Scene

Id
2457  
Name
Für immer verloren - Night Fighter  
Summary
 
Position
7  
Scenetype
Video  
Created At
2015-09-16 20:33:56  
Edited At
2016-12-14 20:10:32  
Show
Behind the Blood  


"Mein Herz war geschaffen für Liebe und Mitleid und es litt schwer darunter, daß ich von einem grausamen Schicksal dazu verdammt ward, meinen Weg durch Blut und Tränen zu gehen."

- Mary Shelley, Frankenstein oder Der moderne Prometheus

Als sie in die Kirche gingen, schien noch die Sonne. Denn er hat in diesem Moment die Sonnenstrahlen in Erinnerung, die sich durch das farbige Glas wie ein Schleier um den kleinen, gedeckten Altar in der Mitte des Gotteshauses schmiegten. Der verlorene Sohn, der von seinem glücklichen Vater in die Arme geschlossen wird, im Hintergrund der mürrische Bruder, der die beiden argwöhnisch betrachtet. Dieses Gleichnis hatte wohl ein Künstler für ein passendes Motiv gehalten, um es ins Glas zu werkeln. Es waren die Augen des unbarmherzigen Bruders, in denen er sich wiederfand. Neidisch? Ungerechtigkeit witternd?

Unaufhörlich prasseln nun die Regentropfen hinab. Auf den knackenden Steinchen unter seinen Schuhen und dem langen und ewig langsam anmutenden Gang zum Friedhof, fühlt es sich gar so an wie Bestrafung. Der Himmel schlägt auf ihn ein. Mit seinem Zorn. Mit seinem Regen. Yai hat ihm zwar Schutz unter dem Regenschirm angeboten, aber er dachte, es sei besser, wenn Yai, ihr kleiner Sohn und Isabell trocken blieben. Seitdem gehen sie nur. Still. Schweigend. Dahin. Allein dieser Regen klingt. Prasselt und Prasselt. Straft und straft. Und irgendwie passte es ja… Gestraft. Im Regen gehend. Zu Unrecht.

Erst als sich ihre Hände berühren; als die zartere, weichere und kaum massakrierte Hand um die verbrauchten Kämpfergriffel des Hundes gleitet, kann dieser für einen Funken Hoffnung lang aus dem Bild entfliehen, in welchem er gefangen ist. Während Wasser von seiner blanken Stirn Tropfen um Tropfen hinab läuft, wendet er seinen Blick zum Nebenmann, der die Hand zum Gruße drückt.

Ein anthrazitfarbener Parker windet sich um die drahtige Gestalt, die ihre zweite Hand tief in einer Jackentasche vergraben trägt. Die Kapuze fällt der Person tief in die Augen, taucht das Gesicht in einen düsteren Schatten. Winzige Regentropfen liegen regungslos wie zerborstene Scherben auf dem festen Stoff der Kapuze, reflektieren gebrochen das wenige Licht, das ein Tag wie dieser zu bieten hat. Mad Dog sucht nach etwas Vertrautem, etwas Bekanntem, kann er die Person doch nicht sofort zuordnen. Doch das Gefühl, dieses Kribbeln, welches er auf der Haut spürte, hätte ihm Aufschluss geben müssen. Dort ist jemand, mit dem ihn mehr verbindet als bloße Vergangenheit. Als einfach Zeit. Mehr als Wahrheit. Mehr als Lüge.

Mad Dog: „Jeffrey…“

Kurzes, verstehendes Nicken. Um zu zeigen, dass es keiner Worte bedarf. Um zu zeigen, dass all das Blutvergießen auch ein Gutes hatte – blindes Verständnis. Kurz bewegt er die Lippen, doch kein Ton ist zu hören. Er senkt den Blick noch ein Stück weiter, eine bordeauxrote Strähne fällt aus der Kapuze, klatscht ihm haltlos gegen die Wange, ehe er den Kopf in den Nacken wirft und dem Kämpfer der Nacht in die Augen sieht. Mit einer fließenden, ungeahnt galanten Bewegung führt er die zweite Hand aus der Jackentasche und zieht Mad Dog an seine Brust, klopft ihm sanft auf den Rücken.

Arrow: „Es gibt keine Worte für so etwas, nichts, was dieser Situation in hundert Jahren angemessen wäre. Du weißt, dass das von Herzen kommt, auch wenn es rein gar nicht ändert: Es tut mir leid, Bruder.“

Mad Dog: „Was?!“

Es ist eine nasse Strähne, die er sich aus dem Gesicht wischen muss, um Arrow erneut klar zu sehen. Die Frage fliegt durch den Regen als könnte sie das Wetter befeuern, das Wasser noch steiler und heftiger hinab treiben. Doch es ist keine Magie, die aus dem Mund des Fighters bellt – es ist die Wut und Verzweiflung. Die Enttäuschung und Trauer.
Resignation?!

Mad Dog: „Was tut dir leid? Dass du mich allein gelassen hast?“

Arrow schlägt die Kapuze zurück, zu einem Dutt gebundenes Haar wird sichtbar. Er hebt entschuldigend die Hände, tritt einen Schritt zurück. Seine Lippen pressen sich aufeinander, während seine Augen den vermeidlich Trauernden fixieren, ausdruckslos, die Augen eines Mannes, die mehr gesehen haben, als ein einzelnes Herz verstehen könnte. Kurzes, überfordertes Seufzen der Lüge.

Arrow: „Alles. Einfach... alles.“

Traurig und bitter schmeckt die Wahrheit auf der Lügenzunge.

Isabell: „Onkel Jeffrey!“

Freudig traurig umschließt die kleine Tochter des verrückten Hundes, die vor ein paar Tagen ihre Mutter für immer verloren hat, die Beine Arrows, ohne dass dieser sich verwehren kann. Kurz plustern sich die Wangen der Lüge auf, ehe er von der Situation übermannt auspustet. Beinahe flehentlich entschuldigend sieht er dem Kämpfer der Nacht in die Augen, versucht Permission dafür zu bekommen, die kindliche Umarmung zu erwidern. Legt vorsichtig einen Arm um Isabell. Spürt diese innere Zerrissenheit, diesen tiefsten aller unausgesprochenen Wünsche: Selber Vater eines solchen Kindes zu sein. 

Der Kopf des Hundes fliegt mürrisch hinfort. Mit dem Blick zurück auf den Weg. Zurück zum Ziel. Zurück zum Grab.
Seine Füße gehen weiter, schließen auf zu Sandys Eltern, während Yai stehen bleibt, um den Freund der Familie zu begrüßen. Eine Umarmung ereignet sich im Hintergrund des Night Fighters.

-----

Priester: „Und nun beten wir für denjenigen oder diejenige, die als nächstes aus unserer Mitte herauf berufen wird.“

Alle verstummen für den Moment. Es nieselt nur noch. Und damit ist dies das einzige, was in diesem Moment zu hören ist. Der Nächste oder die Nächste! Nach all der Lobhudelei auf die Tote vielleicht der Moment, wo das erste Mal jeder Anwesende betroffen ist. MD legt den Kopf schief, sodass der Nackenwirbel knackt.
Unsere Mitte? Welche verdammte Mitte?

„Reicht es nicht, dass sie bald unter der Erde ist?“

Der Konstante blickt auf die Uhr. Dann seitlich nach hinten.

Mad Dog: „Gleich gibt’s Bier, James.“

Der Engländer wischt sich mit dem rechten Finger entlang des Augenlides, doch MD vernimmt nicht, ob es bei James ebenfalls der Regen ist oder nicht doch eine Träne. Letzteres ist tatsächlich der Fall. Nach seinem Absturz damals, war Sandy die einzige, die immer für ihn da gewesen war. Ihr war es immer egal gewesen, was zwischen Mad Dog und ihm vorgefallen war. Sie hatte gesagt, dass es nichts ändert und sie hatte damit Recht gehabt. Godd schließt die Augen und lehnt sich noch einmal nach vorne, um dem Hund ein weiteres Mal ins Ohr zu flüstern.

James Godd: „Wie kannst du so kalt sein? Sie war deine Freundin, deine Angebetete. Und jetzt ist sie weg. Verloren – für immer. Ich fass das nicht…“

Als die Stimme von Britains Finest einbricht, zeigt sich ein Zucken im Gesichtsmuskel des Konstanten als erste Antwort. James, für den die Freundschaft zu Sandy eine große Stütze bei seinem Entzug war, schüttelt nur noch den Kopf. Ein paar Tropfen Wasser wirbeln dabei durch die Luft und treffen die nasse Töle. Diese fokussiert stoisch das leere Grab und den Sarg, um welchen die Trauergemeinde im Halbkreis versammelt steht.

Mad Dog: „Jeder trauert anders.“

Godd lehnt sich ein letztes Mal vor, schaut auf die durchnässte Gesichtshaut seines ehemaligen Tag-Team Partners und versucht dessen Augenreaktion einzufangen. ‚Wie trauerst du denn?‘, liegt ihm auf den Lippen. Aber er wirft es fort.
Alle werden irgendwann sterben. Und vielleicht sterben manche schon, während sie noch leben.

James Godd: „Entschuldige.“

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Priester: „Von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du werden. Unser Herr Jesus Christus möge dich auferwecken am Jüngsten Tag.“

Erde knallt auf den Sargdeckel. Das lange Kreuz wird hinein gestellt. Die Leute beten, bitten und machen Zeichen.
Blumen fliegen auf den Sarg. Alles fliegt vorbei.
Er steht zu kurz davor und lässt die Blüten einfach fallen. Yai drückt seine Hand für den Moment, aber auch das vergeht. Er schüttelt unbekannte Hände. Es regnet noch immer.
Später wird er sich an fünf Dinge erinnern... Das Kirchenfenster, das verdammte Wasser, Jeffreys behandschuhte Hand, Godds Trauer und das, was jetzt folgt.

Dass sich neben die roten Rosen schwarze mischen und in das Grab fallen, vernimmt er aus dem Augenwinkel.
Vorboten.
Dann dieses Lachen.
Gewissheit.
Stillstand.

Mad Dog schließt die Augen, die Zähne prallen aufeinander. Zu Erde sollst du werden. Zerstört sollst du werden. Zerstören sollst du. Zerstöre!

„Mein herzliches Beileid.“

Die süße, weibliche Schlangenstimme zischt durch seinen Gehörgang. So logisch und durchschaubar, dass er seine Königin vorschickt und um Beschwichtigung feilschen lässt. Die Lider des Kämpfers der Nacht gehen mutig empor und trachten nach den dunklen, schwarzen Kugelaugen auf weißem Grund vor ihm. Er kennt ihren Blick. Und mehr.

Mad Dog: „Es war schon immer dein Problem, dass du in deinem inneren Kern etwas Gutes verbirgst, was ich trotz all deiner Manipulation sehen kann.“

Nicht, dass er ihr seine verbrauchte Hand gereicht hätte, packt sie einfach zu, um sie zu schütteln. Pro Forma. Oder aus Aufrichtigkeit.
Küsschen rechts. Küsschen links. Es durchzuckt ihn, als sich ihre Wangen berühren.

Sie schmecken nach Tod und Erdbeeren. Kalt und warm zugleich. Zerfall und Blütenduft.

Stopp. Ganz nah an seinem Ohr. Ihre dunkelroten fülligen Lippen touchieren sein Ohrläppchen als sie sich, unterbrochen von einem schmalen Ausatmen, in Zeitlupe öffnen. Es säuselt zuerst. Doch dann ist alles frei. So als giere sein Gehörgang nach neuer Nahrung, die er ihm in ständiger Wiederholung in die Gedanken sprechen kann.

Bleed: „Oder genau das.. ist dein Problem, Honey..“

Als sie sich abwendet ist da nur noch die hässliche Fratze vor ihm. Des Regenwetters Kühle findet ihre Entsprechung auf den sich nach oben hebenden Mundwinkeln und dem Blecken der weiß strahlenden Zahnreihen. Da ist keine Anteilnahme, keine Schulter, die selbst unter den widrigsten aller widrigen Umstände bereit wäre, die Schwere der Trauer mitzustemmen. Nur Spott für seine Trauer. Oder für seine Versteinerung. Seine Verbitterung. Seinen Zorn.
Die sprießenden Lachfalten von Kriss Dalm1 machen deutlich, wie amüsant dieser Moment für Kriss Dalm1 sein muss. Zumindest nimmt Mad Dog das in der Gesichtskirmes des Serben wahr – und verdenken kann man es ihm nicht, Dalm1 in Zusammenhang mit einer gefühllosen, ekelhaften sowie schamlosen psychologischen Kriegsführung zu sehen. Schließlich ist der Hund nicht der Einzige, der diesen Gedanken hegt.

Nicht wuchtig und dennoch bestimmt trifft ein Stoß den Cryption Crown Holder. Es ist kein Schlag und trotzdessen setzt der Kontakt einen Treffer, der geradeso an den sozialen Grenzen für eine körperliche Auseinandersetzung auf einer Beerdigung kratzt. Vielmehr als die Faust des Engländers stechen allerdings dessen wütend rot glänzenden Augen hervor, die Kriss Dalm1 mit Zornestränen in das hinter ihm befindliche Grab wünschen. Mit flüsternder Unumstößlichkeit pressen sich die Worte dem Serben entgegen.

James Godd: „Wie kannst du es wagen!!?? Abschaum! Bastard! PISS OFF!“

Dalm1 gerät nur kurz aus dem Tritt, sucht und findet den Blickkontakt mit Bleed, ehe er James Godd verachtende Beachtung schenkt. 

Dalm1: „Schämen solltest du dich, James! Solch ordinäre Worte an einem solchen Ort zu einem solchen Anlass. Und die Toten können alles mithören...“

Plötzlich knallt es. 
Mad Dog mochte es immer, wenn ihre Finger auf seinen Handflächen tanzten und langsam über seine Finger oder den Handrücken streichelten. Nun flogen sie jedoch mit geballter Kraft gegen die Wange der Kellerbraut, die eben noch den Night Fighter durchzucken ließ. Yai ist die Erste, die ihrem Ärger Luft macht und Bleed eine schallende Ohrfeige verpasst.
Daneben steht MD. Geschockt. 
Reflexartig greift er die Hand seiner Frau, die womöglich noch einmal zuschlagen wollte. Umso überraschter schaut sie auf ihren Ehemann, als sie von ihm daran gehindert wird.

Yai: „Lass mich!“

Das Apocalypse Girl hat die rechte Hand gehoben. An ihren Fingern blitzen die Stahlringe auf, als würden sie sich aufladen um mit einem Stromstoß Widerstand zu leisten.
Ihre Stimme ist nur ein Hauch.

Bleed: „Lass sie.“ 

Es klingt nach Kapitulation. Doch dahinter lauert die Nichtigkeit eines Moments, der bald nur als Sandkorn im Meer der Augenblicke versinken wird.
Ihre schwarzen Augen ziehen sich zusammen. Ihre Lippen öffnen sich leicht und ihr Gesicht bekommt einen Ausdruck, der Menschen dazu verleiten kann, ihr in diesem Moment ALLES zu vergeben.

Längst hat sich der Fokus der Trauergemeinde vom Grab und der Toten abgewandt und mit halb sensationsgierigem, halb abstoßend fasziniertem Lechzen zum Wrestling Mob gedreht. Nach den Befehlstönen der Damen herrscht eine Stille, wie sie der Priester gerne bei der Anbetung Gottes gehabt hätte. Keiner will etwas Falsches tun. Keiner etwas Falsches sagen.
Alle warten.
Aufs Gefecht. Auf Blut, Prügel und Gewalt. 

Zwei Fraktionen stehen sich gegenüber, getrennt nur von einem unsichtbaren Graben, Zähne werden gebleckt, Finger geknackt, blinde Wut lässt Extremitäten obskur zittern.
Und über allem liegt der Mantel dieser Stille.
Totenstille.

Ein kurzes Schnippen.
Kein Feuer ohne den einen, entscheidenden Funken.
Eine Zigarette in tätowierten Fingern.
Aufmerksamkeitsheischendes Räuspern.
Zu viele Wahrheiten.
Zu wenige Lügen.
Für einen solchen Anlass.

Beinahe

majestätisch

durchschreitet er die Reihen der tapferen Kämpfer.

Das hier ist jetzt seine Bühne. Die Bühne der Lüge. Die Kippe im Mundwinkel verharrt er kurz vor Bleed, mustert sie von Kopf bis Fuß. Zieht weiter. Mustert Godd. Rümpft kurz die Nase. Beides lediglich Bauern in einem Spiel, in dem er jetzt den König bewegen muss, um den Tag zu retten. Er streicht Yai zärtlich über die Wange, spürt tausendundeine Erinnerung, zieht ein weiteres Mal an der Zigarette, hält dem Blickkontakt Mad Dogs stand und endet schließlich bei Dalm1. Erst jetzt wird ihm gewahr, dass Dalm1 ihn an Ed, die Hyäne aus König der Löwen erinnert. Doch er unterdrückt den Gedanken, nicht jetzt, nicht hier. Tippt mit dem Zeigefinger gegen seine Kippe, wie winzige Kometen stieben kleine Glutfetzen durch die Luft. Verglühen. Sterben, bevor sie den Boden berührt haben.

Beißende Heiserkeit liegt in der Stimme der Lüge.

Arrow: „Hallo Kriss. Es ist eine Weile her, nicht wahr?“

Langsam dreht der Serbe sein Augenpaar zur Lüge. Verlässt James Godd, der ebenso zu Jeffrey Ron Arrow schaut, wonach sein neugieriger Blick allerdings zum Night Fighter wandert. MD hat inzwischen Yais Hand losgelassen, doch Arrows Worte unterbrechen Godd dabei herauszufinden, wie Yai nun reagiert. Die Lüge hat sich geräuspert, doch seine Worte klingen noch immer kratzig, zugleich jedoch fest und bestimmt.

Arrow: „Erinnerst du dich daran, als ich dich in meine Welt eingeführt habe? Als ich dir gezeigt habe, womit ich damals gespielt habe? Erinnerst du dich daran...“

Ein endloser Zug an der Zigarette, das Glimmen wird heller und heller, dann verschwindet das Gesicht der Lüge hinter einer wallenden, weißen Wand aus Rauch.

Arrow: „..., als wir kurz davor waren, aus zweien Drei zu machen? Als wir kurz davor standen, wir drei, Dalm1, Mad Dog und Arrow, uns gemeinsam gegen diese Welt zu stellen, die nicht unsere war, niemals sein wird? Ist es das, weswegen du dir bei Vendetta meine Maske aufgesetzt hast, nach all den Monaten? Wolltest du Mad Dog zeigen, welche Möglichkeiten all das geboten hätte? Wolltest du ihn aufwecken, ihm zeigen, welche Erkenntnis dich getroffen hat, als du in deinem dunklen Kellerloch mit dieser Schlampe neben dir gesessen hast und dir bewusst wurde, dass deine Entscheidungen vielleicht nicht immer die besten waren? Oder ging es wieder nur darum, Geschichte zu wiederholen? Wolltest du Mad Dog an das erinnern, was schon einmal war, lange vor deiner Zeit, als er noch danach strebte, das Vorbild für alle zu sein, was er letztlich niemals werden konnte, weil er übermenschengroß sein wollte?“

Durch den Regen hindurch leuchten die Augen der drei Männer herüber zur unbekannten Konstante. Yai steht vor ihm und er kann sich sicher sein, dass es bei ihr nicht der Regen ist, der ihre Augen nass unterlegt. 

Mad Dog: „Das ist hier eine Beerdigung!“ 

Schönheit kann hässlich werden. Es reicht eine einfache Ablehnung. 
Sie schüttelt den Kopf. Voll Unverständnis, ob der dargebrachten Begründung.

Yai „Das ist mir scheißegal! Ich kämpf nicht für mich. Ich kämpf für dich, Dummkopf!“

Ehe er sich versieht, greift sie die Hand des Kleinen.

Yai: „Komm. Komm!“ 

Hebt ihn hoch auf den Arm und geht. Er will sie aufhalten, will sie noch einmal am Arm festhalten. Aber er ist zu langsam. Zu träge. Zu verwundert. Zu überrascht.
Sie geht.

Fort.   

Bleed: „Irgendwann werden alle weg sein.“

Selbst die nahenden Schritte der Schlange vernimmt er in seinem Schock nicht. Er steht nur dort. Sein Blick ist klar, nicht verklärt. Seine Augen schauen ihr nach und trauern nicht.
Wieso nicht? Es ist Zorn, der sich breit macht, ob Bleeds gesprochener Worte. Deshalb dreht er sich mit wütendem Gesichtsausdruck zu ihr, als jedoch Sandys Eltern mit Isabell an der Hand nahen.

Vater: „Das ist mal wieder typisch! Ich hab' nie verstanden, was sie an dir gefunden hat... Aber eins sage ich dir! Isabell wirst du mit deinem Unvermögen nicht auch noch in den Tod treiben.“ 

Was ist das für ein Geschwafel von einem barmherzigen Vater? Gibt es so etwas?
Plötzlich wird es eng. In seiner Brust macht sich ein Gefühl breit. 'Endlich', möchte er meinen, aber es ist so beengend. Es kratzt an seiner Seele. Es schnürt ihm die Luft ab. Die Stimme. Er sucht nur noch. Sucht im Regen nach Isabell. Ist das Angst?
Mad Dog sucht Isabell mit seinen Augen und findet sie tatsächlich. An der Hand der Oma. Ein Hoffnungsschimmer?!
Gespielt lasziv offensiv nähert sich Bleed dem Großvater, der eine Reaktion von seinem fast Schwiegersohn in spe erwartet. Es sind jedoch seine Augen, auf denen die Aufmerksamkeit liegt, als Bleed ihre rechten, abgespreizten Zeige- und Mittelfinger in bedrohlicher V-Form vor ihnen schweben lässt.

Bleed: „Dahinter lauern sie.. die wirren Gedanken eines alten Stück Menschenfleisches.. Die verpassten Gelegenheiten, die verstandraubenden Stimmen aus 'hätte ich doch damals' und 'könnte ich noch einmal'.. Diese Müdigkeit, aus Wehmut und fauligen Gelüsten geboren.. ich könnte sie auslöschen, mit einem letzten Lächeln zum Abschied. Und zwei blutig lackierten langen Fingernägeln. Alles nehmen und sie von all diesen wirren Gedanken befreien.. Der Hund ist nicht so unvermögend wie sie meinen.“

In geschockter Erregung schwillt die Brust des Opas an. Sein Mund stockt offen. Er schaut auf die spitzen Fingernägel vor seinen Augäpfeln und stöhnt nach Worten. 
Hängt zwischen Unglaube und Traum für einen Moment fest. Bis der Zeigefinger empor schießt.

Vater: „Das ist ja wohl das Letzte! Sie bedrohen mich? Unerhört. Eine Frechheit ist das. Jawohl! Eine Frechheit. Sie... sie... SIE! Sie hören von mir! Und dann können sie sich warm anziehen. Haben sie das verstanden? Komm Margret – mit so einem Pack wollen wir nichts zu tun haben!“

An der Hand geht Isabell mit. Schaut zu ihrem Vater, dessen Hand kümmerlich hervorlugt. Aber das reicht ihr.

Isabell: „PAPA! PAPA!“

Doch die Eltern von Sandy geben ihr nicht die Möglichkeit davon zu laufen. Und auch Mad Dog erwischen einige Stöße der Trauergemeinde, die nun geschlossen abmarschiert. Obwohl sie nicht gesehen haben, wonach sie insgeheim lechzten, haben sie genug gesehen. Immer wieder wird der Hund angerempelt, so als trage er die Schuld. So als sei er das Mastkalb, was vom Vater geschlachtet wird, als der Sohn nach Hause kommt.
Schnell fliegt die Autotür zu. Der Fighter setzt sich noch in Bewegung, doch da braust der Wagen schon davon. Und mit ihm Isabell.
Der Kopf des Hundes sinkt.

Dalm1: „Da steht er nun, unser großes 'Vorbild' von damals, Jeffy! Nur noch eine gebrochene Hülle, aus der alles Leben entwichen ist. Es ist wie du gesagt hast: Er ist dazu verdammt, zu büßen, ewiglich zu büßen. Aber er büßt nicht dafür, weil er als unser aller Vorbild versagt hat, er büßt dafür, weil er niemals eines war. Am Ende steht immer die Wahrheit und selbst die größte Lüge kann sie nicht verbergen, egal wie lang er vor ihr davonlaufen will. Du kannst dir aber sicher sein, dass ich dafür Sorge tragen werde, dass er jeden seiner fliehenden Schritte am Sonntag schmerzlich zu spüren bekommt. So lang, bis von seinen blutigen Fußsohlen nur noch Fleischfetzen auf blankgelegten Knochen übrig sind, so lang, bis seine Maske endgültig fällt, so wie auch die deinen gefallen sind.“

James Godd schüttelt unterdes den Kopf und wendet sich ab. Langsam schleicht er zu Mad Dog, um einen Arm um dessen Schulter zu legen. Er kann zwar nicht nachvollziehen, was im Moment im Kopf des Hundes vorgehen muss, aber er versucht für ihn da zu sein.
Zumindest bei ihm zu sein. Neben ihm zu stehen. Ihm ein Freund zu sein. 

Mad Dog: „Lass mich!“

So als habe er sich in die Hand geschnitten, zieht James den Arm wieder von MD weg. Es hatte sich schon einmal so angefühlt... 

Mad Dog: „Hättest ihr sagen sollen, dass du sie liebst...“

Als trauernde Wut in ihm aufsteigt, weiß Godd wieder Bescheid. Das Gefühl, als der Schlächter die beiden Tag-Team Partner in einem Stacheldrahtkonstrukt gefangen hielt. Nur einer durfte sich befreien. Der andere war dem Schlächter ausgeliefert. Mad Dog hinterging ihn. James ging durch die Hölle.
Es war der Tag, an dem sich die Mad Godds endgültig trennten.

James Godd: „Weißt du was? ...Fick dich!“

Mad Dog: „...aber... Aber das Bier.“

Die beiden im Backstage oder in der Lounge. MD dachte oft an das gemeinsame vertraute Sitzen zurück. Bei einem Bier. Schwätzen. Lachen. 
James hatte scheinbar anderes im Sinn.

James Godd: „Ich scheiß auf das Bier.“

So als könnte ein Blick zum Himmel helfen, schickt MD einen fragenden Ausdruck nach oben, als auch noch James Godd von der Bildfläche verschwindet. Tatsächlich hat es aufgehört zu regnen. Aber schon seit ein paar Minuten... es ist ihm nur nicht aufgefallen. In diesem ganzen menschlichen Dreck.

Dalm1 und Bleed stellen sich vor ihn. Die Lüge neben ihn. 

Mad Dog: „Da habt ihr das, was ihr wolltet. Du hast gewonnen, Dalm1.“

Ein letztes Mal an diesem Tag wird seine Hand gesucht und gefunden. Bleed nimmt sie sich ein weiteres Mal, um sie tröstend zu streicheln. 
Der Serbe betrachtet die Szenerie argwöhnisch, lächelt dann jedoch. So wie bei dem Mal, als sie sich heute das erste Mal sahen. 
Eins ist anders. Dalm1 schüttelt den Kopf.

Dalm1: „Noch nicht, Mad Dog. Noch bist du nicht tot. Deine Augen strahlen, wenn sie dich berührt... Dieser Glanz... Alles in mir sehnt sich danach, ihn ein für alle Mal zu ersticken. Erst dann ist meine Arbeit getan.“

Der Belgrader wendet sich ab. Hin zu dem offenen Loch im Boden, zu dem einladenden Schlund für eine todkranke Töle.

Dalm1: „Nutze die dir verbleibende Zeit, bevor ich dir deine Köterseele endgültig aus dem Leib reiße. Wir sehen uns am Sonntag!“

MD zieht seine Hand aus ihren umgarnenden Kuppen. Fletscht die Zähne. Hoffnung? Sinn? Flucht nach vorn? 
Die Gegenwart ist dunkel. Die Zukunft hell.
Er ballt die Kämpferfaust, als sich das Kellergespann abwendet. Einen Wink zum Gruße dort lässt. Und ein Lachen. 
Neben ihm steht Arrow. Er mustert den Night Fighter. Holt eine zerbeulte Packung Marlboro aus der Jackentasche, flippt den Deckel mit dem Daumen auf und lässt eine weitere Zigarette in die hohle Hand gleiten. Tiefe Gruben der Aufmerksamkeit legen sich zwischen seine Augen.

Arrow: „Wie soll es jetzt weitergehen?“

Mad Dog: „Man nennt mich nicht umsonst den Kämpfer der Nacht, huh?“

MD starrt den Gestalten mit immer noch versteinerter Mine nach. Es ist nichts als Leere in ihm. Und obwohl ihm das widerspricht, ertönt aus der Antwort seine selbsterkannte Gewissheit.

Mad Dog: „Dalm1 will den letzten Glanz töten. Soll er! Ich bin stets aus der Dunkelheit gekommen. Dort habe ich meine Kraft gefunden. Egal wie dunkel es auch war... Egal wie dunkel es jetzt ist. Ich kam zurück. Ich komme zurück... Ich bin die Nacht gewohnt. Doch nichts hat mich je auf ewig in der Dunkelheit belassen. Also wird auch er daran scheitern... Geh du zu Yai! Die Sonnenstrahlen werden schon wieder kommen... leider Gottes.“

Denn auch als sie in die Kirche gingen, strahlten sie noch.
Durch das Gesicht des barmherzigen Vaters.

 

Elroy: "Weißt du woran mich diese Szene erinnert. An die Adams Family."

Luke Tyler: "Die Serie habe ich früher gerne gesehen."

Elroy: "Mad Dog hat gerade das eiskalte Händchen von Bleed zu spüren bekommen. Die Frau bereitet mir immer eine Gänsehaut."

Luke Tyler: "Das geht mir bei Dalm1 immer so. Was wird das am Sonntag nur für ein gnadenloses Duell zwischen Mad Dog und ihm. Nicht mal vor einer Beerdigung schreckt der Serbe zurück."

Elroy: "Ebenso wie Jeffrey Ron Arrow. Den haben wir lange nicht mehr in der PCWA gesehen."

Luke Tyler: "Auch Yai war anwesend. Nicht zu vergessen James Godd. Die Mad Godds hatten aber auch schon bessere Zeiten. In Bezug auf die Cotatores Trophy wäre eine Reunion sicherlich für beide eine Chance auf die Erfolgsspur zurückzukehren, die sie bereits vor einiger Zeit verlassen haben."

Elroy: "Ach was. Godd und die Töle habe ich beide schon im Ring gehabt. Die sind einfach über ihren Zenit. Von daher war die Beerdigung schon ein passendes Setting. Dalm1 hat ja auch bereits angekündigt, dass es erst vorbei ist, wenn Mad Dog eiskalte Pfötchen hat."

Luke Tyler: "Wir werden es am Sonntag sehen, wenn Mad Dog auf Kriss Dalmi trifft, um sich die Cryption Crown zu holen. Die hatte er bisher noch nie halten können."

Elroy: "Und das wird auch so bleiben, sonst hätte er die Triple Crown und einen Quest 4 the Best Sieg zu verzeichnen, dann wäre er ja besser als ich in den Statistiken."

Luke Tyler: "Ist er das nicht jetzt auch schon? Immerhin hast du den Quest nie gewonnen."

Elroy: "Pah. Dafür bin ich ein Brawlin' Rumble Sieger!"

Luke Tyler: "Wir werden es im sicherlich hart zur Sache gehenden Fight zwischen Dalm1 und Mad Dog erleben, ob der verrückte Hund sich in die Riege der Triple Crown Gewinner einreihen wird. Zu gönnen wäre es ihm... und zu gönnen wäre Robert Breads auch endlich sein erster richtig großer Erfolg in der PCWA..." 

 



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