James Godd: "Ich bin also nichts weiter als ein fucking Kollateralschaden, ja? Ist es das was du mir gerade sagen willst? Hat er dir diesen Floh ins Ohr gesetzt, nachdem er vor Miss Vark deinen Fürsprecher gemimt hat? Huh?"

Die Augen des Engländers funkeln aggressiv und er hört die Worte des Night Fighters in seinem Schädel wiederhallen.

James Godd: "Los, sag schon. War das etwa seine Bedingung für seine Hilfe? Dass du meinen Kampf sabotierst? Einen Kampf, der für mich weit mehr als nur ein gewöhnlicher Kampf war! SO WHAT?"

Nun wird auch "Britain's Finest" wieder laut, was die Männer von Gabiel Security am Eingang des Fight Clubs misstrauisch zu dem Mann und der Frau blicken lässt, bereit einzugreifen, falls die Situation zwischen Hannibal Cains Gast und dem "Eindringling" sich noch weiter zuspitzen sollte. Natürlich wusste sie davon, dass zwischen dieser Ansetzung mehr hintersteckte, als der reine sportliche Vergleich. Es ging um die Ehre einer Toten, seiner Geliebten. Und auch wenn Hannibal das Ganze als Lappalie herunterspielte, konnte sie nicht anders, als James Godds Einsatz für diese Sache als rührend zu empfinden. Trotzdem konnte sie auf seine verletzten Gefühle keine Rücksicht nehmen. Dafür war in diesem knallharten Geschäft einfach kein Platz und ihre Kündigung war dahingehend eine erhellende Erfahrung, um zu begreifen, dass mit Ausnahme von Hannibal Cain die meisten nur für sich selbst in der PCWA einstanden.

Ashley Stanton: "Exactly. So what?! Für dich ging es doch nur darum, dein gekränktes Ego aufzupolieren. Hat dieses Mal nicht geklappt. Klappt dafür vielleicht beim nächsten Mal. Ich hingegen habe diese Option nicht. Ich stehe weiterhin mit dem Rücken zur Wand und Hannibal war der einzige, der zu mir stand. Loyalität, James. Ich habe dem Mann, der mir eine Chance gegeben hat, die mir sonst niemand zugestanden hätte, Loyalität bewiesen, indem ich ihm half, dich zu besiegen. Wenn die PCWA-Fans mich dafür kritisieren wollen, dann lass sie doch – sie könnten nicht mal eine Meile in meinen Schuhen laufen. Aber du wirst das nicht tun. Nein, von jemandem wie dir lasse ich mich für meine Lebensentscheidungen nicht verurteilen!"

Dass die Amerikanerin hier auf die frühere Drogensucht des einstigen Tribunes anspielt, die zu dem Zeitpunkt die gesamte Wrestling-Presse beherrschte, bleibt unausgesprochen, aber natürlich hat der Londoner sie verstanden und starrt die aufgebrachte Frau dementsprechend irritiert an. Er weiß, dass er diese Phase seines Lebens längst überwunden hat und doch hat sie ihn damit getroffen. Vermutlich wegen all dem Scheiß, der in letzter Zeit passiert ist, und der so viel Bezug zu seiner eigenen Vergangenheit hat. Da wäre Mad Dog... sein bester Freund... angefixt von diesem verdammten Dalm1 und nun, wie einst er selbst, der Sucht verfallen. Und dann ist da der Tod von Sandy! Sandy, die sich während der harten Zeit seines Entzugs immer um ihn gekümmert hat. Die stets für ihn da war, obwohl sonst niemand mehr zu ihm gehalten hatte! Sandy, der er niemals gestanden hat, was sie für ihn bedeutet hat. Der Atem des Engländers wird schwerer und er blickt betrübt zu Boden. Als er den Kopf wieder erhebt, spricht er weiter, dieses Mal jedoch mit weitaus ruhigerer, fast schon gebrochener Stimme.

James Godd: "Du hast Recht. Ich habe verdammt beschissene Lebensentscheidungen getroffen in der Vergangenheit. Aber denkst du wirklich, dass es für mich einfacher war? Fuck no! Ich habe gekämpft um hier wieder antreten zu können. Ich habe diese verfickten Entscheidungen hinter mir gelassen, um ein neuer, ein besserer Mensch zu werden. Denkst du etwa, ich wäre hierher zurückgekehrt und man hätte mir direkt einen Vertrag gegeben? Nach meiner Vorgeschichte?"

Er hebt fragend die Augenbrauen und fährt fort.

James Godd: "Nein! Ich musste bei Miss Vark darum betteln wie ein räudiger Hund. Ich musste erst unter Beweis stellen, dass ich es immer noch drauf habe. Aber ich habe nicht zu solchen Mitteln gegriffen, um mir einen Vertrag zu erschleichen!"

Er sieht sie mit festem Blick an.

James Godd: "Außerdem habe ich dich nicht verurteilt! Ich versuche dir, GERADE weil ich diese fucking Entscheidungen in der Vergangenheit getroffen habe, die Augen zu öffnen darüber, wer dieser verfickte Hannibal Cain tatsächlich ist! Denkst du ernsthaft, dass er sich auch nur eine Millisekunde für dich und dein Schicksal interessiert? Deine Geschichte ist doch nur ein Vehikel für ihn, ein weiteres Argument, mit dem er begründen kann, warum sein Weg der Richtige ist. Cain nutzt dich aus, Ashley. Du bist nichts weiter als sein Ego Boost und eine weitere Versicherung dafür, falls im Ring mal wieder etwas schiefläuft bei ihm..."

"Britain's Finest" hält inne, schüttelt mit dem Kopf, wirkt auf einmal genuin enttäuscht darüber, dass sie es nicht verstehen will.

James Godd: "Und du frisst ihm die Lügen, die er dir auftischt, direkt aus seiner Hand..."

Patsch! Die Wucht der Ohrfeige, die die Amerikanerin James Godd gerade verpasst hat, hallt im gesamten Fight Club wider. Für die folgenden Sekunden kann man bloß die leise vor sich hinbrummende Lüftung hören, bis Ashley Stanton das Schweigen bricht.

Ashley Stanton: "Verschwinde! Sofort!"

James bleibt stehen. Er wirkt in diesem Moment völlig emotionslos. Am liebsten würde er es ihr jetzt heimzahlen, doch es wäre falsch. Sie kann im Grunde genommen nichts für seine heftige Reaktion. Die Worte waren mehr gegen Cain gerichtet, als gegen sie. Und doch spürt der Engländer, wie die Wut langsam wieder in ihm hochkocht. Immer noch bewegt er sich keinen Millimeter und starrt Ashley einfach nur mit einer ernsten Miene an. Schließlich öffnet er doch noch den Mund.

James Godd: "Du wirst dich noch an meine Worte erinnern. By Godd, das wirst du!"

Die Gesichtszüge des Engländers werden wieder härter, während er den Blick immer noch nicht abwendet.

Security: "Na los! Sie haben die Frau gehört."

James merkt, wie er von hinten von einem der Sicherheitsmänner am Arm gepackt wird und reißt sich mit einem wütenden Funkeln augenblicklich von ihm los.

James Godd: "Den Weg finde ich auch alleine raus. Ich war sowieso mit ihr fertig."

Spricht's und marschiert, ohne Ashley Stanton auch nur noch eines Blickes zu würdigen, aus dem Fight Club heraus. Ein letztes Mal noch fängt die Kamera ein, wie junge Frau aus KCMO ihm hinterherschaut, dann schaltet die Regie zurück zu Vincent Craven und Mike Garland.

 

Mike Garland: „Wie ein eifersüchtiger Ehemann. Da liegt keine Love In The Air!“

Vincent Craven: „Absolut nicht. Ich kann James Godd verstehen, dass er so aufgebracht ist.“

Mike Garland: „Gewalt gegen Frauen müssen wir in solchen stürmischen Zeiten streng verurteilen.“

Vincent Craven:  „Naja, das war keine Gewalt. Das war nachvollziehbar. Ashley hat pro Cain im Match agiert. Das ist verstörend. Hannibal scheint sie tatsächlich mit seinen Predigten zu erreichen.“

Mike Garland: „Hannibal Cain wird schlichtweg unterschätzt. Deshalb hat er auch keinen Possession Award gewonnen.“

Vincent Craven: „Ein Glück!“



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