Scene

Id
2626  
Name
Fehler.  
Summary
 
Position
6  
Scenetype
Off Camera  
Created At
2015-12-23 10:23:34  
Edited At
2016-01-12 12:15:34  
Show
Vendetta 114  


United As One. Eine Geburtstagsshow, die so viel Freude bringen sollte, ist stattdessen zu einem Hort der Melancholie verkommen. Mad Dog hat Stevie van Crane in den Ruhestand befördert, L33 hat Sharpe ins Krankenhaus geprügelt und Robert Barker hat Díego Sanchéz‘ Karriere beendet. So ist es nicht verwunderlich, dass an diesem Abend eine ganze Reihe Fans ihre Stimmung mit Alkohol zu heben versuchen. Es nicht einmal sonderlich verwunderlich, dass der ein oder andere Wrestler das Gleiche tut. Das es allerdings gerade Robert Barker ist, der in Virchowas Lounge grimmig einen Whiskey nach dem anderen in sich reinkippt, ist dann doch... verwunderlich. Niemand, der die Show nicht gesehen hat, würde vermuten können, dass hier jemand sitzt, der seinen Undisputed Gerasy Titel verteidigt hat und die Karriere des Mannes beendet hat, den er jahrelang für so vieles verantwortlich gemacht hat, das in seinem Leben schief gelaufen ist.

Ein Kellner macht sich daran Robert zu fragen, ob er etwas essen möchte. Company Policy. Barker hatte ihn schon einmal fortgeschickt, aber er hat seine Vorschriften. Also wischt er sich den Schweiß von der Stirn, hält die Speisekarte bereit und vergisst seinen Text, als Robert ihn anschaut wie der Hass in Person. Der Champion hat genug davon, angestarrt zu werden. Von dem Kellner genauso wie von den Fans, die ihn in der Halle ausbuhen, aber hier auf einmal ein Autogramm wollen.

Robert Barker: „EY!“

Rund um Robert herum wird es still. Dem Kellner entfleucht ein schreckhafter, viel zu hoher Ton. Noch mehr Leute beginnen zu starren. Auch die angesprochene Person, obwohl sie nicht weiß, was sie verbrochen hat.

Robert Barker: „Komm her!“

Ashley Stanton deutet auf sich.

Ashley Stanton: „Ich?“

Der Champion blickt am Kellner vorbei.

Robert Barker: „Siehst du sonst noch jemanden, der es wert wäre angesprochen zu werden?“

Stanton ist einen Moment wie eingefroren, als die donnernde Stimme des Undisputed Gerasy Champions seiner Aufforderung ein weiteres Mal den nötigen Ausdruck verleiht. Trotz seiner imposanten Gestalt hat sie den wichtigsten Mann der PCWA nicht bemerkt, bevor er sie aus ihren Gedanken riss. Gedanken an das Gespräch, dass sie noch vor wenigen Stunden mit Hannibal Cain führte und in welchem er ihr eröffnete, dass er ihr helfen wollen würde, ihren Job in der PCWA zurückzubekommen. Gedanken an seine Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit in einer Liga, in der jeder nur auf sein eigenes Wohl bedacht war und in welcher sie auf einmal überflüssig geworden ist – das hatte sie in dieser dunkelsten aller Stunden nicht nur kalt erwischt, sondern im gleichen Zug auch tief berührt... so tief berührt, dass sie sich in seine Arme flüchtete und plötzlich dabei wiederfand, wie sie ihren Retter auf dem wie leergefegt wirkenden Platz vor dem PCWA-Dome unter dem Schein einer Laterne begann zu küssen. Auch alles, was darauf folgte, wie er sie auf sein Hotelzimmer entführte, wo sie dann miteinander schliefen und wie falsch sich das Ganze im Nachhinein anfühlte, war etwas, für das sie in die Lounge kam, um in Ruhe zu rekapitulieren, was ihr da widerfahren war. Wie man an der grimmigen Miene des Undisputed Gerasy Champions sehen kann, ist dieser Plan allerdings nunmehr hinfällig, schließlich sagt man dem wichtigsten Mann der Liga nicht unbedingt nach, dass er im Besitz einer Engelsgeduld ist.

Mit dieser Laune will sie den höchsten Champion der Liga auf keinen Fall warten lassen. Also tut sie, wie ihr geheißen, nimmt bei Robert Barker Platz, obwohl sie mit ihm und allen anderen Angehörigen der PCWA im Prinzip nichts mehr zu tun hat und in seinem speziellen Fall auch nichts zu tun haben will. Ihr merklich aufgesetztes Lächeln ignorierend, wendet sich der Mann ohne Grenzen dem für ihn abbestellten Garçon zu.

Robert Barker: „Du bringst der Frau jetzt ein Glas und danach verpisst du dich, bis die Flasche leer ist, verstanden? Und wenn du mich noch einmal fragst, ob ich was essen will, wirst du in Zukunft jemanden brauchen, der dir dein Essen vorkaut... verstehen wir uns?“

Der Kellner nickt eifrig und verschwindet, um Ashley ihr Glas zu besorgen.

Ashley Stanton: „Großartige Laune für jemanden, der seinen Titel bei einer Jubiläumsshow verteidigt hat, hm?“

Wie so oft war ihr das rausgerutscht, bevor sie sich aufhalten konnte. Vielleicht würde er sie ja aber für dieses kleine Versehen Kommentar einfach wieder wegschicken, statt ihr die Nase zu brechen. Oder vielleicht würde er bei dem Alkoholpegel, den seine Fahne suggeriert – bei der man eigentlich schon von einem ausgewachsenen Militär-Banner sprechen müsste –, gleich einfach stumpf umkippen. Sehr zum Missfallen der neuerlichen Freiberuflerin tritt jedoch keines dieser Szenarien ein. Stattdessen entsteigt Roberts Kehle nur ein leises Knurren. Gefolgt von Worten, die er nüchtern niemals an jemanden gerichtet hätte. Abgesehen von Ben vielleicht.

Robert Barker: „United as One war ein verdammtes Debakel. Wie könnte ich da gute Laune haben?“

Die junge Frau aus Kansas City, Missouri legt die Stirn in Falten. Dabei warf man normalerweise ihr immer Luxusprobleme vor. Am gleichen Abend verliert sie ihren Job und dieser Scheißkerl, der an der Weltspitze des Business steht, regt sich darüber auf, dass er gewonnen hat?! Was für ein selbstverliebtes Arschloch! So gerne würde sie ihm das ins Gesicht sagen. Dann wiederum ist es vielleicht nicht die klügste Idee jemandem sowas ins Gesicht zu sagen, der sich einst "Der Schlächter" nannte, also probiert die Brünette es lieber auf einem diplomatischeren Weg.

Ashley Stanton: „Ich... Ich hatte den Eindruck, dass es heute Abend ziemlich gut für dich lief... Díego besiegt und in den Ruhestand geschickt… und van Crane wird dich in Zukunft ebenfalls nicht mehr.. belästigen. Ihn kannst du doch auch nicht leiden…“

Er hämmert sich einen weiten Whiskey in den Rachen und schenkt Ashley ebenfalls einen ein, nachdem sie endlich ihr Glas bekommen hat. Wie kann jemand nur so kurzsichtig sein? Glaubt sie denn, dass er an der Spitze des Business gelandet ist, weil er sich mit solchen Nichtigkeiten zufrieden gegeben hat? "Ziemlich gut" ist zu wenig. Ist Nichts. Ist Versagen.

Robert Barker: „Ich wollte nicht, dass Stevie seine Karriere beendet… ich wollte, dass er dem Gerasy Titel nahe ist, ohne ihn jemals wieder haben zu können. DAS wollte ich. Nicht, dass er seinen großen Abtritt bekommt… und Sanchéz… Sanchéz… Ich hab seine Karriere beendet. Großartig. Dadurch hat er den größten Moment seiner Karriere bekommen seit… seit Jahren. Ich habe ihm einen gottverdammten Gefallen getan und vermutlich wollte er genau das… na ja… er hat’s bekommen, nciht wahr? Und ich? Ich habe meinen Titel behalten, so wie es jeder erwartet hat, aber ich konnte ihn nicht brechen… ich habe mir ein Ziel gesetzt und ich habe es nicht erreicht und das kotzt mich massiv an…ich… trinkst du jetzt endlich deinen scheiß Whiskey?“

Unsicher greift Ashley das Glas und betrachtet die braune Flüssigkeit darin. Nicht gerade ihr Go-To-Drink.

Robert Barker: „Is‘ ja nicht so, als hättest du irgendeinen Grund, um kostenloses Frustsaufen abzulehnen.“

Barker hat keine Ahnung, wie recht er mit dieser Feststellung hat. Und das, obwohl er gerade mal die halbe Wahrheit kennt. Aber es würde wohl nichts bringen, ihm auch noch die andere Hälfte zu offenbaren. Sie kennt diesen Schlag Mann zur Genüge, der im Grunde nur sich selbst reden hören will und lediglich jemanden braucht, der daneben sitzt und alles davon mit beeindruckter Miene abnickt. Sie war dumm genug, solche Männer in der Vergangenheit zu daten... wenn auch nicht in so EXTREMER AUSPRÄGUNG... Gottverdammt, warum muss sie ausgerechnet jetzt an Lunenkind denken?!

Ashley Stanton: „Cheers!“

...womit die Amerikanerin den Inhalt des Glases ihren Rachen hinunterspült und es mit einem angewiderten Zittern und zusammengekniffenen Augen wieder auf dem Tisch abstellt.

Einen Moment schweigen sie. Dann trifft Robert eine weitere schlechte Entscheidung an diesem Abend.

Robert Barker: „Wir trinken jetzt diese Flasche aus.“

Keine Frage. Er bestimmt es einfach. Ashley wagt nicht zu widersprechen und will es eigentlich auch gar nicht. Der Alkohol brennt, aber immerhin lenkt er dadurch effektiv ab. Von allem.

CUT

Robert Barker: „…und selbst wenn ich verloren hätte, habe ich ja immer noch mein Ass im Ärmel. Ich bin unantastbar, Ashley! Un-fuckin-touchable! Sollte ich einmal in der Klemme stecken... wird das Ass gezückt und alles wird seinen Weg zurück zu seinem Normalzustand finden. Das Problem… das einzige Problem ist doch nur, dass Lucifer jetzt auch Bescheid weiß… dieser aufdringliche alte Mann. Es ist also doch nur eine Frage der Zeit, bis er sein Wissen nutzen wird. Rauskommen wird es sowieso… wieso sollte es also nicht ich sein, der davon profitiert? Ich habe über ein Jahr meinen Mund gehalten…“

Der Champ ist sichtbar betrunken. Ashley geht es ähnlich. Zwar hat sie noch nicht so viel vernichtet, wie er, doch sie hat auch nicht seine Körpermasse. Trotzdem ist Sitzen mit Haltung nicht mehr drin. Ihren Kopf mit ihren Armen von der Tischplatte abstützend, schaut sie Barker fragend an.

Ashley Stanton: „Wovon zum Teufel redest du?“

Er fokussiert sie.

Robert Barker: „Das geht dich gar nichts an! Das is‘n Ding zwischen mir und Lucifer und Ben und seiner verdammten Schwester.“

Das mag ja sein, aber mit jeder ansteigenden Nachkommastelle ihres Promille-Wertes wird auch die Neugier in Ashley Stanton weiter befeuert. Dennoch hält sie sich zurück, irgendwie ist sie selbst in diesem Zustand noch mit mehr Anstand gesegnet, als ihr Gegenüber...

Ashley Stanton: „Wenn es so verdammt privat ist, dann solltest du vielleicht nicht so laut darüber reden. In der Lounge. Mitten im PCWA Gebäude. Vor PCWA-Mitarbeitern… und Fans.“

Sie hat jetzt schon das zweite Mal in seiner Gegenwart geflucht. Und überhaupt: Was fällt der Frau eigentlich ein? Zu gerne würde er ihr das Maul stopfen – auf die ein oder andere Art und Weise.

Robert Barker: „Trink weiter! Ich hab dich hergerufen, damit du mir mit der Flasche hilfst, nicht damit du mir Predigten hälst.“

CUT

Die beiden schauen sich an. Die Flasche ist leer. Die Flasche daneben ist mehr als zur Hälfte leer. Vier Bier sind ebenfalls gekommen und gegangen. Zigarettenstummel im Ascher. Barker hat keine Ahnung, wann er das letzte Mal geraucht hat. Stanton hat keine Ahnung, wann sie das letzte Mal so voll war. Hochprozentiger Whiskey ist ganz und gar nicht ihr Getränk. Gewaltige Kopfschmerzen würden kommen. Garantiert. Doch daran verschwenden sie beide keine Gedanken. Robert Barker hat geredet. Zu viel. Ashley Stanton hat die Hand am Glas, doch bewegt sich nicht.

Ashley Stanton: „Er's was?“

Endlose Flüche hämmern wütend auf seinen Schädel ein. Gottverdammt! Verdammter gottverdammter scheiß Alkohol. Warum zum Teufel hatte er nicht einfach allein getrunken? Warum musste er reden? Warum zum verfickten Teufel musste er über Ben reden? So dumm, so unfassbar dumm war er schon lange nicht mehr gewesen. Er muss... er muss den Schaden begrenzen. Ashley Stanton ist ein potenzielles Problem, das über diesen Status auf keinen Fall hinauskommen darf.

Robert Barker: „…Er is'… nich' dein... nich' dein Business.“

Sie sollte nicken und schweigen und flüchten, bevor er sich entscheidet, etwas gegen sie zu unternehmen. Würde die nüchterne Ashley jetzt denken. Doch die ist schon seit einer ganzen Weile nicht mehr anwesend.

Ashley Stanton: „Wenn das... an die Öffentlichkeit kommt... isser erledigt... Er wird zur... wande... waneln... wandelnen Zielscheibe...“

Der Champ schüttelt den Kopf, obwohl sie recht hat. In einem normalen Leben würde es höchstens eine kleine Unannehmlichkeit bedeuten, aber in der PCWA? In der PCWA ist es nur eine Frage der Zeit, bis Ben darunter leiden würde.

Robert Barker: „Aber das wird es nich'.“

Er hämmert sein Glas gewalttätig auf den Tisch und Ashley schrickt hoch.

Robert Barker: „Nich' wahr?“

Sie ist zu perplex, um zu antworten. Fehler. Barker erhebt sich. Legt mit seiner gewaltigen Gestalt einen Schatten über die Frau.

Robert Barker: „Du… wirst nix… sag'n! NICHTS! Zu... niemandem.“

Er schluckt hochgekommene Galle runter.

Robert Barker: „Ich bin nich' Lunenkind und ich bin nich' Happy Hour. Ich bin nich' Sanchéz und nicht van Crane und nicht Breads. Ich bin Robert fuggin‘ Barker! Also glaub' mir, wenn ich dir sag', dass ich dich und deine jämmerliche Karriere vernicht'n werd', wenn irgendjemand 'was davon erfährt, was ich dir gerade gesagt habe!“

Nun schluckt sie. Der Schlächter droht überzeugend. Sie zweifelt nicht eine Sekunde, dass er diese Drohung in die Tat umsetzen würde. Beide fühlen sich mit einem Mal deutlich nüchterner, als sie es in Wirklichkeit sind. Die Brünette sieht sich um. Außer ihnen befindet sich niemand mehr in Virchowas Lounge. Selbst Barkeeper und Kellner scheinen sich auf magische Weise in Luft aufgelöst zu haben. Wenn er ihr jetzt etwas antun wollen würde, könnte ihn wohl niemand daran hindern.

Robert Barker: „Schau mich an und sprich mir nach: Ich hab' nach der Geburtstagsshow ein paar Shots mit Robert Barker getrunk'n. Und dann bin ich nach Hause, weil er ... mir Angst gemacht hat. Er ist groß und gemein und gewalttätig. Aber er hat für die Getränke gezahlt. Ich bin nur froh es überlebt zu hab'n. – Und dann... lachst du nervös und wechselst das Thema.“

Ashley atmet schnell.

Ashley Stanton: „Ich… ich habe nach der Geburtstagsshow…“

Sie wiederholt alles was er gesagt hat und sie lacht. Nervös. Als müsse sie darüber nachdenken, wie genau man eigentlich lacht. Als könne man vergessen, wie man lacht.
Genauso würde sie leider das Gesagte nicht so schnell vergessen…



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