Scene

Id
2630  
Name
Rekonvaleszenz  
Summary
 
Position
10  
Scenetype
Live  
Created At
2015-12-23 19:41:29  
Edited At
2016-01-17 17:39:40  
Show
Vendetta 114  


"Wie geht es uns denn heute?"

Die typische Mediziner Floskel, aber sie trifft in dem Moment komplett zu. Kevin knetet sich mit der rechten Hand den Nacken, während seine Beine von der Liege baumeln.

Sharpe: "Ganz gut soweit."

Dr. Häuser hebt eine Augenbraue. So kurz angebunden kennt er Kevin Sharpe nicht.

Dr. Häuser: "Ist das so. Nun denn... keine motorischen Störungen? Keine Kopfschmerzen oder Doppelbilder?"

Kevin schüttelt den Kopf.

Sharpe: "Nope, alles im grünen Bereich."

'Bis auf den Kerl im weißen Anzug, der mich seit dem Match einfach nicht in Ruhe lassen will'. Aber das behält er für sich. Er kann es sich nicht erklären, aber er möchte Stand Jetzt mit Niemandem über diesen Mann sprechen. Die Frage nach dem 'Warum' blieb bis jetzt ebenso unbeantwortet wie die Tatsache, was er eigentlich von ihm wollte. Helfen... ja, das hat er gesagt. Aber wie diese Hilfe aussehen soll... darüber grübelt Kevin schon, seit dieser sonderbare Mann ihn im Krankenhaus besucht hatte.

Dr. Häuser schaut über den Rand seiner Lesebrille.

Dr. Häuser: "Kevin... wir kennen uns nun auch schon etwas länger. Ich merke doch, dass etwas nicht in Ordnung ist."

Er nimmt die Brille ab und setzt sich neben Sharpe auf die Liege.

Dr. Häuser: "Ich bin nicht nur ihr Arzt, ich bin ihr Freund. Also, wo drückt denn der Schuh?"

Kevin seufzt.

Sharpe: "Ich weiss es nicht. Irgendwie ist alles... ich fühle mich seit dem Match so anders... so verloren irgendwie. Ohne Kraft."

Häuser nickt. Genau das ist es, was ihm auch aufgefallen ist. Der Mann, der neben ihm sitzt, ist in sich gesunken und wirkt so, als wäre ein Feuer in ihm erloschen. Er räuspert sich.

Dr. Häuser: "Ich sehe schon. Vom rein medizinisch-physischen Standpunkt aus betrachtet sind Sie völlig gesund. Allerdings könnten die Ereignisse durchaus einen psychologischen Befund ausgelöst haben."

Der Mediziner erhebt sich von der Liege und setzt die Lesebrille wieder auf.

Dr. Häuser: "Warten Sie kurz im Vorraum. Ich kenne da jemanden, der Ihnen eventuell helfen kann."

Sharpe hebt eine Augenbraue.

Sharpe: "Sie empfehlen einen Seelenklempner?"

'Wäre vielleicht gar nicht so verkehrt.' Häuser nickt lächelnd.

Dr. Häuser: "Ich bevorzuge den Terminus 'Psychotherapeut'. Noch ein gut gemeinter Rat... vermeiden Sie es in der nächsten Zeit, Stuhlschläge oder ähnliches mit dem Kopf abfangen zu wollen. Und für Sie... "

Er zeigt auf den Kameramann.

Dr. Häuser: "Ist die Aufnahme hier beendet. Ein bißchen Privatsphäre darf ich für meine Patienten wohl erwarten."

Kevin lächelt. Dieser Mann war einfach nur Mediziner aus Leidenschaft. Er erhebt sich ebenfalls, geht an dem Kameramann vorbei ins Wartezimmer und schliesst die Tür hinter sich.

 

Der Warteraum ist leer. Das Licht ist gedimmt. Kevin seufzt kurz und lässt sich auf den nächsten Stuhl fallen.

"Der gute, alte Dr. Häuser. Einer der wenigen in diesem Affenzirkus, dem es wirklich um die Menschen geht. Nicht um 'Produkte'."

Weisser Anzug, schwarzes Hemd, und das Gesicht im Schatten verborgen. So steht der Unbekannte in der Mitte des Raumes. Kevin bleibt in seinem Stuhl sitzen und mustert sein Gegenüber.

Sharpe: "Du scheinst mit der PCWA sehr vertraut zu sein."

Ein kurzes, bellendes Lachen schallt durch das Krankenzimmer.

"Ich kenne weniges... und vieles. Es gibt kaum etwas, das mir in der PCWA unbekannt ist!"

Kevin lehnt sich in seinem Stuhl nach vorne.

Sharpe: "Und darf ich endlich erfahren, wer du bist?"

Der mysteriöse Unbekannte deutet eine Verbeugung an.

"Wie unhöflich von mir. Brat Hackle... zu deinen Diensten. Und ich habe VIEL zu bieten!"

Der geheimnisvolle Mann beginnt im Warteraum auf und ab zu gehen. Wieso konnte Kevin sein Gesicht nicht richtig erkennen? Es ist, als würde Hackle seinen eigenen Schatten vor sich hertragen. Sharpe bemüht sich zur Ruhe und lehnt sich im Stuhl zurück. Die schwarzen, glänzenden Lederschuhe knarzen auf dem Parkettboden.

Sharpe: "Und was ist es, dassdu mir anbieten kannst? Es wird langsam Zeit, dass du damit rausrückst! Wenn ich kryptische Nachrichten haben will, dann kann ich genauso gut mit Eleven ein Bier trinken gehen."

Hackle's Lachen hallt durch den Raum. Nicht laut... eher wie ein sanftes Windrauschen, das die Blätter durcheinander wirbelt.

Hackle: "Eleven... der Meister der Rhetorik. Was würde ich darum geben, mit ihm einmal ein Kolloquium abhalten zu können. Aber er ist nicht mehr da und es geht auch nicht um ihn... es geht um DICH, Kevin. Du bist eine verwirrte Seele im Zirkus, der sich PCWA nennt. Du hast Großes geleistet, und doch bei United as One Alles verloren. Der große Kevin Sharpe, Liebling der Fans, geschlagen auf dem Rücken, in der Scham der Niederlage. Im fauligen Dreck seines eigenen Versagens. Die unbesiegbare Kampfmaschine, die nie aufgibt. Du hast allen gezeigt, dass du ein Mensch und keine seelenlose Hülle bist. So wunderbar verletzlich und angreifbar. Und das, mein Freund... "

Er bleibt in der Mitte des Raumes stehen und fixiert Kevin, was dieser nur erahnen kann. 'Wie macht der Kerl das mit dem Schatten nur?'

Hackle: "Werden sie schamlos ausnutzen. Alle! Du bist wie neu geboren, Kevin. Wie ein Schlaganfall-Patient, der wieder Sprechen und Laufen lernen muss. Sie werden an deiner Tür kratzen, dich mit vor widerlicher Freundlichkeit triefender Stimme entweder noch mehr in den Dreck ziehen oder dir den Himmel auf Erden versprechen. Ob Hannibal Cain, Azrael Rage, Gabriel Lucifer... Herrgott... sogar Robert Barker könnte sich deinen Geisteszustand zunutze machen."

Er klatscht in die Hände und vollführt eine Drehung um die eigene Achse.

Hackle: "Und genau da komme ich ins Spiel."

Er geht auf Kevin zu und stützt sich mit beiden Armen auf die Stuhllehnen. Kevin kann seinen Atem riechen... süßlich wie verfaultes Fleisch. Er spürt, wie sich sein Magen umdreht und er muss sich bemühen, nicht den weissen Anzug von oben bis unten voll zu kotzen. Hackle's Gesicht bleibt weiter im Schatten, doch er kann nun seine Augen sehen. Eine tiefe, undurchdringliche Schwärze die es unmöglich macht, auch nur einen Funken Emotion daraus zu lesen.

Hackle: "Ich bin hier, um dich zu beschützen. Dich vor den Einflüsterungen der Anderen zu bewahren. Dich wieder auf den richtigen Weg zu bringen. DEN Kevin Sharpe wieder zu formen, den alle kennen und lieben!"

Das war eine glatte Lüge, doch Hackle weiss genau, dass der momentan überaus labile Sharpe diese nicht erkennen würde. Es ging nicht um alle... nur um einen. Einen Einzigen. Er beugt sich zu Kevin hinunter... bringt den Mund ganz nahe an Sharpe's Ohr.

Ein Flüstern, das wie moderndes Laub klingt.

Hackle: "Jona Vark wird die erste sein, die sich deine Situation zu Nutze machen will. Nimm dich vor ihr in Acht!"

Dann geht Hackle zur Tür. Sharpe springt aus dem Stuhl auf.

Sharpe: "Jona? Woher weisst du... ich habe später einen Termin bei ihr!"

 

Die andere Tür des Raums springt auf und Dr. Häuser betritt das Wartezimmer. Der Kamermann tut sofort wieder das, was ihm kurz zuvor verboten wurde. Sharpe dreht sich von Hackle weg.

Dr. Häuser: "Mit wem haben Sie gesprochen, Kevin?"

Sharpe öffnet den Mund und dreht sich um. Weg. Wie ein Laubhaufen, der davon geweht wurde. Sein Mund klappt augenblicklich wieder zu. 'Wie macht der Kerl das?' Dann fixiert er Dr. Häuser.

Sharpe: "Mit Niemandem."

Häuser hebt eine Augenbraue und reicht Kevin eine Visitenkarte. Nein, es geht diesem Mann seelisch offensichtlich nicht gut. Vielleicht waren doch Schäden geblieben? Er wird sich später noch einmal die letzten MRT Aufnahmen ansehen.

Dr. Häuser: "Wenn Sie meinen. Hier, rufen Sie ihn an. Entrichten Sie meine besten Grüße, dann erhalten Sie auch zügig einen Termin. Guten Tag."

Fest klopft der Mediziner seinem Patienten auf die Schulter und drängt ihn beinahe aus der Tür hinaus. Dort wartet schon die liebreizende Anna Richmond mit einem freundlichen Lächeln.

Anna: "Es scheint, als hätte der gute Dr. Häuser es langsam satt, dich dauernd zusammen zu flicken und ständig Kontrolltermine wahrzunehmen."

Dann presst sie die Lippen aufeinander.

Anna: "Genauso wie ich auch. Was sagt er? Ist alles in Ordnung?"

Kevin nickt nur knapp, während seine Freundin sich bei ihm einhakt und beide den Gang entlang laufen. Er konnte vor wenigen Augenblicken Dr. Häuser nicht von seinem geheimnisvollen, neuen Freund erzählen... und etwas in ihm widerstrebt der Tatsache, Anna von Brat Hackle zu erzählen. Er gibt ihr einen Kuss auf die Wange.

Sharpe: "Alles wird gut, Anna. Ich verspreche es dir... "

Sie umgreift seinem Arm fester und lehnt ihren Kopf gegen seine Schulter.

Anna: "Ich glaube dir... "

Unauffällig beäugt Kevin die Visitenkarte, dann wandert diese genauso unauffällig im Vorbeigehen in den nächsten Mülleimer.

 

Mike Garland: „Da dreht anscheinend jemand langsam durch!“

Vincent Craven: „Dr. Häuser sieht darin eher ein psychisches Problem.“

Mike Garland: „Damit hat er bestimmt Recht. Das Match gegen L33 bei United As One hat Kevin Sharpe dennoch mehr schlecht als recht überstanden. Er bildet sich andere Menschen ein, mit denen er redet.“

Vincent Craven:  „Das wissen wir nicht genau. Deshalb hat ihm Dr. Häuser ja vorsorglich einen Termin mit einem Psychotherapeuten gemacht. Wichtig ist außerdem, dass er Anna hat.“

Mike Garland: (*singt wieder*) “Love Is In The Air…”

Vincent Craven: „… Jetzt geht das wieder los… Kevin Sharpe wird schon wieder. Ich drücke ihm jedenfalls fest die Daumen!“



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